#155 Aktionär ohne Stimme

Dauer: 28:01

Der Wohlstandsbildner-Podcast, heute mit einer Frage, die du dir vielleicht noch nie gestellt hast, obwohl du Einzelaktien im Depot hast: Wie viel hast du eigentlich zu sagen in den Unternehmen, deren Miteigentümer du bist? Die richtige Antwort lautet bei einigen der größten und bekanntesten Unternehmen der Welt: nichts. Und das ist eine absichtliche, bewusste Zentrierung von Macht.

Wer also mit börsennotierten oder außerbörslichen Aktien zu tun hat, sollte heute gut zuhören: Wir schauen uns an,

  • wie Stimmrechte systematisch auf wenige Personen gebündelt werden,
  • welche Folgen das für kleine Aktionäre hat,
  • wo die Kritik daran berechtigt ist und
  • warum die Konzentration von Macht auch Vorteile haben kann.

Und weil ich es mir zu leicht machen würde, wenn ich nur auf andere zeige, schaue ich am Ende auch auf unsere eigenen Beteiligungsformen: Wo haben Investoren bei uns mitzureden und wo nicht? Und schon hier vorneweg: Auch das ist eine Frage des Kontrastreichtums, und die Lösung liefert dieser gleich mit.

Shownotes:

Council of Institutional Investors: „Dual-Class Stock“ – Übersicht der Argumente und Befristungsvorschläge des größten US-Investorenverbands: https://www.cii.org/dualclass_stock

Hier geht es zum Online-Skript des Podcasts mit dem Fliegerbild von Kufsteiner Stephan und mir: https://www.wohlstandsbildner.de/podcast/folge-155/

Der Kleinaktionär ohne Stimme oder: Der Gründer-Autokrat

Stell dir eine Hauptversammlung vor, die über einen einfachen Antrag abstimmen soll. Jede Aktie hat eine Stimme, wie im Lehrbuch. Über achtzig Prozent der frei gehandelten Aktien stimmen jetzt dem Antrag zu, es liegt also eine überdeutliche Mehrheit vor. Aber oh Überraschung: Der Antrag wird abgewiesen.

Das ist leider kein Gedankenspiel, sondern in vielen Firmen mit Weltbedeutung alltägliche Wirklichkeit. Zum Beispiel Meta: Rechnet man die Stimmen des Gründers Zuckerberg heraus und zählt nur die unabhängigen Aktionäre, fallen die Abstimmungen regelmäßig mit weit über achtzig Prozent aus – 2023 waren es sogar 92 Prozent, die sich für ein bestimmtes Votum ausgesprochen haben.

Geändert hat sich aber nichts, die Abstimmungen hatten keinerlei Wirkung, und der Grund, warum sich nichts ändert, steht in der Satzung: Mark Zuckerbergs Aktien haben ein zehnfaches Stimmrecht. Er hält damit rund 61 Prozent der Stimmen, obwohl er nur zu rund 13 Prozent am Kapital beteiligt ist.

Es mag also bei Meta oder Facebook Abstimmungen geben, nur steht das Ergebnis vorher schon fest, wie in einer Autokratie. Und Meta ist nicht die Ausnahme, sondern nur ein bekanntes Beispiel. Schauen wir uns das mal aus einer übergeordneten Perspektive an:

Vier Konstruktionen, mit denen Macht vom Geld abgekoppelt wird

Dieses Autokratie-Muster, wie bei Meta, hat mehrere Bauformen, und sie alle stehen ganz offen im Prospekt. Man muss es nur lesen und ich finde, man sollte als Miteigentümer darüber Bescheid wissen. Dabei gehe ich selbst nicht mit dem besten Beispiel voran, wie ich gleich zeigen werde, im Falle von SpaceX.

Seine eigenen Rechte als Aktionär zu kennen, ist auf jeden Fall wichtiges Wissen. Es geht schließlich um Aktien! Das ist die weltweit bekannteste Beteiligungsform, sei es mit Börsenhandel oder – wie in knapp 90 %, also fast aller Aktiengesellschaften – ganz ohne die Börse als Handelsmöglichkeit. Und da gibt es nun vier Kategorien, die das Stimmrecht eines Aktionärs einschränken oder sogar abschaffen.

