25% Durchschnittsrendite bei Geldanlagen, aber NULL Gewinn

Finanzsprech durchschauen: 25% Durchschnittsrendite bei Geldanlagen, aber NULL Gewinn

Wie die Finanzindustrie Anleger für dumm verkauft mit dem Begriff „Durchschnitt“

Was gibt es nicht alles für Zinsen: Nominalzins, Sollzins, Basiszins, effektiver Zins – und immer öfter soll nun auch der Durchschnittszins Anleger beglücken. Dabei ist der Begriff hohl, sinnlos und ohne Bezugsgröße, was man ja sonst nur vom Politikersprech kennt. Ich kann nämlich 25 % Durchschnittsrendite oder Durchschnittszins ausweisen und habe nicht einen Euro Gewinn gemacht.

11,2 % durchschnittliche Rendite in 9 Jahren – klingt gut, oder? Mit dem Spruch wurde eine Zeit lang ein börsennotierter Investmentfonds beworben. Diese Durchschnittsrenditen haben auch gestimmt, und dennoch sind sie total irreführend. Warum Sie als Anleger auf den Begriff Durchschnittsrendite nicht reinfallen sollten, zeige ich an einem simplen Rechenbeispiel:

Ein Aktienfonds macht im ersten Jahr 50 % Verlust, von 10.000 € angelegtes Geld bleiben noch 5000 € übrig – sowas soll‘s ja geben. Im zweiten Jahr dagegen hat der Fondsmanager ein goldenes Händchen, schafft sagenhafte 100 % und verdoppelt damit meine 5000 €! Jetzt sind wir wieder bei 10.000. Sowas gibt´s leider viel seltener, aber es geht ja ums Rechenbespiel. Der Anleger hat also keinen Euro Gewinn gemacht, aber der Fondsmanager klopft sich mit 25 % durchschnittlicher Rendite auf die Schultern, denn:

50 % Verlust im ersten Jahr +100 % Gewinn im zweiten Jahr macht 50 % Gewinn insgesamt. Das geteilt durch zwei Jahre, dann haben wir das gewünschte Ergebnis von 25 %. Sieht toll aus, ist aber nur heiße Luft. Deshalb zwei Dinge zum Merken:

  1. Je volatiler die Aktienmärkte, also je größer die Kursausschläge nach oben und unten, desto leichter ist es, Zahlen gut aussehen zu lassen mit dem Wörtchen Durchschnitt. Die Jahre nach der Finanzkrise 2008 sind dafür ein Paradebeispiel.
  2. Wenn jemand mit Durchschnittsrenditen Werbung macht, gibt es nur eine relevante Frage: Wie viel Gewinn wurde effektiv auf das ursprünglich angelegte Kapital gemacht? Da gibt es hier keine ausweichenden Antworten. Und wenn tatsächlich Gewinn gemacht wurde, dann kann man kann den jetzt noch durch die Jahre teilen, dann hat er tatsächlich so etwas wie einen effektiven durchschnittlichen Zinsgewinn.

Also, immer hinterfragen, ob hinter dem Wörtchen Durchschnitt nur heiße Luft oder sogar eine Lüge steckt oder eine tatsächlich brauchbare Kennzahl. Viel Erfolg dabei.