#32 Finanzbildung für Frauen – nötig oder nur geschäftstüchtig? – Teil 2

Teil 2: Wenn Frauen Geld übereignet bekommen, das sie völlig überfordert. Acht Thesen zur Finanzbildung von Frauen und zu ihrem Umgang mit Geld inklusive Kommentar, wie ein Wohlstandsbildner zu diesen Thesen steht.

In Teil 1 dieser Folge, da habe ich geschildert, dass ich schon mehrere Jahre Investoren genauso wie Investorinnen begleite, und das jeweils zu recht gleichen Teilen. Deshalb könnte ich schon einmal nicht behaupten, Männer würden sich grundsätzlich mehr für Vermögensaufbau interessieren als Frauen; zumindest kann ich das nicht bei denen feststellen, die sich an mich wenden oder mein Seminar besuchen. Das ist natürlich überhaupt nicht repräsentativ, weil ein paar 100 Leute im Jahr eine zu winzige Truppe ist bei Millionen Deutschen, denen ein wenig mehr Finanzwissen nützlich sein könnte.

Doch abgesehen vom Interesse ist es eine ganz andere Frage, ob sich Frauen in gleichem Maße wie Männer um Finanzen und Vermögensaufbau kümmern können; hier liegt meiner Meinung nach das viel größere Problem. Das Interesse ist da, aber die Zeit dafür bleibt auf der Strecke mit so manchen Verpflichtungen. Die bis heute gesellschaftlich vorherrschende Verteilung von Aufgaben und Rollen innerhalb der Familie machen da das Interesse schnell zunichte, und das kann gravierende und sogar tragische Folgen haben.

Hierzu eine Begebenheit, auch wieder als Beispiel dafür, dass viel Geld sicher ein Gefühl von Sicherheit vermitteln kann, aber gleichzeitig auch zur Last wird, wenn keine Orientierung vorhanden ist, wie mit dem Geld umgegangen werden soll – und das in einer Zeit, wo schon 25 Banken im Land ab dem ersten Euro auf dem Konto Minuszinsen verlangen.

Eine Mutter kam auf mich zu, deren drei Kinder noch alle nicht aus dem Gröbsten heraus waren. Sie ist erst vom Norden in den Süden des Landes gezogen und hatte noch ziemlich zu kämpfen mit der Umstellung, genauso wie ihre Kinder. Ihr Mann hatte all die Jahre ein gutes Händchen bei seinen Investitionen, die er sich mit einem überdurchschnittlichen Gehalt aufbauen konnte. Finanzen haben ihm Zeit seines Lebens Spaß gemacht, entsprechend hat ihm seine Frau dieses Thema gern überlassen.

Dieser Mann hat sich das Leben genommen. Die Frau sitzt nun mit ihren drei jungen Kindern in einer neuen Wohnung, in einem komplett neuen Umfeld und obendrein auf einem Millionenbetrag, der auf vielen verschiedenen Konten und Depots aufgeteilt war. Was da alles wo war, das herauszufinden und sortieren war mitten in dieser aufgelösten Zeit der Trauer schon allein eine Leistung, doch Monate danach hat sie dieses Geld noch immer mehr belastet als beruhigt, obwohl sie natürlich dankbar war, dass zu all den Herausforderungen jetzt nicht auch noch Geldmangel dazu kam, wie es ja bei vielen alleinstehenden Müttern der Fall ist.

Doch den Tod des Ehemanns zu verkraften, zusammen mit den Kindern, war nicht die einzige Herausforderung. Jetzt kamen auch noch verschiedene Banken auf sie zu und machten ganz offensichtlich Druck, sie möge doch die Geldmengen von den Konten herunternehmen. Ich weiß nicht mehr, womit die Banken gedroht haben, wenn sie das nicht macht, aber meiner Erinnerung nach stand das Wort Kündigung der Konten von Bankenseite aus schon im Raum.

