Wohlstandsbildner Podcast
Dauer: 31:13
Der Wohlstandsbildner-Podcast mit diesen brandneuen Themen, direkt vom Puls dieser spannungsgeladenen Zeit abgenommen: Potzdonner, die EZB öffnet ihr Liquiditätsnetz und positioniert den Euro strategisch neu im globalen Währungsgefüge. Welche Auswirkungen hat das auf uns? Dann geht es um einen niederländischen Vorstoß, der auch ein deutscher werden könnte, zur Besteuerung von Gewinnen als tödlichen Eingriff in den Zinseszinseffekt. Und wir schauen uns die Landtagswahl in Baden-Württemberg an und die Wahl eines neuen EZB-Präsidenten.
Diesen Podcast möchte ich in fünf Betrachtungen zum Zeitgeschehen aufteilen. Legen wir los mit Betrachtung 1:
Ich wünschte, ich müsste nicht schon wieder einen Krieg an die erste Stelle des aktuellen Zeitgeschehens setzen. Doch dazu brennt und bombt es im Iran und drumherum viel zu laut, und es betrifft uns zu sehr. Das menschliche Leid und die vielen Toten sind die eine Seite; die sehen wir stündlich, befeuert durch die Medien. Doch es gibt noch eine andere, auf die zu schauen auch wichtig ist: Es ist die Chance auf die Niederlegung der Erzfeindschaft zweier Länder und die Befreiung eines 90-Millionen-Volkes mit einer kaum vorstellbaren Belebung von Menschen-, Geistes- und Handelsströmen.
Vielleicht ist es noch naiv, davon zu träumen. Doch jedes Stückchen mehr Freiheit und Macht, die den Bürgern im Iran gegeben wird bzw. die sie sich hoffentlich nehmen können, ermutigt ein bisschen mehr dazu.
Man kann schließlich nicht über die Geschichte der Menschheit sprechen, ohne die Größe des Landes zu würdigen, das noch vor 1935 als Persien bezeichnet wurde. Lange bevor es Grenzen gab, wie wir sie kennen, war dort eine Kultur lebendig, die wie keine andere für Tiefe, für geistige Weite und Ästhetik steht.
Man darf ja nicht vergessen, dass es Persien war, das eines der ersten Dokumente geschaffen hat, das Menschenrechte in den Vordergrund stellte. Da ging es schon zu Frühzeiten um einen Regierungsstil, der Vielfalt respektierte, statt sie zu unterdrücken – schwierige Vorstellung angesichts der letzten 45 Jahre, ich weiß. Und noch schwieriger ist es, zu akzeptieren, dass es maßgeblich die USA 1953 mit einem Putsch waren, die das damals weitgehend freiheitlich ausgerichtete Land zu dem machten, wie wir es kennen. Doch das soll jetzt nicht das Thema sein.
Oder denken wir an das gewaltige poetische Schaffen, an die prachtvolle, aber immer filigrane Architektur oder an die vielen wissenschaftlichen Durchbrüche in diesem Land, die z. B. die medizinisch-therapeutischen Leitlinien über Jahrhunderte prägten.
Vor lauter religiös-ideologischer Unterdrückung, für die das Land in unserer Wahrnehmung steht, vergessen viele, dass wir es hier mit einer der ältesten und klügsten Hochkulturen der Menschheit zu tun haben, mit der wahren Wiege unserer Zivilisation. Und viel von diesem Erbe lebt auch heute noch dort, nur konnte es sich in seiner intellektuellen Eleganz und Brillanz kaum entfalten.
Und genau das ist meine Hoffnung – dass dieses Erbe nach dem Krieg wieder aufleben kann und dabei hilft, die Gegenwart und Zukunft eines großen Landes zu verschönern. Die Wirkungen einer solchen Belebung dürften nicht nur das Land selbst, sondern den gesamten Mittleren Osten und auch uns mit positiver Wucht treffen. Sagt doch der Top-Ökonom Felbermayr, der im Gespräch ist, dem Rat der Wirtschaftsweisen anzugehören, dass ein befreiter Iran allein das deutsche BIP um 0,5 % anheben könnte.
Und wenn ich weiter den Investor in mir sprechen lasse, dann weiß ich: Eine solche Entwicklung würde Gewaltiges für die Wertschöpfung auf der ganzen Welt leisten; das wäre wie ein großes Aufatmen der Märkte, oder es wäre wie, wenn ein Viertel des ökonomischen Herzens, das die Welt mit Blut versorgt, plötzlich wieder zur Verfügung stünde.
