Blick hinter die Finanzkulissen – Wie Investoren Emittenten prüfen

Blick hinter die Finanzkulissen – Wie Investoren Emittenten prüfen

Teil 8 der Podcastreihe „Über Hamsterräder, Finanz-Exorzisten und was wir sonst noch alles ertragen müssen“. Viele Leute legen viel Geld an, und das meist ohne Checkliste und Prüfungskriterien. Das Internet reicht doch als Plattform zur Recherche. Wirklich? Investoren machen das anders, und zwar nicht, weil sie so viel Geld haben, sondern weil sie kein Geld verlieren wollen.

Im letzten Podcast haben wir uns mit dem Internet beschäftigt und seinen Plattformen und Gestalten, die es gar nicht nötig haben, ins Darknet abzutauchen, um ihren erpresserischen Neigungen nachzugehen. So lange es ein schiere Masse an Menschen gibt, die klicken und glauben, was klickbar ist und was irgendwo geschrieben steht, so lange wird allein durch Androhung eines Rufmords viel kriminelles Geld im Internet verdient. Beliebtes Ziel ist die Finanzbranche, aber jede andere tut es auch, wenn nur genug Kapitalkraft zu erwarten ist.

Die Guten oder zumindest die Bemühten werden dabei oft kaputtgeschrieben, und die anderen bezahlen Schutzgeld, um auf Erpresserforen gut dazustehen. Wahrheit, Dichtung und Erpressung zu unterscheiden ist also erste Pflicht eines jeden Internetnutzers. Das gibt es aber nicht umsonst! Der Preis ist: man muss bereit sein, das eigene Gehirn anzuschalten. Die Fragen, dir mir manchmal gestellt werden, zeigen mir, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.  Dann beginn der Satz in einer E-Mail mit „Hallo Andreas, ich habe im Internet gelesen, dass… Das klingt gar nicht gut. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Was sagst du dazu?“ – und dann bekomme ich keine Quellenangabe oder einen Link, sondern höchstens ein paar herauskopierte und völlig unreflektierte Sätze aus den unendlichen Weiten des Internets. Es gibt sie also wirklich, die das Internet mit ihrem Gehirn verwechseln bzw. es abgeben, bevor sie sich auf die Googlesuche machen.

Internetrecherche nach Vermögensanlagen und Emittenten

Andreas Ogger hat 25 Jahre lang beruflich Musik und Medizin ausgeübt. Dann der Sprung in die Investorenwelt: Erst aus Notwendigkeit in einem kaputten, krisen- und virengeschüttelten Finanzsystem. Bis daraus pure Freude, Fülle und Leichtigkeit wurde. Denn Wohlstandsbildung ist weit mehr als nur mehr Geld und der Sprung in ein freieres Leben.

Schauen wir uns deshalb im ersten Schritt an, wie professionelle und institutionelle Anleger das Internet für ihre Zwecke einsetzen, wenn sie sich für einen Emittenten oder für eine Vermögensanlage interessieren. Später will ich das dann nochmals für den einzelnen Kleinanleger beleuchten, der Internetrecherche betreibt. Zuerst also der Blick auf die Profis:

Dabei will ich im Sinne eines Haftungsausschlusses hinzufügen, dass ich natürlich nur einen Bruchteil der heute aktiven professionellen Investoren kenne, es gibt ja Tausende in jedem Land. Und natürlich unterliegen alle meine Aussagen dem Filter und der möglichen Verzerrung meiner eigenen Wahrnehmung. Und das, was ich heute sage, kann übermorgen schon überholt sein, z. B. durch gesetzliche Vorgaben, Internet-Regularien oder entscheidende Anpassung der Algorithmen. Wenngleich das eher nicht zu vermuten ist, befürchte ich.

Aber vielleicht magst du, geneigter Podcasthörer, trotzdem zuhören, denn dazu arbeite ich 1. mittlerweile mit zu vielen Leuten zusammen, die viel und vereinzelt sehr viel Geld verantworten, 2. tue ich das schon viele Jahre, und ich selbst und einige Wohlstandsbildner fahren ausgezeichnet mit den folgenden vier Richtlinien großer Investoren und 3. genügt oft auch nur wie meistens beim Investieren der gesunde Menschenverstand, um zu ahnen, dass diese vier Leitlinien nützlich sein könnten.

