#144 Vom Geldanleger zum Wohlstandsbildner

Dauer: 26:10

Unterschiede von zentralen Begriffen aus der Finanzwelt kompakt erklärt

Dieser Podcast definiert drei zentrale Anlegertypen: Er zeigt, wie sich Geldanleger, Investoren und Wohlstandsbildner unterscheiden. Zudem werden grundlegende Finanzbegriffe sauber voneinander abgegrenzt. Ein Praxisbeispiel veranschaulicht den Leverage-Effekt und dessen Risiken.

Geldanleger, Investoren und Wohlstandsbildner: Merkmale und Unterschiede einfach erklärt

Vom Geldanleger zum Investor, vom Sparer zum Wohlstandsbildner, das ist für viele eine spannende Reise.  Nun hat mich jemand gebeten, mal genau zu definieren, was ich mit diesen Begriffen meine. Denn er hat seinen KI-Agenten über die Website der Wohlstandsbildner gehen lassen mit der Suche nach Widersprüchen, Lücken, einem nicht korrekten Impressum, fehlerhaften AGBs und sonstigen Schwachstellen. So mache ich’s ja auch.

Nun, was war das bedenklichste Suchergebnis dieses kritischen, KI-bewanderten Interessenten? Dass nicht ganz klar rüberkommen würde, was denn nun ein Geldanleger von einem Investor, geschweige einem Wohlstandsbildner, unterscheiden würde.

Höchste Zeit, dass mal ganz offiziell zu klären. Deshalb wird es jetzt 1. auch etwas kompakt und offiziell klingen, wunderbar für die Planer unter uns, doch alle anderen werden sich nicht langweilen, ich bemühe mich. Und 2., quasi als Disclaimer: Die kommenden drei Begriffsbestimmungen sind meine ganz persönlichen, angesichts der Erfahrungen der letzten 30 Jahre mit vielen hundert Kapitalmarktteilnehmern. Bitte nicht wertend nehmen, auch, wenn es so klingt, wie z. B. „Fischlein“. Es sind einfach subjektive Beobachtungen, mit einiger Metaphorik, zugegeben, um Eigenarten der folgenden drei Anlegertypen zu verdeutlichen:

1. Der Geldanleger – ein Fischlein im Schwarm ohne klare Strategie

Ein Geldanleger ist ein Teilnehmer am Kapitalmarkt, der tut, was die Masse tut und damit nicht wirklich weiß, was er tut. Was er weiß, ist, dass Nichtstun keine Option ist, denn von Inflation und der Instabilität unseres Finanz- und Rentensystems hat er schon mal gehört. Doch er zieht nicht in Betracht, dass es möglich ist und sinnvoll sein könnte, sich als Erstes finanziell zu bilden: also zuerst in die eigene Geld-Intelligenz zu investieren und dann in einen Plan und in eine Strategie, bevor es um Geld-Investitionen am Kapitalmarkt geht.

Und damit macht er das, was Millionen Kleinanleger in Deutschland und weltweit machen: Er schwimmt als winziges Fischlein im riesigen Schwarm der Millionen Fischlein in die Richtung, die der Schwarm vorgibt:

  • Das waren mal Lebensversicherungen und Bausparverträge;
  • dann kamen Riester-Renten;
  • Edelmetall und Wohnimmobilien waren immer schon medial gehypte Dauerbrenner für die Fischschwärme;
  • danach machten die ETFs Furore;
  • und ab 2027 wird ein Großteil des Schwarms in Richtung staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot abbiegen, wie es ja zur Zeit in aller Munde ist. In anderen Podcasts kommt dazu natürlich noch mehr, ist heute nicht Thema unseres Gesprächs. 

Also, das deutlichste Merkmal eines Geldanlegers erkennt man daran, dass er nie genau weiß, was sein Geld wann wo in welchem Verhältnis mit welcher Rendite macht. Maßgebliche Anlagekriterien wie

  • das eigene Anlegerprofil,
  • Emittentenqualitäten und -risiken,
  • das aktuelle ökonomische Umfeld,
  • die wesentlichen Unterschiede von Finanzinstrumenten, die Privatanleger nutzen können und die ja viel zahlreicher sind, als er ahnt,
  • die Tricks, mit denen ihm die Finanzindustrie, der Staat und die Medien das verkaufen, was er kaufen soll –

all das ist dem Geldanleger fremd. Er meint, damit würden sich eh nur Spezialisten auskennen.