Und wer weiß, vielleicht hat das Auswirkungen bis nach Nordkorea, Afghanistan, Myanmar, Belarus, Sudan bis ins große China hinein – dass sich Repression, Umklammerung und Bevormundung immer mehr auflösen zugunsten von Gesellschaften, die sich freier entfalten können.
Doch es ist ein langer Weg bis dahin, und er wird gewiss anders aussehen als der, der in politischen Hinterzimmern geplant wurde. Einem 9-Millionen-Volk mag man Vorgaben machen können, aber einem 90-Millionen-Volk nicht, sollte es sich von den brutalen Unterdrückermethoden der Mullahs befreien können. Damit es so kommt, müssen die Menschen dort viel riskieren, einschließlich das eigene Leben.
Was wir aktuell riskieren, sind nur nach oben geschnellte Benzinpreise, Lieferkettenprobleme, noch mehr Inflation, noch mehr Insolvenzen von deutschen Firmen, noch stärkere rezessive Einflüsse auf unsere Wirtschaft, eine weitere Phase großer Unsicherheit für die gesamte Welt. Nur dem Dollar bekommt das Chaos gut, weil er nun mal die Währung ist, in der Öl gehandelt wird und es dem Dollar immer gut geht, wenn alle Angst haben.
Und dann kommt dazu, was seit 6 Jahren nicht aufzuhören scheint: Das hat auch auf für uns Wohlstandsbildner Auswirkungen, schon wieder, auf geplante Verkäufe von Großprojekten und Ausschüttungen.Bin ich froh, wenn ich diese gefühlte Dauerschleife einer Aussage endlich ändern kann. Doch regen wir uns nicht auf, uns geht es doch unvermindert gut: Für manche geht es um das eigene Leben, für andere um ihre Freiheit, für uns geht es um Ausschüttungen. Im Vergleich bleibt letzteres ein Luxusproblem.
In den Niederlanden nimmt gerade ein Gesetz Form an, das das Potenzial hat, die Blaupause für Deutschland zu werden. Ab 2028 plant unser Nachbar, Kursgewinne zu besteuern – und zwar auch unrealisierte Gewinne.
Was bedeutet das konkret? Der Staat wartet dann nicht mehr, bis seine Bürger ihre Aktien oder ETFs verkaufen und Gewinne mitnehmen. Nein, er hält schon die Hand auf, während ihr Vermögen noch arbeitet! Damit besteuert der Staat mit schon allein unverschämten 36 % den reinen Wertzuwachs im Depot, noch bevor die Anleger tatsächlich über ihr Geld verfügen.
Das heißt, hier wird einer der maßgeblichen Antriebskolben im Motor der Wohlstandsbildung zerstört – der Zinseszinseffekt.
Für Investoren und für alle, die sich was aufbauen wollen, ist das ein Horrorszenario; für die SPD, die Grünen und die Linken bei uns ist es ein Freudenfest, wenn sie sich das Modell der Niederländer abkupfern könnten.
Dass es gerade den kleinen Sparer am meisten betrifft, die privat an der Börse ihre Altersversorgung verbessern wollen, scheint sie da nicht zu interessieren: Denn wenn der Fiskus wie ein Vampir jedes Jahr Substanz absaugt, bevor diese Substanz erntefähige Früchte tragen kann, bricht jedes exponentielle, also auf Zeit ausgerichtete Wachstum in sich zusammen.
Diverse deutsche Finanzpolitiker schielen bereits gierig auf diesen ‚Honigtopf‘ von über 2,5 Billionen Euro in privaten Depots. Für hüben wie drüben würde das bedeuten: Wer jetzt noch auf konventionelle Papier- und Aktienwerte setzt, liefert sein Depot dem direkten Zugriff des Staates aus.
Schon jetzt wird einem Investor Vermögensaufbau auch in Deutschland so schwer wie nur möglich gemacht – mit Vorabpauschalen und Kapitalertragssteuern von über 26 %, die auf Gewinne in ihrer Entstehung zuschlagen und nicht erst, wenn man den Gewinn verkonsumieren will. Wir rechnen das in der Investorenausbildung immer mal wieder eindrücklich durch – und diese Rechnung ist bekanntlich der Grund, warum ich den Großteil meines Portfolios außerhalb von Europa aufbauen würde, wo es für Investoren weit angenehmer zugeht.
