Nachhaltiges Investieren – Hohe Renditen und ethisch saubere Geldanlagen?

Nachhaltiges Investieren – Hohe Renditen und ethische Geldanlage?

Viele Anleger wollen immer genauer wissen, was ihr investiertes Geld macht, vor allem wenn es darum geht, dass Rendite nicht zulasten von Menschen entsteht, die krank gemacht oder getötet werden wie etwa im Falle der Pharma- und Rüstungsindustrie. Oder der Planet Erde kaputt gemacht wird, wenn die Energie- und Ölindustrie um Renditen und Wachstum kämpfen. Dabei müssen sich hohe Renditen und ethisch saubere Anlagen nun wirklich nicht ausschließen.

Magisches Dreieck der Geldanlage?

In der täglichen Beratungsarbeit sehe ich deutlich, dass das Verantwortungsgefühl bei den meisten Anlegern für das eigene Geld wächst. Eine rundum erfreuliche Entwicklung, denn nur auf Renditen zu schielen mit einer „nach mir die Sintflut“-Gesinnung bedeutet früher oder später den Kollaps des Systems, aus dem die Renditen herausgezogen werden.

Es wird also höchste Zeit, dass aus dem sogenannten magischen Dreieck der Vermögensanlage – Rendite, Sicherheit, Liquidität – ein Viereck wird, in dem die Ethik oder Nachhaltigkeit zum eigenständigen Kriterium jeder Geldanlage wird. Die Strategien eines Wohlstandsbildners gehen übrigens schon seit langem auch darüber hinaus, wir haben ein Fünfeck, in dem Transparenz eine genauso wichtige Rolle bei der Beurteilung eines Investments dient wie zum Beispiel Sicherheit oder Rendite. Doch dazu mehr in einem anderen Video.  Beleuchten wir jetzt erst einmal nur den Aspekt Ethik.

Investieren nach ESG-Kriterien: Echte nachhaltige Geldanlagen oder nur Marketing?

Da die Nachfrage nach ethischen Investments also durchaus spürbar ist, hat die Finanzindustrie darauf reagiert. Nach einigen Zwischenstufen hat sich jetzt das ESG-Konzept quasi als Label für Investitionen, die nachhaltig sein sollen, etabliert. ESG steht für Environment, Social und Governance – also für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Viele Großanleger wie z. B. Pensionskassen und Versicherungen schreiben allerdings oft, dass sie diese Richtlinien ernst nehmen würden und berücksichtigen, aber sie schreiben entweder gar nicht oder im Kleingedruckten, dass das nur für einen Teil ihres Geldes gilt. Der Rest wird noch immer fröhlich in Atomkraft, Rüstung, Waffen, Palmöl, Fracking, Bergbau, Nahrungsmittelhandel usw. investiert – aber Hauptsache, man kann sich mit dem mittlerweile fast hohl, weil abgelutscht klingenden Wort „nachhaltig“ schmücken.

Dennoch finde ich, dass das in die richtige Richtung geht und damit auch börsennotierte wie nicht börsennotierte Konzerne immer mehr gezwungen werden, ihre Angebote moralisch beanstandungsfreier zu gestalten, damit sie von mehr Leuten gekauft werden.

Anlegern empfehle ich wirklich nachzubohren, ob ein Anbieter von Geldanlagen wirklich 100% des eingeworbenen Kapitals sauber unterbringt und das ebenso für seine oft versteckten und verschachtelten Tochterunternehmen gilt, über die er vielleicht Geld verwalten lässt. Ein schriftlicher Nachweis dazu ist in jedem Fall eine gute Sache, sofern das Produkt nicht so einfach gestaltet ist, dass man auf den ersten Blick erkennt, dass es sauber arbeitet. Sollte nämlich irgendwann die Meldung auftauchen, der Anbieter hat hier geschwindelt und seine Anleger sind ohnehin unzufrieden mit seiner noch nicht einmal sauber erwirtschafteten Rendite, haben sie mit dem schriftlichen Nachweis vielleicht einen juristischen Hebel, um aus so einer Anlage rauszukommen.

Mich persönlich haben offizielle Kriterien wie ESG noch nie interessiert. Eine Art Ethik-Kodex war mir schon früh wichtig, und zwar aus ganz pragmatischen Gründen, da muss mir niemand Gutmenschentum unterstellen, denn einer der Grundsätze für Sicherheit in den Wohlstandsbildner-Strategien ist: „Wenn alle direkt und indirekt Beteiligten einer Geldanlage von dem, was das Geld macht, profitieren, stärkt das massiv die Sicherheit der Investition.“ Und das wissen auch Leute, die Milliarden zu schützen und zu vermehren haben und leben es teils vorbildich vor. Dazu braucht es dann kein ESG, dazu reicht gesunder Menschenverstand.

Abgesehen davon, dass ich es widerlich finde, aus dem Leid anderer Menschen Gewinne zu ziehen, ist DAS der Grund, warum ich von Renditen aus Krieg, Waffen, Drogen, Prostitution, Kinderarbeit, Länderausbeutung und Umweltverschmutzung nichts halte. Viel mehr Menschen, gerade an der Börse, sind hier investiert und würden es nie für möglich halten, weil es eben über unfassbar viele Umwege geschieht.

Meine Investments und die meiner Mandanten haben damit nichts zu tun, damit fühlen sich alle nicht nur wohler, sondern auch erheblich sicherer. Und die Rendite lässt kein bisschen zu wünschen übrig. Das ist eine Win-Win-Nachhaltigkeit, die nicht abgelutscht ist, sondern sich lohnt auf allen Ebenen des Lebens.