#146 Steuern, Schulden, altes und neues Geld

Dauer: 27:02

Sechs Impulse – u. a. zu Steueränderungen, Staatsverschuldung und Inflation durch KI

Der Podcast beleuchtet neue Steuerregeln für Edelmetalle und deren Folgen für Anleger. Zudem wird die tatsächliche Staatsverschuldung kritisch eingeordnet und die wachsende Ungleichheit am Immobilienmarkt aufgezeigt. Auch Entwicklungen in der Schweiz und eine Auszeichnung für finanzielle Bildung werden thematisiert. Abschließend zeigt ein Beispiel aus der Tech-Welt, wie KI-getriebene Nachfrage reale Preisschocks auslöst.

Shownotes

Zum Gespräch mit Achim Maisenbacher, der Podcast-Host:

Baustelle Vermögensaufbau: Ein spontanes Gespräch über Geld, Handwerk und das Leben allgemein

Achim Maisenbacher ist ein Schwabe wie ich, ebenso ein Podcaster, Unternehmensgründer und Unternehmer. Gemeinsamkeiten haben wir also, nur hat er sich auf eine besondere Zielgruppe hin spezialisiert: Er hat mit tausenden Handwerkern zu tun, und zwar in seiner Rolle als Gründer und Produzent einer mächtigen Software; die heißt MemoMeister und hilft großen Handwerksbetrieben, ihre digitalen Prozesse rund um Organisation, Dokumentation und Kommunikation nicht mehr nur zu verwalten, sondern auch zu gestalten.

Achim hat mich zum Gespräch in seinen Podcast eingeladen, den wir in Wort und Bild vor einigen Wochen aufgezeichnet haben. Wir haben uns ohne jede Vorbereitung oder abgesprochene Fragen unterhalten, es mäanderte also fröhlich und spontan durch alle möglichen Schichten der Finanzwelt. Lebendig und anregend war es, ich kam dabei auf ganz neue Metaphern, die mich selbst überrascht und gefreut haben. Viel Freude mit dem Interview, Link natürlich in den Shownotes. Und jetzt zu den Kurzimpulsen.

Kurzimpulse

Steuerschock für Silber & Co. – BMF schließt das Schlupfloch im Zollfreilager

Wichtige Neuigkeiten für alle, die physische Edelmetalle im Portfolio haben: Das Bundesfinanzministerium hat mit einem Schreiben vom 9. April 2026 die Spielregeln für Zollfreilager in Deutschland verschärft. Die bisherige Auslegung des § 4 Nr. 4b UStG wurde mit sofortiger Wirkung angepasst.

Was hat sich geändert?

Bisher konnten Metalle wie Silber, Platin oder Palladium, also die sog. „weißen“ Metalle, im Zollfreilager gekauft und gelagert werden, ohne dass 19 % Umsatzsteuer zu berappen waren. Das Finanzamt hat das nun gekippt: Diese Steuerbefreiung gilt für Endverbraucher ab sofort nicht mehr. Für den Handel innerhalb des Lagers gilt nun die volle Umsatzsteuerpflicht.

Aber jetzt nichts überstürzen, hier zwei wichtige Fakten für Edelmetall-Freunde:

  • Wer bereits Bestände im Lager hat, ist erstmal nicht direkt betroffen. Die Neuregelung greift nur für neue Geschäfte, also Kauf und Verkauf.
  • Und noch wichtig für alle Gold-Besitzer – Anlagegold bleibt unberührt. Da Gold nach § 25c UStG grundsätzlich umsatzsteuerfrei ist, ändert sich hier durch die Neuregelung nichts.

