#156 Tokenisierte Aktien und KI im Depot: Wer schläft, verliert?

Dauer: 22:23

Der Wohlstandsbildner-Podcast, heute mit einer Börse, die nicht mehr schlafen geht – und mit Anlegern, die deshalb auch nicht mehr schlafen. Bei einem deutschen Neobroker sitzen ChatGPT und Co. schon mit am Depot und wir fragen uns: Ist das Fortschritt oder verrückt?

Doch zuerst ein Augen- oder besser Ohrenöffner dazu, wie uns die Ohren vollgedröhnt werden, wo doch die eigentliche Musik ganz woanders spielt…

Shownotes:

Das Altersvorsorgedepot ab 2027 – und was wir Wohlstandsbildner daraus machen (was auch für alle Noch-Nicht-Wohlstandsbildner gilt): www.wohlstandsbildner.de/avd

Zur Frage, was dein Stimmrecht als Aktionär wirklich wert ist: siehe Wobi-Podcast-Folge „Aktionär ohne Stimme“ wohlstandsbildner.de/podcast/folge-155/

SEC-Pressemitteilung vom 17.09.2026 zur „Innovation Exemption“ für tokenisierte Aktien (Primärquelle, englisch): sec.gov/newsroom/press-releases/2026-90-sec-issues-innovation-exemption-facilitate-trading-tokenized-nms-stock-request-comment

Scalable Capital zum Start von „Agentic Investing“ (Unternehmensmitteilung, englisch): de.scalable.capital/en/newsroom/scalable-agentic-investing

Nasdaq startet am 6. Dezember 2026 den Handel 23 Stunden an fünf Tagen (Fachmedium, englisch): marketsmedia.com/nasdaq-aims-to-debut-23-5-trading-on-6-december-2026/

Fortune zu Scalable, Claude und ChatGPT im Depot – mit Zitaten von Produktchef Alexander Seipp und der Elm-Wealth-Studie (englisch): https://fortune.com/2026/08/26/scalable-capital-claude-chatgpt-traders-bank-invest/

Die Börsen-Illusion: Wie viel Kapital der Welt ist wirklich sichtbar?

Stell dir vor, du stehst nachts am Meer und schaust auf die vom Vollmond beleuchtete Wasseroberfläche. Du siehst das Glitzern der Wellen, du siehst Schaumkronen, vielleicht ein paar Lichter von Schiffen am Horizont. Doch die eigentliche Gewalt des Ozeans – die Strömungen, die knapp 11 Kilometer tiefen Gräben der Tiefsee, das gewaltige Ökosystem – liegt im Dunkeln, unsichtbar für das bloße Auge.

Genau das ist das Bild, das unsere Finanzwelt heute perfekt beschreibt.

Wenn du heute die Wirtschaftszeitungen aufschlägst, Börsensendungen einschaltest oder Finanz-Gurus auf Social Media zuhörst, entsteht doch immer derselbe Eindruck: Das Wirtschaftsgeschehen der Welt spielt sich an den Börsen ab – an der Wall Street, im DAX, im S&P 500. Die Standard-Empfehlung für jeden Bürger lautet deshalb: „Geh an die Börse mit deinem Geld, dort spielt die Musik.“

Ständig wird einem suggeriert, die gesamte Geldwelt bestehe nur aus der Wasseroberfläche mit den paar Schaumkronen billionenschwerer Tech-Unternehmen. Aber die Wahrheit sieht anders aus.

Private Equity statt Börsennotierung: Die wahren Vermögenswerte der Weltwirtschaft

Von den Unternehmen mit über 100 Millionen Dollar Umsatz sind in den USA gerade einmal 13 Prozent an der Börse notiert. In Europa sind es sogar nur 4 %, und 96 Prozent werden rein privat gehalten. Weltweit gibt es rund 60.000 börsennotierte Konzerne – gegenüber Millionen profitabler, substanzstarker Privatunternehmen, die den Globus am Laufen halten.

Und schauen wir vor unsere eigene Haustür: In Deutschland gibt es rund dreieinhalb Millionen Unternehmen. An der Börse notiert sind davon gerade einmal rund 800.

Es ist nicht jedes zehnte Unternehmen. Nicht jedes hundertste. Es ist ungefähr jedes 4.500ste, das an der Börse sichtbar ist. Und wenn wir nur die regulierten Unternehmen betrachten, tut sich sogar nur jede 8.200ste Firma den Stress, den Aktionärsdruck, die Berichts- und Offenlegungspflichten einer Börsennotierung an.

