Wohlstandsbildner Podcast
Dauer: 35:16
Shownotes
Artikel: Politologin über soziale Ungleichheit „Ich habe die Extreme kennengelernt“:https://taz.de/Politologin-ueber-soziale-Ungleichheit/!6127261/
The Telepathy Tapes: https://thetelepathytapes.com
Spermalotterie – das ist doch mal ein neues, erfrischendes Wort im Fachvokabular der Wohlstandsbildner-Welt! Ich hab kurz gezuckt, als ich es das erste Mal gelesen habe, und dann habe ich es gleich liebgewonnen, weil der freche Begriff ein gerade auch deutsches Phänomen wunderbar präzise auf den Punkt bringt.
Aufgegabelt habe ich das Wort in einem Interview, das die taz mit der Politologin Martyna Linartas geführt hat; Link in der Podcast-Beschreibung. Diese 1990 geborene Deutschpolin hat sich besonders den Themen Ungleichheit von Vermögen und der Umverteilung von Reichtum gewidmet – sie nennt es Rückverteilung von Reichtum. Wer sich eingehender damit beschäftigen will, kann sich ihrem im Rowohlt-Verlag herausgebrachten Buch zuwenden mit dem Titel „Unverdiente Ungleichheit – Wie der Weg aus der Erbengesellschaft gelingen kann“.
Mit diesem Buchtitel erschließt sich auch, was es mit der Spermalotterie auf sich hat – und alle folgenden Erläuterungen beziehen sich auch auf die Meinung und das Buch der Frau Linartas: Diese Zeugungslotterie bezeichnet nämlich den Zufalls- oder Erfolgsfaktor der Geburt – schön gewürzt mit einer patriarchalen Schärfe. Was nämlich Linartas zufolge gerade in Deutschland besonders zählt, das ist, wessen Sperma, also welcher männliche Vorfahr jemanden gezeugt hat. Das hat zwei Gründe:
Das klingt überzeichnet, aber die Zahlen geben Frau Linartas recht, wie der aktuelle Bericht der Schweizer UBS zum globalen Reichtum und zum Erbvermögen zeigt:
2025 gibt es 2682 Milliardäre auf der Welt mit einem Gesamtvermögen von mehr als 15,8 Billionen Dollar. Von den Milliardären, die jetzt älter als 79 Jahre sind, werden fast 6 Billionen Dollar vererbt. Natürlich betrifft das auch Deutschland; dort allerdings kann die Anzahl der Milliardäre nicht genau bestimmt werden:
Nach Forbes gibt es bei uns 171 Milliardäre, das Manager Magazin spricht von 262 und die sparsame Schweiz mit der UBS nennt nur 156 deutsche Milliardäre. Das scheint also nicht ganz klar zu sein, wohl auch, weil es eine gewisse Dunkelziffer gibt; manche der Betuchten klagen nämlich dagegen, dass man ihren Namen in irgendeinem Ranking nennt. Daher wird immer der Lidl-Gründer Dieter Schwarz als reichster Deutscher genannt, was aber nicht stimmt, denn die reichsten Deutschen kommen aus der Pharma-Branche. Aber wie gesagt, deren Namen darf man nicht sagen. Frau Linartas tut es dennoch in dem Interview. Wenn es also interessiert, möge mit dem beigelegten Link nachlesen.
In jedem Fall ist die Zahl der Superreichen in Deutschland heftig gestiegen – Quellen der UBS zufolge um 40 Leute, die allein ihr Vermögen in diesem Jahr um 26 % steigern konnten. Ob da auch vererbtes Geld eine Rolle mitspielt, weiß ich jetzt nicht, aber es ist stark zu vermuten.
Denn in Deutschland trifft das Prinzip der Spermalotterie so zu wie nirgendwo sonst, weil nur rund 25 % der Milliardäre ihr Geld selbst erarbeitet haben, wie etwa Dieter Schwarz, Reinhold Würth oder Dietmar Hopp, um die bekannteren Namen zu nennen. 75 % der Ultrareichen haben also ihr Geld größtenteils vererbt bekommen und im besten Fall vermehrt, was ja auch eine hohe Kunst und viel Arbeit ist, wie ich es in der Investorenausbildung auch mit Beispielen zeige.