In dieser Verfassung hat sie sich an mich gewendet in der Hoffnung, ich könnte ihr irgendwie Orientierung geben. Das habe ich versucht, doch mir war nicht ausreichend klar, dass ihr eins nicht klar war: Wenn sie einen Großteil ihrer erheblichen Geldmengen solide und ertragreich investiert sehen möchte, dann geht das nicht mit drei Investitionen, die mit 20 Blatt Papier und sieben Unterschriften erledigt sind und alles ist gut.

Die tapfere Frau hat es dann sogar ermöglicht, für einen Samstag ihre drei Kinder zu versorgen und hat auf meinen Wunsch hin das Seminar besucht, bevor wir in ein tieferes Gespräch eintreten. Doch so noch mitten in der Trauerphase hatte sie nicht den Kopf frei gehabt, um die Inhalte des Seminars genießen und für sich einordnen zu können. Denn, was erschwerend hinzukam: Sie hatte sich ihr Leben lang nie mit Finanzen beschäftigt. Und dann sind selbst einfachste Begriffe aus der Finanzwelt fremd, obwohl ich ja viele im Seminar erkläre, und für die Aufnahmefähigkeit über einen ganzen Tag hinweg zu viel.

Schlussendlich habe ich ihr dann ein mit den damals verfügbaren Investment-Gelegenheiten ein Konzept ausgearbeitet, das sie früh regelmäßig mit Geld versorgen soll, ohne, dass das Kapital weniger wird natürlich. Ziel war, dass sie über Geld nie mehr nachdenken muss und erst wieder arbeitet, wenn sie wieder Lust und Zeit hat. Es wurden schließlich acht oder neun Investments, die ich als Minimum für ihre Geldmenge erforderlich fand; dabei habe ich noch viel Liquiditätsreserve auf einzelnen Konten übriggelassen, um alles möglichst einfach zu halten.

Trotzdem bin ich beim Gesetzgeber in der Pflicht, dass die Investorin im Vorfeld alle Unterlagen zu den Investitionen bekommt. Da kommen schnell 400 MB zusammen – viel mehr, als selbst in Finanzdingen fitte Leute je ganz durchlesen würden. Es braucht auch nicht jeder die Leistungsbilanz von 2014 gesehen zu haben, aber ich liefere sie eben mit, einfach, weil sie verfügbar ist. Zumindest Planer und Analyzer haben damit ihre helle Freude dran. Aber die Frau war eine Wohlfühlern, und so war das, was kam, eher typisch als überraschend:

Kurz vor dem Unterschriftsdatum kam die Nachricht: Ihr sei das jetzt alles zu viel, sie hat dafür einfach keine Ruhe, sie könnte natürlich unterschreiben und sie würde das Konzept auch ganz toll finden, doch sie wolle sich doch richtig damit befasst haben, was sie da tut und deshalb lieber noch mehr Ruhe einkehren lassen, um sich dann wieder zu melden. Das war jetzt vor vier Monaten, und ich glaube, das ist noch keine lange Zeit für das, was diese aufrichtige Seminarteilnehmerin verkraften muss. Mal sehen, ob sie je wieder dem Ruf des Investorinnendaseins folgt oder sich doch an eine Vermögensverwaltung wendet, die über ein millionenschweres Mandat natürlich glücklich ist, aber deswegen leider keinen Deut erfolgreicher. Aber das wäre so eine typische Ersatzhandlung: Bevor gar nichts gemacht wird, wird irgendetwas gemacht.

Finanzseminar für Menschen
Finanzseminar für Menschen

In einem anderen Beispiel geht es um eine Ärztin, die längst in Rente sein könnte, aber noch arbeitet, einfach, weil es ihr Freude macht und weil sie wie so viele Rentner dann doch noch etwas dazu verdienen muss, einfach, weil die Rente nicht reicht. Sie lebte schon länger alleine, verfügte nicht im Ansatz über so viel Geld zum Investieren wie die Frau im vorherigen Beispiel, wollte aber mit einer kleineren Summe, allein schon aus reiner Begeisterung für Agrikultur, unbedingt was machen, das ihr Aussicht verschafft auf eine Ergänzung ihrer Altersbezüge.

