#43 Bleibe unter deinen Möglichkeiten

Das chin. Sprichwort ist fast schon abgelutscht: Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Abgelutscht ist aber nicht fertig gelutscht, sondern womöglich das Geheimnis von Vermögen! Nicht alles zu tun, was man könnte, hat nichts mit Unvermögen zu tun. Es hat eine Menge mit Wohlstandsbildung zu tun.

Gib nicht immer 100%! Das ist oft gesünder und baut Vermögen auf.

Das Wort Vermögen hat nicht nur eine Doppeldeutigkeit, sondern eine Tripeldeutigkeit, die es wert ist wahrzunehmen: Das herkömmliche Verständnis bezieht sich auf das Substantiv Vermögen. Vermögen als Summe aller materieller und immaterieller Güter, Vermögen im Sinne von Wohlstand. Doch in dem Wort steckt auch das Verb „vermögen“ als Fähigkeit, etwas zu tun, z. B. Wohlstandsbildner vermögen es meisterhaft Vermögen aufzubauen. Na, und dann ist da noch ganz offensichtlich das Wort „mögen“, ein Wort, das wir doch alle mögen, was aus Vermögen mal generell was Positives macht.

Nun ist es tatsächlich so einfach Vermögen aufzubauen für den, der vermag, eines zu mögen: immer ein bisschen unter seinen Möglichkeiten zu bleiben. Beispiele dafür:

Du vermagst beim Training mit Puls 180 noch eine Schippe draufzulegen? Ja, mach das ein Mal, lass es aber 9 Mal bleiben. Dein Körper wird es dir danken und der Trainingseffekt wird größer sein.
Du vermagst bei einem herrlichen Abendessen noch einen Nachschlag zu nehmen, dann den Nachtisch und dann ist ja der Käse am Schluss auch noch so köstlich? Ja, mach das ein Mal. Neun Mal aber genieße es, noch ein bisschen Platz im Magen zu lassen und deine Gesundheit wird es dir danken.
Es ist 9 Uhr abends und du steckst mitten in einem Projekt, an dem du schon den ganzen Tag gesessen bist. Noch eine Stunde, dann ist es fertig. Und du hast die Power, den Willen und mit einem Kaffee ist auch der Kopf noch klar genug. Wie wäre es aber, dir selbst gegenüber großzügig zu sein und endlich Geist und Körper das zu geben, was sie zur Erholung brauchen – nämlich Schlaf?
Und ganz klar ist: Du vermagst mehr Geld auszugeben, als gerade nötig wäre, ohne, dass du es groß merkst auf dem Konto, ohne, dass du dich morgen einschränken müsstest? Ja, mach auch das ein Mal, aber neun Mal bleibe bewusst unter deinen finanziellen Möglichkeiten und gib einfach etwas weniger Geld aus, als du könntest.

Für mich ist all das Wohlstandsbildung. Wer es beginnt zu mögen, eigentlich mehr zu vermögen, als er zeigt, baut materielles wie immaterielles Vermögen auf, und einen gesünderen Körper und eine entspanntere Gesinnung noch obendrein.

Im Finanzseminar spreche ich das Thema ständig an. Da heißt es dann: Der schlaue Hamster hat große Backen, lässt sein Rad aber klein. Oder das simple Klassikerzitat, das ich selbst zu hören bekam vor über 15 Jahren: „Was, Andreas, du willst großen Wohlstand aufbauen? Dann verkleinere als erstes dein Auto.“ Oder: 20% deiner Positionen bringen dir 80% deiner Rendite – Pareto-Prinzip, kennen wir alle. Dann strebe doch gar nicht die 100% an, wenn du für gerade mal 20% am Gewinn 80% mehr Positionen bräuchtest und unverhältnismäßig mehr Energieeinsatz.

Nochmal: Man könnte. Man hätte die Kraft, die Potenz, die Lust, das Geld, das Ansehen, die Klugheit für Mehr, für Größeres, und dieses Mehr und dieses Größere zu erobern würde sich so gut anfühlen, es würde befriedigen, es wären eben die 100%, das wäre Ausdruck von Reichtumsbewusstsein und Fülle. Wir sind schließlich auf dem Planeten, um ständig unsere Grenzen zu verschieben. Wer sich mit 90% zufrieden gibt, hat zu 10% verloren, oder? Komm: Du kannst die 100% nehmen, dann nimm sie auch.

