Unbequeme Wahrheiten zur Finanzbranche

Diese Rubrik soll aufdecken, entlarven, warnen, klären.

Sie hat nicht den Anspruch, Ihnen einen kompletten Durchblick durch die Untiefen der Finanzwelt zu verschaffen. Mehr geht es um Schlaglichter, die von Politikern weggeblendet und von den Medien eher abgedunkelt werden.

Riester-Rente: Wenn ein Teil der Altersvorsorge
mit Blut erkauft wird

Wohlstandsbildner Logo_klein Über 14 Millionen Deutsche “riestern” für ihre private Altersvorsorge. Sie sind begeistert, dass der Staat ihren Sparanteil ergänzt und steuerlich begünstigt.
Die wenigsten Riester-Sparer dürften sich fragen, wohin ihr Geld eigentlich wandert und was es bewirkt.
Der ZEIT-Journalist Wolfgang Uchatius ist dieser Frage bei seinem eigenen Riester-Vertrag auf den Grund gegangen. Was er dort fand, veranlasste ihn zur sofortigen Kündigung der Police: Er erkannte, dass seinem Geld durchaus ein Sinn gegeben wird – nur in zutiefst erschreckender Weise.

Versicherungsunternehmen, die mit Riester-Renten beachtliche Provisionen verdienen, legen das Geld der Sparer in Teilen oder komplett in
Investmentfonds. Soweit wissen die meisten Riester-Inhaber Bescheid und sind damit durchaus einverstanden – erwirtschaften doch einige dieser Fonds
13% Rendite pro Jahr, wie etwa der amerikanische Mid Cap Value Fund. Um dem weiteren Weg des Geldes zu folgen, stehen nun die Fondsmanager im Mittelpunkt:
Sie investieren die bei den Versicherten eingesammelten Millionen in börsennotierte Aktien verschiedener Firmen.

Selten kümmern sich solche Fondsmanager um ethische Belange, denn diese könnten lukrative Geschäfte verhindern: Wie etwa das mit der Firma Textron, die Streubomben herstellt mit dem Slogan: “Klare Siege, saubere Schlachtfelder”.
Streubomben sind seit Mai 2008 weltweit geächtet. Denn oft bleibt nicht explodierte Streumunition nach dem Kriegseinsatz als Blindgänger im Boden und stellt wie Landminen eine jahrelange Gefahr dar: Unzählige Menschen, vor allem Kinder, die diese sog. Bombletten mit Spielzeug verwechseln, werden getötet und verkrüppelt.

Anders als die USA, Russland, China, Israel, Indien, Pakistan und Brasilien hat 2008 Deutschland die Menschenrechtskonvention zur Ächtung dieser Waffen unterschrieben.
Trotzdem finanziert es die Entwicklung und den Verkauf mit – das Riester-Rentengeld ist nur ein Weg, um Diktatoren mit solchen Waffen zu versorgen.
Ein UN-Berater sagt dazu: “Jeder, der den Bau von Streubomben unterstützt, macht sich zum Verbündeten der Kriegsverbrecher”.
Banken wie in erster Linie die Deutsche Bank (mit mehreren 100 Millionen Euro), aber auch die Landesbank Baden-Württemberg, Bayrische Landesbank und andere unterstützen dieses blutige Geschäft;
die Allianz, Deutscher Ring, Generali, Volksfürsorge, WWK und vielen andere Versicherungen ebenfalls - mit dem Geld aus 14 Millionen Riester-Verträgen.

Ähnlich verfahren wird übrigens oft mit dem Geld aus Lebensversicherungen, welche die Anzahl der Riester-Verträge um das Sechsfache übersteigen!
Millionen Sparer machen sich also nicht bewusst, dass sie über ihren Versicherer und deren Investmentfonds an Firmen beteiligt sind, denn dort wird nun
einmal ein Großteil aller weltweiten Gewinne gemacht. Nach der beklemmenden ZEIT-Recherche können aber Inhaber von
Lebensversicherungen, Riester-, Rürup- und vielen anderen Geldwertverträgen nicht mehr sagen: “…denn ich wusste nicht, was ich tat.”

Sie können aber Verantwortung für das eigene Geld übernehmen und Transparenz einfordern.

Das ist eine der Zielgruppen der Wohlstandsbildner:

  • Menschen, die einer möglichen überdurchschnittliche Rendite den Sinn des Geldes nicht unterordnen;
  • die wissen wollen, was ihr Geld wann und wo macht;
  • die ein Interesse daran haben, dass im Sinne eines ethischen Empfindens an ihrer Rendite kein Blut klebt;
  • die ein Interesse daran haben, dass mit ihrem Geld Firmen, Projekte und Visionen unterstützt werden, die zum Wohle aller Beteiligten sind.

Quelle: http://www.zeit.de/2011/21/DOS-Streubomben vom 20. Mai 2011

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Oxfam-Studie:
Allianz wettet auf steigende Nahrungsmittelpreise

Wohlstandsbildner Logo_klein Wohin mit den Milliarden, die ein Konzern gewinnbringend anlegen will? Banken und Versicherungen haben längst den Rohstoffmarkt im Allgemeinen und Nahrungsmittel im Speziellen für sich entdeckt. Das Ziel: Rendite machen, bis der Arzt kommt.