Wie Profis das Internet für ihre Recherche nutzen

Legen wir also los mit der Frage: Wie prüfen institutionelle Investoren Emittenten und wie verwenden sie das Internet überhaupt für ihre Recherchen?

  1. Für Investoren ist das Internet nicht Inhalt, sondern Form

Erfolgreiche Investoren finden erfolgreiche Investments nicht im Internet. Ganz ehrlich: Die amüsieren sich, wenn sie denn Zeit dazu haben, über die Tipps, die im Internet und in Medien generell aufgeblasen werden und wie und warum diese gehypt werden – die Börsen sind ein klassisches Beispiel für die Lenkung von Geldströmen durch mediale Dauerbespielung. Und so, wie Investoren keinen Wert auf Tipps legen, legen sie auch keinen Wert auf Kritik, Negatives, Positives oder Werbung, denn sie haben keine Lust auf den Aufwand, Wahrheit von Dichtung zu unterscheiden.

Interessant ist höchstens das Studium von Internetseiten, die von für mich interessanten Personen oder Institutionen selbst ins Netz gestellt wurden – dazu gleich mehr unter Punkt 3. Ansonsten werden inhaltlich wirklich wichtige Dinge unter Investoren innerhalb deren Netzwerke direkt ausgetauscht, und zwar mit einer selbstverständlichen Geheimklausel. Wer gegen die verstößt und im Internet tauchen tatsächliche Bruchstücke von Investitionsmöglichkeiten in einer frühen Phase auf, der fliegt aus dem Netzwerk raus ohne Chance auf Rückkehr, was sich dann auch schnell in den anderen Investoren-Netzwerken herumspricht. Integrität, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit sind mit die höchsten Werte in Investorenkreisen, wo millionenschwere Geschäfte auch gerne mal per Handschlag fixiert werden; das Vertragswerk danach ist halt nötig, aber das gesprochene Wort zählt tatsächlich mehr.

Ich sehe kein Grund, warum das nicht auch für Kleinanleger gelten sollte!? Wenn ich jemandem Unterlagen schicke zu einem nicht öffentlichen und von der Zahl der möglichen Teilhaber begrenzten Investment, gehe ich immer von einer vertraulichen Behandlung aus. Und wer nach gründlicher Prüfung zuruft „ich bin dabei“, nehme ich das für bare Münze und reserviere verbindlich einen Platz. Der Zuruf ist wie eine Art Vorvertrag. Frühzeitige Absagen aus triftigem Grund sind dann selten ein Problem, aber gar nicht abzusagen oder zu spät, das ist schon ein schwereres Vergehen in der Investorenwelt. Aber das habe ich ja schon an anderer Stelle erläutert und entspricht eigentlich ganz normalen Höflichkeitsstandards.

  1. Investoren wollen Fakten, keine Meinungen

Natürlich bietet sich vor einer möglichen Zusammenarbeit an, einzelne Personen oder Firmen zu googeln. Mir selbst geht es dabei aber eher um harte Fakten wie Einträge im Handelsregister, Geschäftsberichte von Aktiengesellschaften oder GmbHs, die generelle Bereitschaft, sich wie und womit im Internet zu zeigen, Impressumsangaben. Das gibt ein recht gutes Abbild der öffentlichen Präsenz meines Objekts der Neugierde. Und jetzt spätestens trennt sich der Weg, wie ein Investor und wie die Masse im Internet voranschreiten:

  1. Investoren baden in der Quelle, nicht in Jauchegruben der Internetforen

Manche Emittenten, also Anbieter von Investitionen, sind durchaus Teilnehmer am öffentlichen Diskurs, wenn sie in der Finanzwelt etwas zu sagen haben. Entsprechend sind Fernsehsendungen, YouTube-Videos und vor allem gedruckte Interviews mit den Leuten zu finden.
Den Investor interessiert nur, was jemand über sich selbst sagt und von sich gibt. Eine Quelle kannst Du dann am besten kennenlernen, wenn Du Informationen von der Quelle selbst bekommst, entweder mittelbar über Videos oder Interviews oder unmittelbar, indem man sich mit dem Emittenten direkt in Verbindung setzt. Letzteres macht die Masse der Anleger schon mal nicht. Die schaut eher, was über jemanden gesagt wird als auf das, was dieser Jemand selbst sagt.