Sie hat sich in all den Jahren zuvor durchaus um Geldanlagen bemüht, weil sie eh wusste, dass es später knapp werden könnte, doch letztlich konnte sie sich auch nicht wirklich darum kümmern und hat damals nicht daran gedacht, sich um finanzielle Bildung zu bemühen, um bessere Entscheidungen zu treffen; also traf sie eine Entscheidung, die in ihrem Fall fatale Folgen hatte: Sie hat sich an Banken und Versicherungen gewendet.

Um es kurz zu machen: Das, was ihr da in den Korb gelegt wurde, habe ich mir angeschaut und, nun ja, war schon entsetzt, wie wieder ein ganz sympathischer Versicherungsvertreter Zeug unter naive Finanzopfer bringt, das nur Minus einbringt. Doch diese wackere Ärztin hat sich ja eh erst nach dem Besuch des Finanzseminars an mich gewendet, was für mich immer die beste Variante ist, bevor jemand mit mir spricht. Deshalb hat sie selbst einschätzen können und noch viel genauer gespürt, dass ihr die verschiedenen Geldanlagen aus der Vergangenheit nur Schaden einbringen; und jetzt wollte sie sich einen Überblick verschaffen über bessere Möglichkeiten, und ja, da haben wir etwas Schönes gefunden, womit sie sich nicht nur gut versorgt fühlt, sondern – und das ist ja auch mein unbescheidener Wunsch – womit sie auch richtig glücklich ist, weil sich auch eine Investition so gut und rund und warm im Bauch anfühlen kann wie ein noch warmer Apfelkuchen mit Schlagsahne.

Doch auch hier die Problematik: Damals wegen der Kinder und wegen der beruflichen Verpflichtungen nie wirklich Zeit gehabt oder sich Zeit genommen, um die eigenen Finanzen in den Blick zu nehmen. Und plötzlich ist Frau 60 oder 65 Jahre alt, vom Mann geschieden oder der ist gestorben und jetzt ist Frau nicht nur überfordert von einem ihr fremden Themengebiet, sondern muss sich auch eingestehen, dass sie zu ganz anderen Geldmengen und zu ganz anderen Entscheidungen gekommen wäre, hätte sie sich mit 30 auch nur ein bisschen um Finanzen gekümmert.

Ich denke, diese zwei Beispiele reichen, weil sie einen dann doch recht bedenklichen Durchschnitt beschreiben, was den Zusammenklang von finanzieller Bildung und Frauen in unserem Land angeht. Ich weiß jetzt schon, dass bei diesen Worten einzelne Wohlstandsbildnerinnen auf die Barrikaden gehen werden, weil sie aus der Perspektive ihres eigenen Universums heraus das ganz anders sehen:

Die nämlich haben auch mehrere Kinder großgezogen, den Ehemann vielleicht gleich mit dazu und haben es trotz aller Pflichten geschafft, an der Börse oder sonstwie mit gutem Gespür, Durchhaltewillen und großer Disziplin ein kleines Vermögen aufzubauen, obwohl der eigene Verdienst oft eher unterdurchschnittlich war. In so einem Fall überlassen dann die Männer gerne ihren Frauen mit den goldenen Händen das Finanzgeschäft. In meiner Erfahrung gibt es das durchaus öfter, aber nicht so oft wie andersherum. Diese begabten Investorinnen jedenfalls hören jetzt mit leicht verächtlichem Interesse diesem und dem letzten Podcast zu, denn sie können überhaupt nicht verstehen, was es für einen Sinn machen könnte, Finanzseminare alleine für Frauen zu geben. Klar, aus ihrer Perspektive heraus, wo in ihrem Umfeld die Männer das mangelnde Finanzwissen haben, könnte ich das auch verstehen.

