Wohlstandsbildner Podcast
Dauer: 26:20
Andreas analysiert anhand eines dramatischen Flugunfalls, warum Investoren „systemische Reservekapazitäten“ benötigen: Wie sichert man sein Vermögen gegen das „Unvorstellbare“ ab und welche Art Diversifikation ist wirksam? Zeit für deinen Check-up beim Finanz-Fliegerarzt!
Der Wohlstandsbildner-Podcast, heute mit einem der größten Dramen in der Luftfahrtgeschichte: einem Unfall, der die kommerzielle Fliegerei beeinflusst hat wie kein anderer. Und was hat dieser Unfall in einem Podcast über finanzielle Bildung zu suchen?
Aus besagtem Flugunfall lässt sich – gerade bei globalen Erschütterungen, wie wir sie mit dem Iran-Krieg erleben– mächtig viel lernen, wenn es um die Gestaltung eines krisenfesten Portfolios und um die Minimierung von Risiken geht.
Außerdem ist dieser legendäre Flugunfall lange genug her, dass man ihn auch faszinierend und erhebend finden kann, weil hier Menschen Unglaubliches geleistet haben in einer eigentlich ausweglosen Situation. Und das soll inmitten unserer Zeit, die wir alle gerade aushalten müssen, auch mal Abwechslung und Ermutigung bringen, weshalb ich am Ende auf das Genusselement verzichte. Denn die Lehren aus dieser Geschichte, für die Luftfahrt und für das Leben allgemein, die sind ein Genuss an sich.
Reden wir also über
Mitte Januar 2026. Mein Termin beim Fliegerarzt steht an. Wer wie ich über 50 ist und ein Cockpit verantwortet, der muss jährlich auf den Prüfstand: Blutuntersuchung, Belastungs-EKG, Lungenfunktion, Augen- und Hörtest. Warum? Weil ich im Kleinflugzeug ein sog. ‚Single Point of Failure‘ bin, quasi ein Klumpenrisiko in Menschenform. Falle ich als Pilot aus, fällt mein Flugzeug vom Himmel. Oder anders gesagt: Ich bin als Mensch, der auf dem Pilotensitz in Ohnmacht fällt, kein redundantes System.
Deshalb geht es in der Luftfahrt immer, egal, ob man auf die private Kleinfliegerei oder auf die große kommerzielle Luftfahrt schaut, es geht immer um Redundanz als Chance, die Risiken zu minimieren, bis sie kaum noch vorhanden sind. Und genau dieser Gedanke hat mich inspiriert, diesen Begriff „Redundanz“ in Verbindung mit Vermögensaufbau zu bringen. Schließlich heißt bei uns diese eine Kern-Variable, die den Finanztod herbeiführen kann: Verlustrisiko – bis hin zum Totalverlust.
Deshalb vorneweg die Frage an euch, liebe Podcasthörer: Wie redundant ist euer Portfolio?
Zur Beantwortung der Frage hilft, woher der Begriff eigentlich kommt und was er bedeutet. Denn spannenderweise hat dieses Wort eine ganz schön lange Reise hinter sich, auf der sich seine Bedeutung maßgeblich gewandelt hat.
Ursprünglich kommt das Wort vom lateinischen Substantiv redundantia für „Überfluss“. Dieses wiederum gründet auf dem Verb redundare. Dieses Verb setzt sich zusammen aus:
re-: bedeutet „zurück“ oder „wieder“.
undare: bedeutet „wogen“ oder „wallen“, abgeleitet von unda, der Welle.
Sinngemäß übersetzt bedeutete redundare also so viel wie „zurückwogen“ oder „über die Ufer treten“. Es wurde ursprünglich verwendet, um das Überlaufen von Wasser zu beschreiben.
In der Rhetorik der Antike, etwa bei Cicero, wurde der Begriff vor allem im übertragenen Sinne für einen „Überfluss an Worten“ verwendet. Wenn ein Redner mehr sagte, als nötig war, galt das als redundantia.
Die hat es dann über das Französische (redondance) in unseren Sprachraum geschafft. Aber das Wort blieb lange eher ein Fachbegriff von Sprachwissenschaftlern, nämlich für Weitschweifigkeit, also noch ganz im Sinne von Cicero.
