Mit Vermögensaufbau Schicht für Schicht zum Kern der Dinge

Mit Vermögensaufbau Schicht für Schicht zum Kern der Dinge

Die Wohlstandsbildner-Podcast-Reihe „Über Hamsterräder, Zwiebelschalen und was wir sonst noch alles ertragen müssen“ – Kapitel 15: Mit Vermögensaufbau Schicht für Schicht zum Kern der Dinge.

Kürzlich musste ich gleich zwei leider alltägliche Hamsterräder ertragen. Beide drehen sich ums Telefon, das neben der Webcam und all den Messengerdiensten noch immer ein wichtiges Mittel ist, um zu kommunizieren.

Ruft mich ein mir unbekannter Mensch an und erreicht nur meinen Anrufbeantworter. Bis heute ist für mich ein AB eine wertvolle Erfindung, weil er so schön als Brandschott dient, bevor aus kleinen große Hamsterräder werden könnten. Davor hat er mich auch dieses Mal bewahrt, und doch habe ich diesem besagten Anruf einen Funken mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als er verdient hätte. Das war ein Fehler, aber wie sagt Warren Buffett so unsterblich: „Menschen lernen am besten aus Fehlern. Aber es müssen ja nicht immer die eigenen sein.“

Der Mensch auf meinem AB outet sich als Teil der Finanzwelt, er wäre auch in Kontakt mit einem Emittenten, den ich kennen müsste. Und jetzt kommt’s – weil nämlich nicht mehr viel kommt, außer: „Danke, wenn Sie mich zurückrufen könnten unter der Nummer Soundso. Einen guten Tag und auf Wiederhören.“
Alles, was er mir also mitgeteilt hat, war Name, dass er einen Emittenten kennt, seine Rufnummer und die Aufforderung, ich möge zurückrufen. Fertig. Kein Beweggrund, warum er mich angerufen hat, kein Grund, warum ich zurückrufen sollte. Diese höflich vorgetragene, angesichts ihrer Dürre an Inhalt dann doch etwas anmaßende Anspruchshaltung finde ich frech.

Ich mag in diesen Fällen überempfindlich sein, denn ich bekomme diese Art Anrufe ständig. Viele, die auch nur entfernt mit der Finanzwelt oder Finanzen zu tun haben, glauben, das wäre ein ausreichend guter Grund mich anzurufen. Deshalb ist der Anrufbeantworter ein Segen, der mich beschützt vor dem direkten Kontakt mit Callcenter-Agenten, die ihren Text ablesen, ohne auch nur zu fragen, ob ich bereit wäre, mir drei Minuten Zeit zu nehmen. Ich könnte ja „Nein“ sagen.

Was diesen Anruf vom Beginn angeht: Selbstverständlich habe ich keine Sekunde in den Gedanken investiert zurückzurufen. Aus zwei einfachen Gründen: 1. finde ich, ist es jemandem zuzumuten, es auch ein zweites Mal zu einer anderen Zeit nochmals zu probieren und nicht gleich meinen AB zu nutzen als praktische Gelegenheit, mir die Aktionskarte zuzuschieben. Ein Ausdruck von Charme versprühendes Engagement ist ein Spruch von 8 Sekunden auf dem AB schon mal nicht und macht damit einen schlechten Eindruck. 2. Ein Rückruf ist für mich eine Investition von Zeit und Aufmerksamkeit.

Bevor mir jemand die aufbürdet, würde ich gerne wissen, in was ich da investiere. Selbst 3 Minuten Zeit sind mir zu kostbar, nur um zu erfahren, dass mir jemand etwas verkaufen will. Auf solche stoffeligen Anrufe zu reagieren käme mir vor, als würde ich jedem einen Blankoscheck meiner Lebenszeit in die Hände drücken. Ich will aber selbst bestimmen, wem oder was ich meine Zeit widme, nichts Anderes hat doch letztlich Vermögensaufbau im Sinn. Viele bereuen, wie viel Zeit ihnen durch Unwichtiges durch die Finger geronnen ist, spätestens, wenn sie sterben. Was mir wichtig ist, prüfe ich deshalb gerne mit genau so einer abschiedlichen Haltung. Nichts weniger als der jederzeit mögliche Tod soll darüber entscheiden, wie ich das Wichtige vom Lästigen trenne. Also hätte die Frage im Falle von diesem Finanzmenschenanruf so lauten können:

Andreas Ogger hat 25 Jahre lang beruflich Musik und Medizin ausgeübt. Dann der Sprung in die Investorenwelt: Erst aus Notwendigkeit in einem kaputten, krisen- und virengeschüttelten Finanzsystem. Bis daraus pure Freude, Fülle und Leichtigkeit wurde. Denn Wohlstandsbildung ist weit mehr als nur mehr Geld und der Sprung in ein freieres Leben.