In den USA übrigens gibt es die meisten Milliardäre, um die 900 herum, aber nur wenig aufgrund ihrer Zeugung, denn der Großteil hat das Vermögen selbst aufgebaut. Und in China, wenig verwunderlich bei dem vor 30 Jahren noch armen Land, haben alle 470 Milliardäre ihr Geld aus eigener Kraft aufgebaut.
Zurück zu Frau Linartas und ihren Studien, die ich lesenswert und interessant finde, wenngleich ich nicht alle ihre Thesen für die ungleiche Verteilung von Vermögen teile und schon gar nicht ihre Lösungsansätze. Das will ich begründen:
Sie scheint der Anhäufung von Reichtum generell zu misstrauen. Sie spricht deshalb auch nicht von Superreichen, weil sie deren Reichtum nicht super findet und sie diese Leute auch nicht verwechselt sehen will mit Superhelden oder sowas. Sie nennt sie einfach Überreiche. Und die zahlen ihrer Meinung nach zu wenig Steuern, nützen aber die Infrastruktur, die mit Steuergeld aufgebaut und erhalten wird, weit mehr als der Durchschnittsverdiener.
Da stimme ich ihr zu, würde aber für die niedrige Steuerlast nicht den Reichen die Schuld geben, sondern dem Steuersystem, das zu viele Lücken für Finanztricksereien offenlässt. So, wie der Radprofi im Wettbewerb auch alle hoffentlich legalen Tricks nutzt, um schneller zu werden, so sieht auch ein Milliardär nicht ein, 300 Millionen Steuern zu zahlen, wenn es auch nur 100 Millionen sein können. Von den gesparten 200 Millionen bezahlt er die Trickser, die ihm die Steuern vermeiden, und es bleibt gewissermaßen ein schöner Gewinn übrig. Das Streben nach dem Meisten, Besten – na ja, nicht immer Schönsten, aber nach dem Reichsten, das ist nun mal im Großteil der Menschen angelegt.
Meine persönliche Lösung bezüglich Steuersicherheit sähe so aus: Der Gesetzgeber, in unserem Fall die EU, aber am besten alle Gesetzgeber der Welt, damit es keine Steuerinseln mehr gibt – der müsste nur einheitlich festlegen, dass Konsumkapital enorm hoch besteuert wird und Produktivkapital enorm niedrig. Also z. B. die Mehrwertsteuer rauf auf 32 %, aber dafür die Körperschafts- und Einkommenssteuern runter auf 10 % und die allermeisten sonstigen Steuern abschaffen.
Und dann sollte er für Firmen, genauso wie für Privatanleger festlegen, dass ab einem höheren Freibetrag alles Geld produktiv zirkulieren muss, also investiert sein muss in Ideen, Dienstleistungen, Fertigungsstrecken, Arbeitsplätze, Infrastruktur und Immobilien. Andernfalls droht die Versteuerung oder eine andere Art Wertverlust. Solange Geld also etwas bewirkt, soll es so wenig belastet werden wie möglich.
Dann kann auch von Arbeitgebe rn viel mehr ausgezahlt werden, wenn man der Wertschöpfungskette Geld in Form von Gewinnen entnimmt. Dann fließt viel mehr Geld in die Taschen der Endverbraucher, die sich damit auch die Mehrwertsteuer leisten können. Und die Endverbraucher können sich immer entscheiden, ob sie ihr Geld produktiv und gewinnbringend investieren, dann zahlen sie keine Steuern, oder ob sie es verkonsumieren – dann haben sie ein gutes Leben.
Und wenn Reiche viel mehr konsumieren als weniger Betuchte – wunderbar, dann kommt Geld ins Staatssäckel.
Das ist jetzt, natürlich stark verkürzt und vereinfacht, mein Ansatz. Ich nenne übrigens reiche Menschen auch nicht pauschal reich. Ich differenziere den Begriff Reichtum oder Reichsein; und das ist etwas, das Frau Linartas nicht berücksichtigt und damit meiner Meinung nach zu kurz denkt:
Denn wenn das Vermögen eines Menschen in Betrieben, Firmen und sonstigen Produktionsstätten liegt, hat der Besitzer doch gar nichts davon, höchstens viel Arbeit und Instandhaltungskosten. Nehmen wir etwa Landwirte, von denen es auch zum Glück einige bei uns in der Investorengemeinschaft gibt; deshalb habe ich sie als lebendige Beispiele vor Augen: Ihre Maschinen und ihr Land, ja, die mögen viele Millionen wert, ja, aber deshalb sind sie doch nicht reich.
