Ratgeber- Interview:

Geld anlegen wie institutionelle Anleger -
So geht es

 Was sind institutionelle Anleger?

Institutionelle Anleger, oder etwas salopp Instis genannt, sind Anleger mit einer so großen Geldmenge und so vielen Transaktionen, dass das Managen des Geldes hauptberuflich bzw. professionell erfolgt. Konkret sind Instis Institutionen wie Banken, Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen, Fonds jeder Art, Kirchen und nicht zu vergessen die Länder und der Bund, aber auch extrem wohlhabende Einzelpersonen und Familien Offices, die sich als Vermögensverwaltung organisieren.
Allen gemeinsam ist, dass sie am Kapitalmarkt als juristische Person auftreten im Gegensatz zum Privatanleger, der häufiger als natürliche Person zeichnet.

Wo liegt bei Ihnen als Geschäftsführer der Wohlstandsbildner der Beratungsschwerpunkt?

Ganz klar bei den Privatanlegern, bei denen die Summen des anzulegenden Geldes zwischen 2000 Euro und 1 Million € liegen. Aber ich durfte auch schon sehr reichen Menschen und Vermögensverwaltungen beratend zur Seite stehen, was immer eine besondere Herausforderung ist, aber auch viel Freude macht. Die Ansprüche institutioneller Anleger erweitern natürlich auch meinen eigenen Horizont, zudem ergeben sich interessante Netzwerke. Ich habe schon etliche Anlageformen später ins eigene Portfolio übernommen, die ich über Instis kennengelernt habe, die mit einer Frage an mich herangetreten sind.

Wie läuft so ein Beratungsgespräch ab im Vergleich zu dem mit privaten Anlegern?

Sitzen mir professionelle Anleger gegenüber, kann ich in Bezug auf Anlagemöglichkeiten viel Wissen voraussetzen. Das Vokabular ist ein anderes, es geht erheblich analytischer zu und ich muss Kennzahlen parat haben, die ein Kleinanleger nicht einmal kennt, geschweige im Detail aufgedröselt bekommen will.

In gewisser Hinsicht habe ich aber auch weniger Arbeit, denn der Gesetzgeber erlegt mir weniger Aufklärungs- und Dokumentationspflichten auf, weil er davon ausgeht, dass ein Profi Anleger Risiken und Chancen aufgrund seines Know-hows einschätzen kann. Das gibt mir in der Anlageberatung zusätzlichen Raum, um anlagespezifische Dinge zu klären – fließt doch normalerweise ein Großteil der Zeit in der Anlageberatung von Kleinanlegern in die Aufklärungspflichten zu den Risiken und in die Prüfung, welche Anlagen gemessen am Risikoprofil des Anlegern angemessen und geeignet sind.
(Bemerkung: Ausführliche Informationen dazu im großen Artikel zum Thema Anlageberatung).

Wie äußern sich die Unterschiede in der Anlagephilosophie bei großen Geldmengen?

Ich hatte das Glück, von vornehmlich zwei großen institutionellen Anlegern lernen zu dürfen und verfolgen zu können, wie die beiden sehr große Geldmengen verwalten. Ich sehe da zwei fundamentale Unterschiede, nämlich in der Definition von Sicherheit und im Anspruch der Rendite.
Zuerst zur Rendite:
Instis geben sich nicht mit 5-6 % Rendite zufrieden, denn nicht wenige schätzen die reale Inflation als mindestens so hoch ein – also braucht es mehr Rendite, wenn ein Gewinn übrig bleiben soll. Deshalb scheiden schon die meisten Bank-und Versicherungsprodukte aus, die im derzeitigen Zinsniveau nicht annährend die Ansprüche solcher Anleger erfüllen könnten.

Dann sind sie sicher bereit auf Sicherheiten zu verzichten?

Im Gegenteil! Je reicher ein Mensch, desto weniger spekulativ will er meiner Erfahrung nach unterwegs sein. Es heißt ja immer, hohe Renditen würden auch hohes Risiko bedeuten. In der Zinswelt – also im Rahmen der Geldanlagen, die einen vorher vereinbarten Zinssatz in Aussicht stellen – stimmt das auch, hier gilt eindeutig: Hohe Zinsversprechen gehen definitiv mit hohen Risiko einher!

