Ratgeber- Interview:

Wie beeinflusst die Inflation meine Rendite?

„Mit dem kontinuierlichen Prozess der Inflation kann der Staat heimlich und unbeachtet einen großen Teil des Reichtums seiner Bürger konfiszieren. Mit dieser Methode können die Regierungen nicht nur konfiszieren, sondern willkürlich konfiszieren (. . .) Der Prozess stellt alle verborgenen Kräfte der ökonomischen Gesetze in den Dienst der Zerstörung, und er macht es auf eine Art und Weise, die nicht einer aus einer Million Menschen zu erkennen vermag.“ 

John M. Keynes


Umfragen, die die finanzielle Bildung der Deutschen untersuchen, zeigen immer wieder: 10 % wissen, was Inflation bedeutet, die anderen sind sich unsicher. Herr Ogger, können Sie daher einmal kurz definieren, was Sie unter Inflation verstehen.


Das ist die Rate der Preissteigerung bzw. Geldentwertung für ein und dasselbe Produkt über einen bestimmten Zeitraum, meistens 1 Jahr.
Sie drückt also aus, wie viel ich mehr bezahlen muss als im Vorjahr, ohne dafür mehr zu bekommen.
Das Produkt hat seinen Wert nicht verändert, aber der Wert meines Geldes ist weniger geworden, weshalb ich mehr zahlen muss.

Wir haben von behördlicher Seite eine klare Auskunft, wie hoch die Inflation ist. Orientieren Sie sich daran?

Da gibt es zwei dicke Probleme: Zuerst einmal gibt es keine einheitliche Inflationsrate für den einzelnen Verbraucher.
Je nachdem, welche Konsumschwerpunkte jemand hat, hat er eine ganz individuelle Inflationsrate. Das statistische Bundesamt als offizieller Herausgeber spricht ja vom Warenkorb, auf den die Rate bezogen wird. Da macht es einen großen Unterschied, ob ich als Pendler jeden Tag 30 l Sprit kaufen muss oder eine Jahreskarte der Bahn, ob ich bio einkaufe bzw. überhaupt das meiste Geld für Essen und Trinken ausgebe oder ob ich nur Tiefkühlpizza esse; oder ob ich als Computerfreak jedes Jahr einen neuen Rechner und mind. ein neues Smartphone anschaffe oder mit einem PC als bessere Schreibmaschine auch 5 Jahre über die Runden komme.

Wer sich sogar nur 3 Mal mehr Butter aufs Brot schmiert als ein anderer, hat eine andere Inflationsrate, hat doch Butter eine Preissteigerung von weit mehr als 60% hinter sich und ist in enorm vielen Lebensmitteln enthalten, deren Preise nun auch angezogen sind – das ist ein enormer Preistreiber.

Und das andere Problem?

Das Hauptproblem ist: Die Inflationsrate ist eine Gleichung aus der in der Gesellschaft zirkulierenden Geldmenge und der Gesamtmenge an Waren, die es in einer Gesellschaft gibt. Kennzahlen zur Gesamtheit aller Waren gibt es bei uns, aber die Geldmenge wird uns nicht mehr mitgeteilt.
Wir sind also auf das Statistische Bundesamt angewiesen und darauf, wie die dortigen Beamten den Warenkorb zusammenstellen und die einzelnen Güter darin bewerten. Das ist schwer nachprüfbar und wird damit dankbares Ziel von Spekulationen bis hin zu Verschwörungstheorien.

Und wie ist nun die Situation Ihrer Meinung nach?

Die niedrigen Zinsen, die damit einhergehende hohe Verschuldungsrate der öffentlichen und privaten Haushalte, die Anleihenankäufe für hunderte Milliarden Euro - das alles bläht die Geldmenge natürlich enorm auf. Auch wenn diese Geldmengen nur schrittchenweise in der Realwirtschaft ankommen, verschwinden sie nicht von selbst. Viel Geld davon ist ja in den Aktienmärkten gelandet, ebenso in den Rohstoffhandel, ja sogar die Preise für Kunstgegenstände haben sich durch das wild erschaffene Geld aufgebläht.
Würden diese vielen Milliarden auf ein Mal von der Leine gelassen, dann würden wir nicht mehr von Inflation sprechen – das Geld und unser Euro wäre einfach auf einen Schlag nichts mehr wert im Vergleich zu anderen Währungen.  Da macht man dann doch lieber eine Währungsreform. Dass die Inflation so schleichend, so wenig spürbar ist, liegt ja vor allem an geschickten Rechenspielchen, die diese bittere Pille der Geldentwertung in eine Schlaftablette verwandeln.