Reich sind sie in meiner Wahrnehmung erst, wenn sie alles verkaufen würden, ihre Sachwerte also versilbern würden, ihren Reichtum ausgeben könnten, wenn sie denn wollten. Bis dahin sind sie vermögend, denn sie vermögen viel zu tun mit ihrem Besitz – aber reich im Sinne eines Konsumlebens, das sind sie nicht. Und so lange gehören sie auch nicht besteuert, finde ich, denn das ist marktwirtschaftlich bescheuert!
Also, gäbe es weniger Steuerschlupflöcher aufgrund eines fairen, einfachen und sinnvollen Steuersystems, das Wertschöpfung belohnt und Werteverzehr, also Konsum, belastet, dann würden auch viel mehr Reiche hierbleiben – und es stünde so mehr Geld für Soziales, Verteidigung, Umwelt und Infrastruktur aus den hohen Konsumsteuern zur Verfügung.
An anderer Stelle dann meint die Politologin, die Ungleichheit in der Vermögensverteilung wäre demokratiegefährdend, und bringt in diesem Zusammenhang auch den Aufstieg der AfD ins Spiel. Ich bin mir da nicht sicher, das klingt eher nach linkem Schlagwortnarrativ. Es gibt so viele Studien und Experimente, die zeigen, dass sich eine gewisse Verteilungsungleichheit nach kurzer Zeit immer wieder einstellt, egal, wie oft du dagegen als Politiker mit Umverteilung vorgehst. In den linksradikalen Diktaturen, wie etwas Venezuela oder Kuba, sieht man das ja seit Jahrzehnten eindrücklich. Mit Demokratie oder anderen Gesellschaftsordnungen hat das weniger zu tun; es hat viel mehr mit der Natur des Menschen zu tun:
Sagen wir mal, ganz theoretisch zur Veranschaulichung, wir haben 100 Menschen, die jetzt stellvertretend die ganze Menschheit repräsentieren. Diese 100 haben alle die genau gleichen Startbedingungen. Nun legen wir das Pareto-Prinzip darunter, dieses berühmte, weil allgemeingültige Verteilungsprinzip.
Pareto nochmals kurz erklärt: Das ist das 80/20-Prinzip, und ich differenziere die 80 gern noch etwas genauer, wiederum in 60/20. Es gibt also eine Art 20/60/20-Verteilung, die allen Lebensbereichen auf diesem Planeten irgendwie innewohnt. Für unser Beispiel hat das dann folgende Auswirkungen:
Stattest du also 100 Menschen mit den gleichen Startbedingungen aus, dann gibt es in dieser Gruppe immer 20, die nichts daraus machen. Das sind die mit den Talenten im Weinberg des Herrn, die ihr Guthaben ausgeben, ihre Fähigkeiten nicht einsetzen wollen oder können, warum auch immer. Früher oder später sind sie auf die Alimentierung anderer angewiesen, wenn sie nicht verhungern sollen.
Dann gibt es die große Mehrheit der 60, die ich Menschen mit Angestelltenbewusstsein nenne. Das ist überhaupt nicht abwertend gemeint, sondern beschreibend: Denn diese Leute würden von sich selbst sagen, dass Selbstständigkeit, Unternehmertum, Risiken eingehen, ständig Ideen finden, Netzwerke pflegen, auch mal 80-Stunden-Woche – das alles wäre nichts für sie.
Sie stellen sich aber mit ihren Fähigkeiten gern in den Dienst anderer, sie arbeiten also für die Ziele anderer; und dafür wollen sie bezahlt werden. Da mit werden sie nie oberreich – vor allem, wenn sie sich nicht finanziell weiterbilden –, aber es reicht für ein gutes Leben, sogar mit Haus, Hund, 3 Kindern und 3 Mal Urlaub im Jahr. Das ist die normale Mittelschicht.
Wir haben jetzt also 20 Arme und 60 Durchschnittsverdiener mit vielleicht bescheidenen, aber absichernden Rücklagen. Bleiben die letzten 20 in der Gruppe der 100:
Das sind die, die nach Mehr streben. Die können auch angestellt sein, sind dann aber bei Daimler halt als Deutschland-Chef oder wenigstens Abteilungsleiter angestellt und verdienen 10.000-20.000 Euro im Monat, ähnlich wie Ärzte und viele Freiberufler und so wie Selbstständige, die richtig gut verdienen, weil sie Dienstleistungen oder Produkte anbieten, die entweder essenziell sind oder anderweitig sehr begehrt.