Kommt es bei uns aber noch schlimmer, geht es nimmer schlimmer und Deutschland hat sich restlos disqualifiziert als Investitionsstandort. Mit jeder Wahl, wie sie morgen in Baden-Württemberg ansteht, und allen weiteren, entscheiden wir ein bisschen mit, ob dieser Niedergang zusätzlich nach niederländischem Vorbild besiegelt wird oder vielleicht noch aufgehalten werden kann.
Aber es gibt auch eine Nachricht, die womöglich positiv aufhorchen lässt: Die EZB, noch unter Christine Lagarde, hat dem US-Dollar den Fehdehandschuh hingeworfen oder freundlicher ausgedrückt: Sie verhilft Europa mit seiner größten Währung, dem Euro, zu mehr Bedeutung und Gewicht in der Welt, um die Abhängigkeiten von Dollar-Reserven zu reduzieren.
Was genau ist passiert?
Christine Lagarde markierte auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2026 einen historischen Wendepunkt in der europäischen Geldpolitik: Die EZB erweitert ihr globales Liquiditäts-Sicherheitsnetz. Kernstück ist das Programm EUREP (das steht für Eurosystem Repo Facility). Dieses Programm wurde ursprünglich als temporäre Krisenmaßnahme konzipiert; und nun wird es in einen permanenten Mechanismus überführt. Heißt:
Während der Zugang zu schneller Euro-Liquidität früher streng befristet und auf wenige Partnerstaaten begrenzt war, steht dieser Rettungsschirm nun qualifizierten Zentralbanken weltweit – von Brasilien bis Japan – ständig offen. Konkret bedeutet das: Teilnehmende Notenbanken erhalten einen dauerhaften Kreditrahmen von bis zu 50 Milliarden Euro. Gegen die Hinterlegung hochwertiger Sicherheiten, wie etwa erstklassiger Staatsanleihen, können sie so ihre kurzfristigen Engpässe sofort überbrücken. Für die Finanzwelt ist das ein Signal maximaler Stabilität, da die EZB den Euro damit faktisch als globale Ankerwährung gegen systemische Liquiditätsschocks positioniert.
Damit stellt sich die EZB nun weltweit als Lender of Last Resort, als ein Kreditgeber in letzter Instanz auf. Das bedeutet: Sie garantiert der Welt, dass Euro immer verfügbar sind, selbst wenn die privaten Märkte in Panik geraten.
Das ist ein geopolitisch enorm gewichtiger Schachzug. Bisher war nur die US-Notenbank (Fed) der globale Sicherheitsanker. Indem die EZB nun die gleiche Sicherheit bietet, macht sie den Euro für Investoren und Staaten weltweit attraktiver und unabhängiger vom US-Dollar.
Oder anders ausgedrückt: Die EZB hat den Euro zur „Welt-Versicherung“ gemacht. Wer den Euro nutzt, muss keine Angst mehr haben, im Krisenfall auf dem Trockenen zu sitzen. Das stärkt das Vertrauen und den Wohlstand in Europa, weil der Euro weltweit zur unverzichtbaren Reservewährung aufsteigt und ab jetzt mehr Anteile als nur rund 20 % an den globalen Reservewährungen einnimmt. Europa fängt endlich an, den eigenen Standort zu stärken und dem Dollar eine echte, verlässliche Alternative gegenüberzustellen. Auch hierfür darf man „Danke, Donald“ sagen, der durch sein Verhalten zuverlässig das herbeiruft, was er garantiert nicht möchte.
Was bedeutet das für uns in Europa und Deutschland, und was könnte es uns als kleinen Investoren bringen? Hier 5 Vorteile zum Überblick:
Bisher flüchtete das Kapital in Krisenzeiten fast ausschließlich in den US-Dollar, was den Euro oft unter Druck setzte. Wenn die EZB jetzt weltweit als „Lender of Last Resort“ auftritt, dann heißt das für uns: Unser Portfolio in Euro wertet gegenüber einem Korb aus anderen Währungen tendenziell auf oder bleibt zumindest stabiler. Das Risiko von Währungsverlusten bei europäischen Assets sinkt. Wir müssen nur aufpassen: Die Vermögensanlagen, die wir schon in anderen Währungen wie dem Dollar haben, halten wir in diesen Währungen, dann stört auch ein starker Euro nicht.