Also nochmal: Der weitaus größte Teil des realen Vermögens der Menschheit ist an der Börse unsichtbar.

So gesehen ist es paradox: Die allermeisten Privatanleger werden von Banken, Medien und Ökonomen in einen im Verhältnis winzigen Teil des weltweiten Kapitals gepfercht. Sie drängeln sich alle auf derselben schmalen Börsenbühne, jagen derselben Handvoll Tech-Giganten hinterher und glauben, sie seien breit diversifiziert.

Währenddessen teilen sich institutionelle Investoren den gigantischen Kuchen der eigentlichen Geldwelt in aller Ruhe unter sich auf.

Inflation, Zinswende, Geopolitik: Vermögenssicherung und Altersvorsorge jenseits der Aktienmärkte

Warum ist das gerade jetzt von großer Bedeutung?

Schau dich in der Welt um. Wir befinden uns in einer Zeit mit einer historischen Fülle an Reibung:

  • Die geopolitischen Spannungen und Kriege finden kein Ende.
  • Wir spüren immer mehr die zweite Welle einer Inflation – womöglich die Quittung für über zwei Jahrzehnte ungezügelte Geldmengenausweitung und Nullzinsexperimente.
  • Die Zentralbanken versuchen, diese Glut mit wieder steigenden Zinsen zu ersticken, nehmen damit aber gleichzeitig der realen Wirtschaft immer mehr Handlungsspielräume.

Unter diesen Rahmenbedingungen warnen manche Ökonomen mit Blick auf 2027 vor schweren Korrekturen an den ohnehin extrem hoch bewerteten Aktienmärkten, mehr dazu in einem der nächsten Podcasts.

Wer in einem solchen Sturm nur auf das setzt, was man sieht, nämlich auf die Börse, der segelt durchs Meer ohne Echolot, das ihm sagt, wie viel Wasser er noch unterm Kiel hat.

Frag dich mal selbst, ob wahre Vermögenssicherung und echter Wohlstand jemals dort entstanden sind, wo die Masse im Gänsemarsch hinläuft. Dabei war es selten so entscheidend wie heute, wirklich breit und tief aufgestellt zu sein – um genau diese Kursschwankungen der öffentlichen Märkte abfedern zu können.

Nun, die gute und faszinierende Nachricht ist: Die Zeiten, in denen die eigentliche große Geldwelt nur Milliardären vorbehalten war, die sind vorbei. Es gibt mittlerweile Werkzeuge und Instrumente, die uns Privatanlegern Zugang zu dieser wahren Investorenwelt verschaffen, auch ohne Vitamin B.

Genau diese Werkzeuge nutzen wir bei den Wohlstandsbildnern seit Jahren – und wir sind sehr zuversichtlich, sie ab dem kommenden Jahr auch im neuen Altersvorsorgedepot einsetzen zu können. Die Börse kann dann gern auch eine kleine Rolle im Portfolio spielen, aber den eigentlichen Takt geben die Vermögensanteile vor, die sich von einer irre gewordenen Welt nicht so leicht verrückt machen lassen.

Dazu passt im nächsten Kapitel, welche technologische Weiterentwicklung die Börsen gerade in Angriff nehmen und damit Chancen, aber auch Gefahren schaffen – nicht nur fürs Depot, sondern auch für den Schlaf.

Handel ohne Sperrstunde: SEC erlaubt tokenisierte Aktien auf der Blockchain

Die Tretmühlen der börsennotierten Finanzmärkte dürfen seit dem 17. September dieses Jahres noch etwas schneller laufen, als sie es eh schon tun. Wenn alles überall schneller, effizienter und emotionsloser wird, dann ist die Finanzwelt ganz vorne dabei, wieder einmal mit dem amerikanischen Aktienmarkt als Taktgeber.

Tokenisierte US-Aktien für fünf Jahre erlaubt

Die US-Börsenaufsicht SEC hat am 17.09.2026 erlaubt, dass Aktien künftig als digitale Wertmarken gehandelt werden können, und zwar auf der Blockchain, rein digital und damit technisch auch rund um die Uhr – ob die Handelsplätze das ausreizen, lässt die SEC offen. Erst einmal befristet auf fünf Jahre im Versuchsstadium und nur für zugelassene Teilnehmer.

Um es gleich zu sagen: Die Technik und die Möglichkeiten dahinter finde ich großartig. Die Haltung, die diese Entscheidung allerdings repräsentiert, finde ich bedenklich – auch wenn oder gerade weil sie so sehr dem Zeitgeist entspricht.