Die Zwei-Klassen-Aktie

Da ist zum ersten die Zwei-Klassen-Aktie: Jede Aktie bekommt zwar die gleiche Dividende, aber das Stimmgewicht ist ungleich, klassisch zehn zu eins, wie bei Meta. Ganz ähnlich bei Alphabet, also Google: Da halten die beiden Gründer mit ihrem vervielfachten Stimmrecht fast 53 Prozent der Stimmen, haben also immer die Mehrheit; dabei halten sie nur 11 Prozent am Kapital. Das heißt, dass zwei Privatpersonen bei Alphabet formal über alles entscheiden, und der gesamte Rest aller Geldgeber nichts.

Aktien ohne Stimmrecht

Dann ist da die Aktie ohne jedes Stimmrecht. Snapchat, diese App-Firma mit Fotos und Nachrichten, ging 2017 an die Börse – die Anleger bekamen ausschließlich stimmrechtslose Papiere, die Gründer behielten fast neunzig Prozent der Stimmen. Da gab es zwar damals einen Aufschrei in der Branche, na und, heute ist es eine Variante unter mehreren. Immerhin weiß man in solchen Fällen als Aktionär von vornherein, worauf man sich einlässt: null Mitspracherecht, aber man ist Teils des Unternehmens.

Die Chamäleon-Aktie

Die dritte Aktienversion, ich nenne sie die Chamäleon-Aktie, ist die aus Gründersicht technisch eleganteste: Palantir hat eine Aktiengattung geschaffen, deren Stimmgewicht automatisch nachjustiert wird, damit die Gründer dauerhaft 49,999999 Prozent der Stimmen halten – und zwar unabhängig davon, wie viele Aktien sie verkaufen. Die Gründer können über Kapitalerhöhungen also immer Kasse machen, die Aktienanzahl steigt, der Gewinn verwässert, aber die Macht bleibt in den immer gleichen Händen. Sauberer lässt sich Verfügungsgewalt nun wirklich nicht einrichten.

Die Diktator-Aktie

Die vierte Aktienfassung ist die reine Diktator-Aktie und in ihrer Radikalität selten; ich will sie aber erwähnen, weil sie dieses Jahr Geschichte geschrieben hat: Beim Börsengang von SpaceX im Juni diesen Jahres, dem größten der Geschichte, kamen rund 75 Milliarden Dollar zusammen. Elon Musk hält mit seinen Aktien etwa 42 Prozent am Kapital, das ist ja ganz schön viel, ABER – und jetzt kommt’s: über achtzig Prozent der Stimmen am Unternehmen hält er auch, und zwar unbefristet, solange er lebt.

Abberufen könnte ihn nur eine Abstimmung mit der Mehrheit jener Aktien, die er selbst besitzt. Er kann sich also nur alleine abwählen, sonst niemand. Das ist richtiges China-Niveau.

Und noch etwas, das im SpaceX-Fall noch mehr zu denken gibt als die Stimmrechte: Jeder SpaceX-Aktionär, ich bin ja auch einer mit ein paar dieser Papiere, hat auf jede Form juristischen Einspruchs oder Kontrollmöglichkeit verzichtet. Denn Sammelklagen sind ausgeschlossen, und für eine Klage im Namen der Gesellschaft braucht man in Texas bei dieser Firma über fünfzig Milliarden Dollar. Der Rechtsweg ist damit nicht nur erschwert, es gibt ihn schlicht nicht.

Das ist eine vom Aktionärsvolk voll legitimierte Diktatur – was mir offen gesagt auch erst mit der Vorbereitung auf diesen Podcast klar geworden ist. Denn für meine paar Aktien habe ich jetzt doch nicht diesen riesigen Packen Emissionsprospekt und Satzung durchlesen wollen.

Was das kostet, wenn es schiefgeht

Nun, solange die Zahlen im Unternehmen stimmen, stört es keinen, dass er keine Rechte besitzt. Interessant wird es und geschrien wird immer nur, wenn was schiefgeht – dafür zwei Beispiele.