Diesen scheinbaren Spezialisten überlässt er dann sein Geld, denn das ist das zweite wesentliche Merkmal eines Geldanlegers: Er gibt die Verantwortung über sein Geld an andere ab: an Vermögensverwalter, an die Entwicklung von Börsenindices oder sogar an Computerprogramme.

Er überlässt ihnen sein Geld und will es nach einer vereinbarten Zeit möglichst pünktlich wiedersehen, mit Zinsen oder Gewinn. So gesehen ist ein Geldanleger weniger ein Anleger, sondern eher ein Geldverleiher. Er spart, aber investiert nicht. Und macht er auf diese Weise Gewinn, lobt er sich für sein gutes Händchen. Macht er Verlust, ist halt jemand anders schuld.

30 % aller Geldanleger, vor allem, wenn sie mit ihren Sparbemühungen schon früh angefangen haben, bauen durchaus Kapital auf, von dem sie im Alter längere Zeit zehren können. Ich schätze, 70 % kommen nur auf kleine Summen oder verlieren sogar Geld, sodass sie auf das soziale Netz unseres Staates angewiesen sind: auf die Rente.

2. Der Investor – nimmt sein Geld eigenverantwortlich in die Hand

Ein Investor schafft sich im Vergleich dazu ganz andere Grundlagen: Was ihn auszeichnet, ist der Wille, das eigene Geld auch in die eigenen Hände zu nehmen. Selbstverantwortung und Selbstermächtigung werden großgeschrieben. Dazu beschäftigt er sich mit der Finanzwelt, besucht auch mal Finanzmessen, besucht Kurse und Seminare und interessiert sich dafür, was sich finanzpolitisch im eigenen Land und in der Welt so abspielt.

Die meisten landläufigen Investoren findet man an der Börse mit mehr oder weniger spekulativem Ansatz. Da können ETFs zur breiten Absicherung schon eine Rolle spielen, aber es finden sich oft auch Aktien einzelner Unternehmen im Portfolio, die vielleicht sogar auf ihre Fundamentaldaten hin überprüft wurden. Dazu werden Aktien gemischt, die noch auf ihren Börsengang warten, mit der Hoffnung auf den ganz großen Gewinn. Generell sind Venture Capital und Private Equity mit der direkten Teilhabe an Unternehmen immer spannend für Investoren, und viele sind natürlich auch auf den Kryptowährungs-Zug aufgesprungen.

Investoren gibt es lange nicht so oft wie Fischlein im Schwarm. Ich vermute, maximal 15 % aller Kleinanleger, eher nur 10 %, zählen dazu – vielleicht ähnlich dem Verhältnis wie zwischen Angestellten und Selbstständigen in der Arbeitswelt, das aktuell aus 92 % Angestellten und 8 % Selbstständigen besteht.

Die wesentlichen Merkmale eines Investors sind also:

  • Echtes Interesse und nicht selten Leidenschaft für das Thema Vermögensaufbau, wenngleich er oft kein konkretes Vermögensziel formuliert
  • Eigenverantwortung und oft gute Kenntnisse über die Finanzwelt
  • Die Bereitschaft, regelmäßig Zeit für den eigenen Vermögensaufbau zu investieren über Finanzliteratur und -seminare bis hin zum täglichen Börsenhandel,
  • ebenso die Bereitschaft, Risiken einzugehen, und wenn etwas schiefgeht, sucht ein Investor den Fehler in seiner Strategie und nicht die Schuld bei jemandem anderem
  • Er weiß ziemlich genau, was sein Geld wann wo macht und führt nicht selten präzise Tabellen über seine Positionen.

3. Der Wohlstandsbildner – investiert strategisch wie die Großen

Wohlstandsbildner sind eine sehr kleine, eigene Gattung innerhalb der Investorengruppe: die meisten haben schon viele Finanzseminare besucht, auf jeden Fall aber die Investorenausbildung für Wohlstandsbildner. Die dort umfassend erklärte Anlagestrategie nach dem Vorbild institutioneller, professioneller Großinvestoren, die finden Wohlstandsbildner plausibel. Deshalb investieren sie gern im Sinne dieser Strategie in die drei fundamentalen Säulen eines ausgewogenen, lebendigen Portfolios.

Ziel aller Wohlstandsbildner mit diesen Investitionen innerhalb der drei Säulen ist immer, Anteile von Wertschöpfungsketten zu besitzen, so risikoarm und so chancenreich, wie möglich; es geht also auch um ein bewusstes Mitgestalten unserer Gesellschaft, weil Wohlstandsbildner fast immer Dinge finanzieren, die gesellschaftlich unverzichtbar sind.