Was ist eine tokenisierte Aktie? Vom Papier über die Buchung zum Token

Nun, was ist eigentlich passiert? Früher war eine Aktie ein Stück Papier, eine Urkunde im Tresor. Das ist längst vorbei, denn heute ist eine Aktie eine Zeile im Computer der Bank. Doch was mit dem 17.09. beginnt, könnte die Zukunft sein. Aktien werden zum digitalen Wertschein, einem sogenannten Token, den du verschicken kannst wie eine E-Mail. Jederzeit und ohne dass eine ganze Kette von Instanzen dazwischen die Hand aufhält.

Die Regeln der SEC: Echte Aktien, Dividende, Stimmrecht und Einspruchsrecht der Unternehmen

Eine klare Bedingung hat die SEC allerdings vorgegeben, und die ist entscheidend für ein Geschäft, das Werthaltigkeit wenigstens ausstrahlen soll: Hinter jedem Token muss eins zu eins eine echte, tatsächlich hinterlegte Aktie liegen. Der Token-Inhaber bekommt dieselben Rechte wie der klassische Aktionär, also Dividende und Stimmrecht. Kopien und Wetten auf den Kurs sind dabei nicht erlaubt.

Und es gibt noch eine Beschränkung: Jedes Unternehmen darf Nein sagen, wenn seine Anteile nicht als Token verfügbar sein sollen.

Vorteile der Blockchain: Aktien schneller, günstiger und transparenter handeln

Die Blockchain kann hier jedenfalls in Reinform zeigen, was sie kann: ein gemeinsames Kassenbuch, tausendfach kopiert, das niemand heimlich ändern kann. Vier Vorteile sehe ich hier vorrangig:

  1. Aktienübertragungen gehen schneller. Heute dauert es einen Werktag, bis ein Aktienkauf in den USA wirklich abgewickelt ist. Dazwischen reichen sich Banken, Verwahrer und Abwicklungsstellen das Geschäft weiter wie einen Staffelstab. Auf der Blockchain können Geld und Aktie in einem einzigen Schritt den Besitzer wechseln.
  2. Wenn Zwischeninstanzen wegfallen, kann es billiger werden.
  3. Der Handel wird transparenter. Die Plattformen müssen ihre Geschäfte offenlegen, und auf der Blockchain ist jede Transaktion für jeden einsehbar. Das ist weit mehr Durchblick, als dir heute so manche Bank bei ihren Gebühren gönnt. Und
  4. das ist für mich der eigentliche Punkt, sofern man Aktien als echten Anteil an einem Unternehmen begreifen will und in seinem Portfolio hält: Hinter dem Token, diesem rein digitalen Wertstempel, steht ein Unternehmen. Eines, das etwas herstellt, etwas verkauft, Gewinne erwirtschaftet.

Tokenisierte Aktie vs. Bitcoin: Bilanz statt Glaube

Und genau das unterscheidet diese Anwendung von Bitcoin. Bitcoin lebt davon, dass genug Menschen an seinen Wert durch Verknappung glauben. Eine Aktie als Token braucht keinen Glauben. Sie braucht eine Bilanz. Die Blockchain selbst ist hier also nicht das Investment. Sie ist nur das Förderband, auf dem wir echte Werte schneller und sauberer transportieren können. Und dafür lobe ich sie ja schon seit langem.

Risiken im Nachthandel: Dünne Märkte, Kurssprünge und die Stop-Loss-Falle

Jetzt aber die Kehrseite: Nachts ist der Markt ruhig. Wenige Käufer, wenige Verkäufer – und schon eine einzige größere Order kann den Kurs deutlich bewegen. Wie das aussieht, zeigen Krypto-Plattformen, deren Kurse heute schon rund um die Uhr gehandelt werden: Da rutscht ein Kurs nachts für ein paar Minuten weit unter den letzten Tageskurs und springt dann zurück, als wäre nichts gewesen. Warum? Weil keiner da ist, der dagegenhält.

Und wer eine automatische Verkaufsgrenze gesetzt hat, einen sogenannten Stop-Loss, der wird womöglich genau in diesen Minuten rausgekegelt, zu einem Preis, den er tagsüber nicht erlitten hätte. Wer Aktientokens hält, sollte sich über seine Stop-Loss-Strategien also Gedanken machen, bevor der Nachtmarkt es für ihn tut.