Finanzen: Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Als Zwischenfazit und dazu passend zwei recht aktuelle Artikel, zum einen aus der Neuen Züricher Zeitung mit der Überschrift: „Frauen brauchen keine Männerportfolios„. Darin wird bestätigt, was ich oben vermutet habe, ich zitiere:

„Ein Großteil der Frauen setzt sich nicht gerne mit den langfristigen Finanzen auseinander. Das zeigt auch eine Studie der UBS, bei der 69% der befragten Frauen angaben, dass sie dieses Thema an ihren Partner delegieren. Interessant ist, dass acht von zehn Frauen im Laufe ihres Lebens damit konfrontiert werden, sich selber um ihre Finanzangelegenheiten kümmern zu müssen. Sei es aufgrund einer Scheidung oder des Todes des Partners.“

Gleichzeitig schreibt der SPIEGEL am 08.03.2021 unter der Überschrift „Frauen schätzen ihr eigenes Finanzwissen häufig zu schlecht ein

„Wenn es um die Geldanlage am Aktienmarkt geht, halten sich Frauen oft mehr zurück als Männer – dabei fehlt ihnen einer aktuellen Studie zufolge teilweise nicht das nötige Wissen in Finanzfragen, sondern Selbstvertrauen. Eine geringere Finanzkompetenz bei Frauen sei in zwei Dritteln der Fälle auf tatsächliche Wissenslücken zurückzuführen, »ein Drittel dagegen hängt mit den eigenen Selbstzweifeln in Bezug auf Finanzwissen und Entscheidungsfindung zusammen«, erklärte das ZEW Mannheim.“ (ZEW = Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung).

Also, ich muss schon sagen, irgendwie ein ambivalentes und deshalb spannendes Thema. Diesem Thema hat sich auch Tanja Gratza gewidmet. Im Internet habe ich nicht viel zu ihr gefunden außer eine Überschrift „Female Finance by Tanja“ mit einem eigenen YouTube-Kanal, doch sie hat einen Workshop für Frauen gegeben auf einer Plattform, die mich auch schon öfter eingeladen hat: bei den Geldhelden. Dort gibt es einen Vortrag zum Thema „Mit Leichtigkeit zu einer automatisierten Altersvorsorge“, doch wie die Tanja jetzt berät und in was sie investiert, das weiß ich nicht. Und es ist vielleicht auch ganz gut so, dann bin ich weniger abgelenkt. Ich möchte nämlich acht Thesen kommentieren, die sie einmal bei den Geldhelden zum Thema „Frauen und Finanzen“ aufgestellt hat.

Wohlgemerkt stelle ich Tanja und ihre Ansichten überhaupt nicht infrage, denn ich bin sicher, dass sie weiß, wovon sie spricht und die Dinge auch so erlebt. Ich kommentiere ihre Perspektive nur aus meiner, ebenso zutiefst subjektiven, und da finde ich einige Unterschiede. Das macht ja den Kontrastreichtum der Welt so interessant. Legen wir los mit den 8 Thesen von Tanja Gratza und wie ich als Wohlstandsbildner dazu stehe:

1. Frauen machen ihre Hausaufgaben

Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Frauen machen tatsächlich etwas geflissentlicher ihre Hausaufgaben als Männer, wenn sie denn klar wissen, dass es 1. Hausaufgaben zu machen gibt und 2. wie die denn genau aussehen sollen. Frauen machen allerdings oft weniger ihre Hausaufgaben im Vergleich zu den männlichen Kollegen in einer außer Rand und Band geratenen Finanzwelt. Die ist mittlerweile so kaputt, dass wir regelmäßig von Politikern und von den Medien die Überschrift hören: Leute, sorgt privat vor. Frauen beginnen da oft sehr stark und motiviert, aber dann lassen sie die Hausaufgaben liegen. Und das ist gar kein Vorwurf, denn wie oben beschrieben – Beruf und Familie und dann auch eigenverantwortliche Finanzbildung für Frauen unter einen Hut zu bringen, das ist auch heute noch eine weit anstrengendere Bergtour, als sie zumindest im traditionellen Rollenverständnis Männer auf sich nehmen müssen.