1.      Ein Gründer baut Mist und bleibt trotzdem an der Macht

Beim Sportartikelhersteller Under Armour hält der Gründer seine Aktien mit zehnfachem Stimmrecht. Seine Bilanz als Unternehmensführer ist aber ernüchternd: eine Strafe der Börsenaufsicht wegen falscher Umsatzbuchungen, 434 Millionen Dollar Vergleich wegen einer Anlegerklage, und der Kurs der Aktie fällt ins Bodenlose. Und der Gründer, während der Rechtsstreitigkeiten etwas abgetaucht, macht ab 2024 fröhlich weiter. Aber nicht, weil die anderen Eigentümer das wollten, sondern weil sie es nicht verhindern konnten. Und dann das Beispiel mit:

2.      Eine Stimmenmehrheit, die nicht nur Macht, sondern auch bares Geld wert ist

Beim Medienkonzern Paramount hielt eine Familienholding knapp zehn Prozent am Kapital, das ist jetzt nicht so viel; sie hatte aber rund achtzig Prozent der Stimmen. Beim Verkauf des Konzerns haben diese Stimmen beschlossen, dass dieses Kontrollpaket der Holding 2,4 Milliarden Dollar wert ist. Alle übrigen Aktionäre zusammen bekamen 4,5 Milliarden. Also 10 Prozent des Kapitals kassierten mehr als 50 % des Gewinns. Sagen wir mal: Das war eine schöne Kontrollprämie, die dem Großteil der restlichen Aktionäre nicht gefallen hat.

Aber es gibt ja auch das Gegenteil, wo es sich lohnt, solche Machenschaften zu unterbinden, und das macht Mut: Als WeWork 2019 an die Börse wollte, da wollte der Gründer ein zwanzigfaches Stimmrecht haben. Was dann passierte, war das einzige Wahre, nämlich eine Abstimmung mit den Füßen: Die Investoren zeichneten einfach nicht. Die Stimmrechte wurden dann zwar schnell zurückgeschnitten, aber der Ruf war schon ruiniert und der Börsengang platzte.

Das ist nicht allein ein amerikanisches Problem, sondern auch ein deutsches

Jetzt könnte man sagen: typisch Silicon Valley, typisch Amerika. Das ist zu bequem, denn bei uns sieht es nicht anders aus, es heißt nur gestanzter mit Worten, die etwas vorgaukeln, was gar nicht ist – so in der Art Sondervermögen, ein Wort, das meiner Meinung nach ins Verbrechensregister der deutschen Politikersprache gehört:

Die stimmrechtslose Vorzugsaktie

Die stimmrechtslose Vorzugsaktie, fast immer NUR Vorzugsaktie genannt, ist der deutsche Klassiker: Da bekommst du als Vorzugsaktionär vielleicht etwas mehr Dividende, hast aber keine Stimme. Das bisschen mehr Dividende ist dann sowas wie eine Schweigegeld.

Bei Volkswagen hält die Porsche Automobil Holding deshalb rund 53 Prozent aller Stimmrechte, obwohl ihr nur etwa 31 Prozent des Kapitals gehören. Und beim Börsengang der Porsche AG selbst im Jahr 2022 wurden ausschließlich Vorzugsaktien platziert. Wer also Porsche im Depot hat, hat nichts zu sagen und muss zuschauen, wie der Kurs in den Süden absteigt.

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien: Nur die Geschäftsführung zählt

Noch konsequenter ist die Kommanditgesellschaft auf Aktien, die KGaA. Dort hat ausschließlich der persönlich haftende Gesellschafter die Führung inne und das Sagen. Sogar der Aufsichtsrat hat gegenüber der Geschäftsführung gar nichts zu sagen – kann sie weder bestellen noch abberufen – nichts, und wenn es noch so schiefläuft. Im DAX betrifft das Merck, Henkel und Fresenius – ja, alles Traditionshäuser mit zum Glück guter Substanz. Aber deren Aktionäre sind Kapitalgeber ohne jeden Einfluss, den nicht mal ein Aufsichtsrat hat.

Das Zukunftsfinanzierungsgesetz zur Begrenzung von übertriebener Stimmenmacht

Eigentlich ruft so etwas nach Regulierung und Demokratisierung, wenn doch in Europa so oft von Demokratie die Rede ist. Ja, und die EU als Regulierungsweltmeister hat in dem Fall vielleicht mal etwas Vernünftiges reguliert, und zwar mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz: Das legt fest, dass nur noch ein maximal zehnfaches Stimmrecht möglich ist, dass diese Stimmrechte nicht auf andere Personen übertragen werden können und dass sie spätestens zehn Jahre nach der Börsennotierung erlöschen.