Klar ist, dass ab sofort die Attraktivität dieser Anlageform beeinflusst werden dürfte:

  1. Durch den Wegfall des Steuervorteils wird der Einstieg in Silber & Co. im Zollfreilager schlagartig 19 % teurer. Diese Kosten müssen durch Kursgewinne erst einmal wieder reingeholt werden.
  2. Der Preisvorteil, der das Zollfreilager bisher gegenüber dem physischen Kauf für zu Hause attraktiv gemacht hat, mal abgesehen von der Sicherheitsverwahrung, der ist für Neuanlagen verschwunden. Werden jetzt viele kiloweise Silber hinter der Waschmaschine im Keller parken? Warten wir es ab. Und
  3. sehen wir an diesem Beispiel wieder, wie erfinderisch die Gesetzgebung auf der Suche nach erweiterten Einnahmen ist, indem sie einfach an der Regulierungsschraube dreht: So schnell können vermeintlich sichere „Steuer-Oasen“ für Sachwerte durch einfache Verwaltungsanweisungen geschlossen werden.

Das 17-Billionen-Euro-Geheimnis: Ein erfrischender Moment medialer Ehrlichkeit

Manchmal lese ich etwas in einer Zeitung und reibe mir die Augen. Nicht, weil es unglaubwürdig klingt, sondern weil es so ungewöhnlich ist, dass ein Massenmedium es überhaupt ausspricht.

Am Samstag, dem 11. April, war einer dieser seltenen Momente – mit einem Artikel der Welt.

Der Anlass war der sogenannte Sozialabgabengedenktag 2026, ausgerufen von der Stiftung Marktwirtschaft. Die Botschaft lautete, dass die deutschen Bürger bis zum 11. April gearbeitet haben, nur um die Sozialabgaben dieses Jahres zu erwirtschaften. Das waren zwei Tage Mehrarbeit als letztes Jahr. Die Tage davor bis zum 1. Januar – kein eigenes Geld.

Die Steuern sind da wohlgemerkt noch gar nicht eingerechnet. Denn dafür gibt es einen eigenen Gedenktag: den Steuerzahlergedenktag, berechnet vom Bund der Steuerzahler. Der fiel zuletzt immer auf Mitte Juli – 2025 war es der 13. Juli mit einer Steuerquote von abenteuerlichen 52,9 % für den Durchschnittsbürger. Mehr als jeder zweite Euro geht also an den Staat, der mit Geld nicht umgehen kann, es sich aber mehr anmaßt, als jemals zuvor in dieser Regierung.

Aber das Eigentliche, das mich aufhorchen ließ, steht weiter unten im Artikel. Über das höre ich mich sonst nur selbst reden, und zwar in der ersten Stunde des Live Onlineseminars. Der Redakteur von Welt online, Michael Höfling, Ehre, wem Ehre gebührt, benennt etwas, das in der deutschen Medienlandschaft erstaunlich selten beim Namen genannt wird – nämlich die implizite Verschuldung des Staates. Die beträgt insgesamt 17 Billionen Euro, wovon etwa 8,4 Billionen nur auf die Sozialversicherungen fallen. Also allein der Sozialstaat ist bei uns mit 205 % des gesamten Bruttoinlandsprodukts verschuldet.

17 Billionen. Das ist keine offiziell ausgewiesene Staatsschuld, die in einer Statistik auftaucht. Das ist das, was der Staat versprochen hat – Renten, Pflegeleistungen, Gesundheitsversorgung –, ohne dafür die Mittel zu haben. Das sind Schulden, die nicht in den Büchern stehen, aber trotzdem real sind. Eine GmbH müsste diese Forderungen, die in der Zukunft fällig werden, ausweisen, was augenscheinlich nicht für die Deutschland GmbH gilt.

Wir sehen also klar: Was einen Unternehmer ins Gefängnis bringt, nennt der Staat Haushaltspolitik. Der nutzt nämlich die Möglichkeit, zukünftige Ausgaben in Nebenhaushalte zu verlagern – in Deutschland gerne als „Sondervermögen“ bezeichnet – eine begriffliche Frechheit, wie ich finde. Das Motiv hinter der Unterschlagung der zukünftigen Forderungen und der alleinigen Ausweisung der expliziten Verschuldung von rund 2,6 Billionen derzeit ist natürlich, die staatliche Verschuldung geringer erscheinen zu lassen, als sie wirklich ist. Und die beträgt eben in Summe deutlich über 19 Billionen Euro.