Andreas, wenn du diesen Rückruf jetzt machst und danach gehst du in deine Garage, um Fahrräder aufzupumpen, und beim Öffnen des Garagentors daddelt ein vorbeifahrender Autofahrer am Handy herum, verliert die Kontrolle über seinen Wagen und fährt dich um und du bist sofort tot – dann war dein letzter Kontakt der mit einem Finanzler, der dir vielleicht das neueste Investment in die supernachhaltigen Windparks in Indonesien aufs Auge drücken wollte. Sollen diese vier Minuten die letzte Aktivität vor deiner großen Überfahrt gewesen sein? Ausgeschlossen. Und deshalb bekommt dieser „ich kenne einen deiner Emittenten-Mensch“ auch keinen Rückruf.

Behörden-Hopping in Deutschland

Das zweite Erlebnis ist eines, wie man es in Deutschland leider oft ertragen muss – nennen wir es mal Behördenhopping, wenn selbst die Behörden keinen Plan haben, was wie vonstattengehen muss. Mein Anlass dafür war eigentlich ein erfreulicher – ich erwartete einen größeren Kapitalertrag aus dem Ausland, jenseits von Europa zwar, aber aus einem brav demokratisch regierten Land, also nicht Nordkorea, China oder Russland. Die Haupt-Bank, die meine Dollarkonten verwaltet, verweigert trotzdem die Entgegennahme der Überweisung, wie ich jetzt erstmalig erfahren musste. Gründe wurden mir dafür nicht genannt. Ist halt so.

Also rufe ich bei der Comdirect-Bank an, die eines meiner Dollarkonten pflegt und die mir bis heute gut gefällt, was Support, Service und Kosten angeht. Die hätte auch kein Problem mit der Überweisung, aber nur, sagt mir ein Angestellter dort, wenn ich diese Auslandseinkünfte melden würde.
Ja, wo denn melden?
Da muss er fragen. 2 min später die Antwort: Bei der BaFin.
Ach. Bei der BaFin, der zweithöchsten Finanzbehörde im Land, muss ich einen Geldeingang melden?
So ist es.

Das war mir nun sehr neu, wo ich doch das nicht ungetrübte Vergnügen habe, mich öfter mit der BaFin, unserer obersten Finanzdienstleistungsüberwachungsbehörde, beschäftigen zu müssen, die alles überwacht, außer Wirecard-Gauner, die Milliarden verschwinden und Millionen mit Pornografie entstehen lassen; aber dass die jetzt von jedem Bundesbürger die Geldeingänge gemeldet haben wollen?

Ich rufe also bei der BaFin an und nach 20 Minuten nervigem Kleine Nachtmusik-Synthesizer-Warteschleifengedudel erreiche ich tatsächlich jemanden. Die Dame machte einen recht kompetenten Eindruck, weist aber mein Ansinnen von sich. Überweisungen, ob eingehend oder ausgehend, müssten nicht bei der BaFin gemeldet werden. Dafür sei doch die Bundesbank zuständig! Prompt gibt sie mir die Nummer.

Gut 12 Minuten Warteschleife später meldet sich die Bundesbank. Ja, da gäbe es eine Meldepflicht, aber warum das meine Bank verlangen würde, das sei unverständlich. Aber vielleicht eine neue Verordnung, man käme ja gar nicht mehr hinterher mit den vielen Verordnungen, dich sich ständig ändern. Ich wäre dennoch falsch, denn für solche Meldungen gäbe es ein eigenes Portal für die AWV. Also mache ich mich auf die Suche nach diesem Portal und lese dort:

„Die Abkürzung AWV steht für Außenwirtschaftsverordnung. Die Meldepflicht für Überweisungen von und nach Deutschland ist im §11 des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG) in Verbindung mit §§67ff der AWV geregelt, um den Kapitalfluss ins und aus dem Ausland (Außenwirtschaftsverkehr) zu kontrollieren und in einer Außenwirtschaftsstatistik zu erfassen.“
Also, braver Bürger, der ich bin, helfe ich halt dieser Statistik. Aber wo kann ich dort nun etwas melden? Viele Erklärungen, aber keine Meldemöglichkeit, nichts zum Anklicken oder Eintragen. So langsam, langsam steigt der Druck im Inneren und ich beginne die Notwendigkeit des Ganzen infrage zu stellen.