Dazu kommt die neue Nachbarschaft: Die neuen, sauberen Token ziehen in dieselben Apps ein, in denen auch Hebelwetten und Spaßwährungen herumblinken. Zwischen Seriös und Zwielichtig liegt dann nur noch ein Fingertipp.

24-Stunden-Börsenhandel: Wie der Markt ohne Feierabend die Geduld zerstört

Und jetzt zu dem, was mich wirklich umtreibt. Wir leben in einer Welt, in der alles immer verfügbar ist, wir selbst eingeschlossen: Das Essen um Mitternacht, die Serie ohne Ende, die Nachricht, die um drei Uhr früh aufs Handy kommt. Jetzt also auch der Aktienhandel. Die Nasdaq will ab dem 6. Dezember schon den ganz normalen Aktienhandel fast rund um die Uhr öffnen, 23 Stunden an fünf Tagen. Die Token werden irgendwann sieben Tage die Woche laufen, da bin ich mir sicher – ob und wann, entscheiden die einzelnen Handelsplätze.

Ich habe zu meiner Börsenzeit, ähnlich wie viele Institutionelle, überwiegend außerbörslich gehandelt. Natürlich, auch dann gab mir die Börse den Takt vor, ich musste immer vor 9 oder 14 Uhr mit meinen Analysen und Entscheidungen fertig sein. Deshalb aber waren für mich Börsenfeiertage oder der Börsenschluss nie nur eine technische Pause. Es waren eingebaute Momente zum Durchatmen, zum Nachdenken, zum Revidieren von Orderentscheidungen, ja sogar zum Schlafen.

Bisher zumindest wurden große Vermögen meist auf der Grundlage von Geduld aufgebaut. Und Geduld ist etwas, das mit der Einführung des Internets und noch viel mehr von Handys infrage gestellt wird. Das findet mit dem 24-Stunden-Börsenhandel seine Fortsetzung, und ich frage mich, ob das die Leute reicher oder nur kaputter machen wird. Wer nachts um halb drei mit dem Daumen über dem Verkaufen-Knopf hängt, dürfte doch selten seine beste Entscheidung treffen.

Kurz: Für Profis mit Computerprogrammen und Investing Agents, zu denen wir gleich kommen, mag so ein Markt ein Fortschritt sein. Für Privatanleger ist es vor allem eine Einladung, nicht nur schlechter zu schlafen, sondern auch schlechter zu handeln.

Investieren ohne Menschen: Wenn die KI dein Depot steuert

Blicken wir mit dem nächsten Thema auf eine weitere technologische Speerspitze der Finanzwelt, die uns gerade als die absolut heißeste Innovation seit Erfindung des Online-Bankings angepriesen wird.

Scalable Capital öffnet Depots für ChatGPT, Claude und Grok

Vielleicht hast du es vor einigen Wochen in den Gazetten gelesen: Der deutsche Neobroker Scalable Capital hat einen vermeintlich riesigen Coup gelandet. Nach eigenen Angaben als erste Bank in ganz Europa öffnet Scalable die Wertpapierdepots seiner Kunden direkt für die großen Sprachmodelle – für ChatGPT, für Claude, für Grok. Das Ganze nennt sich „Agentic Investing“. Verständlicher wäre meiner Meinung nach „Investing by AI-Agent“, aber das klingt wohl nicht so knackig.

Aktien kaufen per Chatbot: So funktioniert Agentic Investing

Und wie sieht diese neue Finanzwelt in der Praxis aus? Du musst nicht einmal mehr deine Broker-App öffnen, wenn du Aktien oder Aktientokens kaufen willst. Du tippst in dein gewohntes KI-Chatfenster einfach einen lässigen Satz ein wie: „Kauf mir die Aktien, die gestern am stärksten abgestürzt sind.“ Oder: „Setze bei meiner Position XY ein Kauflimit fünf Prozent unter dem aktuellen Kurs.“ Und schwupps – der Bot analysiert dein Portfolio und bereitet die Order vor. Noch musst du jeden Kauf selbst per Klick freigeben. Aber machen wir uns nichts vor: Irgendwann wirst du dem Agenten womöglich eine Dauerfreigabe erteilen können. Dann erledigt er den Rest, überwacht die Kurse und schichtet dein Depot um.

Manche US-Analysten fantasieren schon davon, dass bald jeder kleine Sparer sein eigenes Family-Office auf der Miniplatine seines Handys sitzen hat, das 24/7 für ihn rackert, während er Urlaub macht.

