Wo sich die Finanzindustrie selbst feiert

Das Wohlstandsbildner-Blitzlicht für gelingenden Vermögensaufbau und überhaupt ein gutes Leben

Blitzlicht 25 – Wo sich die Finanzindustrie selbst feiert

Regelmäßig trifft sich die deutsche Finanzanlagenwelt in Mannheim – Pflichttermin für alle, die Geld einsammeln, um es zu vermehren oder zu vernichten. Andreas geht dort kaum noch hin. 2022 hat er aber eine Ausnahme gemacht.

Zu Besuch einer Großveranstaltung für Finanzdienstleister

Heute mit einem Bericht darüber, „Wo sich die Finanzindustrie selbst feiert. Zu Besuch einer Großveranstaltung für Finanzdienstleister“.

Am 21. und 22. Juni fand für die Finanzwelt endlich mal wieder ein Großereignis vor Ort statt. Ein Ereignis, das für viele aktive Mitspieler in der professionellen Finanzdienstleistung einen großen Stellenwert hat: der Fondskongress 2022 im Mannheimer Kongresszentrum Rosengarten.

Finanzdienstleister – Wirklich Dienstleister oder vielleicht nur Zeitdiebe?

Andreas Ogger hat 25 Jahre lang beruflich Musik und Medizin ausgeübt. Dann der Sprung in die Investorenwelt: Erst aus Notwendigkeit in einem kaputten, krisen- und virengeschüttelten Finanzsystem. Bis daraus pure Freude, Fülle und Leichtigkeit wurde. Denn Wohlstandsbildung ist weit mehr als nur mehr Geld und der Sprung in ein freieres Leben.

Hunderte Aussteller, oft auch international, zahlen dort eine hohe 5-stellige Summe für einen Stand, um ihre Anlageprodukte und Dienstleistungen vorzustellen; und Tausende Anlageberater, Vermögensberater und sog. Investmentspezialisten, die zahlen rund 30 Euro, um zwei Tage durch die vielen Gänge auf drei Stockwerken wuseln zu dürfen. Mindestens 85% davon sind Männer, vermute ich, in grauen Anzügen mit grauen Gesichtern, aber gekonnt eingefrorenem Gewinnerlächeln im Gesicht. Die Frauen, um ehrlich zu sein, sahen nicht viel anders aus, abgesehen von zuweilen arg rotem Lippenstift. Mich erinnert diese ganze Mannschaft immer an die grauen Herren, wie sie Michael Ende in seinem Buch „Momo“ als Zeitdiebe und Agenten der Zeitsparkassen beschrieben hat.

All diese Zeitdiebe nahmen sich die Zeit, um im großen Mozartsaal dem Eröffnungsvortrag von Jean-Claude Juncker beizuwohnen – ihr wisst schon, der ehemalige EU-Kommissionspräsident. Eine von Europas größten Fondsgesellschaften muss tief in die Tasche gegriffen haben, damit der Mann seine Meinung zum European Green Deal kundtun durfte.

Ich habe den Vortrag nicht besucht. Denn in den 30 Jahren, die ich nun mitunter solche Finanzkongresse besuche – in all diesen Jahren habe ich noch keinen einzigen Eröffnungsvortrag erlebt, der mir auch nur eine wertvolle Information gebracht hätte. Ich gestehe, da hat sich mittlerweile ein Glaubenssatz entwickelt, der da lautet: rund um diese Kongresseröffnungsvorträge ist die Parkplatzsuche einfach nur mühsam und ein geistiger Nutzen nicht vorhanden.

Die Vorsitzende einer 250 Jahre alten Banker-Dynastie gibt sich die Ehre

Ariane de Rothschild in Mannheim

Doch tatsächlich war eine prominente Persönlichkeit einer von zwei Gründen, warum ich überhaupt nach Mannheim gefahren bin. Deren Vortrag, den wollte ich hören: zu nachhaltigen Strategien mit Impact, wie es im Programmheft hieß. Aber weniger des Vortrags wegen war ich an dieser Persönlichkeit interessiert, sondern um einmal ganz banal die Trägerin eines sehr großen Namens in natura auftreten zu sehen: Ich spreche von der Baroness Ariane de Rothschild, Spross einer 250 Jahre alten Banker-Dynastie. Man sieht sie selten in Interviews und noch seltener in Vorträgen, doch wenn sie mal was von sich gibt, werde ich immer hellhörig. Schließlich war die Edmond de Rothschild Group, der sie vorsteht, vor langer Zeit eine der vielen Quellen, aus der heraus ich die Wohlstandsbildner-Strategie abgeleitet habe.