Zu diesen 20 Menschen fließt früher oder später mindestens 50 % des vorhandenen Gesamtvermögens. Ist ja auch klar, denn das Startvermögen der armen 20, die nichts tun und es verkonsumieren, das fließt irgendwann zu den reichen 20. Und wenn es so was wie globales Wachstum gibt im Rahmen allgemeiner Produktivitätssteigerung durch mehr Intelligenz, Automatisierung, Digitalisierung, Effektivierung, dann wachsen die Angestellten in der Gruppe der 60 ein wenig, aber die 20 Reichen wachsen eben viel mehr und schneller, weil sie am Ende der Nahrungskette stehen und die Inhaber der gesamten Wertschöpfungsketten sind.
Und um dem Berg die Spitze aufzusetzen, wage ich jetzt noch, diese Gruppe der 20 Reichen zu splitten, wieder auch nach Pareto, in 16 und 4. 16 werden vermögend und richtig wohlhabend, teils noch durch Arbeit, oft auch durch Wissen und kluges Handeln, immer aber ist auch Fleiß dabei. Und 4 werden richtig reich, weil diese 4 DEN Schlüssel zur Erschließung richtig großer Geldmengen finden durch besonders viel Einsatz, Intelligenz, Disziplin und sicher etwas Glück – und dieser Schlüssel heißt – meine langjährigen Podcast-Hörer wissen es: Wirkung.
Diese 4 werden zu Super-Reichen, weil sie es schaffen, eine Super-Wirkung zu erzeugen für viele, viele Menschen. Diese Vier müssen gar nicht so viel mehr arbeiten als die anderen 16, sie vermögen nur etwas zu erschaffen, das über ihre eigene Leistung hinaus Wirkung auf hunderttausende bis Millionen Menschen entfaltet – und sich diese Wirkung in einer Größenordnung vervielfacht, die kein persönlicher Arbeitseinsatz mehr erreichen könnte.
Genau darauf beruht auch maßgeblich die Wohlstandsbildner-Strategie in Form ihrer obersten Direktive, die mit 8 legendär gewordenen Worten zusammenfasst, was starke Renditen bringt: Es ist die Wirkung. Und je mehr Menschen an dieser Wirkung interessiert sind, desto höher die Rendite.
Doch nehmen wir einfache Beispiele für Wirkung anhand einzelner Personen, die wir alle kennen: Das Paradebeispiel unserer Zeit ist natürlich Elon Musk, dessen Vermögen, das vor allem in Tesla und SpaceX steckt, erst in diesen Tagen auf unfassbare 677 Mrd. Dollar geschätzt wurde. Es ist eine Frage weniger Jahre, und er wird als erster Mensch die Billionen-Grenze durchschreiten. Mit Vernunft ist das für viele nicht mehr nachvollziehbar. Mit seiner globalen Wirkung, die längst bis in den Weltraum reicht, schon eher.
Beispiel Taylor Swift: eine durchschnittlich begabte Musikerin, aber eine überdurchschnittlich gute Vermarkterin ihrer Musik und ihrer Geschichten. Jetzt hat sie mindestens 300 Millionen Fans und ist Milliardärin.
Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo, kicken wie tausende andere Spitzenfußballer gegen einen Ball. Aber sie spielen halt so erfolgreich, dass ihretwegen die Leute ins Stadion kommen, den Fernseher anschalten und Abermillionen die Social-Media-Kanäle der beiden abonnieren. Und dann geben diese Millionen bereitwillig viele Millionen für Schuhe oder Trikots aus, nur weil die Fußballgötter dafür Werbung machen. Das ist keine große Leistung im Sinne von Kalorienverbrauch, wie sie der Fabrikarbeiter jeden Tag abliefert. Aber ihre Leistung hat eben eine viel, viel größere Wirkung.