Junge Wohlstandsbildner fangen mangels Startkapital meistens mit einer Säule an und streben danach, ihr Portfolio auf alle drei Säulen auszudehnen, um den erwünschten und nötigen Kontrastreichtum zu erreichen: den Konstrastreichtum eines ausgewogenen, lebendigen Portfolios, um nochmals diese wichtige Begrifflichkeit der Wohlstandsbildner-Welt zu betonen.

Finanziell forgeschrittene Wohlstandsbildner kommen gleich mit mehreren Zehntausend oder Millionen und allen möglichen Summen dazwischen, um innerhalb der drei Säulen ein immer tiefer und weiter verästeltes Portfolio aufzubauen – und je nach Gelegenheit kann auch mal die Säule 4 dabei sein für mehr experimentelle Investitionen.

Dabei ist nicht nur das Investitionsziel klar defniert, sondern auch das Vermögensziel generell – nämlich mindestens die Stufe der sog. wirtschaftlichen Absicherung zu erreichen. Das bedeutet für einen Wohlstandsbildner: Baue dir mit der Zeit eine Anzahl an Investitionen auf, die dir nach Steuern so viel Geld pro Monat liefern, wie du mit einem gut bezahlten Job verdienen würdest.

Im Grunde sind es drei wesentliche Merkmale, anhand derer man einen Wohlstandsbildner oder eine Wohlstandsbildnerin erkennen kann – Merkmale, die sie auch von den weiter oben erwähnten Investoren unterscheiden:

  1. Wohlstandsbildner wissen, dass auch sie nur kleine Fischlein im Ozean der Geldwelt sind. Aber sie schwimmen nicht im Schwarm der vielen Millionen anderer Fischlein, sondern mit den vergleichsweise wenigen Walfischen – seit an Seit und teilweise in Augenhöhe mit milliardenschweren institutionellen Investoren.
  2. Wohlstandsbildner haben eine klar definierte Strategie und Meilensteine, die ihnen auch in weltweiten Krisenzeiten als Leitlinien und Wegplanken dienen zur Vermehrung und zur Sicherung des eigenen Kapitals.
  3. Wohlstandsbildner verstehen, dass strategisch kluges Investieren viel mehr mit gesundem Menschenverstand als mit Zahlen zu tun hat, und dass dieser Vorgang mit der Zeit zu einem Teil der eigenen Persönlichkeit wird.

Als Fazit nochmals der Blick auf alle Drei aus einer anderen Perspektive, nämlich aus der Luft:

Alle drei Anlegerkategorien sind mit ihrem Geld unterwegs, sagen wir, in ihrem ganz eigenen Finanzflugzeug:

  • Geldanleger befinden sich dabei im Dauerblindflug. Sie haben keine Ahnung, wo sie sich genau befinden und welches Ziel sie haben.
  • Investoren sind die Sichtflieger der Finanzwelt. Aber sie fliegen meistens ohne die Navigation einer Strategie, sodass ihre Fluglinien, würde man sie per Radar aufzeichnen, wie ein Spaghetti-Haufen aussehen würden.
  • Und Wohlstandsbildner fliegen nach Intrumenten und sind deshalb bei Sonne, Regen und Wolken gut unterwegs. Sie haben einen klaren Kurs von A nach B und ihre Flugroute wird vom Radar einer lang bewährten Strategie überwacht.

Und warum klassifiziere ich überhaupt diese drei Arten von Kapitalmarkt-Teilnehmern?
Weil ich mir mehr Instrumentenflieger wünsche, die gute Chancen haben sollen, einen Zustand finanzieller Souveränität zu erreichen. Denn in einer Flotte zu fliegen, zusammen mit vielen selbstbstimmten Piloten, das macht jedem einzelnen mehr Spaß, das verteilt mögliche Risiken auf unzählige Schultern und reduziert Risiken dadurch und das erweitert enorm die eigenen Investitionsmöglichkeiten.

Denn viele Instrumentenflieger zusammengenommen, ergeben einen instituitionellen Airliner. Und so einer nimmt nochmals ganz andere Flughöhen ein, als es ein kleiner Privatpilot je könnte.

