#58 Was ist besser: Zeit oder Geld?

Warum sollte ein Emittent am Anfang einer Emission Aktien zum halben Preis anbieten? Und warum sollten Anleger später den vollen bezahlen? Beide haben einen Nutzen, jeder auf seine Weise.

Warum eine Emission Zeit UND Geld braucht

Vor 6 Wochen erschien das Blitzlicht Nummer 12 mit dem Titel „Eine Investition so wichtig wie die Luft zum Atmen“. Dort spreche ich über eine Emission, die nach amerikanischem Vorbild in drei Finanzierungsrunden angeboten wird. Warum das große Vorteile mit sich bringt, darum geht es im heutigen Blitzlicht.

 

Drei Finanzierungsrunden, das bedeutet drei verschiedene Preise pro Aktie. Dabei hat die Aktie einen festgelegten Ausgabepreis, so, wie er in der letzten dritten Runde zum Tragen kommt. Das ist der ureigentliche, quasi offizielle Aktienpreis. Aber in den vorherigen beiden Runden gibt es die Aktie günstiger. Warum gehen wir so vor und warum sollte dann noch jemand den vollen Preis bezahlen, wenn die 3. Runde eröffnet wird? Ganz einfach:

Wer in der dritten Runde einsteigt, zahlt zwar den vollen Aktienpreis, aber die Wertschöpfungskette ist zu diesem Zeitpunkt auch voll, also am meisten vorangeschritten: die Abfüllanlage ist nicht nur zu sehen, sondern auch in Betrieb, erwirtschaftet vielleicht schon Gewinne – und im besten Fall investiert man in etwas, das einem schon im nächsten Jahr eine Gewinnbeteiligung beschert in Form von Dividenden. Und die ist börsenunabhängig und sie kann durchaus gut zweistellig sein – das darf zwar nicht garantiert werden, ist aber durchaus möglich, wenn man sich die Ertragsprognose und die Margen bei Wasser allgemein anschaut.

Wer dagegen früher investiert, finanziert den Aufbau der Wertschöpfungskette an sich. Das ist riskanter, weil man einfach nie wissen kann, wann was wie dann wirklich zustande kommt; und für dieses Risiko gibt es eben einen gewissen Rabatt. Und weil ich persönlich das Risiko für machbar halte, nenne ich es nicht Risikoabschlag, weil es das einfach nicht für mich ist, sondern einen Frühzeichnerrabatt. Es ist die frühe Bereitschaft zu investieren, die für alle den Unterschied macht:

Denn es ist ein einfaches Gesetz in der Welt des Produktivkapitals: Je früher du dein Geld in eine Wertschöpfungskette integrieren kannst, desto höher ist die produktive Kraft, die dein Geld ausübt; und deshalb bekommst du dafür auch eine höhere Rendite, weil ein günstigerer Aktienpreis ein besseres Kurs-Gewinn-Verhältnis ergibt.
Wer aber später dazustößt, hat auch etwas gewonnen – nämlich eine viel höhere Gewissheit, dass er auch Erträge für sein Geld bekommt. Und dieses Mehr an Gewissheit kostet eben; alles andere wäre den mutigeren Kapitalgebern zu Beginn des Projekts nicht zu vermitteln. Sich in ein gemachtes, schon angewärmtes Bett legen zu können ist eine Art von Luxus, den die, die am Anfang zelten mussten, nicht hatten. Luxus und Sicherheit haben halt immer ihren Preis.
Das war die Begründung für die drei Finanzierungsrunden aus Investorensicht.

Aus Emittentensicht ist die Begründung eine ganz ähnliche, aber mit anderen Schwerpunkten. Der Emittent muss sich bei seinem Angebot immer entscheiden zwischen Zeitgewinn oder Geldgewinn:

Zeit gewinnt er ohne Zweifel, wenn er seine Anteile zu Beginn möglichst günstig anbietet; denn dann ist die finanzielle Einstiegshürde für den Investor nicht so hoch bzw. die Gewinnaussicht für den Investor ist unschlagbar gut. Also werden mutmaßlich mehr Investoren in kürzerer Zeit Geld zusammenbringen – so, wie es jetzt mit dem Wasserinvestment und seinen ersten 5 Mio. Dollar aufgegangen ist.

Würde der Emittent von vorneherein für seine Anteile das Maximum an Geld herausholen wollen, dann kann sich so eine Emission über Jahre hinziehen und es dauert zu lange, bis konkrete Meilensteine vermeldet werden können.

Der ideale Kompromiss für einen Emittenten ist der Weg mit den drei Runden: Zu Beginn gehen viele Anteile raus und im Verhältnis dazu kommt wenig Geld rein. Aber das kommt schnell. Damit kann flott der Weg zum Projektbau gepflastert werden. In der zweiten Runde sind schon viele Schritte in Richtung Projektverwirklichung gegangen und vielleicht kann man schon was sehen; aber jetzt braucht es Geld für die Betriebskosten und für das Marketing, Verwaltung, Ausbau der Kapazitäten, solche Sachen. Wer das finanziert, kriegt sogar noch einen spürbaren Nachlass und liegt jetzt preislich genau in der Mitte zwischen Runde 1 und 3, doch dem Emittenten bleibt schon mehr Eigenkapital pro Anteil, den er abgibt. Und zum Schluss, wenn alles läuft und die ersten Erträge fließen, dann kommt noch immer Geld aus Aktienverkäufen rein, aber dafür gibt es dann am wenigsten Anteile und der Emittent macht in dieser Phase seinen besten Schnitt.

Dieses Geld ist dann meistens gar nicht mehr für das ursprüngliche Investment nötig, die Wertschöpfungskette ist ja ausfinanziert und trägt sich selbst. Aktive, ideenreiche Emittenten nehmen dieses Geld dann oft, um schon die nächsten Projekte zu planen, was bekannterweise wieder Geld kostet. Und so geht das – nennen wir es mal – Beteiligungsspiel von Neuem los. Und ganz ideal im Wohlstandsbildner-Sinn wäre es, wenn die Frühfinanzierer, sagen wir von Projekt 1, die Anteile vom späteren Projekt 2 mit den ersten Erträgen aus Projekt 1 kaufen könnten. Das ist dann ein Win-Win-Win:

Der Emittent hat bewiesen, dass er Rendite liefert. Der Investor hat gesehen, dass sich sein Risiko auszahlt. Beide kommen für Folgeprojekte schnell und unkompliziert wieder zusammen. Der Emittent glänzt mit der nächsten Wertschöpfungskette, der Investor baut Vermögen und ein breites, stabiles Portfolio auf. Das spricht sich wieder herum, die Wohlstandsbildner werden zahlreicher und wissen immer schneller, worum es geht.

Zugegeben, da sind wir noch nicht ganz. Beim Club Deal im Februar aus Säule 1 und 2haben wir es aber genau so schon erlebt: Investieren, mit Gewinn wieder aussteigen, der direkt wieder in den nächsten Club Deal untergebracht werden kann.

Das ist Genuss-Investieren. Oder Vermögensaufbau mit dem besonderen Kick Leichtigkeit. Das ist einfach gut und macht Spaß für ein Leben in Fülle.

Euer Andreas

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