Rechenspielchen, die die Inflationsrate niedriger aussehen lassen?

Ja, da gibt es mehrere. Am wirksamsten ist die sogenannte hedonische Glättung oder hedonische Bewertung.
Dabei setzt sich ein Beamter vom Statistischem Bundesamt hin und sucht sich ziemlich willkürlich verschiedene Produktklassen heraus. Wenn ein Produkt nun fürs gleiche Geld das Doppelte leistet oder sonstwie eine Qualitätsverbesserung erfahren hat im Vergleich zum Vorjahr, tut er so, als wären die Produkte günstiger geworden: Schließlich zahlen wir zwar gleich viel wie vor einem Jahr, aber dafür bekommen wir ja mehr Ware; im Umkehrschluss haben wir also günstiger eingekauft.

Der Klassiker im Sinne dieser Glättungen ist der Computer mit Kaufpreis 1000 Euro: Wenn sich seine Leistung und Speicherkapazität verdoppelt hat, kommt er nun nur für 700 Euro in die Statistik. Ich als Käufer muss aber in jedem Fall 1000 € bezahlen und spüre vielleicht noch nicht einmal etwas von der Verbesserung, da die Leistung von komplexeren Betriebssystemen und Software aufgefressen wird.

Das sind Maßnahmen, die die Inflationsrate massiv senken auf sehr umstrittene Weise, aber alle Staaten machen das! Am abenteuerlichsten ist da vielleicht Amerika unterwegs – weil dort aber auch am meisten Geld auf den Markt geworfen wird, haben sie es auch am meisten nötig zu glätten.
Diese Methode ist ein mächtiges Werkzeug, und sie wird ausschließlich so eingesetzt, dass niedrigere Inflationszahlen bei mehr Wirtschaftswachstum suggeriert werden.

Sie meinen,  würde man diese hedonische Glättung also durchgehend anwenden, würde sie nicht nur Qualitätsverbesserungen berücksichtigen, sondern auch Verschlechterungen?

Das wäre mathematisch zumindest korrekt und fair gegenüber den Verbrauchern, wobei Verbesserungen selbst schon subjektiv sind - denn was bringt mir die schon erwähnte doppelte Rechenleistung meines Computers, wenn ich letztlich nichts oder wenig davon habe!

Aber die Verschlechterungen, die wir öfter sehen, als uns bewusst ist - einfach weil billigere Produktion bei gleichen Preisen eben mehr Profit abwerfen -, diese Verschlechterungen werden komplett ignoriert.
Beispiele:

  • Die Bahn erhöht die Preise, kommt aber so unpünktlich wie zuvor. Das ist nun eine eindeutige Verschlechterung des Preis-Leistungs-Verhältnisses.
  • Oder: Im Flugzeug werden die Sitzreihen enger gesetzt und es gibt nur gegen Extrazahlung Getränke, vom Imbiss ganz zu schweigen.
  • Oder fatal ist es bei Nahrungsmitteln, wo bei gleichem Preis weniger in der Packung ist - und das, was in der Packung ist, vielleicht seit Neuestem in China eingekauft wird.

Was wären nun Möglichkeiten, um die Geldentwertung klarer und realistischer benennen zu können?

Die Manager der großen Konzerne in Deutschland und Amerika haben über ihre vielen Zuliefererströme ein präzises Gefühl für die Inflationsrate. Die Zulieferer der Kantinen geben genauen Einblick in die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise;  die Verwaltungen decken den gesamten IT- und Bürobedarfbereich ab, die Fabriken lassen die Preisentwicklung vom großen Maschinenbau bis zur letzten Schraube einsehen, die Logistiker geben die Spritpreise exakt wider – in so einem Konzern also wird viel des täglichen Verbrauchsbedarf abgedeckt.

Bei den börsennotierten Firmen lässt sich nun anhand der jährlichen Gehaltserhöhung für den Vorstand erahnen, wo die Inflation liegen könnte. Und da sind wir dann bei fünf, sechs oder mehr Prozent. Eine Gehaltserhöhung von 1,5%, wie sie normalen Arbeitnehmern zugemutet und vom Statischen Bundesamt als offizielle Preissteigerung genannt wird, habe ich jedenfalls noch nie gesehen.
Eine spannende Seite zu dem Thema ist auch www.shadowstats.com, die zum Beispiel in offiziellen Statistiken die hedonische Glättung herauszurechnen versucht. Das Ergebnis überrascht dann auch Hartgesottene.