Finanzstrategien, die das Etikett „nachhaltig“ auch wirklich verdienen

Und genau diese Strategie habe ich in ihren 30 min Redezeit wiedergefunden. Wie kann es auch anders sein, denn die Strategie hat sich seit Jahrhunderten nicht geändert. Und sie funktioniert heute besser denn je, weil sie auch unter dem Nachhaltigkeitsaspekt mehr Sinn macht als je zuvor. Wer sich die weltweit beschworene „sustainability“ nicht nur als Werbung aufs Revers heftet, sondern diese auch tatsächlich als strategisches Element nützt, der lebt long and prosper, ruhiger und länger, und die Renditen könne sich mit den richtigen Instrumenten auch sehen lassen.

Wohlgemerkt, die Baroness hat nicht von einer Strategie gesprochen, als sie Beispiele ihrer Investitionen gebracht hat. Ich weiß noch nicht einmal, ob sie das, was ich bei ihr als Strategie bezeichne, selbst so sehen würde. Vielleicht geht es ihr da wie den vielen anderen milliardenschweren Investoren, denen ich auf die Finger geschaut habe: dass für sie die Verteilung von Kapital auf drei bestimmte Anlageklassen so selbstverständlich ist, so Teil ihrer Anlage-DNA, dass solche Leute ganz überrascht sind, wenn ich das eine Strategie nenne.

Aber natürlich ist das eine. Denn rein zufällig investiert eine Madame de Rothschild sicher nicht in ein Agrikultur-Projekt in Mosambik, in Duzende Infrastruktur-Entwicklungen in aller Welt und in Real Estate-Assets mit ganz unterschiedlichen Laufzeiten. Sie hat in ihrem Vortrag gerade mal drei Minuten für diese Beispiele aufgewendet. Den meisten im großen Vortragssaal dürften deshalb diese drei Minuten nicht als außergewöhnlich aufgefallen sein. Mir aber, und ich glaube auch meinen anwesenden Mitarbeitern, ging das Herz auf, denn da wurde uns in drei Minuten ein Einblick gewährt in was? Natürlich in eine Welt, in der auch die Wohlstandsbildner-Strategie zuhause ist.

Edmond de Rothschild Group in Mannheim

Zeitenwende in der Finanz- und Anlagewelt – ganz was Neues

Nun ja, in der restlichen Zeit ihrer Rede sprach die Baroness von dem, was alle anderen Vortragsredner auch gebracht haben: dass wir es jetzt mit einer Zeitenwende zu tun hätten nach den Jahren des viel zu billigen Geldes, dass uns die galoppierende Inflation noch lange beschäftigen würde und dass es wichtiger denn je wäre, wertebasierte Anlagestrategien zu verfolgen in einem Umfeld, das vollgepumpt wurde mit viel Luft und kaum Substanz.

Eine milliardenschwere Investorin interessiert sich null für die Börse

Patrick, alle Wohlstandsbildner kennen ihn als den wackeren Frankenmann, Patrick hat den Vortrag der Baroness gewohnt trocken und treffend in einem Satz zusammengefasst, indem er betonte, worüber die Madame nicht gesprochen hat. Zitat Patrick: „Sie hat nicht ein Mal das Wort „Börse“ in den Mund genommen.“
Das ist tatsächlich bemerkenswert, denn der gesamte Kongress und die allermeisten Vorträge, wohin wir auch schauten und was wir auch hörten, bestand eigentlich nur aus Börse, flankiert von ein bisschen Wohnimmobilien und Edelmetall – bestand also aus dem Triumvirat der Masse und des Gewöhnlichen. Und genau das ist der Grund, warum ich solche Kongresse nicht mehr besuche.

Seit Jahrzehnten wird einem immer das Gleiche aufgetischt. Und selbst jetzt, nach Kursverlusten von teils über 40% an den Märkten und wahrlich düsteren Aussichten, da wird an allen Ständen der Billigchampagner serviert! Denn jetzt wäre ja die beste Zeit einzusteigen zu günstigen Kursen. Und wenn es sonst schon nichts zu feiern gibt, dann feiert man sich selbst.