Dass dabei hunderttausende Menschen in Mitleidenschaft geraten könnten, die in Entwicklungsländern  ohnehin schon hungern, interessiert an der Stelle nicht, wie Foodwatch und nun auch Oxfam ausführlich beschrieben haben.

Neu ist allerdings, dass der Versicherungskonzern Allianz mit seiner Kapitalanlagegesellschaft Pimco sogar die Deutsche Bank in diesem Treiben abhängt. Sie soll laut Oxfam in 2011 6,2 Mrd. Euro in Nahrungsmittelwetten eingesetzt haben, das sind 1,6 Mrd. Euro mehr im Vergleich zur Deutschen Bank.

Wenn es stimmen sollte, dass solche Wetten die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben und damit die Ärmsten der Armen noch mehr ins Hungerelend stürzen – wann beginn der deutsche Anleger dann, sich konkret nach ethischen Investments umzusehen?

Mitschuldig mag er sich nicht machen mit seinen Lebensversicherungen und Fondspolicen bei etwaigen Versicherungen, aber mitverantwortlich ist er allemal – mit jedem Euro seines angelegten Geldes, der diese krankhaften Verwerfungen unterstützt.

Quelle: Spiegel-Online vom 09. Mai 2012

 
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Ethik ist ja ganz nett, aber Atomkraft macht Profit!

Wohlstandsbildner Logo_klein Wie Investmentfonds ihre fragwürdige Geldpolitik mit Verbrauchertrends maskieren

Ethische Geldanlagen sind in Mode. Immer mehr Anlegern ist es nicht egal, wo das eigene Geld möglichst gewinnbringend vermehrt wird, seit pikante Fakten durch die Medien rieseln:

  • Hartnäckige Journalisten finden heraus, dass Riester-Renten-Geld zum Teil Streubomben finanziert1;
  • die Deutsche Bank und selbst die Volks- und Raiffeisenbanken gieren mit Lebensmittel-Spekulationen nach immer neuen Renditemöglichkeiten2&3;
  • im Internet verhärtet sich das Gerücht, die US-Bank Goldman Sachs finanziere somalische Piraten, was einen Regierungsinsider zu der Aussage veranlasst haben soll: “Es gibt jede Menge Gesetze, diese Burschen hinter Gitter zu bringen, wenn sie tatsächlich Piraten wären, aber wenn sie Banker sind, dann sind uns die Hände gebunden4 ”.

 

Rendite-Wölfe im Schafspelz der Ethik

Banken mit einer klaren ethischen Ausrichtung in ihrer Satzung – wie die Ethikbank oder GLS-Bank – spüren diesen Trend zu einer größeren Gewissensüberprüfung von Kleinanlegern und verzeichnen bemerkenswerten Mitgliederzulauf. Die Etikette „ökologisch, sozial und ethisch“ nehmen vom Kuchen des deutschen Anlegergeldes einen immer größeren Anteil in Anspruch. Das ließ in der Aktienfonds-Landschaft schnelle Blüten treiben, die mit den Reizen eines scheinbar nachhaltigen Investments bezirzen; riecht der betörte Anleger aber daran, zieht ihm der Gestank verlogener Profitgier in die Nase, wovon der Onlineartikel von stern.de vom 10. April 2012 berichtet5:

Der Wirtschafts- und Finanzjournalist Jochen Bettzieche fertigte im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion eine Analyse von 10 ausgewählten Aktienfonds an, die für Nachhaltigkeit, Ethik und Ökologie  zugelassen sind. Das Ergebnis verwirrt zuerst, dann schockiert es:

  • Jeder der Fonds ist auf direkte oder indirekte Weise in Kernenergie investiert, selbst wenn einer der Fonds sogar ausdrücklich damit geworben hat, auf Investitionen in Kernkraft zu verzichten.
  • Jeder der Fonds war an der Öl- und Gasindustrie beteiligt: Das reichte von Tiefsee-Bohrungen über die Landschaft zerstörende Ölsand-Förderung bis hin zur Versorgung von Endkunden.
  • Neun von 10 „nachhaltigen“ Fonds hätten Rüstungsfirmen unterstützt, welche die gesamte Palette kriegsfördernder Elemente vertreten würden.

Da wundert es nicht, dass die Studie den Mangel „einheitlicher Mindeststandards“ und „äußerst unübersichtliche Angebote“ beklagt. Wenn allerdings das Vertrauen für ethische, nachhaltige Investitionen gestärkt werden soll, müssten „klare gesetzliche Mindeststandards“ her.