Nun finde ich für dieses Portal, das zur Bundesbank gehört, eine Telefonnummer. Ich rufe dort an, heurekka, gleich jemand am Apparat. Zum ersten Mal will jemand genau wissen, was das für eine Überweisung wäre, von wem, für was, wohin. Komisch, dachte ich mir, ob das DSGVO-konform ist, mir das alles am Telefon herauszuleiern? Da müsste sich die Dame doch erstmal ausweisen?

Egal, wir ziehen das jetzt durch. Wollen wir doch mal sehen, wo das endet, wenn es denn endet. Ich hoffe nur, dass es nicht das Letzte ist, das endet, bevor mein Leben endet, denn viel besser als ein Windparkangebot aus Indonesien sind diese Gespräche mit durchweg leicht schnarchnasigen Behördenschnorchlern auch nicht.
Nachdem die Dame alles erfragt hat, was für sie von Relevanz ist, sagt sie: „Ja, dafür sind Sie hier falsch, wenn Sie in der Nähe von Stuttgart wohnen. Ich gebe Ihnen mal die Stelle der Bundesbank in München, der sagen Sie nochmal, worum es geht.“
Ich habe mir erspart zu fragen, warum sie dafür so viel Einzelheiten wissen wollte und warum es ein bundesdeutsches Meldeportal gibt, auf dem sich ein Stuttgarter aber nicht eintragen kann, wenn man sich dort denn überhaupt eintragen könnte. Ihr kennt das sicher, irgendwann müde und ausgekaut zu sein wie ein Kaugummi, aber wir schlurfen weiter, weil den Prozess jetzt abzubrechen würde auch eine Schublade offenlassen. Tja, ein paar Absätze weiter oben habe ich noch an meine Selbstbestimmung geglaubt, wie ich meine Zeit nützen will. Diese Selbstbestimmung endet immer vor den Toren einer Behörde.

In München hebt ein Mann ab, der mit seiner Stimme auch keine Motivationskarriere mehr in diesem Leben machen wird. Zu meiner Freude bringt er aber ganz neue Aspekte ins Spiel:
„Wollen Sie eine einmalige Meldung machen oder kommt das jetzt öfter?“, fragt er mich. Ah, da spürt man diese Sturm und Drang-Präzision eines Beamten, was für eine Frage! Einmalig oder öfter!? Toll. Das erschließt doch sofort ganz neue Perspektiven.

Darauf ich: „Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Es geht jetzt erstmal um diesen Betrag; doch bei so viel Arbeit, wie der macht, neige ich dazu, dass das einmalig bleiben sollte.“
Er: „Also einmalig, denn sonst müssten Sie sich registrieren. Aber Sie wissen schon, dass Sie so eine einmalige Meldung erst abgeben müssen, nachdem Sie das Geld schon bekommen haben?“
Ich, leicht die Kontrolle verlierend: „Nein, verflixt nochmal, das weiß ich nicht, aber jetzt weiß ich es. Meine Bank hat mich halt zur BaFin geschickt, weil sie dachte, sonst gäbe es Schwierigkeiten.“
Er: „Die BaFin? Was hat denn die damit zu tun?“
Ich: „Absolut nichts, wie ich jetzt weiß. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, was ich wissen sollte, nachdem mir die, die es wissen sollten, nur augenscheinlichen Unsinn erzählen. Aber ganz ehrlich: Für rein statistische Zwecke so ein Zinnober, da bin ich jetzt fix und alle und weiß nicht mehr weiter“.
Ich glaube, wegen dieser Aussage, diesem Ausdruck verlorener, allein gelassener Bundesbürgertraurigkeit, deshalb hat sich der Beamte meiner erbarmt und ausnahmsweise die einmalige Meldung dieses Geldtransfers aufgenommen, obwohl das Geld noch gar nicht geflossen ist. Natürlich nur zu rein statistischen Zwecken.

Das ist Deutschland. Das Deutschland-Hamsterrad, zu dem man eine Hassliebe entwickeln muss, wenn man es überleben will. Sicher sind Deutschlands Behörden nicht nur Hamsterrad, aber ausreichend genug, dass es jede Menge YouTube-Videos über das speziell deutsche Behördenhopping gibt, wenn es um Hochzeiten im Ausland, Aufenthaltsgenehmigungen oder irgendwelche Apostillen sonstiger Art geht. Mich hat das jetzt 50 Minuten gekostet, aber andere kostet es ihre Möglichkeit bei uns zu studieren oder dort zu heiraten, wo sie wollen, weil viel zu viel schiefläuft in der Kette der Verordnungen.
In dem Moment ist mir auch wieder klarer geworden, warum wir in einer noch nie erlebten Pandemie keinerlei Chancen haben können, wenn schon derart viel Murks zusammen kommt bei Dingen, die man doch planen und organisieren kann wie eine rein freiwillige statistische Erhebung einer einmaligen oder mehrfach vorgenommenen Auslandsüberweisung.