Wenn der Euro weltweit mehr nachgefragt wird, steigt auch die Nachfrage nach Euro-Anleihen. Diese höhere Nachfrage nach Staats- und Unternehmensanleihen führt bei gleichbleibendem Angebot zu sinkenden Zinsen. D. h., europäische Unternehmen können sich günstiger refinanzieren. Das kurbelt hoffentlich Investitionen an und erhöht die Gewinnmargen der Firmen, was ihnen sehr zu wünschen wäre.
Wir kaufen einen Haufen Öl, Gas und viele Rohstoffe in Dollar. Ein starker Euro wirkt jetzt wie ein Rabattgutschein für den gesamten Kontinent. Das schafft wiederum Raum für eine moderatere Geldpolitik im Sinne vielleicht etwas niedrigerer Leitzinsen, die das Wirtschaftswachstum fördern, ohne die Kaufkraft mit einer zu hohen Inflation zu opfern.
Die Abhängigkeit vom amerikanischen Zahlungssystem SWIFT und der Fed-Politik war bisher eine echte Achillesferse. Geopolitisch war Europa viel zu wenig diversifiziert, vor allem auch wegen der kürzlich getroffenen, etwas arg einseitigen Entscheidungen einer Ursula von der Leyen. Sollte der Euro jetzt eine autarke Welt-Versicherung bieten, werden europäische Unternehmen weniger anfällig für US-Sanktionen oder protektionistische Willkür eines Potentaten im Weißen Haus.
Sollte der Euro für viele Länder mit guter Bonität tatsächlich wie eine gute Geld-Versicherung erscheinen, fließt mehr ausländisches Geld nach Europa – wohlgemerkt ohne, dass uns wertvolle Firmen und Wertschöpfungen weggekauft werden, wie es China jahrelang ungehindert und ungeniert machen konnte.
Für Investoren weltweit bedeutet das, dass nicht nur Aktien, sondern auch hochwertige Immobilienstandorte in der Eurozone (z.B. aus Asien oder dem Nahen Osten) attraktiver werden. Und das schafft Wertsteigerungen bei Sachwerten insgesamt durch den erhöhten globalen Nachfragedruck.
Natürlich müssen wir wieder abwarten, bis sich die geopolitischen Spannungen mit dem Iran- und Ukraine-Krieg abgebaut haben und wie dann in ruhigerem Fahrwasser die Länder auf das Angebot der EZB reagieren. Sollte es angenommen werden, dann werden wir einige dieser fünf Vorteile sehen.
Und das ist der Grund, warum für mich nun auch wieder einzelne Investitionen auf europäischem Boden interessanter geworden sind, etwa mit Club Deals, Kurzinvestitionen in Entwicklungsimmobilien, wie wir im Moment eine sogar in Deutschland haben, oder mit längerfristigen Wertschöpfungen, wie ich mir eine demnächst in Portugal anschauen will, wo es um Agrikultur geht.
Ein Freund und Wohlstandsbildner fragte dazu vor vier Tagen allerdings: „Echt, in Europa investieren? Und das trotz Vermögensregister, AMLA und die ganzen Überwachungsmethoden, die uns zugemutet werden“?
Klar ist das ein Einwand. Aber als Europäer bleibe ich da pragmatisch und positiv, auch, wenn ich die in früheren Podcasts ausführlich besprochenen Methoden fatal finde: Wer nichts zu verbergen hat und brav seine Steuern zahlt, hat mit der jetzigen Entscheidung der EZB sogar eine zusätzliche Investitionssicherheit gewonnen:
Die vielen Milliarden von ausländischem Investitionskapital werden von Rechtssicherheit ausgehen und dürfen nicht zur Finanzierung von EU-Lücken im Haushalt enteignet werden. Würde das passieren, wäre das ökonomischer Selbstmord eines Kontinents. Wir haben ja gesehen, und das war für alle Investoren ein starkes Zeichen: Sogar vor der Enteignung russischen Vermögens in Belgien wurde zurückgeschreckt, um genau dieses ausländische Kapital nicht zu verschrecken.
Deshalb fühle ich mich da gut und sicher und schaue mir wieder verstärkt interessante Investitionsmöglichkeiten in der europäischen Heimat an. Sollte ich fündig werden, lasse ich es euch wissen.