Bequemlichkeit und Kontrolle: Der Preis der KI-Geldanlage

Klingt doch alles grandios, oder? Da würde ich bei aller KI-Begeisterung, die mir absolut eigen ist, doch noch zwei oder besser vier Mal nachdenken. Denn ich will an einen Leitsatz erinnern aus einer früheren Podcastfolge:

Kontrolle folgt der Bequemlichkeit.

Anders gesagt: Wer Bequemlichkeit wählt, bekommt irgendeine Form der Fremdkontrolle gratis dazu!

Risiken beim KI-Trading: Halluzinationen, Fehler und hohe Verluste

Was passiert beim KI-Investing nämlich wirklich? Dein Kapital fliegt per Autopilot. Ein Softwareentwickler hat nach eigenen Berichten einen KI-Agenten auf Basis von Claude Ende letzten Jahres einen Monat lang mit 100.000 Dollar Spielgeld auf den Markt losgelassen. Am Ende stand da zwar ein kleines Plus, aber dazwischen lag eine halsbrecherische Achterbahnfahrt mit über 22 Prozent Minus vom Höchststand. Gerettet wurde das Ergebnis vor allem durch eine einzige Zocker-Wette über Nacht.

Sprachmodelle halluzinieren eben noch immer, sie machen Fehler, und sie haben schon gar kein Gespür für Strömungen und Substanz. Ja, sie sind hervorragende Rechenknechte, wenn es um Disziplin und das sture Abarbeiten von definierten Parametern geht. Aber sie sind keine Investoren! Und das ist der Punkt. Da kommt einem gleich der Filmklassiker mit James Dean in den Sinn: Denn sie wissen nicht, was sie tun.

Eine KI hat gar keine Ahnung davon, was sie tut. Sie führt Befehle aus, die sie sich bei entsprechender Freigabe auch selbst geben kann – mit womöglich fatalen Folgen.

Datenschutz bei KI-Investing: Der gläserne Anleger per MCP-Schnittstelle

Und was langfristig vielleicht noch schwerer wiegt: Du machst dich absolut nackt. Wenn du dein Depot, deine Transaktionen, womöglich deine Steuerdaten und deine privaten Chat-Eingaben über Schnittstellen mit den zentralen KI-Servern koppelst, dann erzeugst du ein lückenloses, gläsernes Finanzprofil in Echtzeit. Wer diese Daten am Ende alles zu sehen bekommt, weiß heute niemand genau.

KI in der Geldanlage richtig nutzen: Recherche ja, Anlageentscheidung nein

Deshalb halte ich es so, und das empfehle ich auch dir: Nutze Künstliche Intelligenz zum Lernen, zum Ordnen deiner Gedanken oder für Recherche. Aber gib niemals, unter keinen Umständen, das Steuer deines Depots an einen Algorithmus ab!

Genusselement mit einem Schnupperflug beim Flugplatzfest oder: Transformation mit einem Hüpfer

Am vorletzten September-Wochenende hat mein Fliegerverein ein Flugplatzfest bei strahlendem Sonnenschein veranstaltet. Das ist ein Anlass, zu dem von nah und fern Leute hinströmen, um Oldtimer und Flugshows anzuschauen, Bratwurst und Steak im Brötchen zu essen, die Kinder in der Hüpfburg unterzubringen, den verschiedenen Bands zuzuhören mit ihrer coolen Flieger-Country-Musik, und die Leute kommen, weil es nicht zuletzt die Möglichkeit gibt, für überschaubares Geld in die Luft zu kommen. Ich war einer der drei Schnupperflug-Piloten, die für die circa 60 bis 70 Flüge pro Tag zuständig sein sollten.

Schnupperflug statt Rundflug: Warum ein Wort über die Gemeinnützigkeit entscheidet

Einschub an dieser Stelle, warum ich bewusst von Schnupperflügen spreche: Ein klassischer „Rundflug“ gilt im europäischen Luftrecht als gewerbliche Passagierbeförderung. Da bräuchte mein Verein, in dem ich fliege, plötzlich dieselben gewaltigen Auflagen, Sicherheitsaudits und Lizenzen wie die Lufthansa, und das Finanzamt würde dem Verein wegen kommerziellen Betriebs die Gemeinnützigkeit infrage stellen.