Vier Begriffe, ein Denkfehler: Wo sogar Profis bei Kapitalerträgen falschliegen

Eine knifflige Wer-wird-Millionär-Frage könnte so lauten, jetzt für euch, liebe Podcast-Hörer, zum Mitdenken und Beantworten: Nennen Sie den Begriff, der nicht in die Reihe dieser vier Wörter passt: A Zins, B Ertrag, C Rendite, D Gewinn.

Welcher Begriff passt nicht? Mein erster Proband für diese Testfrage, der in Finanzdingen gut bewandert ist, der meinte aus dem Stehgreif, die Lösung A „Zins“ hätte in dieser Reihe nichts zu suchen. Und ich denke, er ist nicht allein mit dieser Vermutung.

Rendite ist kein Geldfluss – sondern ein Verhältnis

Nein, es ist Antwort C, die nicht passt: Es ist Rendite, und nicht Zins, Ertrag oder Gewinn.
Das mag jetzt überraschen, wird doch Rendite von vielen als Überbegriff für alle Arten von Einkommen aus Kapitalerträgen verwendet, und ich war da in der Vergangenheit oft etwas unscharf unterwegs. Ist ja auch nicht schlimm, weil jeder weiß, was gemeint ist. Schauen wir aber jetzt genauer auf die Begriffe:

Zinsen, Erträge und Gewinne sind Rückflüsse auf eingesetztes Kapital, die als nominale Beträge, in welcher Währung auch immer, dargestellt werden können. Ja, auch Zinsen sind Beträge! Landläufig wird immer gesagt, ich bekomme 3 % Zinsen und jeder weiß, was gemeint ist. Aber eigentlich stimmt das nicht:

Man kann keine 3 % bekommen, man kann 3 % nur berechnen. Die 3 % sind der Zinssatz, aber die Zinsen selbst, das wären z. B. 300 Euro auf 10.000 € angelegtes Geld.

Gleicher Ertrag, unterschiedliche Rendite – warum Prozent täuschen können

Und damit wird auch klarer, was es mit den Renditen auf sich hat: Renditen sind bei exakter Verwendung des Begriffs auch keine Rückflüsse und können nicht nominal als Betrag ausgewiesen werden; Renditen bezeichnen ein Erfolgsverhältnis, und zwar das zwischen den Rückflüssen und dem dafür eingesetzten Kapital – und ein Verhältnis zwischen zwei Beträgen wird immer in Prozent ausgedrückt.

Beispiel: Du investierst 100.000 € in Anteile und könntest sie nach einem Jahr für 108.000 € wieder verkaufen. Dann beträgt deine Rendite 8 %. Nun angenommen, du hättest 200.000 € investiert und verkaufst deine Anteile nach einem Jahr für 208.000 €, dann ist der Ertrag von 8.000 € gleich, aber die Rendite hat sich halbiert auf 4 %.

Also zu sagen, ich habe 8.000 Euro Rendite erwirtschaftet, klingt jetzt irgendwie schräg, oder? Ich denke, diese grobe Abgrenzung vorneweg ist schon mal hilfreich und sensibilisiert für den Umgang mit dem Begriff „Rendite“.

Ertrag, Zins, Gewinn: Die saubere Abgrenzung

Schauen wir uns jetzt die drei anderen Begriffe Ertrag, Zins und Gewinn an, denn auch dort gibt es erhebliche Unterschiede:

  • Ein Ertrag ist mal grundsätzlich alles, was dir an Geld zufließt. Das können Dividenden sein, Kursgewinne auf Aktien, Mieteinnahmen oder auch Zinsen – einfach alles, was an Kapitalerträgen reinkommt.
    Im Finanzwesen entspricht diese übergeordnete Form aller Erträge dem EBIT, den Earnings before Interest and Taxes.
  • Zinsen sind die Erscheinungsform eines Ertrags. Der Unterschied von Zinsen zu anderen Erträgen ist mehr struktureller Natur, denn: Zinsen sind Erträge auf Geld, das du verliehen hast, oder Zinsen sind Kosten auf Geld, das du geliehen hast. Es geht jedenfalls immer um Leihkapital.
  • Und Gewinne sind Erträge, von denen Aufwandskosten abgezogen wurden, sofern die im Zusammenhang mit einer Vermögensanlage angefallen sind, was allermeistens der Fall ist. Zu den Kosten würden natürlich auch Zinsen zählen, wie gerade erwähnt, wenn Fremdkapital bzw. Leihkapital im Spiel ist. Dazu gleich auch ein Beispiel.