Oder nehmen wir eine der größten Schauspielerinnen unserer Zeit, Kate Winslet: Sie bekommt 20 Millionen für einen Film, den viele Millionen anschauen, weil sie mitmacht. Ist da jeder Dollar gerechtfertigt? Natürlich! An dieser Stelle eine kleine Anekdote, wenn wir es tatsächlich vom Kalorienverbrauch einiger Superreicher haben und was viele übersehen bei den Topstars im Kino oder auf dem Fußballplatz oder auf der Konzertbühne:
Für ihre Rolle in Avatar hat Kate Winslet viele Unterwasserszenen drehen müssen, ohne Sauerstoffversorgung, wegen der speziellen Kameraaufnahmetechnik, die James Cameron entwickelt hat. Sie hat mehr als 6 Monate dafür trainiert, um so lange wie möglich unter Wasser bleiben und schauspielern zu können. Und was war das Ergebnis? Sie hat sich vor Tom Cruise den Weltrekord im Schauspielen unter Wasser erschwommen mit mehr als 7 Minuten. Cruise schaffte nur 6 Minuten.
Das meinte ich mit: 20 von 100 streben nach mehr. Denn von sich aus würden die anderen 80 so einen Aufwand nicht auf sich nehmen, nur für kleine Details in einem Film, die kein Zuschauer je wirklich würdigen wird. Das ist nicht nur eine Meile extra; das sind 10 Meilen extra, wo der Großteil der ebenfalls tollen Schauspieler, Fußballer oder Künstler längst schon ausgestiegen wäre.
Aber nun: Umverteilungsfreunde wie eine Linartas würden einer Winslet nie 20 Millionen Gage für einen Film zusprechen, weil sie einfach nicht sehen wollen, welche Wirkung durch sie zustande kommt. Sie sehen nur einen Betrag, vergleichen ihn mit dem, was die Masse der anderen hat, und sagen: Das ist zu viel. Das ist ungerecht. Der nehmen wir was weg, damit die Demokratie und der soziale Frieden nicht gefährdet werden.
Ist so eine Haltung demokratisch? Wird da nicht antidemokratisch gehandelt, um scheinbar die Demokratie zu verteidigen?
Vielleicht ist es am Ende wieder nur der EINE große Faktor, den die Umverteiler nicht zugeben wollen, wenn sie sich hinter so wohlklingenden, aber eigentlich hohlen Vokabeln verschanzen wie
und sonst noch was. Und dieser eine große Faktor ist neben dem Wirkungsfaktor der Neid-Faktor, wie es das schön einprägsame Sprichwort aus China benennt:
„Neid sieht nur das Blumenbeet, nie den Spaten.“
Wie auch immer – um so weit zu kommen, wie ein Dieter Schwarz mit seinen Lidl-Märkten, Kate Winslet mit ihren Filmen und Ronaldo mit einem Fußball, da braucht es so viel außergewöhnlichen Fleiß, Disziplin, Talent, Glauben an sich selbst, Risikobereitschaft und ja, sicher auch manchmal Glück, dass eben nur sehr wenige in der Lage sind, eine derartige Wirkung zu erzeugen.
Und jetzt kommen eine taz, die Grünen, die SPD oder eine Frau Linartas und werben dafür, den Überreichen das Geld abzunehmen, auch den 62 % der Milliardäre weltweit, die ihren Reichtum selbst aufgebaut haben, durch welche Steuern oder Abgaben auch immer – und wofür? Um mehr Gleichheit zu schaffen. Klar, das können sie machen. Aber ich verstehe dann auch, dass sich die mit der überreichen Wirkung nicht freiwillig über Gebühr schröpfen lassen.
Wenn jemand sagt, es würde die Demokratie gefährden, wenn die Erfolgreichen nicht zur Kasse gebeten werden würden, sehe ich das so: Wenn sich jemand umsonst nimmt, was einem anderen gehört, dann ist das nicht Demokratie, sondern Diebstahl.
Niemand wird dauerhaft reicher, indem er andere ärmer macht. Man vergrault nur die Reichen, was dem Staatshaushalt noch nie gutgetan hat.
So viel anhand eines Interviews zu Umverteilungsfantasien. Das ist ein leider hochaktuell aufgekochtes Thema bei uns in Deutschland, wenn viele Politiker gerade des linken Milieus keine kreativeren Ideen haben, als die Leistungsträger noch mehr zu belasten.
Ich will damit aber eigentlich keine politischen Aussagen machen. Wie ich im vergangenen Bundestagswahlkampf in diesen Podcasts immer gesagt habe: Ich setze mir bei allem zuerst die Wirtschaftsbrille auf, denn alles beginnt mit der Finanzierung der Dinge, und die kommt nur aus der Wirtschaft. Und erst, wenn ich mit der Wirtschaftsbrille durchblicke, kann ich mir die Sozialbrille aufsetzen, die Umweltbrille, die Verteidigungsbrille und die Entwicklungshilfebrille am Ende auch noch.
