Renditen aus Geldanlagen – Warum sie sich nicht voraussagen lassen wie das Leben selbst

Renditen aus Geldanlagen – Warum sie sich nicht voraussagen lassen wie das Leben selbst

Vor Kurzem habe ich ein bemerkenswertes Buch des berühmten Gehirnforschers Gerald Hüther in die Hände bekommen. Völlig unzufällig schlage ich das Buch irgendwo auf und in die Augen fällt mir ein Zitat, das als Leitlinie für Investoren gelten könnte:

„Das ist das Wesen alles Lebendigen: Es lässt sich langfristig weder einzäumen noch in bestimmte Bahnen lenken.“

Anleger mit dem, was ich Angestellten-Mentalität nenne interessieren sich nicht für das Lebendige ihrer Geldanlage. Ihnen geht es darum, mit einem zuverlässigen Zins ihr Geld in bestimmte, voraussagbare Bahnen zu lenken. Investoren denken anders.

Sie begreifen Geld als Energie, die grundsätzlich etwas bewegt. Energie, Bewegung, Veränderung – all das sind Beschreibungen oder sogar Synonyme für das Leben selbst. Warum auch heute noch so viele danach streben, eines der lebendigsten, weil fließendsten Elemente unseres Lebens – nämlich Geld – bestmöglich sichern zu wollen im Sinne von einzäumen, ist mir ein Rätsel. Was soll im besten Fall dabei etwas anderes herauskommen als ein Rinnsal namens Zins? Nichts im Leben ist gerne eingezäunt, zumindest, wenn es sich entfalten soll wie eine Investition mit grandiosen Renditen. Nur muss man ihr dann auch eine Chance geben zu wachsen, wie es Investoren tun, die eine Geldanlage durch und durch wie etwas Lebendiges, weil Unternehmerisches betrachten.

Natürlich birgt das ein erhöhtes Risiko, dass in nicht bestimmte Bahnen gelenkte Investitionen auch einmal auf Abwege geraten können, trotz bester Prüfung und kritischem Blick. Na und?
Ein ausgewogenes Portfolio, wie es die Wohlstandsbildner-Strategien vorgeben, hat die Eigenschaft, Verluste wegzustecken wie ein lebendiger Organismus einen Infekt: Und zwar durch das Prinzip der Homöostase! Das ist das Bedürfnis, sämtliche Vorgänge so zu regulieren, dass ein stabiles, inneres Milieu gewährleistet ist.

Video: Geld verloren beim Geld anlegen? – So sind deine Verluste nicht umsonst

Wenn ich das innere Milieu meines Portfolios beschreiben sollte, wäre es das Bedürfnis nach durchschnittlich mindestens 7 % Wertsteigerung pro Jahr (tatsächlich wurde in den letzten Jahren dieses Ergebnis weit übertroffen, aber es geht hier um das Grundbedürfnis, die Basis des Erhofften). Sollten mehrere Jahre darunter liegen, wäre das für mich ein Zeichen dafür, dass etwas aus der Balance geraten ist und ich die Säulen des Portfolios nachjustieren muss.

Für diese 7 % ist es ansonsten völlig irrelevant, ob von 700 Positionen, auf die ein breit aufgestelltes Portfolio basieren, 30 Positionen nicht so gut laufen. Andere wenige Positionen vermögen eventuelle Verluste mehr als auszugleichen. Was zählt, ist grundsätzlich das Überleben des Lebendigen – für ein Portfolio bedeutet das: Kein Verlust des investierten Geldes. Verfügt ein Organismus über einen Energieüberschuss, vermag er Angriffe von außen zu parieren und er hat am Ende sogar mehr Energie übrig und Wissen gesammelt für die Zukunft (Verluste bescheren immer Erkenntnisgewinn. In unserem Organismus sind das die Gedächtniszellen des Immunsystems).

Auch das übertragen auf ein Portfolio bedeutet: Ein lebendiges Portfolio verbucht Verluste als eine Reduzierung von Gewinnen, aber nicht als eine Verminderung der Grundsubstanz, also des angelegten Geldes.

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