Wenn wir das Ganze aber „Schnupperflug“ oder ganz offiziell „Einführungsflug“ nennen, ist die Welt wieder in Ordnung: Dann sind wir kein Taxidienst in den Wolken, sondern gelten als Nachwuchsförderung für den Luftsport. Der Gesetzgeber sagt dann: Ihr wollt den Leuten zeigen, wie Fliegen funktioniert, und vielleicht ein neues Vereinsmitglied gewinnen – ja, und das darf man mit einer normalen Privatpilotenlizenz ehrenamtlich machen.

Zurück zum Flugplatzfest: Diese Schnupperflüge dauern zwischen 15 und 20 Minuten. Erfahrungsgemäß kommt das den Passagieren vor wie eine Ewigkeit und zugleich wie ein Wimpernschlag. Das ist das Erlebnis von Zeitlosigkeit. Jetzt gibt es da aber einen magischen Moment, meistens zwischen Minute 5 und 8, nach Erreichen der Reiseflughöhe, der für mich immer wieder ein Riesengenuss ist:

Und da geht es um die Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren, die meistens das erste Mal in so einem Fliegerle mitfliegen. Ängstlich sind sie eigentlich alle. Da gilt es für mich dann als Pilot, ihnen gut zuzureden, indem ich erkläre:

  • Warum mein rot lackiertes Flugzeug so geknickte Flügel hat
  • Wie schnell wir fliegen im Vergleich zum Auto
  • Die Scheune da unten, die abgebrannt ist
  • Wie hoch wir fliegen und ob man da schon mit dem Fallschirm abspringen könnte

Parabelflug statt Achterbahn: Der Magenhüpfer auf Reiseflughöhe

Und wenn dann alle so ein bisschen warm geworden sind, frage ich sie, ob sie schon mal im Europa-Park in Rust bei Freiburg waren und dort Achterbahn gefahren sind. Und das waren so gut wie alle und sie haben es als positives Erlebnis abgespeichert. Also frage ich, ob wir nicht einmal ein ganz bisschen Europa-Park spielen sollten.

Natürlich sage ich sofort dazu, dass das überhaupt nichts Gefährliches ist. Im Gegenteil, das ist für das Flugzeug ein völlig normales Manöver, nur ein Hupser, der sich kurios auf den Magen auswirken kann. Also, frage ich, wollt ihr? Die meisten wollen.

Und dann löse ich diesen kleinen Magenhüpfer aus. Vom Boden aus gesehen macht das Flugzeug dabei gar nichts, aber im Flugzeug fühlt es sich grandios an. Um meine Ohren zu schonen, drehe ich vorher immer das Intercom kurzzeitig leiser. Aus dem „Bloß nicht abstürzen“ im Kopf wird nach dieser kleinen Übung ein mit 140 Dezibel gebrülltes „Noch mal“ ins Headset – und zwar von den Kindern und den Erwachsenen gleichermaßen.

Drei Sekunden Schwerelosigkeit: Der Sprung über den eigenen Schatten

Und das ist dieser transformative Augenblick: ein Sprung über den eigenen Schatten, ein ganz neuer Horizont.

Drei Sekunden Schwerelosigkeit, und die Leute von klein bis groß sind wie ausgewechselt. Diese eine kurzzeitige Situation, die völlig ungefährlich ist, die sich nur überwältigend anfühlt, macht danach das ganz normale Fliegen und Landen zu einer Angelegenheit, bei der sich vorher Ängstliche jetzt fast ein Kissen nehmen und einschlafen könnten.

Einige der Leute, vor allem die Kinder, kommen nach diesem Erlebnis Jahr für Jahr zu unserem Fliegerfest und buchen auch immer wieder einen Schnupperflug, jetzt natürlich viel entspannter, neugieriger, sie sehen mehr von der Landschaft und sind auch offen für Manöver wie Steilkurven oder Gleitflug mit Motor im Leerlauf.

Und dazu erzählen mir die Eltern, wie ihre Kinder seit dem Erstflug ganz anders auftreten, selbstsicherer, innerlich gewachsen, wie sie sich auf die Urlaubsreisen im Airliner freuen und wie lange sie sich noch an diese wenigen Sekunden erinnern, in denen für sie die Zeit stehengeblieben ist – erst, weil sie sich so erschreckt haben, und dann, weil alle Zellen mit einer Unmenge an Glückshormonen geflutet wurden.

Oder in anderen Worten: Manchmal braucht es drei Sekunden Mut, um zu merken, dass die Welt jenseits des Gewohnten so viel größer und schöner ist.

Tschüss, ade und auf Wiederhören, das wünscht sich

Euer Andreas, der Wohlstandsbildner

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