Uhren, Whiskey und ein Porsche als Investment

Das Wohlstandsbildner-Blitzlicht für gelingenden Vermögensaufbau und überhaupt ein gutes Leben

Blitzlicht 19 – Uhren, Whiskey und ein Porsche als Investment

Mit exotischen Sachwerten lässt sich in kurzer Zeit richtig viel Geld machen. Beispiele gibt es genug. Wir fragen uns heute: Ist das jedem möglich?

Vor- und Nachteile von Liebhaber-Sachwerten

Andreas Ogger hat 25 Jahre lang beruflich Musik und Medizin ausgeübt. Dann der Sprung in die Investorenwelt: Erst aus Notwendigkeit in einem kaputten, krisen- und virengeschüttelten Finanzsystem. Bis daraus pure Freude, Fülle und Leichtigkeit wurde. Denn Wohlstandsbildung ist weit mehr als nur mehr Geld und der Sprung in ein freieres Leben.

Das WB-Blitzlicht für gelingenden Vermögensaufbau und überhaupt ein gutes Leben – einem Leben, in dem sich jeder auch mal Abwechslung wünscht. Warum nicht auch bezüglich seiner Vermögensanlagen? Daher lautet der Titel des heutigen Blitzlichts: „Uhren, Whiskey und Porsche als Investment – Vor- und Nachteile von Liebhaber-Sachwerten.“

Das neueste Modell einer Uhr von Swatch oder Rolex mit kleiner Auflage, der restaurierte Porsche aus den 70er-Jahren, ein seltener, 35 Jahre lang gereifter Whiskey, das frisch erstandene Kunstwerk von der Art Basel – all das sind Werte – Werte, die locker für 6-7-stellige Beträge gehandelt werden können. Wer sich so etwas kauft, um damit Geld anzulegen als Investition und nicht, um es zu besitzen, der füllt innerhalb der Wohlstandsbildner-Strategie damit seine Säule 4, denn dort passt alles rein, was das Herz begehrt. Deshalb heißt diese Säule auch so: Die Was-das-Herz-begehrt-Säule.

Im Fall von Liebhaber-Sachwerten ist das wörtlich zu nehmen, denn das Herz, große Gefühle, wenn nicht sogar Leidenschaft sind oft im Spiel, wenn es um den Handel mit solchen Sachen geht. Ich bin ja immer ein Freund davon, emotional mit seinen Investments verbunden zu sein, das habe ich in früheren Podcasts öfter gesagt. Wenn aber Gefühle dazu kommen, die den Blick für ein ausgewogenes Portfolio vernebeln oder zu Kauf- und Halteentscheidungen führen, die wenig mit gesundem Menschenverstand, aber viel mit Leidenschaft und Verklärung zu tun haben, dann kann das mitunter teuer sein oder verhindern, dass Vermögen anderweitig effektiv aufgebaut werden könnte.

Einer meiner Mandanten mag dafür als Beispiel herhalten: Er geht auf die 40 zu, ist als Ingenieur selbstständig, sehr fleißig, hat eine kleine Familie zu ernähren. Die Corona-Zeit hat ihm schwer zugesetzt, er hat sie aber überstanden. Seit gut zwei Jahren ist er Wohlstandsbildner, und dafür hat er schon einiges aufgebaut. Eines seiner Investments wird ab dem nächsten Jahr auch schon schöne Erträge bringen. Daneben baut er in der Infrastruktur-Säule eine 6-stellige Summe mit der Topfstrategie auf und ist da bestens auf dem Weg. So weit, so schön.

Nun ist er auch noch ein leidenschaftlicher Bastler und hat in jahrelanger Arbeit einen besonderen Oldtimer-Sportwagen restauriert. Der steht jetzt fahrbereit in tiptop-Zustand in einer Garage. Der Wert dürfte mittlerweile gut 6-stellig sein.

Nun gab es 2021 eine Investitionsgelegenheit für insgesamt 50-60 Investoren. Mit der im Gepäck bin ich einmal ausnahmsweise direkt auf jemanden zugegangen – nämlich auf diesen Ingenieur. Meine Motivation war: Allein dieses Investment hätte, wenn es auch nur halbwegs aufgeht, ihn und seine Familie von einem Großteil seiner finanziellen Sorgen befreien können. Und das mutmaßlich für den Rest seines Lebens, weil besagte Unternehmung auf viele Jahrzehnte angelegt ist. Die Einstiegssumme in dieses Projekt, das ich oft mit der Qualität eines Porsche verglichen habe, war 6-stellig. Er hätte also mitmachen können, aber es hätte für ihn einen Preis gehabt: nämlich den Oldtimer zu versilbern.