Die Hauptversammlung kann das allerdings einmalig um bis zu zehn Jahre verlängern, mit Dreiviertelmehrheit. Aus dem Verfallsdatum können also zwanzig Jahre werden – aber ein Verfallsdatum bleibt es. Europa hat damit also auch diese de facto diktatorischen Firmen-Modelle, nur eben nicht für die Ewigkeit, wie etwa bei Elon Musk oder Mark Zuckerberg.

Die Börse als zweifache Umverteilungsplattform

Also, was ihr, liebe Wohlstandsbildner-Podcast-Hörer der letzten Jahre, schon längst wisst: An der Börse wandert stetig das Geld von vielen zu wenigen. Jetzt kennt ihr auch den zweiten Umverteilungsschlüssel: Die Stimmrechte wandern in die selbe Richtung und konzentrieren sich ebenso auf wenige. Und in vielen bedeutenden Unternehmen ist Mitsprache von Anfang an nicht vorgesehen.

Stimmenmehrheiten und die Konzentration auf wenige haben auch Vorteile

Nun will ich das aber nicht alles einseitig negativ darstellen, denn Gründerkontrolle hat ja auch einen realen Nutzen. Ein Firmengründer und Unternehmensführer kann nur dann langfristig planen und zukunftsorientierte Konzepte verwirklichen, wenn er nicht jedes Quartal vor aktivistischen oder kurzfristig denkenden Investoren ein Tänzchen vorführen will und sich mit der eigenen Meinung verbiegen muss. So mancher Durchbruch, der nun mal oft viel Zeit braucht, wäre unter dem Druck von Quartalszahlen nie entstanden.

Und wie halten wir es bei der Wohlstandsbildner-Strategie? Hier haben wir die ganze Bandbreite von nahezu null Mitspracherecht bis hin zur vollen Verfügungsgewalt.

Ein Beispiel: In der Säule Infrastruktur liegen über fünfhundert Einzelprojekte im Portfolio. Über jedes einzelne abzustimmen, das wäre absurd und auch nicht im Interesse aller Beteiligten – genau dafür delegiert man an professionelles Management. Das ist kein Mangel, das ist einfach vernünftig. Denn wer bei fünfhundert Projekten mitreden will, hat keine Anlage mehr, sondern einen zweiten Beruf.

Worauf es mir aber immer ankommt, ist die Mitsprache dort, wo es an die Konstruktion, an die Satzung mit ihren grundsätzlichen Leitlinien selbst geht: Laufzeit, Struktur, Fremdkapitalgrenzen verschieben, solche grundlegenden Änderungen der Spielregeln. Dazu soll jeder seine Meinung abgeben dürfen, und die Mehrheit bestimmt, was im Großen und Ganzen läuft, während sich das Management um die Details kümmert.

Außerdem gibt es einen großen Unterschied zu unseren Beteiligungen im Vergleich zu meinen SpaceX-Aktien: Unsere Beteiligungen sind Projekte mit definiertem Anfang und Ende, das sind keine Ewigkeitskonstruktionen. Wir haben also genau das, was der Börse mit ihren Tech-Giganten zunehmend fehlt: ein Verfallsdatum für Macht. 

Ja, und auch bezüglich der Stimmrechte und Einflussmöglichkeiten von Geldgebern pflege ich Kontrastreichtum über die drei Fundamentalsäulen hinweg: Am wenigsten bis keine Stimmen haben wir, wie erwähnt, bei der Infrastruktur. Schon deutlich mehr Einfluss haben wir bei der punktuellen Konzentration von Projekten in der zweiten Säule Entwicklungsimmobilien. Deshalb kann es auf deren Jahreshauptversammlungen auch mal laut zugehen, was lebendig und gut ist, solange die Anteilseigener höflich bleiben.

Und am stärksten bündeln wir Eigentümerrechte in der Säule Agrikultur, oft hat der Eigentümer sogar die volle Verfügungsmacht, was mit seiner Geldanlage passiert. Da geht es um Land, um Pflanzungen, um Substanz, und es geht sogar um Rechte, die mit dem eigenen Namen im Grundbuch oder in einer Besitzurkunde stehen.

So finde ich, ist die Säulenstrategie auch in dieser Frage ausgewogen: Im Alltag delegierst du, wo Delegieren klug ist; und an den wenigen entscheidenden Stellen bleibst du Eigentümer, der sagt, wo es langgeht.