Erst im 20. Jahrhundert wird es technisch mit der Entwicklung der Informationstheorie. In dieser Theorie steht Redundanz für Informationen, die so im Überfluss vorhanden sind, dass sie weggelassen werden können, ohne den Kerngehalt zu verlieren. Und, womit wir jetzt auch bei der Fliegerei und gleich beim Vermögensaufbau sind – Redundanz beschreibt zusätzliche Komponenten in Systemen, die für den Normalbetrieb gar nicht gebraucht werden, aber die im Notfall der Ausfallsicherheit dienen.
Und dieser Bedeutungswandel ist doch faszinierend: Der Überfluss als etwas, das zu viel, das Luxus, Verschwendung und daher verzichtbar scheint, sich in etwas wandelt, das unverzichtbar ist, um beim Ausfall von einzelnen Komponenten die Sicherheit des gesamten Systems zu gewährleisten.
Oder anders gesagt: Sorge für Überfluss, damit du mehr hast, als du brauchst, um auch dann genug zum Leben zu haben, wenn einzelne Teile des Überflusses wegfallen.
Nun kenne ich keinen Bereich, wo dieses Prinzip so konsequent, ja geradezu rigide gelebt wird, wie in der Luftfahrt – was ja auch sinnvoll ist, weil es gleich um Menschenleben geht, wenn in 15 km Höhe Systeme ausfallen.
Nur mal drei von vielen Beispielen für Redundanz in der Luftfahrt – und ich hoffe jetzt niemanden zu langweilen, weil es luftfahrtspezifisch wird. Doch es sind drei zentrale Elemente, die sich jeder bewusster machen sollte, wie ich finde, auch zur eigenen Beruhigung. Es geht schließlich um die eigene Sicherheit – spätestens beim nächsten Urlaub in ferne Länder – und diese Sicherheit dürfte niemandem redundant im Sinne von überflüssig vorkommen, wenn er in den Flieger steigt:
In jedem Verkehrsflugzeug sitzen zwei Piloten (Kapitän und Copilot), seltener auf ganz langen Strecken mit ganz großen Vögeln sogar drei Piloten. Rein technisch gesehen könnte ein moderner Jet aber auch nur von einem einzigen geflogen werden. Das zweite Gehirn ist eben die Redundanz: Fällt ein Pilot aus, z. B. Herzinfarkt, übernimmt der andere.
Ebenso gilt das Vier-Augen-Prinzip: Jeder Handgriff des einen Piloten wird vom anderen per Cross-Check überwacht, um menschliche Unachtsamkeiten auszuschließen.
Dann gibt es
mit dem typisch luftfahrtcoolen Anglizismus-Kürzel ETOPS: Das steht für Extended-range Twin-engine Operational Performance Standards und bedeutet, dass zweistrahlige Flugzeuge so konstruiert sein müssen, dass sie beim Ausfall eines Triebwerks mit dem anderen nicht nur weiterfliegen können für eine bestimmte Zeit – mehrere Stunden meistens –, sondern sogar noch steigen und sicher landen können.
Und zum Glück schützt uns auch
3. die Redundanz der dreifachen Hydraulik, die Triple Redundancy
Heißt: Die Steuerung eines großen Flugzeugs mit Landeklappen, Fahrwerk, Ruder, Messgeräte, Computer – die erfolgt über Hydrauliksysteme. Da diese ganzen Geräte und damit die Hydraulik so lebenswichtig sind, verbauen Hersteller meist drei völlig unabhängige Systeme – bei Airbus weiß man’s, bei Boeing hofft man’s.
Die Hersteller müssen dafür sorgen, dass jedes System über eigene Leitungen von voneinander getrennten Triebwerken oder Elektropumpen angetrieben wird. Also selbst wenn zwei Systeme komplett ausfallen, z. B. durch einen Bruch der beiden Leitungen, reicht das dritte aus, um das Flugzeug noch immer komplett sicher zu steuern.
Das dachte man lange. Denn sogar diese 3-fach-Absicherung hat einmal versagt, nämlich im Juli 1989 im Fall des unter Luftfahrtkennern berühmten Horrorunfalls während des Flugs der United Airlines 232.
Das Flugzeug war eine McDonnell Douglas DC-10, in diesem Podcast nenne ich sie nur noch DC. Diese DC war mit den besagten drei unabhängigen Hydrauliksystemen ausgestattet. Die Wahrscheinlichkeit eines Totalausfalls aller drei Systeme lag statistisch bei eins zu einer Milliarde. Zum Vergleich: Die Chance, den Jackpot im Lotto zu gewinnen, liegt 7 Mal höher.