Und wer zahlt die?

  • Die, die heute jung sind.
  • Die, die heute in die Rentenkasse einzahlen.
  • Die, die glauben, dass der Staat schon für sie sorgen wird.

Wer aber darauf wartet, dass der Staat sein finanzielles Problem löst, der wartet auf einen Zug, der schon 1975 abgefahren ist. Denn seit dieser Zeit halten sich die Sozialversicherungssysteme nicht mehr aus eigener Kraft, sondern nur noch durch Umverteilung.

Der Zug fährt also längst auf Phantom-Gleisen. Das geht nicht mehr lange gut, was alle Ökonomen nach radikalen Reformen rufen lässt. Mit der SPD lassen sich aber keine Reformen anpacken, von Bärbel Bas bekanntlich griffig in ein Wort gepackt: Ob wir uns diesen Sozialstaat noch leisten können bei über 400 % Verschuldung des BIP? Sie sagt dazu nur „Bullshit“.

Zweiklassengesellschaft Immobilienmarkt: Wer nicht erbt, hat schon verloren

Wir müssen über eine Entwicklung in Deutschland sprechen, die den klassischen Vermögensaufbau durch Immobilien faktisch beendet. Eine aktuelle Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft zeigt es deutlich: Wir steuern auf eine Schere zweier Arten von Geld- und damit Immobilienbesitzern zu, die immer weiter auseinandergeht: Einerseits steht das „alte Geld“ – also Menschen, die durch Erbe oder eine finanzstarke Familie den Weg ins Wohneigentum geebnet bekommen. Auf der anderen Seite steht das „neue Geld“ – Geld, das heute aus eigener Kraft mit Fleiß und Arbeit verdient wird. Wer neues Geld erwirbt, der guckt heute schlichtweg in die Röhre – selbst, mit einem überdurchschnittlichen Gehalt von sagen wir mal 5.000 € brutto.

Die Zahlen sind für jeden engagierten Sparer mit dem Traum vom eigenen Häuschen, oder wenigstens einer Wohnung, entmutigend, denn: Wer heute bei Null anfängt, muss im deutschen Durchschnitt zehn Jahre lang konsequent 20 % seines Einkommens weglegen, nur um überhaupt das nötige Eigenkapital für eine Bankfinanzierung zusammenzubekommen.

In den 80er-Jahren reichte noch das 1,7-Fache eines Jahresgehalts, damit die Bank dir erlaubt hat, dass du für die restlichen 80 % des Immobilienpreises weitere 30 Jahre brav abzahlen darfst. Heute musst du für den gleichen Schritt drei volle Jahre schuften, doppelt so lang. In Ballungsräumen wie München oder Starnberg reden wir mittlerweile sogar von 23 bis 27 Jahren reiner Sparzeit. Das ist also kein Vermögensaufbau mehr, das ist eher eine Form der  Vernichtung von Lebenszeit.

Besonders absurd wird es allein bei den Nebenkosten: Bevor du überhaupt den ersten Quadratmeter dein Eigen nennst, auch wenn das sog. Eigen noch lange inoffiziell der Bank gehören wird, dann musst du im Schnitt anderthalb Jahre nur für Steuern, Notar und Gebühren sparen. In Städten wie Frankfurt oder Berlin sind es sogar über drei Jahre – Geld allein für den Staat und die Dienstleister rund um die Immobilie.

Die Konsequenz ist bitter: Ohne altes Geld wird es bei den steigenden Preisen und Lebenshaltungskosten und bei immer höheren Bankenforderungen für Kredite die nächsten Jahre immer enger oder schlicht unmöglich, eine eigene Immobilie zu erwerben.