2. Frauen gestehen Fehler ein

Das stimmt auch für mich vollkommen. Es ist durchweg meine Erfahrung, dass Frauen zuweilen sogar arg schonungslos mit sich selbst umgehen und eventuelle Fehlinvestitionen in der Vergangenheit nicht nur bedauern und abhaken, sondern sich richtig grämen und ab und zu sogar auch schämen, nicht besser für ihr eigenes Geld gesorgt zu haben. Die gute Nachricht: Wird ihnen eine plausible Erklärung für ihre Handlungsweise angeboten und neue Möglichkeiten für ihre Zukunft, dann finde ich immer wieder erfrischend, wie schnell selbst betagtere Frauen auf neue Entwicklungen reagieren und sich unbändig freuen, in der Gegenwart etwas mehr Zukunft gestalten zu können, auch, wenn es dafür schon recht spät ist. Da nehme ich Frauen als erheblich flexibler wahr als Männer in diesem Alter.

3. Frauen fragen um Hilfe

Da sage ich nur: Es wäre schön, wenn es so wäre, wenn Frauen rechtzeitig um Hilfe fragen würden. Doch ich erlebe viel häufiger, dass gefragt wird, wenn die mehr oder weniger große Katastrophe schon da ist, siehe die zwei Beispiele oben; oder, was etwas weniger dramatisch, aber genauso schwierig ist: Frauen fragen oft erst dann um Hilfe, wenn kaum noch Zeit ist, aus kleinem Geld größeres Geld zu machen. Deshalb ist mir diese dritte Aussage zu pauschal und kommt etwas zu positiv daher.
Zudem ist die Fähigkeit um Hilfe zu fragen oder sogar um Hilfe zu bitten, auch durchaus eine von Männern. Die bringen sie nur vielleicht selbstbewusster vor und geben dabei nicht so offen zu, dass sie finanziell weitreichend ungebildet sind; doch die Wissbegierde und die Begeisterungsfähigkeit angesichts echter Alternativen zum längst abgenutzten Triumvirat Immobilien, Aktien, Edelmetall – da sind Männer gleichermaßen wie Frauen dankbar für Hilfe, um die sie gebeten haben.
Also: Frauen fragen um Hilfe, aber Männer tun das in meiner Wahrnehmung genauso – vielleicht halt nur etwas später, wenn sie ausreichend lang erfolglos vor sich hingewurschtelt haben.

4. Frauen sind als Investoren risikoscheuer

Verzeihung, liebe Tanja, Einspruch in allen Aspekten dieser Aussage. Jeder ist gleich risikoscheu, wenn er oder sie nicht weiß, was er oder sie tut. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist hier am ehesten, dass Frauen dann oft gar nicht handeln, wenn sie sich unsicher sind, und Männer eben irgendetwas tun, bevor sie nichts tun. Das führt oft dazu, dass Männer mehr Verluste erleiden als Frauen, einfach, weil schon immer dort die Späne fallen, wo gehobelt wird. Nur: wüssten auch risikoscheue Männer, was sie anders machen sollten, dann würden sie es auch anders machen – aber mit Wagemut oder Übermut hat das deshalb nichts zu tun.

Und vor allem: Wenn Frauen wissen, womit sie es zu tun haben und was sie tun können, verlieren sie immer mehr die Scheu vor Risiken und gewinnen ein fantastisches Selbstvertrauen, wenn es darum geht, Investitionsentscheidungen zu treffen. Dann wird auch lange nicht mehr so vorsichtig mit Liquiditätsreserven umgegangen, da werden dann mit Begeisterung die Euros nicht mehr verkonsumiert, sondern für das nächste Investment zusammengekratzt – Hauptsache, dabei sein und die ganze Fülle der Erfahrungen und Erlebnisse vom Investorinnendasein mitnehmen.

Meine Meinung also zur Aussage Nummer 4: „Risikoscheu“ ist nur ein Synonym für „ich weiß nicht, womit ich es zu tun habe“ oder für „ich weiß nicht, welche Möglichkeiten es gibt“. Sind diese Wissenslücken aber gefüllt, und ist eine gesunde, plausible und solide Strategie im Angebot, dann sehe ich zumindest bei Investorinnen sogar die Tendenz, doch gerne ein paar Euro mehr in die Gelegenheiten zu stecken, die mehr Rendite in Aussicht stellen.