Warum ist Ihnen so eine klare Einordnung der Inflationsrate wichtig? Verhindern können wir sie ja eh nicht und alle Ökonomen sagen, dass Wirtschaftswachstum nun einmal mit einer erhöhten Inflation einher gehen muss.

Ich will für mich eine klare Einordnung dieser Zahl haben, weil die Entwertungsrate eine Benchmark ist für die Auswahl meiner Geldanlagen! Solange wir denken, sie läge bei 1,2 %, haben wir noch große Auswahl.

Wenn ich aber weiß, dass ich bei allen Geldanlagen unter zum Beispiel 6 % Rendite pro Jahr ins Minus spare, weil die Realinflation allein 6,2% in meinem persönlichen Warenkorb beträgt, mache ich vielleicht doch die Augen auf und suche nach den Möglichkeiten, mit denen andere schon immer arbeiteten. Und die haben deutlich mehr Vermögen als der Durchschnitt.

Welche Lösungen haben die für sich gefunden, um ihr Geld inflationssicher anzulegen?

Dass Sachwerte von einer steigenden Inflation eher profitieren als unter ihr leiden, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Ich will aber nicht nur, dass sich der Wert meines Geldes erhält, ich hätte ja gerne einen Zuwachs an Wert und Geld, eben einen Vermögensaufbau.

Die Lösung war seit jeher, Teil einer produktiven Wertschöpfungskette zu werden. Dort bin ich auch in einen Sachwert investiert, und zwar im Sachwert einer Firma, eines Produkts oder einer Dienstleistung, bin dadurch schon einem dem unmittelbaren Zugriff durch die Geldentwertung entzogen, generiere aber zusätzliche Renditen aus Produktivsachwerten. Das sind dann regelmäßig passive Geldzuflüsse, die deutlich über der Inflationsrate liegen können. Solche Produktivsachwerte gehören meiner Meinung nach in jedes Portfolio.

Können Sie ein Beispiel geben?

Bis vor Kurzem gab es die Möglichkeit, auf spannende Weise Sicherung-und Produktivkapital in einem zu ermöglichen durch den Kauf von Land, das  das eigene Vermögen schon einmal grundsätzlich absichert, nur eben keine Rendite abwirft! Und dieses Problem löse ich in Verbindung mit der klugen Bewirtschaftung des Landes – und dann habe ich zum Sicherungskapital gleichzeitig Produktivkapital teilweise für Jahrzehnte aufgebaut.

Natürlich muss man solche Investitionen gut auf Plausibilität prüfen, so wie grundsätzlich jede Investition; aber solche Konzepte sind elegante Wege, der Inflation ein Schnippchen zu schlagen und um ein passives Einkommen zu generieren aus angelegtem Geld. Auf solche Möglichkeiten würde ich mich konzentrieren, denn sie diversifizieren jedes Portfolio, man baut echte Werte auf, die auch auf lange Zeit Erträge abwerfen und später ohne Weiteres vererbt werden können und die schlicht Freude machen im Rahmen einer der wertvollsten Wertschöpfungsketten, in die man investieren kann: Nahrungsmittel.

Wo finde ich solche Möglichkeiten?

Drei Voraussetzungen gibt es: erstens unternehmerisch denken, zweitens die Augen aufzumachen und drittens den Markt beobachten, am besten weltweit, weil Deutschland nicht gerade das Mekka für Geldanlagen ist, wo Banken und Versicherungen trotz allem noch immer ein erstaunlich hohes Vertrauen genießen.
Wer sich diese Arbeit ersparen will, kann natürlich Experten in Anspruch nehmen, deren Job es ist, die Gelegenheiten zu finden und zu prüfen.

Wie zum Beispiel einen Wohlstandsbildner in Anspruch nehmen?

Zum Beispiel, richtig, weil ich mich ausschließlich auf das konzentriere, was Vermögen aufbaut und in einigen Fällen auch gleichzeitig absichert.

Das Ratgeber-Video auf YouTube Wie beeinflusst die Inflation meine Rendite?

 

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