Was geschah aber? Die DC hat drei Triebwerke, je eins unter den Flügeln und eins im Heck, integriert ins Höhenleitwerk. Ein Metallteil in diesem Hecktriebwerk ist während des Flugs in großer Höhe zersplittert, und die umherfliegenden Trümmerteile sind so unwahrscheinlich im Verhältnis 1 zu einer Milliarde herumgeflogen, dass sie alle drei Hydraulikleitungen gleichzeitig durchtrennt und das Hecktriebwerk zerstört haben.
Die Folge: weder Höhen- noch Querruder reagierten noch. Das Flugzeug war für die Piloten unsteuerbar geworden. Aber, und das macht die Geschichte so eindrücklich:
Die Redundanz rettete trotzdem Leben: Denn obwohl die Hydraulik-Redundanz versagte, gab es bei diesem Flugzeug noch die zwei Triebwerke unter den Tragflächen. Die Piloten schafften es durch eine fliegerische Meisterleistung, das Flugzeug allein durch das Variieren des Schubs zu steuern: links mehr Gas für eine Rechtskurve zum Beispiel, beide Triebwerke mit mehr Gas lassen den Flieger steigen – und so schafften sie es bis zum Flughafen in Sioux City.
44 Minuten blieben der Crew nach dem Hydraulikausfall, um aus 11 km Flughöhe den Flughafen zu erreichen. Und jetzt komme ich zum Genussaspekt angesichts der Faszination, was Menschen unter Hochdruck leisten können: In dieser Zeit hat die Crew innerhalb von 20 Minuten gelernt, einen Airliner ausschließlich mit dem Gashebel zu steuern, was bis dahin nie jemand trainiert hat.
Das Ergebnis: Von den 296 Menschen an Bord überlebten 185. Durch die Triebwerks-Redundanz und vor allem durch das Können der Piloten haben über 60 % der Passagiere überlebt. Ok, warum jetzt nur so wenig, mag man sich fragen. Nein, warum haben so viele überlebt, muss man sich fragen, wenn man besser versteht, wie ein Flugzeug fliegt:
Allein mit dem Gashebel ein so schweres Flugzeug mit 300 Menschen überhaupt auf eine Landebahn hin zu zirkeln, das ist schon eine Kunst. Nun hatte der Flieger ja auch keine Klappen mehr – die konnten wegen der ausgefallenen Hydraulik nicht ausgefahren werden. Was machen die Klappen? Die bremsen ein Flugzeug und sie verschaffen ihm gleichzeitig zusätzlichen Auftrieb, damit es überhaupt langsamer fliegen kann.
Ohne Klappen konnten die üblichen 260 km/h im Landeanflug nicht geflogen werden, sondern es waren 400 km/h nötig, sonst nix mehr Flugzeug, sondern Stein, der vom Himmel fällt. Doch nicht nur die Geschwindigkeit war viel zu hoch, sondern auch die Sinkrate – denn das Höhenleitwerk mit dem Höhenruder war ja auch unbrauchbar; dazu kommt noch, dass sich ein Flügel kurz vor der Landung zu stark absenkte, sodass er als erstes aufgeschlagen ist, und dann hat es das Flugzeug zerrissen, der Rumpf hat sich überschlagen und alles fing Feuer.
Es war ein Horror-Crash, aber zum Glück einer mit Ansage, weshalb am Flughafen die Rettung sofort da war. Wir sehen aber: Dass die Piloten es überhaupt geschafft haben, ein eigentlich unsteuerbares, viel zu schnelles und sinkendes Flugzeug halbwegs auf eine Landebahn runterzukriegen, das war unfassbare Fliegerkunst und der Hauptgrund dafür, dass nicht alle 296 Passagiere umgekommen sind. Und ich will noch einen Grund für dieses Wunder anführen, der zur Zeit der 90er-Jahre alles andere als selbstverständlich war – und der wahrscheinlich den Ausschlag gegeben hat, dass dieses Wunder von Sioux City möglich war:
Das Cockpit mit den 3 plus 1 Besatzungsmitgliedern – erkläre ich gleich, warum – hat es völlig zerquetscht, und dennoch haben alle 4 überlebt, wenn auch schwer verletzt. Der Kapitän des Wunders, Al Haynes, ging nach seiner Genesung sofort wieder in den Flugdienst zurück und hat als Held dieser großen Geschichte noch lange Vorträge gehalten – natürlich über? Redundanz und über den seiner Meinung nach entscheidenden Grund für den im Verhältnis glimpflichen Ausgang.