5. Frauen haben weniger Ego

Tja, kann ich dazu etwas sagen? Als Mann kann ich mich sicher nicht so in das Ich-Bewusstsein von Frauen hineinvermuten, wie es eine Frau kann. Aber ich wage einmal eine Gegenthese:
Wie wir die Welt sehen, hat meistens ganz schön viel mit uns zu tun und gar nicht so viel mit der Welt da draußen. Hier spreche ich natürlich von Resonanzprinzipien, dass ich nämlich im anderen die Eigenschaften wahrnehme, die etwas in mir selbst zum Schwingen bringen, und dass ich ganz gewiss mehr die Menschen treffe, die mich entweder ergänzen oder mir gleichen. Wenn „Frauen haben weniger Ego“ also die Erfahrung von Tanja ist, dann beschreibt das vielleicht eher die Welt von Tanja, die ihr kraft ihrer selektiven Wahrnehmung genau die Protagonistinnen mit genau dem Ego vor Augen führt, das zu Tanja passt – aber mit der Welt allgemein nicht zu viel zu tun haben muss.

Zu definieren, was Ego jetzt eigentlich ist, auch in Auswirkung auf Finanzdinge, das würde jetzt den Rahmen sprengen. Aber ich sage hierzu mal vorsichtig: Ich sehe in Frauen genauso viel Ego wie in Männern, wenn mein eigenes Ego es für nötig empfindet, in der Zirkusmanege des Lebens den Breiten zu machen. Halte ich dagegen mein Ego in Zaum und lasse mehr das Herz entscheiden, dann treffe ich auch auf mehr Menschen, Frauen wie Männer, die so unterwegs sind.

6. Frauen sind geduldiger und rationaler

Hier verweise ich noch mal an meine Ausführungen unter Punkt 4. Meine durchweg erfrischende Erfahrung ist, dass es aus ist mit der Geduld und diese einer freudigen Ungeduld weicht und das Bauchgefühl bei Entscheidungen den Verstand oft überflügelt, wenn, ja wenn das Finanzkonzept wirklich dem eigenen Investorenprofil entgegenkommt und den eigenen Bedürfnissen an Plausibilität, Laufzeit und vor allem an Ethik. Die Ratio wird dabei nie ganz untergehen, aber das ist bei Männern ganz genauso.

7. Frauen teilen lieber Informationen

Dem stimme ich zu. Innerhalb der Wohlstandsbildner-Gruppe bilden sich schon kleine Investorengruppen, bisher immer initiiert von Frauen, die sich untereinander gerne austauschen. Männer sind dort zwar  genauso willkommen, aber Frauen sind in der Überzahl; und das kann mit einem anderen Bedürfnis nach Kommunikation und Mitteilungsbereitschaft zu tun haben.

8. Frauen halten mehr Cash

Dieser letzte Punkt ist keine Aussage, die irgendetwas mit dem Geschlecht zu tun hätte, sondern die hat zu tun mit Finanzwissen, der persönlichen Strategie, der ureigenen Komfortzone und der Rolle, die jemand seiner Liquiditätsreserve beimisst. Und auch hier gilt: Wenn ich nicht weiß, was ich machen soll, ja dann habe ich das Geld eben auf dem Konto. Dahinter steht aber keine bewusste Entscheidung, sondern eher Ratlosigkeit, wie mittlerweile Billionen Euro auf deutschen Giro- und Tagesgeldkonten beweisen.

Soweit zu den acht Thesen von Tanja. Generell ist meine Meinung zur Differenzierung zwischen Frau und Mann, und da sind wir wieder bei einem meiner Lieblingsthemen, nämlich dem Thema der Frequenz:
Auch das hat mit Frau oder Mann nichts zu tun – beide Geschlechter haben gleichermaßen ein Interesse, bewusst oder unbewusst, ihre Frequenz zu erhöhen, denn das entspricht unser aller Streben nach Glück und damit geht auch eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit einher für Gelegenheiten, in die man investieren kann. Bevor ich mich also allzu lange aufhalte in der Kategorisierung zwischen Frau und Mann, bin ich eher ein Freund davon, dass alle schauen, ihr Frequenzlevel hochzuschrauben. Denn damit reduziert sich auch die Wahrnehmung, wir wären ja alle ach so verschieden untereinander und es gebe mehr Dinge, die uns trennen, als vereinen.