Aber wer schon durch die erste Brille nichts sieht, macht alles Weitere im Blindflug. Und gefährliche Bruchpiloten erleben wir in unserer Parteienlandschaft gerade sehr anschaulich, etwa mit Bärbel Bas als Chefpilotin. Ok, das war jetzt eindeutig politisch.
Nun will ich diesen letzten Podcast im Jahr, kurz vor Weihnachten, nicht frustriert ausklingen lassen. Das ist aber schwer, denn viele sind gerade frustriert, wie die Dinge laufen, sei es ökonomisch oder politisch.
So, wie eine Wohlstandsbildnerin kürzlich sagte: „Na ja, die 5 % im Topf sind ja jetzt auch nicht so berauschend.“ Nun, man kann natürlich enttäuscht sein, wenn der Schnitt der letzten 23 Jahre doppelt so hoch war.
Doch da steckt mehr dahinter, nämlich der große Nutzen einer ermutigenden Perspektive, wenn man sie einnimmt. Anders gesagt: Nur, wer versteht, welches Spiel er als Investor spielt, sieht klar und fühlt sich gut, auch wenn die Dinge scheinbar nicht so gut laufen wie besagte 5 %.
Reden wir also darüber, welches Spiel wir Wohlstandsbildner spielen, und ich hoffe, das ist dann tatsächlich ein beruhigender und vielleicht sogar aufheiternder Abschluss dieses Podcast-Jahres.
Am einen Ende der Skala stehen die Day-Trader. Das sind die Zocker, die auf Aktien-, Derivate- oder Devisenmärkten agieren und in Sekunden und Minuten denken; manchmal geht es auch nur um ein paar Pips nach oben oder unten. In meinen Augen ist das eine der perversesten Ausprägungen eines aus den Fugen geratenen Finanzsystems.
Die ursprünglich sinnvolle Idee eines Marktplatzes – Angebot und Nachfrage zusammenbringen, Kapital dorthin lenken, wo reale Wertschöpfung entsteht – das wird hier vollständig ad absurdum geführt. Es entsteht kein Produkt, kein Nutzen, kein Mehrwert für die Realwirtschaft. Stattdessen wird Volatilität selbst zum Handelsgut. Der Markt wird nicht genutzt, sondern missbraucht, und das Ergebnis ist ein hochgradig nervöses System, in dem die Nervosität an sich das Handelsgut ist, auf das es ankommt.
Eine Stufe darüber liegen die kurzfristigen Händler. Die sind nicht im Sekundentakt unterwegs, sondern denken in Wochen oder wenigen Monaten. Typisch sind Immobilien- oder Projektdeals mit Laufzeiten von drei, vier oder sechs Monaten. Diese Form des Investierens spricht vor allem Menschen an, die stark steigende Trends in kurzer Zeit mitnehmen wollen, insbesondere in Phasen, in denen Märkte überdurchschnittlich schnell wachsen. Da sind Timing, Momentum und ein gutes Cashpolster entscheidend. Das kann funktionieren, verlangt aber ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, schnell zu entscheiden und große Summen zu bewegen.
Der mittelfristige Bereich beginnt für mich ab drei Jahren Laufzeit und reicht bis zehn oder zwölf Jahre. Hier verschiebt sich der Fokus deutlich. Da schaut man schon tiefer, es werden Geschäftsmodelle wichtig, Standortqualität, Marktzyklen zählen mehr als kurzfristige Preisschwankungen. Viele Beteiligungen, Entwicklungsimmobilien oder Infrastrukturprojekte bewegen sich in diesem Zeitraum. Schwankungen gehören dazu, werden aber nicht überbewertet, eigentlich eher kommentarlos hingenommen.
Ab etwa zwölf Jahren spreche ich von langfristigem Investieren. In diesem Bereich entfaltet Zeit ihre volle Wirkung als einer der mächtigsten Renditefaktoren, den man mehr oder weniger gratis geschenkt bekommt. Der Preis für dieses Geschenk ist Geduld: Denn Zinseszinseffekte, reale Wertschöpfung, exponentielles Wachstum von echter Substanz, Megatrends – all das braucht Zeit und deshalb Geduld.