Dieser Podcast erscheint am Samstag, dem 7. März. Dann kann ich als gebürtiger Schwabe den morgigen Tag der Baden-Württembergischen Landtagswahl nicht unerwähnt lassen. Schließlich gibt es einen Haufen Wohlstandsbildner, die zu dieser Wahl aufgerufen sind. Es ist die erste Wahl im Jahr, sie ist in wirtschaftlicher Hinsicht für ganz Deutschland wichtig und womöglich richtungsweisend.
Zur Bundestagswahl Anfang 2025 habe ich mich schon klar positioniert, und an dieser Position hat sich bis heute nichts verändert – im Gegenteil: Mir erscheint wichtiger denn je, nicht nach der eigenen Befindlichkeit, Gesinnung oder Sympathie für jemanden zu wählen, sondern Pragmatismus in den Vordergrund zu stellen, Realpolitik und die Zukunft des Landes. Ich lebe also das, wovon Politiker immer reden, aber dann doch das Gegenteil davon entscheiden.
Ich sehe mich nicht als Parteiwähler und mache daher auch keine Werbung für Parteien, was mir übrigens ohnehin schwerfallen würde. Es gibt ganz klar Parteien, von denen ich mich distanziere, aber es gibt keine einzige Partei, zu der ich mich hingezogen fühle.
Ich finde den Parteiklüngel, Parteizwänge und die Rivalität zwischen den Parteien schon immer befremdlich und nicht selten zum Fremdschämen. Das bezieht 90 % des Politikerpersonals mit ein. Aber ich habe jetzt auf die Schnelle auch kein besseres System, also versuche ich mich in dem zurechtzufinden, das wir jetzt haben.
Ich sehe mich als Inhaltswähler. Es ist genau wie im Fußball, wenn ich mal eingeladen werde zu einem Spiel: Ich werde nie der Fan irgendeines Clubs sein. Ich feiere keine Vereine; ich bejubele gelungene Spielzüge und fein herausgespielte Tore, völlig egal, welche Mannschaft dafür verantwortlich ist. In der Münchner Arena bei einem Bayernspiel wurde ich von den Bayernfans deshalb schwer angefeindet, als ich für die Mainzer geklatscht habe.
Mich mit einem Verein identifizieren zu müssen, um mich besser, ganzer oder erfolgreicher zu fühlen, das verstehe ich nicht. Ich liebe Sport, virtuose Spielübersicht, taktische Einstellungen, das bessere Abwehrkonzept, die feinere Ballführungstechnik, überlegenes Passspiel, solche Sachen – aber doch keine Mannschaft!
Genauso würde ich auch gern die Politik lieben, wenn dort virtuos und taktisch klug gespielt werden würde. Aber das ist weit und breit nicht zu sehen. Wir sind zwar nicht so tief gefallen im Umgang miteinander wie die Amerikaner mit ihren Politikern, aber wenn eine Grüne meint, mit Schmutzkampagnen einen der Kandidaten, in dem Fall Manuel Hagel, beschädigen zu müssen, dann ist das für mich ein Foulspiel und sollte auf das Konto der Grünen einzahlen.
Ich sehe in unserer politischen Landschaft also viel, das mir nicht gefällt, und ich sehe auch kein Programm, dem ich als Programm- oder Inhaltswähler wenigstens zu 70 % zustimmen könnte. 100 % Zustimmung gibt es nicht, dafür sind wir alle zu verschieden, aber 70 % scheinen mir nicht vermessen.
Und da ich sowas nicht finde, reduziere ich meine Ansprüche auf das absolute Minimum, auf den Kern vom Kern, auf den sinnstiftenden Gedanken, der nicht nur Baden-Württemberg, sondern dem ganzen Land guttun würde, um uns aus dieser zähen Rezessionsphase herauszubringen.
Und dieser Gedanke reduziert sich mittlerweile auf eine einzige Vokabel: Wirtschaft. Großes Thema in Schwaben mit den vielen Firmen, die aufgeben müssen oder unter Druck stehen, und genauso großes Thema für ganz Deutschland. Ich habe es schon in diversen Podcasts gesagt und sehe mich immer mehr bestätigt: Alles, was unsere Wirtschaft voranbringt, entlastet, fördert und konkurrenzfähiger macht, ist der erste Dominostein, der fallen muss, um jedwede Kette von wünschenswerten Dingen zu aktivieren.
Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn Parteiprogramme Dinge für heilig erklären, die unserer Wirtschaft ganz offensichtlich schaden, sind sie für mich derzeit unwählbar. Nun, dann bleibt wenig bis eigentlich gar nichts übrig. Meine Briefwahl habe ich trotzdem erledigt, denn Nichtwählen heißt, dass die Falschen zu viele Stimmen bekommen; außerdem will ich den Wahltag nicht in Deutschland verbringen, sondern mit dem Flugzeug in den Bergen Österreichs, wenn das Wetter mitmacht.
Also, rufe ich all meinen Landsleuten im engeren Sinne zu, also allen Schwaben – geht wählen und wählt bitte das kleinste Übel, das die Chance hat, wenigstens wirtschaftlich etwas nach vorne zu bringen. Lasst uns über alles andere, , ja, das auch dringend reformiert oder verbessert gehört, gerne reden, aber bitte erst dann, wenn wir es -verflixt nochmal – auch finanzieren können. Ansonsten diskutieren wir in der falschen Reihenfolge.
Und diskutieren um des Diskutierens willen, was so eine typisch-nervende Politiker-Eigenschaft ist, das ist wie nette Tricks machen auf dem Fußballfeld, nur, um auch mal gesehen zu werden. Aber Tricks – das geht jetzt mal besonders an die Grünen bei uns im Land – Tricks sind peinlich, wenn man 0 zu 8 zurückliegt. Dann muss geackert werden, dann müssen alle Kräfte nach vorne gezogen werden, der 16 Meter-Raum wird mit Powerplay übersät, und es gibt nur noch den einen, einen Fokus: Wir brauchen Tore, und zwar viele davon! Wir brauchen eine gesundende Wirtschaft.
Nochmals Stichwort Lagarde: Lasst uns gemeinsam über das schon eröffnete Personal-Karussell in der obersten Etage der Macht nachdenken. Denn Christine Lagarde hat angedeutet, ihr Amt als EZB-Präsidentin womöglich vorzeitig zur Verfügung zu stellen. Eigentlich eine gute Nachricht für alle, die sich eine Rückkehr zur monetären Disziplin wünschen…
Als Ursache für den vorzeitigen Abgang sagen viele Medien, es könnte mit der Angst zusammenhängen, dass die Rechtspartei um Marine Le Pen bei der baldigen Präsidentenwahl in Frankreich gewinnen und dann über den EZB-Posten mitreden könnte. Außerdem munkelt man, Lagarde wäre interessiert am aktuellen Chefposten des Weltwirtschaftsforums in Davos.
Wie auch immer: Das für mich Bittere und Bemerkenswerte an der Diskussion ist, dass wir es dem Hinterzimmer-Deal von Angela Merkel zu verdanken haben, dass eine allseits unbeliebte Deutsche und Merkels Freundin Ursula von der Leyen den Chefposten in Brüssel bekommen hat. Und den Posten verteidigt sie mit allen Künsten der Macht, denn darauf versteht sie sich exzellent, während ihre Sachkompetenz, wie bisher auf allen Posten, fragwürdig erscheint.
Europa würde erheblich besser dastehen und Frankreich weniger Schulden haben, wenn damals Emmanuel Macron seine Christine Lagarde nach Brüssel geschickt hätte und Jens Weidmann, der damalige Deutsche Bundesbank-Chef, EZB-Präsident geworden wäre.
Aber Macron weiß, was wichtig ist. Dass da Merkel weniger trittsicher ist, wenn es um entscheidende Weichenstellungen geht, wissen wir ja jetzt auf vielfältige Weise.
Bedeutet im Klartext: Das wichtigste Amt für unsere Preisstabilität, der Chefposten der EZB, wird nicht nach ökonomischem Verstand vergeben, sondern nach Proporz und Nationalität, also wieder nach dem Gusto von Frankreich. Das heißt nicht, dass wieder ein Franzose den EZB-Thron besteigt, aber Hauptsache kein Deutscher. Also wird Deutschland, der größte Beitragszahler und die einstige Stabilitätsanker-Nation, wieder beim EZB-Vorsitz mutmaßlich ausgebremst, nur weil der Bürokraten-Job in Brüssel schon ‚deutsch‘ besetzt ist.