Wenn ich immer dieses „Jetzt Aktien kaufen, billiger werden sie nie wieder“ höre, da frage ich mich: Haben das auch die Bitcoin-Jünger gedacht, als der Kurs von 68.000 Dollar auf 30.000 abstürzte? Da hießt es dann „Super, ein Verlust von über 50%, beste Zeit um einzusteigen!“ Was sagen die jetzt, nachdem sich auch 30.000 Dollar wiederum fast halbieren können auf 18.000 Dollar? Noch superer, jetzt kaufen wir mal richtig billig ein? Aber mit was bloß, wenn das ganze Geld schon beim ersten Einstieg draufging? Dann kann man sich nicht mal mehr einen Billigsekt leisten.

Aber lassen wir das. Wenigstens fünf Wohlstandsbildner im Saal haben dafür gesorgt, dass drei Minuten im Vortrag der Baroness gewürdigt wurden. Drei Minuten, die allen anderen nichts und für uns eine ganze Welt bedeuteten. Drei Minuten, die auch meine Fahrt nach Mannheim vollauf gerechtfertigt haben.

Die Finanzindustrie auf der Suche nach Masse, nicht nach Klasse

Doch da war ja noch ein zweiter Grund, diesen Kongress mal wieder zu besuchen: einer meiner mir auch menschlich nächsten Emittenten hat die Kosten und Mühen auf sich genommen, um dort als Aussteller Präsenz zu zeigen. Das erste Mal und vielleicht auch das letzte Mal; denn kaum einer interessiert sich für die Perlen, nach denen institutionelle Investoren reihenweise greifen. Wer nichts mit der Börse zu tun hat und dann noch obendrein 2-stellige Renditen als realistisch veranschlagt, der wird dort nicht so richtig ernst genommen.

Finanzielle Bildung auf Finanzkongressen? Fehlanzeige

Finanzielle Bildung also, rufe ich allen an Wohlstandsbildung Interessierten zu, finanzielle Bildung werdet ihr dort nicht finden. Das Einzige, was es dort gibt, ist Werbung und Lobbyarbeit. Die Masse der Anbieter trifft dort die Masse der Vermittler für die Masse der Anleger. Es ist ein Massengeschäft, das sich nicht für Stringenz, Qualität und wahrer Nachhaltigkeit interessiert, ach was. Dieses Geschäft für die Masse interessiert sich nur für das Geld der Masse. Und dieses Geld, ja, tatsächlich, folgt bis heute dem, was beworben wird.

Meine Emittenten machen aber nur wenig bis gar keine Werbung. Deshalb war auch nur einer meiner Emittenten da. Alle anderen haben nur gelacht, als ich sie fragte, ob sie nach Mannheim kommen würden. „Was sollen wir denn da?“ Das war die Gegenfrage als einzige Antwort.

Das werde ich mir die nächsten Jahre wohl auch wieder sagen und nicht hingehen. „Was soll ich denn da?“ Überall standen Kaffeemaschinen herum, und aus jeder tropfte das gleiche schwarze, saure Gebräu, das andere vielleicht als Espresso bezeichnen würden. Ich überlasse es jedem selbst, ob er dies als Metapher verstehen mag für das gesamte Geschehen, das da in Mannheim zelebriert wurde. Da besuche ich meine Emittenten lieber direkt in ihren Zentralen.

In so unterschiedlichen Assetklassen sie sich auch bewegen – alle meine Emittenten haben viele Dinge gemeinsam. Dazu gehören auf jeden Fall zwei:

  1. Alle haben in ihren Headquarters prächtige Siebträger-Maschinen, die erlesenen Kaffee kredenzen. Muss mir wirklich überlegen, diesen Punkt in mein Ranking aufzunehmen, was einen guten Emittenten ausmacht. Was, nur ein Vollautomat von WMF mit dem Tschibo-0-8-15-Kaffee im Angebot? Oh je, gleich wieder umdrehen.
  2. Alle finden, dass 2-stellige Renditen in der heutigen Zeit kein Ausdruck von Großmäuligkeit sind, sondern schlichte Notwendigkeit.

Mit diesen beiden kleinen, aber feinen Elementen wünsche ich uns allen ein Leben in Fülle,

Euer Andreas

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