Ja, man könnte. Denn wir sind, was die Verhaltensbiologen nennen, eine dopaminerg strukturierte Spezies. Das Letzte rauszuholen ist oft ein Dopaminkick, die 100% bereiten Lust und Freude. Ohne Zweifel. Aber wäre es nicht auch möglich, dass wir noch mehr persönlich wachsen und damit auch erwachsener wären, wenn wir freiwillig unter unseren Möglichkeiten bleiben würden? Weil wir dieser evolutionär bedingten Veranlagung aus Zeiten, in denen es ums Überlegen ging, nicht auf den Leim gehen und die 100% nicht brauchen, nur, weil wir sie vor Augen haben, denn vielleicht hat ja gerade das mit Armutsbewusstsein zu tun! Und wir auf dieses Mehr und dieses Größere verzichten, weil in dem Verzicht vielleicht sowas wie Fülle enthalten wäre? Nämlich eine Fülle, die später kommt, weil man früher verzichtet?

Das würde gewiss die Umwelt schonen. Das schont unsere Leber und hält schlank. Das wirkt auch oft souveräner nach außen, wenn andere spüren: Ah, der könnte noch viel mehr einen Breiten machen. Der könnte doch in ganz anderen Hotels absteigen. In anderen Restaurants essen, mit größeren Flugzeugen herumfliegen, in einem größeren Haus wohnen, ein dickeres Auto fahren und auf seine 40 Liegestütze noch 10 draufpacken könnte er auch. Er lässt es aber bleiben, einfach, weil es nicht mehr ums Überleben gehen muss und auch nicht immer ums Ego, das einen Breiten machen will.

Und eines tut dieses Unter-seinen-Möglichkeiten-Bleiben auch ganz gewiss: Es baut Vermögen auf. Jeden Tag ein bisschen, und auf das Bisschen kommt am nächsten Tag ein bisschen mehr, bis es irgendwann gar kein Bisschen mehr sein kann, sondern Fülle geworden ist.

Um nochmal beim Geld zu bleiben: Dieses Bisschen weniger Geld ausgeben, als man jetzt könnte, macht am ersten Tag, am zweiten Tag und auch am dritten Tag keinen Unterschied. Niemand sieht es, der Kontostand weist auch nach einer ganzen Woche nur ein Bisschen aus. Es ist eben ein Bisschen mal 7. Genau deshalb unterschätzen viele dieses Bisschen so sträflich, weil es am Anfang so unscheinbar wirkt – es ist so leicht zu übersehen, dieses Bisschen. Dieser erste winzige Schritt zum großen Vermögen, das noch Lichtjahre entfernt zu sein scheint: Man kann dieses Schrittchen tun, es wäre mühelos, z. B. auf den einen Cappuccino zu verzichten und sich das Geld gleich auf das Investmentkonto zu packen, aber man kann es eben auch genauso mühelos sein lassen.

Keiner sagt das so schön wie Jeff Olson in seine Buch „Slight Edge – Der kleine Vorsprung“*. Ich habe das Buch erst kürzlich gelesen, und es ist das bisher einzige Buch in meiner ganzen Lesekarriere, das ich mir danach sofort noch als Hörbuch reingezogen habe. Ich kann das Buch also hochgradig empfehlen; es wird kaum komplett spurlos an einem vorübergehen können, wenn er es mit ein bisschen unternehmerischen Augen gelesen hat.

Man kann dieses kleine Schrittchen zum Verzicht tun, aber die meisten lassen es leider bleiben. Nur beginnt dann die Reise nicht. Und oft beginnt sie nie. Für die, die nicht unter ihren Möglichkeiten geblieben sind, als sie konnten; denn die haben vielleicht irgendwann gar keine Möglichkeiten mehr, weil das Vermögen fehlt. Und das sind dann die 95%, die sich über die 5% wundern, wie die zu so viel Geld gekommen sind, mit 70 noch aussehen wie 50, Ideen und Lebenskraft haben wie 35-Jährige und die in aller Entspanntheit 4 Firmen hochgezogen haben.

Und was könnte einer der Gründe sein? Weil sich diese 5% irgendwann dazu entschieden haben, ein bisschen unter ihren Möglichkeiten zu bleiben. Aber nicht aus Unvermögen, sondern aus Vermögen. Weil das keine Demonstration von Mangel an Quantität ist, sondern die Demonstration von Fülle an Qualität. Weil ein bisschen Verzicht genauso eine Dopaminquelle sein kann wie das Letzte rauszuholen. So lebt es sich für alle Beteiligten entspannter und gesünder und reicher.

Für ein Leben in Fülle,
Euer Andreas

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