Wer will, dass es seinen Kindern besser geht, muss mit einer funktionierenden Vermögensstrategie viel neues Geld aufbauen, um seinen Kindern irgendwann altes Geld vermachen zu können.

Immer mehr Schweizer goutieren Wohlstandsbildung institutioneller Art

Vor 30 Jahren wurde ich einmal ins Emmental, östlich der Schweiz, eingeladen. Der Vater der Familie, ein Landwirt, brachte da in einer lebendigen Diskussion über Finanzen und über die Bank UBS im Speziellen einen Spruch, der lange mein Bild der Schweizer geprägt hat. Er sagte:

„Wenn es den Banken gutgeht, dann geht es allen gut.“

Das war das damalige Selbstverständnis eines finanziell gut aufgestellten Schweizers, und er teilte es mit einem Großteil der Bevölkerung. Ich vermute, dieser Glaubenssatz hat seitdem einige Schlagseite bekommen, aus wenigstens diesen fünf Gründen:

  1. Auch die Schweizer erleben einen Strukturwandel ihres Rentensystems durch die lange Phase niedriger, viel zu niedriger Zinsen. Da merken sie, dass sie sich mit ihrem Lebensstandard im Alter nicht mehr so ganz auf ihre Institutionen verlassen können.
  2. Das legendäre Schweizer Bankgeheimnis ist Geschichte. Damit ist ja auch so etwas wie die Unantastbarkeit der Banken verschwunden und ein ganzes Geschäftsmodell geschwächt worden, von dem nicht zuletzt der Schweizer Staat und seine Bürger lange gut gelebt haben.
  3. Die Schweizer Finanzwelt hinkt der europäischen hinterher, wenn es um neue, flexible und kostengünstige Finanzprodukte für Kleinanleger geht. Eines werde ich demnächst in einer eigenen Podcastfolge im Detail besprechen. Bis heute halten die Schweizer Banken an überteuerten, unflexiblen und im Kern auch ziemlich sinnfreien, also wertschöpfungsfreien, Produkten fest.
  4. 2008 der unfassbare Sündenfall der UBS, der auch meinen wackeren Landwirt im Emmental zu schaffen gemacht haben dürfte: Diese Großbank, so mächtig wie ein eigener Staat im Staat der Eidgenossen, die hatte sich mit hoch riskanten amerikanischen Hypothekengeschäften verspekuliert, was im Zuge der Finanzkrise Schwierigkeiten gemacht hat. Anders gesagt: 6 Milliarden Schweizer Franken waren weg.
    Aber too big to fail musste auch hier der Steuerzahler einspringen. Der Gipfel aber war, und da endet auch die Freundschaft eines Schweizers: Die Bankenführung hat sich nach dem Fast-Kollaps trotzdem heftige Boni ausgezahlt. Nun ja, wir Deutschen kennen das auch sehr gut, und wir sind ebenso mit der Faust in der Tasche, aber still, drüber hinweggegangen. Wäre das in Frankreich passiert, wären Autos explodiert und die Züge stillgestanden.
  5. Und wenn man sich einen Schweizer endgültig zum Feind machen will, dann lässt man ihn als Aktionär schlecht aussehen: Genau das ist im Übernahmeskandal 2023 passiert, als wieder die UBS in der Manege zweifelhaft glänzte; vielleicht ist diese Bank ja sowas wie die Deutsche Bank bei uns – immer die Finger im Spiel, wenn es schmutzig wird.
    Die UBS hatte jedenfalls die Credit Suisse übernommen, allerdings für so einen billigen Appel und ein Ei, dass es sich für die Aktionäre wie eine Enteignung anfühlte. Und viel schlimmer: 16 Milliarden Franken in nachrangigen Anleihen wurden für wertlos erklärt.

    Das hat dem Schweizer Finanzplatz massiv geschadet, wie man sich denken kann, wenn man sogar bei Anleihen befürchten muss, dass sie wie Aktien einen Totalverlust erleiden können.