Was vermutet ihr an den Lautsprechern, was war der entscheidende Grund laut Haynes? CRM. Das sog. Crew Ressource Management. Diese Art Management hat seit diesem Unglück einen unumstößlichen Platz in den Sicherheitsstrategien der Luftfahrt. Dabei geht es um Teamwork und um die Kommunikation innerhalb des Teams im Cockpit; und das war im Fall der vier Mitglieder so vorbildlich, dass noch heute die Aufzeichnungen von allem, was sie gesagt und gefunkt haben, als Vorbild hergenommen werden. Schauen wir uns das genauer an:
In der Zeit bis zu jenem Unglück der DC war der Kapitän der Chef im Cockpit und DIE Autorität, der man nicht widersprechen durfte. Der alte Führungsstil halt. Das allein hat zu einigen Unglücken geführt, wie man heute weiß, denn:
Auch Captains machen Fehler oder haben in Stressmomenten einen Tunnelblick; worauf es dann ankommt, ist, dass keine Hierarchien die Verständigung blockieren oder dem Chef nach dem Mund geredet wird, sondern dass das Team nur in der gleichberechtigten Zusammenarbeit ein funktionierendes, sich gegenseitig absicherndes System sein kann. In diesem System muss jede Meinung gleich viel wert sein, angehört und ernst genommen werden.
Daher sagte ich schon in früheren Podcasts: Ein-Personen-Autoritätssysteme, wo die Meinung eines Einzelnen alles bestimmt, sei es nun in der Führung eines Flugzeugs oder in der eines ganzen Landes wie in Nordkorea, Russland, im Iran oder in China – dass solche Fälle eines „Single Person of failure“-Prinzips ein enormes Risiko darstellen, das ein ganzes Land und womöglich die Welt in den Abgrund reißen kann. Vielleicht muss man mittlerweile Amerika mit dem Ober-Narzissten Trump auch in diese Reihe stellen, da auch er nur Meinungen um sich duldet, die seiner eigenen entsprechen. Vieles beim Angriff auf den Iran bestätigt diese Vermutung.
Nicht so bei Captain Al Haynes. Der hat sogar einen normalen Fluglehrer spontan als 4. Cockpitmitglied aufgenommen, weil der sich nach dem Crash des hinteren Triebwerks im Cockpit gemeldet hat, ob er helfen könne. Der Captain hat ohne Zögern angenommen und unter allen jetzt vier Mitgliedern die Arbeit aufgeteilt mit der legendären Ansage, die ja aufgezeichnet wurde:
„Wir sitzen hier alle im selben Boot; wenn ihr eine Idee habt, egal wie verrückt sie klingt, sagt sie mir. Ich brauche jede Hilfe, die ich kriegen kann.“ Dann hat er immer wieder gefragt:
„Hat irgendjemand noch eine Idee?“„Gibt es noch etwas, das wir versuchen können?“
Null Ego also, sondern Teamarbeit, weshalb 185 Menschen überlebt haben. Diese Art, im Cockpit zu kommunizieren, war damals komplett neu. Doch was war es letztlich? Die Redundanz des Denkens. Der Überfluss an Ideen hat dafür gesorgt, dass überhaupt die Ideen aufgekommen sind, die das Überleben der 185 möglich machten. Deshalb wird bis heute diese besondere Form geistiger Redundanz in der Pilotenausbildung geschult.
Also, aus all dem kann man als Investor eine Menge lernen. Hier ein paar Lektionen, die mir eingefallen sind, die ich als Investor daraus ziehe, um sicherer unterwegs zu sein.
Du musst akzeptieren, dass der sog. ‚Schwarze Schwan‘ – also dieses völlig unerwartete 1: 1 Milliarde-Ereignis mit massiven Auswirkungen fester Bestandteil des Lebens und deshalb auch der Märkte ist, in denen wir uns bewegen. Rechne mit dem Unvorstellbaren! Mein Tipp für deine Umsetzung: Prüfe dein Portfolio auf den ‚Single Point of Failure‘. Stell dir die Frage: ‚Wenn morgen das Internet für Wochen ausfällt, der Euro über Nacht implodiert, das globale Bankensystem durch einen Hackerangriff für Wochen ausgeschaltet wird oder Amerika mit China in einen Krieg gerät – wie viel von meinem Vermögen ist dann noch vorhanden und unter welcher Kontrolle?‘ Wenn die Antwort ‚fast nichts‘ lautet, dann hast du keine Redundanz, sondern nur eine Schönwetter-Strategie.
