Vorsicht Geldanlage – Wenn Sie zum Unternehmer wider Willen werden

Vorsicht Geldanlage – Wenn Sie zum Unternehmer wider Willen werden

„Wir wollten doch nur sparen!“

Totalverlust mit stillen Beteiligungen, Genussrechten und GmbH & Co. KG

Noch heute werden tausende Anleger mit tollen Renditen und scheinbar sicheren Sachwerten geködert. Es geht um Pflegeimmobilien als Kapitalanlage, Schiffe, Flugzeuge, ein Container Invest oder darum, in Windkraftanlagen zu investieren. Wer dabei das Kleingedruckte übersieht, findet sich ruckzuck in einer Rolle wieder, die echte Risiken mit sich bringt.

Unternehmerische Beteiligungen – Auf einmal Unternehmer

Göttinger Gruppe und Securenta AG, ist das noch ein Begriff? Einst gut sichtbar auf Trikots vom VfB Stuttgart? 100e Millionen haben Anleger verloren, weil sie dachten, sie würden in eine übliche Sparanlage investieren, dabei wurden sie ohne es zu wissen zu Teilhabern, zu Mitunternehmern an einem haarsträubenden Geflecht von Firmen. Sie haben nämlich, ohne genau hinzugucken, eine atypische stille Beteiligung gezeichnet, bedeutet: Sie wurden Teilhaber einer Firma, hatten dort aber nichts zu sagen, hatten auch keine Einsicht ins Geschehen, aber für Firmenverluste durften sie haften bis zur Nachschusspflicht, denn das ist das größte Risiko bei einer atypischen stillen Beteiligung.

Aber auch eine typische stille Beteiligung, wo dieses Nachschussrisiko wegfällt, hat ihre Tücken für Anleger, die sich nicht auskennen. Mitunternehmer zu sein muss man wirklich wollen, aber dann nicht nur mit allen Pflichten, sondern auch mit allen Rechten. Und dann ist man auch kein Geldanleger mehr, sondern eher ein Investor, der weiß, was er tut. Für den normalen Geldanleger rate ich aber ganz deutlich auch von typischen stillen Beteiligungen ab.

Eine beliebtere Gesellschaftsform vieler Emittenten ist die GmbH & Co. KG. Aber auch hier sollte ein Anleger wissen, dass er Mitunternehmer wird, nämlich als sogenannter Kommanditist einer Personengesellschaft, aber die Risiken sind überschaubarer, denn als Kommanditist sollte er nur mit seiner Einlage haften und nicht darüber hinaus mit seinem Privatvermögen. Verluste, wenn sie auch in einer GmbH & Co. KG zustande kommen, tun trotzdem weh, wie zum Beispiel 1995:

Da wollte eine Firma namens Prokon genau solches Kommanditkapital einwerben, um Windenergieanlagen zu finanzieren. Später wurde die Finanzierungsform dann auf Genussrechte umgestellt – Genussrechte, das ist so ein Mittelding zwischen Aktie und Anleihe und eindeutig keine unternehmerische Beteiligung. Geholfen hat es wenig, weil 2014 Insolvenz angemeldet wurde und die Leute viel Geld verloren haben – dann war es auch egal, ob das Kommandit- oder Genussrechtekapital war.

Geldanlagen: achten Sie auf die Gesellschaftsform

Mein Rat an alle, die sinnvollerweise Geld anlegen außerhalb eines Sparbuchs oder einer Riester-Rente: Schauen Sie sich genau die Gesellschaftsform an, der Sie Geld geben, und welchen Status, welche Rolle Sie darin einnehmen. Im Gesellschaftsvertrag einer solchen Anlage müssen alle Rechte und Pflichten aufgeführt sein, und die sollten Sie kennen, um die richtigen Fragen zu stellen – Fragen, die Ihnen der Vermittler oder der Bankberater von sich aus beantworten sollte, wenn er seinen Job gut macht.

Unternehmerische Beteiligungen haben ein wirklich fantastisches Potenzial, wenn alles drumherum stimmt, aber ein Unternehmer sollte eben wissen, was er unternimmt – sonst sollte er es besser unterlassen.