Und der zweite Preis, den man für Zeit als Renditebringer bereit sein muss, zu zahlen, ist Gelassenheit! Denn kurzfristige Marktbewegungen verlieren in der langfristigen Entwicklung ihre Bedeutung. Aber das kann schon herausfordernd sein, wenn es mal für Monate oder sogar für wenige Jahre in die falsche Richtung geht. Das auszuhalten und eigentlich gar nicht zu beachten, ist die Aufgabe für Investoren, wenn sie sich langfristige Investitionen ab 12 bis 15 Jahren ins Portfolio holen.
Und wo auf der Laufzeit-Skala sind nun wir Wohlstandsbildner verortet? Tja, fast überall, denn ein wichtiges Kriterium ist für uns, dass ganz unterschiedliche Laufzeiten für Kontraste in ein und demselben Portfolio sorgen.
Entscheidend ist dabei, dass man die verschiedenen Laufzeiten nicht durcheinanderbringt, wenn man Renditen bewertet. Eine Topf-Strategie ist zum Beispiel klar langfristig angelegt, mit einem Zeithorizont von mindestens 12 Jahren. Es ergibt daher keinen Sinn, nach eineinhalb Jahren in eine App zu schauen und sich verrückt zu machen, weil die Performance gerade nicht dem eigenen Wunschbild entspricht. Das ist gar nicht der Zweck dieser Anlage. Solche Investments lässt man in Ruhe arbeiten und schaut vielleicht alle zwei oder drei Jahre einmal drauf.
Gleichzeitig hatten und haben wir sehr wohl auch kurzfristige Investments: Toll war ein Club Deal mit rund zweieinhalb Jahren Laufzeit und etwa 19 Prozent Rendite pro Jahr, oder eine Unternehmensanleihe mit 20 Prozent in einem Jahr; oder aktuell sind viele in einem Darlehen mit einem Jahr Laufzeit investiert, das bis zu 30 Prozent liefern soll.
Grundsätzlich aber sind wir keine Gelegenheitstaucher auf der Suche nach der gerade am schillerndsten glänzenden Perle am Meeresgrund. Wenn sich etwas Schönes anbietet, dann nehmen wir das natürlich mit. Aber das ist nicht Hauptbestandteil unserer Strategie. Es sind Blumen am Wegrand, mehr nicht.
Der Kern unseres Portfolios liegt klar im mittel- bis langfristigen Bereich. Denn wir sind als Value-Investoren Werteerschaffer, Wertschöpfer: Entwicklungsimmobilien sind mit 3–7 Jahren mittelfristig, Infrastruktur ist eher langfristig, und Agrikultur ist ausschließlich langfristig, zumindest, wenn wir in Kaskadeneffekten von 14 bis 28 Jahren denken oder an die Laufzeiten von Bäumen, die uns 30 Jahre mit herrlichen Ernten erfreuen sollen, wir davon aber 5–7 Jahre abziehen müssen, nämlich die Zeit vom Setzling bis zum erwachsenen Baum.
Wenn Value Investoren beurteilen wollen, wie etwas gelaufen ist, müssen sie deshalb immer das Gesamtportfolio betrachten und nicht nur eine einzelne Position. Die Strategie lebt von der Synergie kontrastreicher Positionen; deshalb macht nur eine Gesamtschau Sinn.
Der andere große Hebel, die Renditewaffe schlechthin, ist Zeit. „Zeit lässt kleine Dinge groß werden und große Fehler verblassen“, sagte mal ein schlauer Kopf. Wer Zeit hat, kann viele Male danebenliegen und macht trotzdem ein großes Vermögen, weil nur ein kleiner Teil des Portfolios funktionieren muss.
Deshalb gilt: Gerade in schwierigen Zeiten sollten wir uns zurücklehnen und die Zeit soll ihren Job erledigen. Nur dann lässt man sich nicht von kurzfristigem Rauschen, Geraune und sonstigem Geschnatter nervös machen.
Gerade das Geschnatter von Pessimisten ist immer besonders laut. Und warum so viele so gern darauf hören, hat allzu menschliche Gründe. Aber klug ist es nicht unbedingt für Value-Investoren. Doch das ist eine Geschichte, die zwar viel über uns Menschen verrät, aber ein andermal erzählt werden soll.