    Nun, warum erzähle ich das alles? Immer mehr Schweizer absolvieren die Investorenausbildung für Wohlstandsbildner, und das, obwohl wir da drüben gar nicht aktiv werben.

    Es ist jedenfalls so viel Interesse da, dass ich mit meinem Team darüber nachdenke, für unsere Weiterbildungsplattform extra Schweizer Zertifizierungen zu erwerben. Dann können auch Schweizer die Strategie nach dem Vorbild institutioneller Investoren in ihrem Portfolio kostengünstig nachbauen.

    Ausgezeichnet und trotzdem ehrlich: Warum wir uns dem diind-Check gestellt haben

    Ich bin kein Fan von Urkundensammlungen. Käufliche Gefälligkeits-Siegel kommen mir nicht ins Haus. Deshalb war ich skeptisch, als das Deutsche Innovationsinstitut für Nachhaltigkeit & Digitalisierung (diind) aus Hamburg bei uns anfragte, ob wir die Wohlstandsbildner einem Zertifizierungsprozess unterziehen wollten.

    Dann habe ich mir deren Methodik angeschaut und war überrascht: kein Fragebogen, den man schönreden kann, sondern ein zweistufiges, datengetriebenes Audit – schon KI-gestützt, per Web-Crawling, und immer nur auf Basis dessen, was ein Unternehmen wirklich tut und nicht nur beschreibt. Also kein „Füll das mal aus und wir machen was Hübsches draus.“ sondern nur ein „Prüfen, was ist“.

    Also habe ich mitgemacht. Das Ergebnis: 80 von 100 Punkten als Standortbestimmung in zwei Bewertungsbereichen:

    1. Geschäftsmodell & Innovation: 60 von 70 Punkten
    2. Digitaler Auftritt: 20 von 30 Punkten

    Besonders gefreut haben mich die 60 Punkte im Bereich Innovation. Die Prüfer bestätigen, was mich seit Jahren begeistert. Das Konzept der institutionellen Anlagestrategien ist an sich jahrhundertealt. Aber es im heutigen Umfeld Privatanlegern zugänglich zu machen, in Theorie und Praxis, das ist eben noch immer eine signifikante Innovation in der Finanzbildung!

    Hausaufgaben und eine bewusste Null

    Beim digitalen Auftritt haben wir allerdings noch Luft nach oben: technische Performance und SEO der Website sind ausbaufähig, und das haben wir auch vernachlässigt. Das werden wir angehen – denn gute Inhalte sollten schon auch gut gefunden werden.

    Eine Kategorie haben wir sogar mit null Punkten abgeschlossen: Arbeitgeberreputation. Weil es keine Karriereseite und keine Stellenausschreibungen gibt. Aus Sicht der Prüfer ein Minus – aus meiner Sicht: Absicht. Denn mein Team und ich wollen nach wie vor eher noble Edelboutique für Investitionswissen bleiben als aufgeblähter Seminarapparat werden. Finanzseminare mit zu vielen Teilnehmern, da verliert sich so schnell der persönliche Kontakt zueinander; abends auf einen Plausch zu gehen, wird da schwer. Aber wir haben gemerkt: Dieser abendliche, gemütlichere Teil gehört mit zum Wertvollsten der ganzen Investorenausbildung.

    Fazit

    Ein Siegel beweist erstmal gar nichts. Aber es kann bestätigen, wenn etwas Stabiles gewachsen ist. Der Prüfbericht, übrigens unterzeichnet von der ehemaligen Bundesministerin Brigitte Zypries, der drückt letztlich aus: Die Substanz stimmt. Vielleicht, weil sie sich gerade auf den persönlichen Kontakt, von Investor zu Investor, konzentriert.