Je höher die eigene Frequenz, desto weniger Trennendes gibt es auf der Welt. Je schlechter ich drauf bin, desto mehr gibt es nur mich und den Rest der Welt, und alles da draußen ist anders als ich und im Zweifelsfall schlechter. Für die Demonstration des niedrigen Frequenzlevels gab es in der kürzeren Vergangenheit einige Figuren auf der Weltbühne, die das ganz vortrefflich vorgespielt haben. Im Moment sehe ich keine in der großen Öffentlichkeit stehenden Personen, die hier Besserung versprechen, schon gar nicht in der Politik und ebenso wenig in Bewegungen, die sich der Klimawandelaufklärung oder sonst einem hehren Ziel verschrieben haben. Manchmal macht mich das schwer und lässt mich mühsamer atmen, und es ist auch eine größere Herausforderung, mich auf das zu fokussieren, was ich sehen will und nicht auf das, was ich nicht sehen will.

Was meine Frequenz jedenfalls unvergleichlich hebt, sind gemischte Seminare, wo die Zugehörigkeit irgendeiner Art eigentlich keine Rolle für mich spielt, Hauptsache, alle sind bei der Sache und erfreuen sich an der Vielfalt der Möglichkeiten. Mal ganz abgesehen davon, dass ich als Nicht-Frau kein Seminar nur für Frauen geben kann, die auch von Frauen beraten werden wollen. Da ich aber sehe, dass es dieses Bedürfnis gibt, bin ich ein absoluter Befürworter von reinen Frauenseminaren für Frauen, die sich in diesem Rahmen wohler fühlen; denn bevor diese Frauen ihre Finanzhausaufgaben gar nicht machen, sollen sie allemal eine gute Möglichkeit bekommen, sie eben nur mit Frauen zusammen zu machen. Solange es dafür einen Bedarf gibt, ist es auch nötig, diesen zu befriedigen. Und solange das eine Nische bleibt, ist das sicher auch geschäftstüchtig, in ihr gute Arbeit zu leisten, denn es ist tüchtig und ein gutes Geschäft für alle Seiten.

Mein Fazit und ein paar Empfehlungen, was Finanzbildung für Frauen angeht:

  1. Frauen investieren nicht besser als Männer, aber sie haben oft einen direkteren Zugang zu dem, was ich Frequenz nenne, und bauen so mehr Vermögen auf, das sie auch klug zu sichern wissen.
  2. Finanzielle Bildung für Frauen beginnt im Mädchenalter, spätestens mit elf oder zwölf Jahren. Mit einem eigenen Konto beweisen gerade Mädchen öfter als Jungen, dass sie Konsumverzicht besser beherrschen zugunsten einer höheren Sparquote und zugunsten höherer Ziele. Außerdem lassen sich Mädchen genauso für den Umgang mit Geld begeistern, nur, dass bei ihnen weniger das Geld an sich im Mittelpunkt steht, sondern das, was sie mit Geld bewegen können. Das geht dann für mich schon ganz stark in Richtung Frequenzarbeit.
  3. Wenn Eltern schon gar nicht anders können, als ihren Kindern Glaubenssätze mit auf den Weg zu geben, dann wäre dieser hier gerade für Mädchen und Frauen sehr dienlich: „Behalte immer ein Konto, das nur auf Deinen Namen läuft. Liebe in einer Partnerschaft drückt sich nicht dadurch aus, dass Frau ihre finanzielle Autonomie aufgibt. Schau, dass Du immer Dein eigenes Geld verdienst; und in den Zeiten, wo das nicht geht, lass Dich von Deinem Partner für partnerschaftliche Leistungen bezahlen, worunter zum Beispiel Kindererziehung und Haushaltsmanagement gehören.
    Reife, starke Männer mögen Frauen, die nicht von ihnen abhängig sind, schon gar nicht in finanzieller Hinsicht.
  4. Einer der schönsten Glaubenssätze, die ich allen Frauen zurufen kann: Finanzielle Bildung macht Spaß, denn sie ist letztlich auch nur Lebensbildung. Investieren ist etwas großartig Kreatives. Lernen zu investieren ist ein Akt der Selbstermächtigung, um Zugang zu diesen schöpferischen Kräften zu bekommen.
  5. Niemand kommt darum herum, sich mit seinem eigenen Investorenprofil und mit Finanzen zu beschäftigen, wenn er sich von der Finanzindustrie nicht ausnehmen lassen will. Und wenn bei dieser Beschäftigung Frauen zuerst unter sich bleiben wollen, na wunderbar. Dafür gibt es ein zunehmendes Angebot von Finanzexpertinnen mit tollen Kursen online genauso wie vor Ort, und das finde ich großartig und fördere es auch mit der Ausbildung und Unterstützung genau dieser Wohlstandsbildnerinnen, die Frauen beraten dürfen.
  6. Wohlstandsbildung, wie ich sie verstehe, besteht zu je 50 % aus weiblichen und männlichen Elementen. Jeder und jede sieht sich in ihr wie in einem Spiegel, und der Aufbau eines Portfolios, das sich gut anfühlt, sollte diesem Spiegelbild Rechnung tragen. Denn das ist, wer Du als Investorin und als Investor bist. Achte dein eigenes Investorenprofil, nimm nur Investments in dein Portfolio, die zu dir passen, so, wie du auch nur Nahrungsmittel isst, die dir schmecken und bekommen.
  7. …und als letztes, das muss ich einfach erwähnen: Generell ist ein Portfolio ohne Agrikultur unvollständig, aber noch mehr gilt das für das Portfolio einer Investorin. Jeder liebt diese 3. Säule, aber ich habe mittlerweile über weit 100 Beispiele, die mich sagen lassen: Speziell Frauen verschmelzen mit dieser Anlageklasse, baden in ihr, erbauen sich an ihr und lassen sich von ihr sogar trösten, wie ich in dunklen Coronazeiten erleben durfte.
    Agrikultur ist nicht nur lukrativ, was ein eher männlicher Aspekt ist, sondern zugleich sinnlich, nährend, bunt, duftend, blühend und fruchtbar, was alles weibliche Aspekte sind.
    Allein diese Anlageklasse ist es wert, sich mit Wohlstandsbildung zu befassen.Diese Musik eben habe ich auch deshalb mit einfließen lassen, weil sie auf dem Grundton Fis erklingt. Wenn es einen Ton in unserem 12-Ton-System gibt, der die lunaren, weiblichen Aspekte des Universums besonders stark ausdrückt, dann ist es Fis, ganz nah dran am Ton G, in dem die gesamte Schöpfung mitschwingt. Das noch als Reminiszenz an die Nada Brahma Tonkunst, mit der ich früher eine Weile gearbeitet habe, und deshalb darf Fis nicht fehlen, wenn von spezifisch weiblichen Qualitäten die Rede ist.

Mit diesem ausführlichen Podcast beschließe ich die Reihe in der Reihe und kehre im nächsten Podcast zurück zur klassischen Hamsterrad-Thematik, wobei spätestens beim heutigen Thema alle gesehen haben, was Frauen alles ertragen müssen und in welchem Hamsterrad sie ruckzuck herumrennen, wenn gewohnte Aufgabenverteilungen nicht mehr funktionieren und die Wucht finanzieller Verantwortung über sie selbst hineinbricht. Das war auch der Grund, warum ich die Finanzbildung für Frauen in diese jetzt schon recht lang gewordene Podcast-Reihe integrieren wollte.

Das nächste Mal kehre ich zurück auf die Hamsterrad-Straße und biege ein in den Schlussspurt, der uns mit den Zwiebelschalen und den Finanz-Exorzisten und einer ganz und gar berührenden Nachricht Freude machen soll.

Ganz besonders den Frauen und den Wohlstandsbildnerinnen unter allen Wohlstandsbildnern winke ich jetzt zu und freue mich, wenn ihr beim nächsten Podcast auch wieder dabei seid.

Salut!

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