Ganz anders aber sieht es in der Gewinnwelt aus: Beim Gewinn bin ich normalerweise Anteilseigner einer Investition und werde am Gewinn beteiligt, der entweder über Dividenden oder über Exitstrategien erzielt wird. Damit sich in der Welt der Geldanlagen, die Gewinn in Aussicht stellen, ordentliche Renditen und hohe Sicherheit nicht ausschließen, haben sich Instis eine andere Definition von Sicherheit und Risiko angeeignet. Das zu lernen und in der Anwendung zu erleben, war eine meiner einprägsamsten Erfahrungen in der Lehrzeit bei meinen Mentoren und auch eine der prägendsten für mein gesamten zukünftiges Anlageverhalten.

Jetzt bin ich aber gespannt, denn das klingt nach viel Rendite bei kleinem Risiko. Das wäre ja bei Geldanlagen wie der Stein der Weisen!

Nein, „Stein der Weisen“ wäre nun zu hoch gegriffen, ist es doch für unternehmerisch denkende Menschen etwas ganz Gewöhnliches. Für Kleinanleger ist es aber besonders, wurden und werden sie doch eher dazu erzogen, Geldanlagen als etwas zu betrachten, was andere für sie komplett erledigen und sie sich selbst möglich wenig darum kümmern sollen. Entsprechend frei können die, die das Geld dann haben, damit agieren – für ihre eigenen Zwecke, um es einmal insgesamt höflich und zurückhaltend auszudrücken.

Bei der Definition von Sicherheit, wie sie ein Kleinanleger haben möchte, geht es im Kern um die Frage: Wer oder was verschafft mir Sicherheit für mein angelegtes Geld?
Der Kleinanleger interessiert sich wie oben erwähnt eher nicht dafür, was mit seinem Geld innerhalb der Anlage passiert; er denkt eher: „Solange mir die Bank, die Versicherung oder der Staat sagt, dass sie für das angelegte Geld haften und mir den vereinbarten Zins zahlen, bin ich zufrieden“.
Diese Haftung lassen die Haftenden sich allerdings sehr gut bezahlen, weshalb oft so wenig Rendite übrig bleibt.

Ganz anders der unternehmerisch denkende Anleger: Für den gibt es keine äußere, haftende Partei, - nein, der fragt: „Wie hoch ist der intrinsische, also der wahre, innere Wert von dem, was ich mit meinem Geld finanziere?“ Diesen inneren Wert machen nun viele Faktoren aus, aber grundsätzlich gilt: Je mehr Beteiligte dem Investment einen hohen Wert beimessen, je mehr Wirkung das Investment auf die Gesellschaft hat und je länger es bewiesen hat, dass für diese Wirkung eine hohe Nachfrage herrscht, desto sicherer ist mein Geld dort aufgehoben.

Und was sind das zum Beispiel für Investments, die so eine Art hoher innerer Sicherheit haben?

Das sind im Grunde zwei Bereiche, die in sich aber so vielfältig und schlicht überall zu finden sind, dass ein Leben unserer Gesellschaft ohne diese zwei Kernelemente nicht vorstellbar ist: Infrastruktur und Immobilien.
Es ist sprichwörtlich nicht möglich irgendwo hinzugehen, ohne etwas davon zu sehen - selbst in der abgelegendsten Natur. Denn wenn es da keinen Handymasten geben sollte, muss man nur mit Teleskop-Augen 100 km nach oben schauen und sieht unzählige Satelliten, die ganz wesentlich das System Infrastruktur im Bereich der ökonomischen Infrastruktur ausmachen.

Aha, Immobilien gehören also auch dazu. Dann dürfen sich alle Häuslebauer freuen über den inneren Wert ihrer Investition?

Ja, über den inneren Wert vielleicht, aber die Rendite ist in den meisten Fällen – und hier lügt der Rechenstift einfach nicht, auch wenn sich gerade der Häuslebauer etwas Anderes vorrechnet - nicht der Rede wert. Nein, als Investment sprechen wir bei Immobilien eher über gewerbliche Immobilien, mit denen in kurzer Zeit viel Wert erschaffen werden kann, also sogenannte Entwicklungsimmobilienprojekte, ebenso Value-Add-Immobilien genannt – ein Begriff, der vielleicht am besten beschreibt, worum es geht. Was das ist, zeigt ja ein anderes unserer Interviews genau, ebenso wie das Interview mit dem Schwerpunkt Infrastruktur.

Ok, Infrastruktur und Entwicklungsimmobilien. Dass institutionelle Anleger da investieren, ist verständlich, weil das Millionen bis Milliarden braucht. Wie können sich aber Kleinanleger beteiligen mit vielleicht 20.000 €? Das klingt nun alles nicht mehr so, als wäre das für mich als Kleinanleger irgendwie relevant für meinen eigenen Vermögensaufbau.