Ihm war schon klar, dass es dabei um eine Umwandlung ging von brachliegendem Kapital, das keine Erträge bringt außer eine Wertsteigerung, hin zu Produktivkapital. Er hätte als Mitbesitzer einer globalen Wertschöpfungskette jedes Jahr ein Anrecht gehabt auf, ich vermute mal realistisch, 20.000 bis 30.000 Euro Nettoertrag im Jahr. Zumindest Miete und alle Versicherungen der Familie wären dann finanziert gewesen, und für Essen wäre auch noch was übriggeblieben. Heißt: Ein einziges Investment hätte seiner Familie die erste von vier Stufen finanzieller Entspannung liefern können: Das Existenzminimum zum Leben als passives Einkommen. Und wenn dann seine anderen Investitionen zusätzlich aufgehen und er noch was dazuverdient, dann steht er richtig gut und vor allem entspannt da.

Allein – das Herz ließ es nicht zu und hat den Kopf überstimmt. Sein Baby, das da in der Garage vor sich hinschlummerte und das er so lange Zeit hingebungsvoll aufgezogen hat, das in fremde Hände zu geben war für ihn undenkbar.
Es ist so verständlich und gleichzeitig so unvernünftig: Er nimmt also lieber die Sorgen, Ängste und Unsicherheiten eines schwankenden Einkommens in Kauf, wie er es während Corona bitter erleben musste, als einen Teil seiner Identität aufzugeben, zu der das Auto de facto geworden ist. Und so wird er in der nächsten Krise stressbedingt wieder vorschnell altern – Hauptsache, das Auto bleibt jung.

Schauen wir uns also eher aus dem Standpunkt der Vernunft die Vor- und Nachteile an dieser eher exotischen Vermögenswerte, wie sie beispielhaft daherkommen als Kunst, seltene Luxusuhren, Autos, Weine, Spirituosen, Briefmarken bis hin zu Lego-Sammlungen und Turnschuhen in Sondereditionen.

Die Vorteile dieser besonderen Sachwerte sind offensichtlich: Wer mit der Leidenschaft dieser Dinge Geld machen will und einen Riecher hat für seltene Gelegenheiten und für den richtigen Zeitpunkt, der kann durch Kaufen, ein bisschen Halten und wieder Verkaufen richtig große Gewinne einfahren. 100-200 % in wenigen Wochen sind da keine Seltenheit. Es gibt Zeitgenossen, die allein mit Kunst mehrere Millionen aufgebaut haben.
Und: Wer kauft und den Vermögenswert längere Zeit hält, indem er auf Wertzuwachs hofft, der kann auch oft auf den Vorteil einer weitgehend inflationssicheren Vermögensanlage hoffen. Bei einem Picasso oder einem gut erhaltenen Porsche ist das ohne Zweifel so.

Die Liste der Nachteile ist jetzt aber etwas länger. Ich halte sie kurz in sieben Punkten:

  1. Die Märkte der Liebhaber-Sachen sind weit volatiler, als man denken mag. Wer verkaufen muss und das gerade in einer schlechten Phase, der kann auch Geld verlieren.
  2. Du brauchst meistens größeres, schon vorhandenes Kapital, um einsteigen zu können. Bei Kunst und Autos ist das meistens der Fall. Und dieses Kapital liegt dann brach in Gegenständen, die keine regelmäßigen Erträge bringen bis zu dem Zeitpunkt, wo du sie verkaufst. Und dann bist du auf eine Wertsteigerung angewiesen, die nicht immer vorausgesetzt werden kann, geschweige denn geplant.
  3. Für die richtigen Köpfe ist das kein Nachteil, für die Mehrheit der Menschen aber schon: Du brauchst Know-how, verbunden mit einem profunden Gespür für Qualität und Trends. Wer sich nicht mit Wein, Kunst oder Uhren auskennt, und nur wie viele Neureiche kauft, weil es andere empfehlen, der wird scheitern. Mit Wissen, viel Herzblut für die Sache und Zeiteinsatz aber ist da viel zu erreichen – nur das ist schlicht nicht übertragbar auf Otto-Normal-Investor. Und dann ist noch etwas nötig:
  4. Ohne ein Netzwerk, am besten ein globales, geht nichts. Denn all diese Liebhaber-Sachen sind Nischenmärkte, in denen sich nur wenige, meist eh schon sehr reiche Leute tummeln. Also musst du weltweit unterwegs sein, um diese wenigen Leute zu treffen und du musst jemand sein, der leicht Geschäftsbeziehungen aufbauen und vor allem pflegen kann. Das ist ein zusätzlicher Illiquiditätsfaktor dieser exotischen Märkte, im Gegensatz etwa zur Börse, wo du innert Sekunden deine Wertpapiere verklopfen kannst, ohne irgendjemanden kennen zu müssen.
  5. Diese Märkte sind nicht reguliert. Ein wahres Mekka für zum Teil hochgradig professionelle, seriös daherkommende Bösewichter, die mit Fälschungen oder fingierten Angeboten ihr Unwesen treiben. Wer auf die reinfällt, kann nicht wie viele Geharnischte im offiziellen Finanzmarkt vor Gericht jammern „Menno, der hat mir eine Altersvorsorge versprochen und jetzt ist alles Geld futsch.“ Nein, weg ist dann einfach weg. Prozesse bergen nur das Risiko weiterer Verluste. Alte Jahrgänge bestimmter Weinsorten sind z. B. ein ganz beliebtes Ziel von Fälschern geworden, denn mit Etiketten zu schwindeln ist recht einfach.
  6. Oft muss Glück im Spiel sein: Wer auf Uhren mit geringer Auflage spezialisiert ist und noch so früh dran ist, muss immer Glück haben, um eine der 250 aufgelegten Flieger-Chronographen von IWC auf dem Primärmarkt, also vom Händler direkt, zu ergattern. Kauft er sie auch nur Stunden nach Erscheinen auf dem Sekundärmarkt, weil er halt nicht zum Zug gekommen ist, zahlt er einen riesen Aufpreis an die, die mehr Glück gehabt haben.
  7. und letztens: Eine Rolex ist ja noch recht klein, sogar mit einem Uhrenbeweger, ohne die solche Uhren ja nie aufbewahrt werden sollten. Außer einem Tresor werden da wenig Kosten anfallen. Ganz anders für den, der Oldtimer sammelt. Gut gesicherte Garagen kosten. Deren Miete und sonstiger Versicherungsschutz reduzieren am Ende die Rendite. Vom Risiko überhaupt bestohlen zu werden, mal ganz abgesehen.

Ich weiß, liebe Podcasthörende, die allermeisten betrifft dieses exotische Thema nicht. Persönlich kenne ich auch nur wenige, die damit handeln, und da geht es nur noch um Sammellust, um Liebhaberei und auch ein bisschen um Abenteuerlust; aber Geld und Gewinne spielen da eine untergeordnete Rolle. Mit Vermögensaufbau hat das alles also kaum zu tun.

Aber die Welt dieser Objekte ist eine schillernde und eine sehr lebendige Welt. Wer dort eintaucht, dürfte es mit kuriosen und oft psychisch interessanten Gestalten zu tun bekommen. Langeweile wird da nicht aufkommen.

Meinen favorisierten Weg kennt ihr: Ich baue lieber Vermögen auf, mit vergleichsweise, ja, man muss sagen, einfachen Methoden. Ich hole mir keinen Kick mit exotischen Sachen, sondern verschaffe mir mit einem breit aufgestellten, unternehmerischen Produktivkapital ein gut finanziertes Leben. Als Liebhaberei könnte ich mich auch schon mal mit dem Sammeln einiger schöner Weinflaschen anfreunden, keine Frage. Aber ich kenne mich: Irgendwann trinke ich die, weil ich einfach wissen will, wie sie schmecken. Und dann landet die ganze mögliche Rendite im Magen.

Erschaffen wir uns also auch ohne Wein und Whiskey ein gut gelauntes und exotisches Leben in Fülle,
Euer Andreas

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