Dabei sind auch Manager, die Milliarden verwalten, durchaus zugänglich und antwortbereit! Und je nach Firmengröße gibt es in regelmäßigem Abstand sogenannte Investmentcalls und in Amerika sowieso die Earningcalls von schon bestehenden Firmen; oder es werden für kleinere Gruppen Sondertermine gemacht, heute fast immer per Videokonferenz.

Auffällig ist nur: Das, was über jemanden gesagt wird und den größten Anteil aller Informationen im Netz ausmacht, ist meistens eh irrelevant. So gibt es doch auch das chinesische Sprichwort: „Sprich gut über jemanden oder sprich gar nicht.“ Wenn sich jemand negativ über jemanden äußert, ist das nämlich zu 80 % eine Aussage über den, der kritisiert oder sich beschwert. Und die restlichen 20 % sind entweder verzichtbar oder schnell geprüft.

  1. Due Diligence – Eine Angelegenheit für Experten

Ob ein potentieller Anleger Firmennamen wie Allianz, Commerzbank oder Windpark Goldcash AG hört – in Ehrfurcht vor Namen erstarrt denkt er selten daran, denjenigen genauer unter die Lupe zu nehmen, dem er über viele Jahre sein Geld gibt. Dabei sind Emittenten auch nur Firmen und wollen mit dem Geld der Anleger Gewinne machen, um einen Teil davon für sich verbuchen zu können.

So eine Firmenüberprüfung nennt man Due Diligence: Das ist eine Analyse, die einem Investor ein genaues Bild verschaffen soll zur wirtschaftlichen, steuerlichen, rechtlichen und finanziellen Situation des Unternehmens. Dazu kommen noch so weiche, aber mindestens genauso wichtige Faktoren wie

  • Firmenphilosophie und Firmenkultur,
  • längerfristige Ziele,
  • immaterielle Vermögenswerte wie Patente, Know-how und Alleinstellungsmerkmale,
  • wie mit den Mitarbeitern umgegangen wird,
  • wie in hierarchischen Strukturen kommuniziert wird und noch einiges mehr.

Jetzt Frage 1: Sind das wichtige Informationen, wenn es darum geht, ob ich jemandem einen guten Teil meines Geldes anvertraue? Wer ja sagt, möge mir Frage 2 beantworten: Glaubt irgendeiner unter Euch, liebe Hörer des Wohlstandsbildner-Podcasts, dass solche Informationen im Internet zu finden sind? Der Gedanke ist geradezu lächerlich und sollte daran erinnern, dass das Internet nicht die Welt, sondern meistens ein winziges, bruchstückhaftes Abbild der Welt ist, und dass ist noch obendrein oft grotesk verzerrt durch die Wahrnehmung dessen, der die Welt im Internet beschreibt.

So, wie der Meteorologe trotz genauer Wetterdaten auf seinem Bildschirm noch immer gut beraten ist, ab und zu auch aus dem Fenster in den Himmel zu schauen, so wären viele unter uns gut beraten, das Internet nicht mit der Welt zu verwechseln.

Wie findet nun jemand die Informationen der wahren, realen Welt, wenn sie ihm für sein Geld wichtig sind? Einfache Antwort: Im Internet zumindest gar nicht ohne entsprechende Expertise, also nicht auf eigene Faust. Dafür gibt es zum Beispiel so Art Due Diligence-Agenturen, bestehend aus Wirtschaftsprüfern, Anwälten, Unternehmensberatern, oft auch aus Psychologen und Detektiven. Und die kann man beauftragen zur Anfertigung eines Firmenprofils. Nach sechs Wochen bis zu vier Monaten kann man schon mit den ersten Ergebnissen rechnen, je nachdem, wie tief gebohrt werden soll.

Natürlich kostet das, je nach Umfang fünfstellige Summen, aber ein kleines Exposé ist oft auch günstiger.

Seminar: Gelegenheit macht Investoren

Geldanlagen analysieren – Plausibilitätsprüfung statt Blindflug

Fragt sich jetzt jemand: „Was soll denn der Schmarrn, ich wollte doch nur Geld anlegen und keins ausgeben?“ Ja, richtig, aber haltet ihr es für möglich, dass solche Analysen, in verständlichem Deutsch angefertigt, so manche Anlageentscheidung beeinflussen könnte? Es wäre viel mehr als nur möglich: Unsere gesamte Finanzwelt sehe anders aus, wenn Geldanleger vielleicht nur etwas weniger Geld anlegen würden, dafür aber mit etwas mehr Geld prüfen würden, womit sie es zu tun haben, wenn Eukalyptus- oder Teakbäume, Avocado-Plantagen, ostdeutsche Immobilien oder in irgendwelchen Zollfreilagern eingelagertes Edelmetall verkauft werden; die Leute würden einfach erheblich weniger Geld verlieren, und dann hätten sich doch die Kosten für die Überprüfung mehr als amortisiert.