Doch, es sollte meiner Meinung nach immer relevanter gerade für die werden, die noch Vermögen aufbauen wollen, denn es ist mittlerweile recht komfortabel möglich, sich daran zu beteiligen! Das geht über Fondskonstruktionen, in denen tausende Kleinanleger Geld einlegen, mit dem sie dann im prozentualen Verhältnis zur Gesamteinlage des Fonds am Gewinn beteiligt sind.

Mit dem Geld aller Kleinanleger zusammengenommen kann ein Fondsmanagement dann auftreten und agieren wie ein einzelner institutioneller Anleger; das ist ja letztlich der Hintergrund aller Fondskonstruktionen. Für mich heißt „Fonds“ nichts Anderes als Topf, für den Geld eingesammelt wird, um größere Projekte stemmen zu können, als je einer alleine könnte.

Und wie entsteht dann nun Gewinn, wie hoch fällt er aus und mit welchem Risiko?

Für einen erfahrenen institutionellen Anleger gilt es, in der Wertschöpfungskette eines Infrastruktur-oder Immobilienprojekts spät genug einzusteigen, dass das Risiko klein ist und zugleich früh genug, damit der Gewinn spürbar bleibt. Auf Fondsebene ist hier immer die Vervielfachung des im Projekt angelegten Geldes angestrebt, das sogenannte Multiple. Dann heißt es zum Bespiel: „Die Investition in Projekt XY hat innerhalb von 3 Jahren ein Multiple von 2,8 erwirtschaftet.“

Was die Renditen angeht, die ein Anleger nach Abzug von Managementkosten und Steuern überwiesen bekommt: Hier können als Grundlage gut 7 % angesetzt werden, ohne allzu mutig zu sein. Ich persönlich sehe 7% Nettorendite als Grundlage, als absolute Basis, ab der überhaupt erst ein Gewinn spürbar wird. Denn ich teile die Meinung meiner Mentoren, dass die Realinflation auch in meinem persönlichen Warenkorb deutlich über 5% liegt.

Und wenn ich von 7% Nettorendite spreche, bitte nie vergessen: Das ist eine aus den letzten Jahrzehnten Erfahrung realistische Grundlage in der Gewinnwelt und hat nichts zu tun mit der Gelderschafferei aus der Luft – sog. Fiat Money -, wie wir es in der Zinswelt vorfinden.

Eine der Fragen, die Sie oft dabei hören dürften, ist: Wenn das so gut, sicher und lukrativ ist – warum machen es dann nicht alle?

Da sehe ich vor allem drei Gründe:
Zu einen gibt es Fondskonstruktionen dieser Art noch gar nicht so lange, vielleicht 15-18 Jahre, daher gibt es auch nicht so viele Fonds dieser Art weltweit, ich schätze 100-150 - das ist wenig im Vergleich zu tausenden anderer Fonds.

Außerdem wird der Fokus der Masse von Anlegern von den Medien und vom Gesetzgeber dort schlicht nicht hin gelenkt; hier werden Fondsmodelle beworben, welche der Banken- und Versicherungswirtschaft und dem Staat mehr dienen, wie zum Beispiel Riester, Rürup, Bausparen und all solche Neuverpackungen eines Sparbuchs.

Und drittens haben es erfolgreiche Initiatoren von Infrastruktur-und Entwicklungsimmobilienfonds nicht nötig, selbst Geld für Werbung auszugeben; denn es genügt, wie sich das unter den Beteiligten herumspricht.
Um es kurz zu sagen: Die Leute wissen einfach nicht, dass es solche Anlagemöglichkeiten mit so einem riesigen Potenzial bei überschaubarem Risiko gibt.

Was ist Ihre Motivation, das bekannter zu machen?

Ich gebe hier letztlich weiter, was ursprünglich für mein eigenes Geld als Strategie gedacht war. Wenn ich die Anlagemöglichkeiten schon für mich geprüft habe, macht es viel Freude, das wissen in der lebendigen Zusammenarbeit mit unternehmerisch denkenden Menschen zu teilen.
Natürlich verdiene ich damit auch erfreulich Geld, je mehr Erfolg die Geldanlagen für meine Mandanten haben, und kann damit wieder für mich neue Geldanlagen prüfen und in der Praxis testen, um ein immer breiteres Portfolio auch später für Mandanten aufzubauen.

 

Das Ratgeber-Video auf YouTube Geld anlegen wie institutionelle Anleger

 

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