    KI-getriebene Inflation: Wenn die Festplatte 740 Euro kostet

    Letzte Woche wollte ich mir eine externe Festplatte kaufen mit 4 Terabyte. Nichts Exotisches, nichts für ein Rechenzentrum – einfach das, was ein normaler Mensch zu Hause auf dem Schreibtisch stehen hat, wenn er recht dringend eine ordentliche Sicherung seines Computers durchführen will. Im Media-Markt waren diese Festplatten gar nicht mehr lieferbar.

    Also schaue ich im Internet: Vor einem Jahr hat so ein Ding 180 € gekostet. Weißt du, was ich jetzt zahlen sollte? 740 €. Aha: 180 auf 740.

    Viele erleben gerade das hautnah, von dem ich zu Beginn des Online Seminars seit Jahren erzähle: Preiserhöhungen dieser Art sind keine Statistik. Sie sind keine 2,2 Prozent aus dem Mund des Tagesschau-Sprechers. Diese Preiserhöhungen zwicken einem sehr konkret in den Geldbeutel. Ich habe das dann erstmal sein lassen mit der Hardware und versuche, mir mit einer Cloud-Lösung zu behelfen.

    Aber was ist da eigentlich passiert, dass es zu so einem irren Preissprung kommt?

    Western Digital und Seagate — die beiden Namen, die auf vielen Festplatten dieser Welt stehen – haben heute schon ihre komplette Jahresproduktion 2026 verkauft. Aber nicht an Privatkunden oder Firmen, die Kundenakten sichern wollen. Sondern an Rechenzentren. Fast neun von zehn Euro, die Western Digital heute einnimmt, werden für Cloud-Arbeiten ausgegeben. Fünf Prozent bleiben dann noch für Menschen wie dich und mich.

    Nun, wer sitzt jetzt hinter dieser Cloud? Das sind zum überwältigenden Teil die Magnificent Seven, die kluge Köpfe den finanzdigitalen Komplex nennen: Microsoft, Alphabet, Meta, Amazon und die üblichen Verdächtigen. Zusammen wollen sie in diesem Jahr rund 680 Milliarden Dollar in ihre Infrastruktur werfen. Allein Alphabet 180. Meta 125. Microsoft 144. Das sind keine Investitionen mehr; das kommt daher wie staatliche Budgets, die die eigentlichen Staaten schon lange nicht mehr stemmen können.

    Und was passiert, wenn sieben Giganten mit ihrem Geldkoffer an den Weltmarkt gehen und sagen: „We take it all“?

    Na klar: Der Preis geht hoch. Und zwar bei allem!

    Nicht nur bei Festplatten. Arbeitsspeicher sind in einem einzigen Quartal um rund neunzig Prozent teurer geworden. Ein DDR5-Kit, so ein spezielles Speichermodul-Paket, das vor einem Jahr unter hundert Euro lag, kostet heute das Fünffache. OpenAI allein schluckt mit einem einzigen Projekt fast die Hälfte des weltweiten Arbeitsspeicher-Angebots.

    Was wir hier erleben, jeden Tag, und kaum jemand schreit auf, das ist in Wirklichkeit ein ganz eigener systematischer Umverteilungsprozess. Das Kapital der Welt fließt immer mehr in eine Handvoll Konzerne. Diese Konzerne saugen immer mehr die physischen Ressourcen auf – Silizium, Kupfer, Strom, Festplatten, Speicher, ganze Wasserkraftwerke und kleine Atomreaktoren. Und am Ende der Kette zahlt der Verbraucher die Rechnung an der Kasse – wenn er denn überhaupt noch was bekommt.

    Das ist keine Prognose, das passiert gerade in Echtzeit, in jeder Elektronikabteilung.

    Bleibt die Frage, wer daraus für sich Erkenntnisse und Konsequenzen zieht: So gesehen ist eine Festplatte für 800 Euro kein Ärgernis, sondern ein weiterer Weckruf, der auf einem Preisschild steht und zeigt: Die Welt verschiebt sich sich gerade, und das gewiss nicht zugunsten des Kleinanlegers.