Doch die Logik der Masse an Anlegern tickt anders, Beispiel Immobilienkauf. Und da bin ich wieder bei einem meiner Lieblingsthemen, wenn es um absurde Anekdoten rund um das Thema Geldanlage geht – doch keine Sorge, ich halte mich kurz:

Es gibt bis heute Menschen, die willens sind, die rasende Entkopplung von Finanzwelt und Realwirtschaft zu finanzieren; das sind die, die Aktien, Edelmetalle, Bitcoins oder Immobilien kaufen. Konzentrieren wir uns auf des Deutschen liebstes Kind: Bei der Immobilie, fatalerweise fast immer einer Wohnimmobilie, wird eine Verschuldung für Jahrzehnte in Kauf genommen und Nebenkosten in kopfschüttelnder Höhe akzeptiert: Der Staat, der Makler, Notar, Grundbuchamt, Umzugsfirma, die Handwerker für Renovierung und Umbauten, neue Einrichtung und Möbel – alles Nebenkosten, die locker 15 % des Immobilienpreises ausmachen können und obendrauf kommen. Bei 200.000 € für eine kleine Wohnung können das also schon noch mal gut 35.000 sein.

Und jetzt kommt‘s: Beim Wichtigsten wird geknausert, nämlich bei der Prüfung des wahren Substanzwerts des Kaufobjekts. Da reicht es halt nicht, sich im Internet zu informieren auf Internetseiten wie „Gratis Immobilienbewertung – Nur in 4 Minuten ermitteln“. Kurios, oder? Da geben Leute 250.000 Euro aus und wollen den eigentlich Wert des Ganzen kostenlos bestimmt bekommen. Nein, da muss ein Experte ran, der sich mit Statik, Baugrund, Bausubstanz und natürlichen Abnutzungserscheinungen auskennt und sich nicht zu schade ist, durch Keller und Dachböden zu robben, um mit kundigem Blick das zu analysieren, worauf es bei einer Immobilie ankommt – und wenn es nur um eine Einheit, also eine Wohnung innerhalb dieser Immobilie geht.

Ja, natürlich kostet auch das, vielleicht 3000-4000 €, also je nach Gesamtvolumen vielleicht 1-3 % des Kaufpreises. Doch so eine Expertise schätzt mehr als alles andere plausibel ein, wohin die Reise mit der Immobilie gehen könnte, vor allem dann, wenn sie je wieder verkauft werden müsste. Doch an diesen paar Prozenten wird gespart und man wagt lieber einen Blindflug, der viel öfter mit einer Bruchlandung endet, als bekannt wird.

Apropos Bruchlandung: einen kleinen Einschub aus der Fliegerei kann ich mir nicht verkneifen für ein weiteres Beispiel dafür, wie Leute das kurze, aber schnelle Vergnügen bevorzugen, und das mit langem Leid bezahlen oder mit viel Ärger in der Zukunft:

Ein richtig gutes Headset für die knatternden Maschinen der Kleinfliegerei kostet über 1000 €. Es gibt auch welche ab 150 €. Wenn nun jemand den Flugschein macht und die Nebenkosten zuzüglich Flugstunden für die ersten beiden Jahre mit einrechnet, dann ist er locker 30.000 € los. Diese 30.000 werden allgemein akzeptiert; und woran wird gespart? An den 2-3 %, die ein gutes Headset kosten würden. Da heißt es dann: „Dafür kann ich ja 4 Stunden fliegen!“ Stimmt, kann man, und hat irgendwann einen Gehörschaden mit Tinnitus, Beinahekollisionen und Luftraumverletzungen, weil der Funk nicht verständlich war und er hat Kopfweh nach 2 Stunden Flug im Sommer.

