ETF und der dickste Kostenbrocken

ETFs sind in Mode, weil sie so günstig sind? Leider falsch!
Den dicksten Kostenbrocken übersehen alle…

ETF Kosten und ETF Gebühren

Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds werben ETF-Anbieter mit geringen Kosten, weil scheinbar keine Provisionen anfallen. Auch die jährlichen ETF-Kosten sollten gegen Null gehen, schließlich fällt neben der einmaligen Einrichtung des Wertpapiers mit den ausgewählten Märkten oder Unternehmen keine Arbeit an; ETFs bilden nur die Entwicklung meist von Indices ab, sonst machen die gar nichts. Keine Manpower = keine Kosten.

Aber doch bitte nicht mit der Finanzindustrie, denn kostenfrei gibt es nur bei Charity

Kosten gibt es in jedem Finanzprodukt, sonst würde sich die Branche untreu werden. Sie steht schließlich für Profit schlechthin. Gleichwohl können Kosten angemessen sein:

Stehen hohen Kosten eine hohe Leistung gegenüber, sind sie im Gleichgewicht – und Anlagen, die hohe Renditen erwirtschaften, machen hohe Kosten schon mittelfristig vergessen, einfach, weil sie fantastisch Wertschöpfung und Wertsteigerung liefern. Wer gut performt, spielt sämtliche Kosten oft schon nach 2 bis 4 Jahren ein, und das bei 20 Jahren Laufzeit und länger! Wäre das trotz der Kosten ein gutes Geschäft?

Nicht so bei ETFs. Da stehen letztlich nur Computer dahinter, und deren Kosten fallen bekanntlich trotz Leistungssteigerung stetig. Mit Manpower, Wertschöpfung und tollen Renditen kann man hier keine Kosten rechtfertigen. Da fragt sich der profitverwöhnte ETF-Anbieter trotzdem, wie er seinen Schnitt macht? Schnell ist die Lösung gefunden:

Der perfekt versteckte Kostenblock, an den kaum jemand denkt: der Spread!

ETFs sind Börsenprodukte, und für alles, was am Marktplatz Börse läuft, gibt es einen Kurs für Käufe und einen Kurs für Verkäufe. Die Differenz zwischen beiden nennt man Spread. Depotbanken versuchen sich gegenseitig auszustechen, indem sie mit möglichst kleinem Spread werben: dass ihre Kauf- und Verkaufskurse also möglichst nahe am eigentlich gehandelten Preis stehen. Vorübergehend verzichten sie auf eine höhere Gewinnspanne, indem sie bei Käufen etwas weniger verlangen und bei Ankäufen etwas mehr geben.

Aber nicht bei ETFs, denn dort hat niemand den Spread auf dem Radar

Mal ehrlich: Haben Sie sich, stolzer ETF-Käufer, schon nach dem Spread erkundigt und diesen verglichen mit dem ETF-Spread der Mitbewerber? Würden Sie es tun, könnte das Ergebnis deprimieren. Stellen Sie sich mal vor, Sie bezahlen, rein fiktiv, 15% Differenz zum aktuellen gehandelten Preis beim Kauf Ihrer ETF-Anteile. Da müssen sich Ihre Indices in den nächsten 3 Jahren aber anstrengen, um das wieder auf Null zu bringen.

Jetzt stellen Sie sich vor, in drei Jahren schichten Sie um in einen ETF, dessen Index-Zusammenstellung viel erfolgreicher war als Ihre – und Sie zahlen wieder 15%, die sich die Bank im Rahmen des Spreads gönnt – einziger Unterschied zum Kauf von vor drei Jahren: Jetzt wissen Sie von den 15%, und Wissen kann zuweilen ganz schön weh tun. Da waren Sie mühsam auf Null, müssen 0 % Rendite und drei verlorene Jahre hinnehmen, und jetzt reißt allein der Verkauf die nächste Scharte ins Depot.

Die Bank verdient immer – auch mit ETFs

Merke: Auch Depotbanken sind keine Behörden, sondern rein profitorientierte Unternehmen. Das spüren Sie nur, wenn Sie wissen, wonach Sie fragen müssen. Aber nicht wundern, wenn der bemühte Bankberater am Telefon keine Spreadzahlen parat hat, denn oft wissen diese selbst nicht um diese Kostenfalle für Anleger. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe mich mehrere Jahre viele Male pro Tag mit Spreads und Beratern beschäftigt. Verloren habe ich immer, einzig die Verluste niedrig zu halten war ein Trost.

Geringer ETF-Ausgabeaufschlag, hoher ETF-Spread

Eins war immer klar: Auch wenn ich nach Markteröffnung gehandelt habe, was den Spread etwas verkleinert hat – die Bank holt sich für jede Order das, was sie will. Naive ETF-Käufer führen Banken und  Roboter-Händlern derzeit täglich viele Millionen zu, es ist ein Megageschäft geworden. Die Bank freut und streichelt sich noch selbst, wenn sie am Schalter flötet: „Dieser ETF ist eine gute Wahl, Herr Müller. Die Streuung gibt Ihnen die größtmögliche Sicherheit, und wissen Sie das Beste: Hier gibt es keine Provisionen, die Sie zahlen müssen. Günstiger kann man nun wirklich nicht vom Wachstum der Märkte profitieren…!“

3 Gedanken zu “ETF und der dickste Kostenbrocken”

    1. Hallo Markus, danke für die Frage!

      Der Spread ist so volatil wie die Börse selbst und verändert sich auch genauso schnell wie die Kurse. Meines Wissens haben hier die Banken den Haupteinfluss, abgesehen vom momentanen Geschehen durch Angebot und Nachfrage; da spielen noch eine Menge Algorithmen eine Rolle, die wahrscheinlich der Emittent oder die Handelsbank selbst nicht durchblickt – in jedem Fall macht sie ihren Schnitt.

      Als ich noch an der Börse gehandelt habe – wahrlich vor meiner Zeit als Wohlstandsbildner -, habe ich versucht, den Spread beim Kauf und Verkauf von Positionen klein zu handeln durch Untertags-Handel. Vorbörslich habe ich hier Spreads zwischen 8 % und 35 % erlebt. Die 15 % war einfach eine gemittelte Zahl, die ich eher als niedrig ansetzen würde, doch das gilt es im Einzelfall zu prüfen.

      Wenn Sie einmal herausfinden wollen, was die Bank wirklich verdient, dann kaufen Sie einen ETF. Etwas später kaufen Sie diesen Anteil nochmals und verkaufen gleichzeitig (!) den, den Sie vorher gekauft haben. Dann vergleichen Sie Ihren Kauf- und Verkaufspreis mit dem Kurs, der zum jeweiligen Zeitpunkt für den ETF ausgewiesen wurde.

      Der Spread ist vergleichbar, zuweilen auch in seiner Höhe, mit den Kauf- und Verkaufsgebühren bei Edelmetallen. Kaufen Sie ein Gramm Gold und verkaufen Sie gleichzeitig eines bei dem gleichen Händler – die Differenz könnte Ihnen auf den Magen schlagen.

      Viel Erfolg!

  1. Ein sehr informativer Artikel mit ganz wichtigen Informationen, die in jedem Fall weiterhelfen können, insbesondere wenn man gerade erst am Anfang ist und sich mit diesem Thema auseinander setzt.

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