Genusselement: Was die Fliegerei mit Ehrlichkeit zu tun hat

In Bezug auf die Fliegerei gibt es meiner Erfahrung nach drei Kategorien von Menschen: Die erste Kategorie sieht in einem Flugzeug recht emotionslos ein schnelles Fortbewegungsmittel. Die zweite hat Angst vorm Fliegen und ist dankbar, wenn ein Flugzeug nicht zum Einsatz kommen muss, um irgendwo hinzukommen. Ja, und für die dritte Kategorie ist ein Flugzeug Ausdruck eines der letzten Abenteuer der Menschheit und puren Genusses – egal, ob es sich um ein Segelflugzeug, ein Ultraleichtflugzeug bis hin zu einem A380 handelt.

Ich gehöre bekanntlich zur dritten Gruppe der absolut Flugbegeisterten. Aber es gibt tatsächlich Menschen, die nicht glauben können oder wollen, dass für mich die Fliegerei so genussbeladen ist, dass ich sie sogar als aktiver Pilot ausübe. Wie ich von diesen Ungläubigen erfahren habe und dass mir wegen der Fliegerei sogar unterstellt wurde, die Unwahrheit zu sagen, das will ich jetzt erzählen.

Sechs Tage ohne eine einzige Wolke

Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an diese besondere Augustwoche in diesem Jahr 2026, das war die vom 10. bis zum 16. August. Der 16. war ein Sonntag, und an diesem Tag haben sich zum ersten Mal wieder Wolken vor die Sonne geschoben. Die sechs Tage davor waren pure Wolkenfreiheit, Regenfreiheit sowieso und Hitze, an jedem Tag teils deutlich über 32 °C, was für viele zu einer echten Belastung geworden ist.

Für mich waren das auch heiße Tage, aber es gab zwei gute Gründe, warum ich das kaum wahrgenommen habe: 1. war diese 33. Kalenderwoche die Zeit, in der ich mich ausschließlich der Gebirgsfliegerei gewidmet habe – so wie ich traditionell im August eine Woche Gebirgsflugtraining ausübe. Das ist quasi meine Form eines Aktivurlaubs im Rahmen meiner Mitgliedschaft in verschiedenen Pilotenverbänden, die im Schönwettermonat Gebirgsfluglehrgänge anbieten.

In diesem Jahr aber habe ich mein ganz eigenes Fliegercamp organisiert, rein privat, mit einem Standort, der nur fünf Minuten Flugzeit von den österreichischen Bergen entfernt war. Das war so aufregend wie anstrengend, weil ich alles selbst planen und organisieren musste. Das war der erste Grund, der mich die Hitze meistens vergessen ließ.

Und es gab noch einen zweiten Grund, und das war die unfassbare Sicht an allen diesen sechs Tagen. Ich habe so etwas in meiner ganzen fliegerischen Zeit noch nie erlebt, dass ich an jedem Tag eine Sicht hatte von mehr als 100, 150 km – und weit und breit bzw. über mir keine einzige Wolke. Ich konnte also so hoch fliegen, wie ich wollte, bei angenehmen 22 Grad auf 7000 ft, das sind rund 2000 m.

Mein einfaches Ziel für diese Woche war es, jeden Tag zu fliegen, und am besten mindestens zwei oder drei Stunden – z. B. im Rahmen eines Coachings mit einem Fluglehrer an der Seite zum Üben bestimmter Manöver, Umkehrkurven, das Überfliegen von Pässen, Notfallszenarien, so die allgemeinen Sachen einer Gebirgseinweisung halt, die ein Pilot regelmäßig üben sollte. Denn wer im Gebirge klarkommt, muss sich im Flachland noch weniger Sorgen machen.

Ein Tag in Lederhose statt im Cockpit

Kleiner Einschub, nicht direkt themenzugehörig: Nur an einem Tag wollte ich nicht fliegen, aus einem der schönsten Gründe, den es nur geben kann: Da war ich in Bayern zur Hochzeit eines Wohlstandsbildner-Ehepaares eingeladen. Und wenn schon richtige Bayern heiraten, dann muss das natürlich in Tracht geschehen. Kaum zu glauben, ich war auch voll eingekleidet in Tracht, also mit der kurzen Lederhose und Wollsocken und Haferlschuhen, mit allem, was dazu gehört, trotz der Hitze. Viele Nicht-Bayern, so auch ich, fühlen sich da erstmal wie verkleidet; aber das Gefühl weicht sehr schnell der Erkenntnis, dass man in bayerischer Tracht einfach gut angezogen ist.

