Diamanten als Wertanlage – lukrativ oder falsch?

Diamanten als Wertanlage – lukrativ oder falsch?

Verkäufer von Edelsteinen, sei es im Internet oder auf Verbrauchermessen, empfehlen, einen Teil des Vermögens unbedingt in diese glänzende Schmuckware zu legen zur weiteren Streuung in Sachwerte und zum Vermögensaufbau. Was ist davon zu halten? In diesem Wohlstandsbildner-Ratgeber beziehe ich eine eindeutige Stellung dazu.

Anlagediamanten – Diamanten als Geldanlage?

Ein kritischer, gründlicher Investor prüft ein Zielinvestment auf etwa 50 Kriterien, um danach zu wissen, ob er es mit einer Perle oder mit Plastik zu tun hat. Bei Edelsteinen habe ich nur wenige davon abklopfen müssen, und danach war mir klar, ob diese Anlageklasse für mein Portfolio infrage kommt oder nicht:

  1. Eine der wichtigsten Regeln von Warren Buffett lautet: Investiere nur in Dinge, die du verstehst.
    Ich bin aber kein Edelstein-Experte, um den Wert und die Echtheit von einem Stein beurteilen zu können. Ich müsste mich also jedes Mal auf teure unabhängige Fachleute verlassen, denn die sogenannten Echtheits-Zertifikate des Verkäufers kommen ja wohl nicht infrage. Hm, nicht so doll.
  2. Wie ist es mit der Wertentwicklung? Die stelle ich für die nächsten Jahrzehnte beim wichtigsten Element dieser Anlageklasse infrage, nämlich bei Diamanten. Die werden entweder im Bergbau gewonnen oder im Labor künstlich gezüchtet, und schon heute können ausgewiesene Experten oft beides nicht mehr voneinander unterscheiden. Wird der Markt aber mit künstlichen, perfekten Diamanten überschwemmt, dürfte es dem Wert nicht so gut tun.
  3. Wie ist es mit dem Wiederverkauf, wenn ich meine Steine versilbern mag? Schwierig, da es keinen geregelten Markt dafür gibt. Der Verkäufer jedenfalls nimmt sie nicht zurück. Da sehe ich mich schon von Juwelier zu Juwelier rennen und für Experten-Plattformen müsste ich wiederum Experte sein, um einen Verkaufspreis festlegen und argumentieren zu können.
  4. Wie ist es mit den Kosten? Meinen Gemüsehändler frage ich nicht, wie viel er an einer Gurke oder Tomate verdient, aber bei einem Investment von 10.000-50.000 € will ich dann doch wissen, ob die Kostenquote 5 % oder 45 % beträgt. Das ist ja auch das Unangenehme am Gold, wo Kosten von 20 % beim Kauf und noch mal beim Verkauf nicht selten sind. Ich muss also 40 % Wertsteigerung haben, nur um null auf null rauszukommen. Ich persönlich bin mit allem bis 20 % einmalige Kosten und ein bisschen Managementgebühr pro Jahr einverstanden, wenn es sich um eine richtig wertvolle Wertschöpfungskette dahinter handelt. Bei Edelsteinen wollte mir niemand sagen, wie viele daran verdient, also fliege ich hier blind in den Wolken herum.
  5. Eines der Argumente, dass Edelsteine geradezu niederschmettert, ist meine Forderung nach Produktivkapital: Ich investiere gerne in Dinge, die mir eine Rendite zurückspielen, ohne dass ich sie verkaufen muss. Edelsteine sind wie Edelmetall passives Kapital, das mir im besten Fall nach 20 Jahren Tiefschlaf eine Wertsteigerung beschert. Meiner Vorstellung von einem lebendigen Portfolio, das ständig Zuströme bekommt, um wieder reinvestieren und eine Art Zinseszinseffekt ausnutzen zu können, entspricht das nicht.

Fazit – Diamanten als Geldanlage kaufen

Ich hätte jetzt noch 3-4 Kriterien, die ähnlich unbefriedigend sind, aber ich glaube, das reicht. Mein Fazit also: Für mich persönlich bleiben Edelsteine Schmuck und gehören an den Hals einer Frau, um ihre Ausstrahlung zu unterstreichen, aber ganz gewiss nicht in mein Portfolio. Das strahlt nur dann, wenn die Investment der Strategie institutioneller Anleger entspricht.