Nimm das Prinzip der physisch getrennten Hydraulikleitungen in der eben erzählten Geschichte ernst. Das bedeutet im Grundsatz schon mal: Raus aus der reinen Geldwert-Welt, rein in die Welt der Sachwerte. Uralte Vorgabe, und nur wenige setzen sie doch um.
Investiere in Dinge, die einen inneren Nutzwert haben mit dem größtmöglichen Kontrast zueinander. Überlege mal, ob dein digital bestätigter Aktienbesitz im digitalen ETF-Depot so einen Wert haben.
Und dann stelle sicher bei deinen sichtbaren, spürbaren und wertigen Investitionen: Wenn du sie besuchst und von einem Investment zum nächsten wanderst, sollte dazwischen viel Abstand sein; du solltest dich dann am besten in einem anderen Land und Kontinent befinden, in einer anderen Währung, in einem eigenen Rechts- und Steuersystem, in einer anderen Rendite-Annahme, in einem anderen Zielmarkt, in einem anderen Ausschüttungs-Modus, bei einem anderen Emittenten usw. – viele Kontraste als deine quasi voneinander unabhängigen, weil getrennten Leitungen innerhalb deines Portfolios durch möglichst unterschiedliche Vermögensanlagen.
Geht eine Wertschöpfungskette dennoch unter, sollte die andere sicher weiterarbeiten. Das ist dann echte Redundanz.
Wir haben im Cockpit der DC gesehen: Dort wurde die Hierarchie gekippt, was zu einem kreativen Austausch von Lösungen geführt hat. Für Investoren bedeutet das: Meide Emittenten oder Fonds, die „Ein-Mann-Shows“ sind. Wenn ein Geschäftsführer mit Widerworten vom Team oder externen Prüfern Probleme hat, steigt das Risiko für Fehlentscheidungen massiv.
Qualität erkennst du im Umkehrschluss auch daran, wie ein Anbieter kommuniziert, wenn es mal Schwierigkeiten gibt jenseits aller Schönwetter-Wolken. Geht er dann auf Tauchstation oder aktiviert er alle Ressourcen und kommuniziert transparent? Investoren brauchen Emittenten und Emittenten brauchen Investoren als Partner, die im Team arbeiten und die bereit sind, auch mal ‚außerhalb des Protokolls‘ zu denken, um das Flugzeug sicher zu landen.
Denk an die 44 Minuten, die Al Haynes und seine Crew hatten. Diese Zeit hatten sie nur, weil sie auf 11.000 Metern Höhe flogen. Als Investor besteht deine Flughöhe aus deiner Liquidität, aus dem frei verfübaren Polster von Geld zwischen deinem Flugzeug und der Erde.
Wer vollgepumpt mit Schulden, ohne freien Cash auf der Seite, auf Sicht fliegt, hat bei den ersten Turbulenzen keine Zeit mehr zum Reagieren. Du schlägst sofort auf. Sorge also für ein Liquiditätspolster, am besten auch außerhalb des Bankenkreislaufs, also auch in bar. 2000 Euro in Cash habe ich immer in der Wohnung. Das gibt einem die nötige Zeit, um im absoluten Krisenfall die Steuerung über den ‚Schub‘ zu übernehmen, während alle anderen in der Banken-Schockstarre verharren.
Jedes Flugzeugteil wird unter Extrembedingungen getestet, bevor Passagiere einsteigen. Mach du das auch mit deinen Investitionen. Investiere nicht in den glänzenden Prototypen, der gerade erst aus dem Hangar rollt, sondern in gesellschaftlich unverzichtbare Vermögensanlagen, die ihre ‚Flugerprobung‘ – also einen echten Stresstest in Krisenzeiten über viele Jahre und Jahrzehnte – bereits bestanden haben.