Drei Stunden über Kufstein – und ein offenes Geständnis

Ok, zu einer Fliegeranekdote zwei Tage vor der Hochzeit, und zwar mit einem Österreicher, auch ein Wohlstandsbildner. Das spielt eine wichtige Rolle, wie gleich zu hören sein wird.
Als dieser Kufsteiner, Stephan sein Name, bei mir wenige Monate vorher im Seminar saß, hatte ich dort schon den Eindruck, dass der sich besonders für die Fliegerei begeistern kann. Deswegen habe ich ihn vor meinem Fliegercamp angefragt, ob er Lust hätte, mal eine Runde mit mir im Gebirge zu fliegen, weil ich ja eh in der Gegend meine Runden drehen würde. Da war er Feuer und Flamme und hat sich einen Tag freigenommen, um seine Kufsteiner Heimat erstmalig ausgiebig von oben anschauen zu können.

Aus geplanten 2 Stunden Flugzeit wurden dann am Ende drei. Und ich hatte das Gefühl, der Stephan war so selig wie ich, weil es eine großartige Runde war: kurzzeitig auf 9.000 Fuß, da war es mit 20 Grad schon fast frisch, ab durch den kontrollierten Luftraum von Salzburg, wo bei dem Wetter auch in dieser Höhe die Hölle an Verkehr los war, dann Mittagessen in Zell am See, und wieder zurück nach St. Johann in Tirol.

Wir haben also in St. Johann unsere Abschlusslandung gemacht, Stephan ist schon ausgestiegen, ich bereite mich schon auf den Weiterflug vor. Und da erzählt er mir etwas, das ich in der Direktheit und Offenheit noch von niemandem gehört habe:

Bevor er sich für die Investorenausbildung entschieden hat, war er auch auf der Wohlstandsbildner-Website und hat sich dies und das im Internet über mich angeschaut. Dabei hat er über ein paar Bilder mitbekommen, dass ich fliege.

Er war sich aber ob der Echtheit der Bilder und ob ich aktiver Pilot bin, nicht so sicher. Es könnte doch sein, dass ich diese Bilder als Fake reingestellt habe, um halt anzugeben, so nach der Art „kleines Großmaul macht einen auf dicke Hose“. Andere posieren mit Goldkettchen vor einem Ferrari, den sie sich für eine Stunde ausgeliehen haben, nur getoppt von Leuten, die die Treppen eines Privatjets runterlaufen, den sie sich keine Minute leisten könnten. Nein, der Ogger setzt sich halt in ein Flugzeug und spielt den Piloten.

Das sinngemäß hat mir der Stephan erzählt, nachdem er vom rechten Flügel gestiegen ist. Aber jetzt hat er ja eine dreistündige Erfahrung in der Luft hinter sich: Verflixt, er fliegt wirklich! Oha, das scheinbare Großmaul hat die Wahrheit erzählt. Stephan hat nicht geleugnet, dass es ihn ein bisschen überrascht hat.

Warum der Steuerknüppel für mich kein Statussymbol ist

Ok, ich gebe zu, dass er in einem kleinen Aspekt richtig gelegen hat, und das habe ich schon in früheren Podcasts durchklingen lassen: Ja, ich weiß, dass es noch immer eher als etwas Besonderes angesehen wird, ein Flugzeug, auch mit ein paar Leuten drinnen, fliegen zu können und zu dürfen. Damit kann man bis heute Eindruck machen, und ich will gar nicht leugnen, dass ich mich freue, wenn es Leute beeindruckt; über kaum ein anderes Thema kommt man so leicht ins Gespräch, denn jeder kann und will meistens irgendwas zur Fliegerei sagen.

Aber damit angeben? Mein Hobby als Sinnbild dafür nehmen, dass ich es mir leisten kann? Der Steuerknüppel in der Hand als Symbol für „Wow, er hat’s geschafft?“ Vielleicht fliege ich ein paar Jahre zu viel und für meinen Alltag ist es zu selbstverständlich, dass ich auf diese Idee hätte kommen können.

