Pflegeimmobilien als Investment – Da sieht man schnell alt aus

Pflegeimmobilien als Investment – Da sieht man schnell alt aus

Erstaunlich, was sich naive Bürger mit ihren Ersparnissen alles andrehen lassen: Ein norddeutscher Anbieter von Wohn- und Pflegeimmobilien für betagte Menschen umgarnt mit Vokabeln wie

  • soziale Verantwortung
  • staatliche Förderung
  • persönliche Beratung
  • kein Aufwand
  • hohe Renditen bis 6 %
  • sicher und nachhaltig
  • 20 Jahre Erfahrung

und liefert ein eloquentes Rechenbeispiel dafür, dass sich eh alles wie von selbst finanziert und tolle Gewinne übrigbleiben. Und schon klappt der eingelullte Anleger alle Visiere hoch und rennt, ohne Fragen zu stellen, ins Verderben:

  1. Er lässt sich zum Beispiel zu mindestens zwei Dritteln den Erwerb einer Wohneinheit von der Bank finanzieren. Was aber, wenn die Mieteinnahmen ausbleiben? Denn die kann und will der Verkäufer natürlich nicht garantieren. Im schlimmsten Fall gerät solch eine Immobilie schnell unter den Hammer, und es ist mehr Geld weg als nur das ersparte.
  2. Im Unklaren bleibt, wo die Immobilie liegt: Auf dem Land mit schlechter Verkehrsanbindung? Im Pulk mit sechs anderen Wohnheimblöcken, die alle zur Hälfte leer stehen? In einem Bundesland, das exorbitante Grundsteuern und Müllgebühren erhebt?
  3. Überhaupt die Kosten: Es gibt nicht wenige, die sich nicht einmal über die Höhe des Bankzinses aufklären lassen, von Verwaltungs- und Servicegebühren ganz zu schweigen.
  4. Ständig wird mit dem demographischen Wandel argumentiert. Wer weiß aber heute, ob wir für unsere vielen Alten in 20 Jahren wirklich so viele Pflegeeinrichtungen brauchen?

Durch medizinische, technische und erhebliche Fortschritte in der ambulanten Versorgung sterben immer mehr alte Menschen gut versorgt in den eigenen vier Wänden. Wir haben noch keine Ahnung, wie viel Pflegeroboter zu leisten vermögen (Japan feiert ständig Quantensprünge in der Entwicklung). Und wir wissen nicht, ob die Unterbringungskosten in derartigen Einrichtungen nicht irgendwann so unerschwinglich sind, dass die meisten zur privaten, eigenverantwortlichen Versorgung ihrer alten Angehörigen gezwungen sind.

Ich persönlich hoffe außerdem auf eine ganz zunehmende gesellschaftliche Wertschätzung unserer Lebenserfahrenen: dass sie vielleicht nicht in Pflegeimmobilien abgeschoben gehören (seien wir doch ehrlich: Oft genug ist es eine Abschiebung), sondern dass sie die Generationen einbeziehend in Lebensgemeinschaften integriert werden, wo jeder vom anderen in irgendeiner Weise profitiert –allein durch sein Sosein und nicht anders. Hoffnungsvolle Beispiele dafür gibt es schon genug.

Fazit: Ich sehe im Verkauf von Pflegeimmobilien als Geldanlage viel häufiger Abschöpfung als Wertschöpfung. Ein bisschen finanzielle Bildung und 4-5 Fragen genügen – und schon weiß man, welche dieser Investments ins Töpfchen oder ins Kröpfchen gehören. Ein Finanzseminar vermag hier Wunder zu wirken.

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