Und schau genau hin: Jedes Investment hat einen mechanischen Kern, in dem die eigentliche Wertschöpfung stattfindet. Wenn dort ein ‚Materialfehler‘ vorliegt – etwa unsaubere Grundbucheinträge, instabile Pachtverträge, Restschulden auf Immobilien, wachsende Umsätze bei immer weniger Gewinn, scheinbar viele Kunden im Bestand, aber die meisten sind Karteileichen –, dann bricht das System, egal wie schön der Prospekt glänzt. Deine Due Diligence, also deine sorgfältige Tiefenprüfung, muss gewissermaßen bis zur ‚Nabe des Triebwerks‘ vordringen und auch Haarrisse erkennen.
Als bei der DC alle Systeme ausfielen, gab es kein Handbuch für diese Situation. Die Piloten überlebten, weil sie die Steuerungstechnik umgangen haben und über den Schub steuerten. Das lehrt uns: Ein starres Regelwerk, wie wir es bei von Computern gesteuerten ETFs finden, ist in der Katastrophe hilflos. Der Algorithmus kauft oder verkauft stumpf weiter, während der Markt kollabiert.
In der Krise brauchst du aber einen ‚Piloten‘ – entweder deine eigene finanzielle Intelligenz oder ein aktives Management, das außerhalb des Protokolls handeln kann, wenn die Welt kopfsteht.
In modernen Jets gibt es sogenannte Isolationsventile. Wenn eine Hydraulikleitung reißt, riegeln diese Ventile den betroffenen Abschnitt sofort ab. So wird verhindert, dass die Hydraulikfflüssigkeit – der Lebenssaft des Fliegers – ausläuft mit einem kompletten Druckabfall im System.
Frage dich selbst: Hat dein Portfolio solche Ventile? Oder hängen deine Immobilien, deine Aktien und deine Rentenversicherung alle am selben Tropf, etwa des Euro-Finanzsystems oder derselben Bank? Wenn die Banken wackeln und dein gesamtes Kapital dort „verwahrt“ ist, nützt dir die schönste Streuung nichts – das System blutet aus.
Dieser Punkt, weil er so existenziell ist, zahlt jetzt noch einmal auf das Thema Kontrastreichtum ein und ist doch etwas mehr: Echte Redundanz bedeutet auch ein Stück weit Abschottung! Sorge dafür, dass deine Sachwerte rechtlich und systemisch so autark sind, dass ein lokaler Rohrbruch an den Weltmärkten nicht dein ganzes Portfolio trockenlegt.
Schauen wir uns das Gesamtbild noch einmal an: Am Ende geht es nicht darum, recht zu haben oder die höchste Nachkommastelle bei der Rendite zu jagen. Grenzsituationen wie Crashs und Krisen sind ein Teil unseres Lebens, sie gehören, wenn auch zum Glück selten, dazu; und dann geht es darum, im Spiel, in der Luft zu bleiben, wenn andere unfreiwillig landen müssen oder abstürzen.
Die Geschichte von Flug 232 zeigt uns: Wenn alle Systeme versagen, rettet dich kein Handbuch und kein Computerprogramm, sondern ein gutes Cashflow-Polster, eine gute Strategie, gute Investitionsstandorte, gute Emittenten mit guten Mitarbeitern und über allem eine gute Kommunikation.
In der Wohlstandsbildner-Strategie und in der Gemeinschaft der knapp 1000 Wohlstandsbildner finden wir das alles – und natürlich auch ein „Crew Resource Management“ für Investoren, denn wir teilen unser Wissen ständig miteinander, damit keiner von uns zum „Single Point of Failure“ für sein Vermögen wird.
Das alles umfasst für mich finanzielle Souveränität mit dem beruhigenden Gefühl, weil du weißt: Selbst wenn ein Triebwerk hustet oder ein Investment in deinem Portfolio ausfällt – du hast genug „Flughöhe“ und du hast einen Plan.
Und das sorgt für Gelassenheit. Diese Gelassenheit ist es, die am Ende den eigentlichen Genuss ausmacht – und nicht die Zahl auf dem Konto, sondern das Wissen, dass du am Ziel ankommen wirst – vielleicht etwas gerupft, vielleicht etwas schräg zur Landebahn, aber du kommst an und lebst.
Ich wünsche dir eine erfolgreiche Prüfung deiner Checklisten und allseits ordentlichen Schub in deinen Investitionen. Ich aktiviere derweil für die anstehenden Flüge mit Wohlstandsbildnern die beste Lebensversicherung, die ich als nicht-redundantes System bieten kann: regelmäßig zum Fliegerarzt gehen, jeden Tag Sport machen und viel fliegen, um in Übung zu bleiben.
Dein Andreas, der Wohlstandsbildner