Die Fliegerei ist für mich ein Hobby, so wie für andere Segeln, Golfspielen oder Tiefseetauchen. Deshalb ist es nicht irre exklusiver, besonderer, cooler oder sonstwas. Wenn es darum geht, als eine im Internet öffentlich auftretende Person authentisch die eigenen Interessen aufzuzählen, gehört es halt dazu. Und ich weiß obendrein, dass meine Art der Fliegerei zu der kleinen Sorte gehört; schließlich habe ich regelmäßig mit Piloten zu tun, die Citations, Gulfstream, Pilatus oder wenigstens eine Cirrus fliegen – also Flieger weit jenseits einer Million Euro.

Zugegeben, und da verstehe ich Stephan sehr gut: Gerade in der Finanzwelt geht es gar nicht selten arg kreativ bis verlogen zu, wenn es darum geht, andere beeindrucken zu wollen. Oft kommt da im Gewand von gespieltem Reichtum viel Bedürftigkeit daher. Es ist der Versuch, eine Showveranstaltung als Realität zu verkaufen, über äußere Symbole vielleicht doch einen inneren Mangel zu übertünchen.

Da oben lässt sich die Physik weder bestechen noch beeindrucken

Die Fliegerei ist für mich jedenfalls das genaue Gegenteil. Die hat für mich ganz viel mit Ehrlichkeit zu tun.

Denn wenn du als Pilot oben im Gebirge bist, auf 10.000 Fuß zwischen Felswänden und an schmalen Graten vorbeifliegst, dann zählt keine Show. Da oben zählt kein Bankkonto oder Ego, und die Physik lässt sich weder bestechen noch beeindrucken.

Da oben gibt es nur zwei Dinge: die Realität der Elemente und den Steuerknüppel in deiner Hand. Du trägst die volle Verantwortung und triffst ständig Entscheidungen, und wenn es zu viele falsche Entscheidungen auf einmal sind, dann wird es schnell lebensgefährlich – deshalb bist du zu hundert Prozent im Hier und Jetzt.

Genau deshalb fliege ich. Nicht, um jemandem was zu beweisen, sondern um mich daran zu erinnern, was für mich wirklich zählt – und auch, um mich daran zu erinnern, warum ich Investor bin. Denn Fliegen ist pures Erleben von Freiheit und Autonomie einerseits, und ist andererseits Demut vor der Wirklichkeit, die sich nie kontrollieren lässt. Wenn beides zusammenkommt, Freiheit und Demut, dann entsteht mein Lieblings-Flow-Zustand, treue Podcast-Hörer kennen ihn längst: dann entsteht eine tief innen sitzende, beseelende Leichtigkeit.

Wohlstandsbildung heißt auch deshalb für mich: Ich erarbeite mir die Freiheit, mein Leben so echt und beschränkungslos zu leben, wie möglich.

Und wenn ich die Präsenzseminare so gern mit einem 5-minütigen Fliegerfilm eröffne, dann ist das keine Show und kein Theater. Dann ist das Leichtigkeit und Glück, und ich glaube, viele können das anhand der Bilder auf der Leinwand auch nachvollziehen, während ich da schon auf meinem roten Stühlchen sitze.

Steig ein und überzeug dich selbst

Und wer das nicht glaubt, dem rufe ich wie Stephan zu: Steigt ein, fühlt es selbst, kommt einfach mit. Überzeugt euch selbst, wenn es an Überzeugung fehlt – so wie Stephan es getan hat. Aber das ist keine Gratiseinladung: Als Privatpilot darf ich die Kosten gar nicht anders als teilen. Der Espresso, den wir nach der Zwischenlandung trinken, der geht dafür garantiert auf mich.

Zum Abschluss, wen es interessiert, mal zu gucken: Ich habe ein Bild von Stephan und mir diesem Podcast-Skript beigelegt, das ich meinen gehörlosen Wohlstandsbildnern ja immer im Netz zur Verfügung stelle.

 Ihr seht einen begeisterten Stephan, in der Luft, da waren wir auf ca. 3000 ft, also rund einem Kilometer in der Höhe. Link zum Skript in den Shownotes.

Tschüss, ade und ein authentisches “Auf Wiederhören” mit viel Leichtigkeit, das wünscht sich

Euer Andreas, der Wohlstandsbildner

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