    Wer aber durch den Weckruf aufwacht, dem rufe ich eine meiner Lieblingsansagen zu: Finanzielle Bildung ist kein Luxus mehr, ja nicht mal mehr nur Notwendigkeit. Finanzielle Bildung wird immer mehr zur finanziellen Notwehr, auch gegenüber den Angriffen des finanzdigitalen Komplexes.

    Mehr als nur Schwitzen: Wie Leidenschaft für die Arbeit den Saunaaufguss veredelt 

    Nicht nur als Genuss, sondern geradezu als Labsal für Körper und Geist empfinde ich den Gang in die Sauna, bereichert durch einstündige Aufgüsse, die von versierten Saunameistern durchgeführt werden.

    Deutschland hat eine reiche Saunakultur, da können wir uns glücklich schätzen. Aber Achtung übrigens, was das textilfreie Saunieren angeht:  Bei uns ist es fast Pflicht, ebenso in Österreich oder der Schweiz, wo Badebekleidung in der Sauna als unhygienisch gilt. Ebenso in Finnland, wenngleich dort meistens nur mit getrennten Geschlechtern nackt sauniert werden darf.

    Wenn man aber die Weltkarte betrachtet, dann ist tatsächlich die Textilsauna der Standard, etwa in Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien, in den USA oder in Asien. Also aufpassen! Sonst wird man schneller aus der Sauna eskortiert, als ein Aufguss verdampft.

    Aufgüsse der außergewöhnlichen, himmlischen Art habe ich vor zwei Wochen in Bayern erleben dürfen. Nach drei heißen Runden reicht es mir normalerweise, aber dort musste ich mir erstmalig in meinem Leben eine vierte gönnen. Dafür gab es drei Gründe:

    1. Der Saunameister. Der hat nicht einfach warme Luft verwirbelt, wie es die meisten nach Schema F machen. Nein, der Klaus, wie er sich immer aufs Neue vorgestellt hat, beherrschte ein großes Repertoire an Schlag-, Wirbel- und Fächertechniken, und das hat Abwechslung, Spannung und zugleich Entspannung gebracht. Das Beste aber war: Ihm hat sein anstrengender Job sichtlich Spaß gemacht! Kluge, aufmunternde und teils witzige Sprüche hat er gebracht, aber auch wieder nicht zu viel, angelacht hat er seine schwitzende Gästeschar, und verströmte so nicht nur Wohlgeruch, sondern auch atmosphärisches Wohlsein.

    2. Die Duft-Rohstoffe. Nix künstliche, beißende, scharfe Lungenzwicker, sondern den 1 Tag eingeweichten Sud aus Wiesenkräutern gab es im ersten Aufguss. Im zweiten dann echte Kaffeebohnen, die in einem Sieb über den Wasserdampf gehalten wurden, fantastisch. Und im dritten Aufguss Mentholkristalle, echte Pfefferminze und Kampfer-Destillat im Wasser.

    3. Die Musik. Anspruchsvoll, aber unaufdringlich, abseits des Mainstream-Gedödels, einfach geschmackvoll entspannt, und dennoch akzentuiert. Die akustische Begleitung zum Schwitzen war so gut, dass viele danach fragten, was denn da gespielt wurde.

    So wird aus einem Genusserlebnis ein kleines, sinnliches Gesamtkunstwerk, das mir in Erinnerung bleibt. Warum ich das so genau weiß? Weil ich das nächste Mal in dieser Sauna explizit nach dem Klaus Ausschau halten werde. Der könnte sogar ein Entscheidungskriterium sein, ob ich überhaupt saunieren gehe. Wenn Menschen ihren Job so lieben und deshalb zelebrieren, ist das für jeden ein Genuss- und Gesundheitsfaktor.

    Tschüss, ade und auf ein Wiederhören in zwei Wochen!

    Euer Andreas, der Wohlstandsbildner

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