    Gewinne sind also das Ergebnis einer Investition nach Kosten und Zinsen, aber vor Steuern, oder schlicht als „Vorsteuergewinn“ ausgedrückt.

Nochmals in anderen Worten:

  • Erträge sind das, was immer ein Projekt oder eine Geldanlage erwirtschaftet. Das ist der eigentliche Überbegriff für alles, was Kapitalanlagen erwirtschaften, seien es Geldwerte oder Sachwerte.
  • Zinsen sind eine Form des Ertrags – man sagt ja auch „Zinsertrag“. Doch mit Zinsen ist immer spezifisch die Leihgebühr gemeint, die du bezahlst, wenn du der Schuldner bist oder die du bekommst, wenn du der Gläubiger bist.
  • Der Gewinn ist das, was bleibt, wenn von deinen Erträgen alle Aufwendungen abgezogen wurden, die zur Erwirtschaftung des Ertrags nötig waren, und
  • die Rendite, die setzt die Messlatte, wie rentabel deine Anlage im Vergleich zu anderen Anlagen ist. Die Vergleichbarkeit rührt vor allem daher, dass die Aussage über Renditen automatisch impliziert, dass sie pro Jahr gemeint sind. Das ist weltweit die Norm. Ansonsten müssten man extra erwähnen, wenn Renditen auf eine andere Laufzeit erwirtschaftet würden als Rendite p. a..
    Wir alle verwenden das Wort „Rendite“ so gern, weil es in einer Prozentzahl die Effizienz ausdrückt, mit der unser Geld pro Jahr angelegt wurde.

Der Vorsteuergewinn am Beispiel einer Obstplantage

Ich will es nochmals verdeutlichen mit einem Beispiel und in diesem Zusammenhang auch die Renditesteigerung mit Fremdkapital erwähnen, den Leverage-Effekt. Nehmen wir eine Obstplantage:

  • Wir kaufen für 100.000 € ein Stück Land und Baumsetzlinge, die uns Arbeiter einpflanzen. Wir lassen die Wachstumszeit jetzt mal beiseite und freuen uns direkt über eine Ernte, die uns 15.000 € an Ertrag einbringt.
  • Wenn ich von den 15.000 € die Kosten für Grundsteuern, Setzlinge und die Arbeiterentgelte von insgesamt 5.000 € abziehe, dann habe ich einen Vorsteuergewinn von 10.000 €. 
  • Das entspricht einer Rendite von 10 %.
  • Falls ich in meinem Kaufpreis von 100.000 € Fremdkapital in Höhe von 20.000 € dabei war, dann muss ich vielleicht noch 1.000 € Zinsen an den abdrücken, der mir das Geld geliehen hat.

Der Leverage-Effekt: Wie aus 10 % plötzlich 38 % werden

An dieser Stelle, als ergänzendes Kapitel, will ich den Lerverage-Effekt demonstieren, denn der Vorsteuergewinn und die Rendite verändern sich gehörig, wenn wir den Ertrag vor allem mit Geld erwirtschaften, das uns gar nicht gehört; und deshalb liebäugeln ja auch viele mit der Möglichkeit, ihren Vermögensaufbau mit Krediten zu beschleunigen:

Angenommen, ich habe nur 20T € Eigenkapital und die Bank hat mir ein Darlehen über 80T € für meine Plantage dazugegeben zu einem Zinssatz von sagen wir mal 3 %; dann kommen auf meine Betriebskosten von 5.000 € noch 2.400 € Zinsen dazu, die ich an die Bank abführen muss.

Dann ist mein nominaler Gewinn jetzt niedriger: 15T Ertrag – 5T Kosten – 2.400 Zinsen ergeben einen Gewinn von nur noch 7.600 €. Wenn ich mir jetzt aber das Verhältnis von 7.600 € Gewinn zu 20.000 € Eigenkapital anschaue, also die Eigenkapitalrendite, dann werden daraus stattliche 38 % Rendite. Ohne Hebel waren es 10 %.

Wenn der Hebel bricht: Warum dich Schulden ruinieren können

Eine Hebelwirkung entfaltet sich immer dann, wenn die Gesamtkapitalrendite, in meinem Fall 10 %, höher ist als der Zins, den ich auf den Kredit abdrücken muss. 10 % minus 3 % Zinssatz ergibt eine Differenz von 7 %. Diese 7 % Differenz habe ich auf die 80.000 € der Bank verdient, ohne selbst einen Cent davon besitzen zu müssen. 7 % auf 80.000 € sind 5.600 € Zusatzgewinn; das ist der Hebel.