 

Ein Werbekodex, der viel Rauch und kein Feuer macht

Der Branchenprimus Deutsche Bank ist wegen seiner Kapitalkraft in diesem profitträchtigen „Vorne hui, hinten pfui-Spiel“ mutmaßlich auch die Nummer Eins: Nach deutlicher Kritik unter anderem der Attac- und Foodwatch-Bewegung hat sich das Geldhaus werbewirksam einem „Wertekodex“ unterworfen: „Unsere Produkte dienen dem Einzelnen, ohne der Allgemeinheit zu schaden.“ Der glatt-elegante Slogan lässt das Können teurer Werbefabriken vermuten…

Wer das Credo auf Herz und Nieren untersucht,

  • den erstaunt die Unverfrorenheit, mit der noch immer nach Aussage der Organisation Facing Finance in Streubomben investiert werde.
  • den verwundert die Erklärung der Bank, dass sie „in diesem Jahr keine neuen Wetten auf Agrarrohstoffe mehr auflegen“ werde. Wer genau liest, empört sich genau wie Foodwatch darüber, dass die bestehenden Produkte also fortgeführt und die Hungerkrisen der Welt weiterhin verschärft würden.
  • ist endgültig desillusioniert, wenn die Deutsche Bank diesen Wertekodex nur auf Produkte des Privatkundengeschäfts bezieht. Dieses macht allerdings nur einen Bruchteil der gesamten Produktpalette aus.

 

Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie messen

Fein bedrucktes Papier, aalglatte Erklärungen und neblige Versprechungen sind das eine. Dort erfreuen sich Werbeagenturen wie Karpfen im Schlamm und versuchen das ramponierte Image von mächtigen Geldinstitutionen mit dem Sekundenkleber scheinheiliger Verlautbarungen zu kitten.

Wo das Geld schließlich wirklich und wahrhaftig landet – das erst beweist den Ernst der Absichten! Die wichtigste Voraussetzung dafür ist die Transparenz und Verständlichkeit der Investitionen: Anleger müssen schnell und eindeutig erkennen können, wo ihr Geld landet und was es dort tut – das detektivische Talent eines Journalisten und dessen bohrende Hartnäckigkeit sollte dafür nicht vonnöten sein.

1 http://www.zeit.de/2011/21/DOS-Streubomben/seite-1

2 https://foodwatch.de/e10/e45260/e45290/

3 http://www.welt.de/finanzen/article106163790/Banken-auf-der-Suche-nach-der-Geldanlage-mit-Moral.html

4 http://lupocattivoblog.com/2010/04/27/somalische-piraten-sagen-sie-seien-goldman-sachs-mitarbeiter/

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Immobilien-Gefahren:
Kauf auf Pump | Zwangshypotheken

Wohlstandsbildner Logo_klein Hochgradige Verbindlichkeiten bei der Bank trifft man in Deutschland meistens in Verbindung mit dem Kauf einer Immobilie; selten hat jemand das Geld, um eine Immobilie ohne Kredite zu erwerben. Hier entstehen massive Abhängigkeiten, oft über Jahrzehnte hinweg: von Banken, von Mieteinnahmen, vom Zinsniveau, von der Stabilität der Märkte und vielen anderen.

Jeder einzelne muss in Zeiten größter Verwerfungen in unserem Finanz-, Banken- und Wirtschaftssystem prüfen, wie gut er sich damit fühlt, bevor er auf Pump in eine Immobilie investiert. Und danach soll er sich im Klaren sein, dass der Bank die Immobilie noch auf Jahrzehnte gehört und nicht ihm selbst - er ist vorerst nur Bewohner! Viele Anleger betrügen sich in diesem Punkt, indem sie sich voreilig als Eigentümer wähnen – dabei sind sie über lange Zeit nur Schuldner, vor allem zur Freude der Bank.

Grundsätzlich gilt:

  1. Prüfen Sie, ob Sie mit dem Kauf einer Immobilie nur die Glaubenssätze anderer (meistens der Eltern) erfüllen oder ob Sie wirklich selbst nachgedacht haben.
  2. Der Lemminge-Effekt: Wenn Sie bemerken, dass viele etwas zur gleichen Zeit tun – wie etwa in Immobilien investieren angesichts von Horrormeldungen zur Finanzkrise -, dann halten Sie erst einmal inne und denken nach. Eine gute Fragestellung ist immer: Wer profitiert am meisten davon, wenn viele jetzt ein und dasselbe tun?
    Und dann denken Sie am besten nochmals nach. Vielleicht gemeinsam mit einem Wohlstandsbildner…

Und wenn dann noch der Staat zulangt: Zwangshypotheken

Das ist nun ein Thema, mit dem sich weder Häusleverschuldeter noch Häuslebesitzer beschäftigen mag, während er gemütlich im trauten Heim sitzt: Dass ein hochverschuldeter Staat Zwangsgelder auf Haus und Boden erhebt. Das Institut für Wirtschaftsforschung DIW in Berlin diskutiert diese Option für eine Teilenteignung auf Vermögenswerte in diesen Monaten (Juli 2012) sehr angeregt und findet unter allen
Parteien Freunde dafür. Selbst wenige Prozent einer solchen Zwangsanleihe würden Immobilienbesitzer schwer treffen, schließlich geht es meist um 6- bis 7-stellige Beträge.

Weitere Details bei der Wissensmanufaktur .


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