Diese Beispiele, 200.000 Euro im Großen oder 1000 Euro im Kleinen, illustrieren ein irrationales Verhalten, das so menschlich und genauso unklug ist: Man freut sich so auf den Sprung ins erfrischende Wasser, dass der geringe Aufwand, vorher die Wassertiefe zu messen, nur nervt. Mitunter hat das fatale Folgen; beim Investieren nennt man das Totalverlust.

Dopamin-Flush – die schnelle, kurzfristige Befriedigung

Das alles hat als grundsätzlichste aller Ursachen die Unlust und oft genug Unfähigkeit des Menschen, Zukunft zu denken und Zukunft als zeitverzögerte Gegenwart in Gedanken und Emotionen vorwegzunehmen. Der Zukunftsmanager Prof. Pero Mićić nennt das ein dopamingesteuertes Verhalten, ist doch das Hormon Dopamin sowas wie unser Glückshormon, dem wir alle gern auf den Leim gehen: Lieber jetzt das Glücksgefühl, lieber die schnelle Verwirklichung des Wunsches – was danach kommt, wird ausgeblendet, denn das gibt keinen Dopamin-Flush; der Gedanke ans Danach verhagelt einem nur die gute Laune im Jetzt.

Unsere gesamte Finanzwelt funktioniert seit Jahrzehnten so. Oder glaubt jemand ernsthaft, die gesamte Welt wäre derart hoffnungslos verschuldet, wenn das Danach genauso gründlich analysiert und als zeitverzögerte Gegenwart betrachtet werden würde wie das Jetzt? Natürlich nicht. Aber das ist die dopaminerge Realität: In guten Zeiten werden Schulden gemacht, um Wähler für sich einzunehmen, die einem den Machterhalt verschaffen sollen, und in schlechten Zeiten werden Schulden gemacht, damit die schlechten Zeiten wieder zu guten werden oder dass sie wenigstens aussehen wie gute – Beispiel Corona-Krise. Es geht dabei immer nur um die schnelle, kurzfristige Befriedigung. Ich befürchte, das gehört zu dem, was wir Demokratie nennen; und das ist weniger die Schuld der Politiker, die Ursache liegt genauso bei den Wählern. Die denken ebenso wenig Zukunft und wählen eben den Unsinn, der ihnen am schnellsten Befriedigung verschafft.

Ich kenne nur ein Land, dessen Politiker sich nicht um den jetzigen Machterhalt kümmern müssen und deshalb die Zukunft ihres Landes so klar wie rabiat gestalten wie kein anderes – durchaus auch mit Schulden, die allerdings als Investition in die Zukunft betrachtet werden können: Und das ist China.
China steht schon lange nicht mehr im Vordergrund mit dem Diebstahl fremder Technologie, das macht es heute viel schlauer: Es kauft Technologie und Infrastruktur auf Pump in Asien, Afrika, Südamerika, Australien, Neuseeland und zunehmend auch in Europa. Nur Amerika blockiert rigoros. Man muss es nicht mögen, aber man sollte gewarnt sein und vor allem nachmachen: China ist derzeit unter allen Ländern der Welt der solventeste und taktisch klügste Investor, weshalb das Land auch Amerika abgehängt hat als Standort für Investoren.

Emittenten und Geldanlagen prüfen als Klein- und Privatanleger

Doch zurück auf unsere kleinere Investorenebene:
Ein Investor will seine Zukunft durch seine Entscheidungen in der Gegenwart gestalten. Er sieht die 1-3 % vom Gesamtvolumen für ein plausibles, fakten- und nicht leumundorientiertes Investment nicht als Ausgabe, die man sich sparen könnte; er sieht sie als Teil der eigentlichen Investition! Für ihn sind diese Prozente das Kopfkissen, auf dem er Nacht für Nacht sein Haupt gut betten will.

Natürlich heißt es nicht, dass nun jeder Anleger auf eigene Kosten jeden Emittenten durchleuchten soll. Der Einsatz ist zu hoch, wenn jemand mit Vermögensaufbau gerade am Anfang steht, und auch die mit Summen bis, sagen wir, 2 Millionen €, die ich zu den Klein- oder Privatanlegern zähle, müssen das nicht machen, wenn – ja, wenn was?

Wenn sie das Rad nicht erfinden müssen, weil es ein anderer vor ihnen schon getan hat! Und bei einer Vermögensanlage sollte das der Vermittler, beim Immobilienkauf der Makler sein.
Eigentlich sollte es Teil der Aufgaben eines Vermittlers sein, dass der sich alle wichtigen und weichen Informationen zu den Dingen verschafft, die er vermittelt, und zwar so gründlich und kostspielig, wenn es sein muss, als würde er es selbst kaufen.