Für uns als Wohlstandsbildner heißt das: Erwarten wir keine Rückkehr zur Bundesbank-Disziplin. Wenn politische Quoten über die Besetzung der Zentralbank entscheiden, bleibt der Euro ein politisches Spielzeug. Politische Gefälligkeit entscheidet maßgeblich über das Schicksal unseres Geldes. Daher gilt weiterhin, dass wir uns auf die Institutionen nicht verlassen können und selbst für die Stabilität unserer Vermögenswerte einstehen müssen.
Freundschaften gehören zu den wichtigsten Dingen für Menschen: Sie nähren die Seele, entspannen und bereichern. Dieser Genuss wurde mir in jüngster Vergangenheit wieder deutlich, als eine Freundin fürs gemeinsame Mittagessen mit am Tisch saß und meinte:
„Der Spruch ‚Jeder ist seines Glückes Schmied‘ war für mich immer unvollständig. Wenn, dann müsste es heißen: Jeder ist seines Glückes Schmied und seines Unglücks Meister.“
Ein etwas abgegriffener Spruch, wahrscheinlich von Seneca, bekommt mit einem Mal eine Ergänzung und Erfrischung durch das Gesetz der Polarität, des Kontrasts, von dem wir es hier schon so oft hatten: dass es das Eine nicht ohne sein Gegenteil geben kann.
Natürlich ist jeder zu einem guten Teil seines Glückes Schmied. Aber das Glück erkennen, empfinden und als Glück wertschätzend annehmen können – das kann nur der, der weiß, was Unglück ist. Das kann nur der, der durch Unglück hindurchgegangen ist und überwunden hat.
Von der Bergspitze direkt zur nächsten Bergspitze zu wandern, das wäre langweilig und gar nicht möglich – denn es gäbe keine Bergspitzen, wenn es kein Unten, keine Täler, dazwischen gäbe. Oder: Wer nicht weiß, was ihm missfällt, der kann nicht wissen, was für ihn ein Genuss ist.
Dass der besagten Freundin diese ganzheitliche Sichtweise bewusst ist von Glück und dem dafür notwendigen Unglück, das verwundert übrigens nicht. Denn sie ist in ihren 60 Lebensjahren durch schweres Unglück gegangen: mit einem wüsten Elternhaus, das sie mit 14 verlassen hat, mit dem Tod ihres 20-jährigen Sohnes, mit dem Tod enger Weggefährten, die sie bis zum Ende begleitet hat, und sie selbst fast immer in finanziell prekärer Lage als viel arbeitende, aber schlecht bezahlte Krankenschwester.
Heute ist sie mehr als je zuvor eine lebenslustige Rentnerin, die noch als begeisterte Heilpraktikerin lange aktiv bleiben wird. Sie gehört zu den weisen Menschen, die wunderbar mit sich alleine glücklich sein können, wirklich richtig tief innen glücklich – vielleicht, weil sie weniger ihr Glück geschmiedet hat, sondern weil sie ihr Unglück gemeistert hat.
Investoren tun sich gerade in schwierigen Zeiten, die vielleicht sogar mit Verlusten einhergehen, schwer damit, glücklich zu bleiben. Vielleicht wäre es deshalb eine Hilfe, sich dieser Gesetzmäßigkeit zu erinnern, dass das Wünschenswerte nicht existiert ohne sein Gegenteil.
Ohne Verluste sind Gewinne nicht vorstellbar und genussfähig. Auch mit der besten Strategie bleibt Vermögensaufbau ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Doch was so ungeheuer entspannt, das ist doch die Erkenntnis: Du musst nicht jedes Mal gewinnen; du musst nur etwas öfter gewinnen als verlieren. Und je länger du das Spiel spielen kannst, desto stärker arbeitet die Zeit für dich. Ja, und eine gute Strategie kann dafür sorgen, dass die Waagschale möglichst vom Beginn der ersten Jahre an in die richtigere Richtung ausschlägt, um dir den Rückenwind eines Momentums zu schaffen.
Und wenn es mal in schwieriger Zeit wie der jetzigen in die andere Richtung ausschlägt, sei vorbereitet und sitze diese Zeit aus. Wer auch als Investor lernt, bei Verlusten seines Unglücks Meister zu bleiben, hat die vielleicht wichtigste Lektion finanzieller Bildung gelernt – und fürs Leben ganz allgemein.
Euer Andreas, der Wohlstandsbildner