Wir sind schon deutlich über meinen angestrebten 20 Minuten, aber kommt, zum Jahresabschluss muss für ein ganz besonderes Genusselement noch Platz sein:
Ich bin da über etwas gestolpert, das heißt „The Telepathy Tapes“ – Link dazu in der Podcastbeschreibung. Diese Telepathie-Protokolle sind ein Podcast-Projekt, das sich mit einer Gruppe von Menschen beschäftigt, die oft als die am stärksten eingeschränkten und unverstandenen in unserer Gesellschaft gelten: nämlich nichtsprechende Menschen, viele von ihnen mit Autismus.
Eine neurologische Blockade, „Apraxie“ genannt, verhindert, dass das Gehirn dieser Menschen die Signale klar an ihre Sprech- oder Bewegungsmuskeln sendet. Von außen betrachtet vermutet man nur Stillstand, Beschränkung, ja oft intellektuelle Unfähigkeit. Und die Eltern mussten jahrzehntelang hören: „Ihr Kind ist nicht wirklich da.“
Was falscher nicht sein könnte. Denn genau da, in dieser vermeintlichen Enge, da entfaltet sich das eigentliche Universum, das in jedem von uns steckt – wir aber nicht nutzen, weil wir doch scheinbar alles können.
Die Geschichten in diesem Projekt sind wirklich atemberaubend. Eltern und Therapeuten dieser „Nonspeakers“ berichten, dass diese Kinder und Erwachsenen, die durch ihr Schweigen so begrenzt wirken, über Fähigkeiten verfügen, die wir uns kaum vorstellen können. Plötzlich können sie mithilfe von Buchstabentafeln oder Tastaturen komplexe, philosophische Gedanken äußern. Sie schreiben Poesie, geben tiefgründige Ratschläge und legen eine emotionale Reife an den Tag, die alle staunen lässt.
Das Geheimnis, das diese Menschen uns enthüllen, ist heute keines mehr, aber viele wissen nichts davon: Diese Nonspeakers haben telepathische Fähigkeiten. Richtig gehört. Es geht darum, dass diese Geister, die durch die physische Hülle so stark limitiert sind, ihre Kommunikation auf eine andere Ebene verlagert haben. Auf eine Ebene, auf der die physischen Grenzen keine Rolle mehr spielen.
Bis heute werden darüber Tapes aufgezeichnet, mit wissenschaftlich zigfach in Doppel- und vielleicht Dreifachblindstudien überprüften Berichten: Diese nicht-sprechenden Personen können Nummern oder Bilder, die z. B. ihre Eltern in einem separaten, weit entfernten Raum nur gedacht haben, fehlerfrei buchstabieren. Es gibt Geschichten von Teenagern, die die intimsten Details ihrer Therapeuten kennen – Dinge über Todesfälle, Emotionen oder Gespräche, die ihnen ganz gewiss niemand erzählt hat.
Die Forscher und Familien, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen, sprechen davon, dass diese Menschen tiefer in eine Art „fundamentales Bewusstsein“ eingestimmt sind. Sie sehen die Welt weniger durch ihre Augen, sondern durch ein viel größeres Netzwerk. Sie scheinen in der Lage zu sein, Gedanken zu teilen – und zwar so selbstverständlich, wie wir atmen.
Also das, was für uns Normalos wie eine maximal erreichbare Einschränkung wirkt – die Unfähigkeit zu sprechen, zu schreiben, sich zu bewegen – das kann in Wirklichkeit ein Katalysator für eine immense innere Weite sein. Die fehlende Fähigkeit, die äußere Welt zu kontrollieren, hat ihren Geist dazu gebracht, sich nach innen zu wenden, um sich von dort nach außen in das große Bewusstseinsnetzwerk einzuloggen. Das vermeintliche Handicap wird zu einem Schlüssel, der eine Tür zu einem ganzen Universum voller Möglichkeiten und Fähigkeiten öffnet.
Wir haben zwar bald Weihnachten, aber mich erinnert das schon an die tröstlichen Geschenke der Bergpredigt. In Anlehnung an ihre berühmten Sätze könnte man also sagen:
Selig sind, die da geistlich arm erscheinen; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die scheinbar leiden. Denn sie sind es, die getröstet werden.
Selig sind die gar nicht Blinden, denn sie sehen besonders gut.
Habt eine wunderbare, magische Weihnachtszeit. Wir hören uns wieder im nächsten Jahr.
Euer Andreas, der Wohlstandsbildner