Darf ich diese entscheidenden, sechs einfachen deutschen Worte noch mal wiederholen? „Als würde er es selbst kaufen“. Ihr wisst ja: Im Falle eines Finanzanlagenvermittlers verlange ich sogar zwingend, dass er selbst in seinen Vermittlungsobjekten investiert ist.

Viele, zu viele Vermittler – und Verzeihung, dass ich der Finanzvermittlungsbranche in die Suppe spucke, weil ich mich ihr als Investor sowieso nicht zugehörig fühle, obwohl ich zeitweise in ihr arbeite –, die meisten Vermittler verdienen Provisionen und Ausgabeaufschläge wie Vermittler, leisten aber Arbeit, Expertise und Betreuung wie Tippgeber. Sind dann nur die faulen Vermittler die Bösen?

Natürlich nicht, denn so, wie in der Demokratie Politiker und Wähler gleichermaßen die Verantwortung tragen, was im Land läuft, so fördert auch die Masse an Anlegern das bedenkliche Niveau der Vermittler (wozu ich auch Bank- und Versicherungsangestellte zähle, die natürlich zu den Vermittlern gehören); denn die meisten Anleger verlangen leider keine ordentliche Expertise, sondern erlauben den Vermittlern, als Tippgeber völlig überbezahlt zu werden. Dann muss sich der Anleger aber auch nicht wundern, wenn sich ein Tipp auch wie viele solcher Tipps entwickelt – nämlich zum Flop wird.

Im besten und eigentlichen Fall ist ein Vermittler die Abkürzung zum Ziel, und je wertvoller das Ziel und je zeitsparender die Abkürzung, desto teurer darf auch der Vermittler sein; ja, er muss teuer sein, denn wie, bitte, soll er die Kosten seiner Analysen, seiner Auftragsagenturen, seiner Probeinvestments und seiner eigenen Inspektionsreisen finanzieren? Wer die Sicherheit eines Porsche haben will, kann nicht den Preis eines Fiat Panda verlangen.

Eine Garantie für 100-prozentiges Gelingen gibt das natürlich nicht, so, wie kein Porschehändler 100%ig garantieren kann, dass der Wagen nie stehen bleibt. Aber es ist schon sehr viel wert, wenn er die Wahrscheinlichkeit so weit wie machbar auf seiner Seite hat, dass ein Porsche keine Probleme machen wird. Und genau das ist auch das Ziel eines Vermittlers, wenn er im Sinne seiner Investoren denkt und handelt, damit eine Vermittlung kein Tipp, sondern eine echte Chance ist und die Zukunft in keiner Fata Morgana endet, sondern in der Gegenwart.

Ihr kennt sicher das Akronym, das hinter Fiat steht: Fahre immer am Tag – denn nachts haben die Werkstätten zu. Wer auch in seinem Portfolio nicht will, etwas reparieren zu müssen, der sollte auch bei Investitionen immer Porschequalität anstreben. Wenn das Geld dafür nicht reicht, dann lieber noch warten und keinen anderen Tipps hinterher laufen in der Sorge, etwas verpassen zu können. Und wenn eine unbekannte Marke attraktiv erscheint, die so teuer wie ein Porsche ist – warum dann nicht ein paar Euro für einen Gutachter in die Hand nehmen, um zu wissen, womit man es zu tun hat?

Im nächsten Podcast verlassen wir die Finanzhöhen der professionellen Anleger und sprechen über die Tipps und Tricks, wie der einzelne Kleinanleger mit dem Internet umgeht, um größtmöglichen Gewinn daraus zu ziehen. Dabei könnte sich einiges wiederholen, denn was die Großen machen, können die Kleinen oft genauso für sich herunterbrechen; aus diesem naheliegenden Gedanken ist ja auch die Säulenstrategie eines ausgewogenen, lebendigen, lukrativen Portfolios entstanden. Außerdem gibt es ein Instrument, das die Kleinen sogar eher nützen können als die Großen – und wer das zu spielen beherrscht, der kann einen wirklichen Investoren-Nutzen aus dem ziehen, was das Internet so bietet.

Bis dahin!

 

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