Gefährlich wird es nur, wenn es Jahre geben sollte, wo die Ernte ausfällt, ich für mein Obst nur einen Preis unter den Produktionskosten verlangen kann oder die Zinsen steigen – dann schlägt der Hebel um und ich habe einen negativen Leverage. 

Warum Vorsicht gerade jetzt wichtiger ist als Renditejagd

Und eine Zeit wie unsere sollte wirklich vorsichtig machen, und das schon länger:

  • seit den Jahren der Finanzkrise 2008,
  • dann das aufgeblasene Giralgeldvolumen der Niedrigzinsphase,
  • die Pandemie,
  • dann die brutale Inflation, zweitweise über 10 %,
  • der Ukrainekrieg und jetzt zusätzlich der Iran-Krieg mit der Folge heftiger Preissteigerungen,
  • mit einer schlechten EU-Führung,
  • einer blockierten deutschen Regierung und vor allem
  • mit weiteren 3 Jahren Donald Trump –

das kann auch die plausibelsten Wertschöpfungsketten so weit stressen, dass keine Erträge fließen. Aber Zinsen muss man eben immer zahlen.

Tu dir das einfach nicht an. Lass es bleiben. Schulden schwächen deine Bilanz, deine Bonität und Liquidität, sie belasten und destabilisieren jedes Portfolio.
Schau dir dagegen Warren Buffett mit seiner Bershire Hathaway an: Seit 2022 verkaufen er und jetzt sein Nachfolger ständig Aktien, sie häufen einen Kapitalberg an, der sich bald in Richtung 380 Mrd. Dollar bewegt. Das komplette Gegenteil von Schulden! Sie parken Geld und nehmen dafür aus Staatsanleihen 4-5 % Zinsen mit bei nahezu null Risiko.

Jeder kennt das Mantra von Buffett: Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind. Er wartet vielleicht auf die Gierigen, die sich sich jetzt verschulden, die jetzt auf Hebeleffekte setzen, wo ein bisschen Zurückhaltung und Vorsicht angebrachter wären.

Buffett wartet, bis Finanzblut auf den Straßen fließt, um unterbewertete Anteile günstig kaufen zu können. Schulden sind das Blut der Gierigen; deshalb mein Rat: Schau, dass du nicht zu den Gierigen gehörst.

So, dieser Abschluss unserer Wer-wird-Millonär-Frage ist mir ungewollt etwas dramatisch aus der Feder geflossen. Das wird den schönen Begriffen Gewinn, Ertrag, Zins und Rendite nicht gerecht. Behalten wir sie trotz dramatischer Zeiten in guter Erinnerung, wann immer wir sie verwenden.

Genusselement: Die Schönheit der Ungewissheit

Ab und zu streift mich die journalistische Plattform „Business Insider“, die zum Axel Springer Verlag gehört. Auf der begegnete mir ein 16-jähriger Amerikaner, der einen wundervollen Satz gesagt hat, der mir größten Genuss bereitet hat.

Dieser Amerikaner hat etwas von größtem Wert geschaffen für Landwirte, die mit Drohnen den Zustand ihrer Felder fotografieren und diese Luftbilder von seinem KI-Tool per Multispektralanalyse bewerten lassen. Sie sehen auf ganz einfache Weise, und das wohl sehr zuverlässig, wo das Feld gedeiht und wo nicht, wo es Wasser oder Dünger braucht, anstatt nach dem Gieskannenprinzip vorzugehen.

Dieser Mehrwert hat sich natürlich auch unter Investoren schnell herumgesprochen, und ihm wurde für sein Alter schon eine Menge Geld für seine Entwicklung geboten.

Aber er lehnte ab! Er verzichtete auf den sicheren Gewinn und bevorzugte, dass sein Modell weiterhin kleinen und mittleren Betrieben für erschwingliches Geld erhalten bleibt.

Und der Satz, den er dazu sagte, lautete:

„Im Unternehmertun gibt es viel Ungewissheit, besonders bei Start-ups, aber ich habe gelernt, dass in der Ungewissheit auch Schönheit liegt.“

…dass in der Ungewissheit auch Schönheit liegt. Was für eine wundervolle Haltung, die erfahrene Investoren kennen. Aber manchmal braucht es einen 16 Jahre jungen Botschafter, der sie daran erinnert.

Euer Andreas, der Wohlstandsbildner

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