Seminar: Gelegenheit macht Investoren

Die Chance Mängel kennenzulernen

Kommen wir zum heutigen Hauptthema:
Viele Menschen mit chronischem Geldmangel erliegen der Illusion, dass ein gutes Vermögen dazu führt in der Hängematte puren, dauerhaften Wohlseins zu landen – ganz ohne Hamsterräder, ganz ohne die Mühsal des Lebens. Geld als Dauerabonnement für ein entspanntes Dasein. Ich glaube, das ist ein Irrtum und habe das ja schon ausführlich in vorherigen Podcast-Versionen besprochen. Heute kommt ein weiterer Aspekt dazu:

Wer keine Kompromisse mehr wegen des Geldes eingehen muss, ist nicht von allen Herausforderungen befreit, geschweige denn durchweg sorglos unterwegs, nein, womöglich wird es erst dann so richtig spannend. Viel Geld befreit erstmal von gar nichts, außer vom Deckel eines niedrigen Kontostands mit seinen all üblichen Einschränkungen. Wer diesen Deckel lüftet, wird feststellen, dass Einschränkungen wegen Geldmangels Leichtgewichte waren im Vergleich zu den Brocken, die ihn im Kochtopf erwarten, wenn er nämlich an die viel tiefer verankerten Einschränkungen und Mängel herankommt.

Wenn wir das Leben metaphorisch als Zwiebel betrachten – das Gemüse, das Dauergast ist in allen Geschichten dieser Art – dann sitzt der von den üblichen Geldzwängen Befreite vor der größten Zwiebel seines Lebens, vielleicht zum ersten Mal, dass er da sitzt, und er hat jetzt die Chance, weit größere Mängel kennenzulernen, als der Mangel an Geld es je hätte sein können. Und ich nenne es ganz bewusst „Chance“, denn:

Erst, wenn du von einem Mangel in deinem Leben weißt, hast du doch die Chance, den Mangel zu beheben, so, wie du nur die Gletscherspalte überwinden kannst, die du siehst. Das zentrale Element eines selbstermächtigten Lebens schiebt sich auch hier wieder in den Vordergrund: es geht um Wissen, um Bildung! Wer auf einem Gletscher unterwegs ist und nichts über Gletscherspalten weiß, wandert fröhlich vor sich hin, bis er in so eine Spalte stürzt. Wenn er dann überhaupt noch lebt, um sich zu ärgern, dann wird er sich jetzt ärgern, sich nicht genau mit den Gefahren im Gebirge beschäftigt zu haben.

Wer einen Mangel an Leib und Leben spürt, dem hat es immer schon lange vorher an Wissen gemangelt, mit dem er dem Problem aus dem Weg hätte gehen können, bevor er es hautnah erleben muss.

Nehmen wir dafür ein wohlstandsbildnerisch relevantes Beispiel, von dem zu viele nichts wissen: es geht um den interessanten wirtschaftlichen Zustand zwischen der zweite und dritten Stufe in meiner Hierarchie finanzieller Möglichkeiten – nachzulesen und auszurechnen auf der Seite „Berechne deine 4 Wohlstandsstufen“:

Da viele nicht wissen, wie viel Geld sie eigentlich benötigen, um kein Opfer des Finanzsystems zu sein, unternehmen sie auch nichts dagegen. Sie wissen ja nicht einmal, dass sie ein Opfer sind.
Wer aber um diesen Bereich des ökonomischen Patts, wie ich es nenne, weiß und ihn als Mangel in seinem Leben erkannt hat, der entwickelt ein selektives Bewusstsein auf der Suche nach Lösungen für diesen Mangelzustand. Und nur, wer etwas sucht, kann überhaupt etwas finden.

Wer nichts sucht, läuft an den größten Schätzen vorbei oder ärgert sich über sie, wenn sie sich ihm in den Weg stellen. Denn ja, vieles, was wir erst blöd oder mangelhaft finden, stellt sich nachher als Schatz heraus, das ist nicht nur bei Lebenspartnern so. Denn das Leben geht ja oft schonend mit uns um und lässt uns einen Mangel nicht gleich so spüren wie mit dem Sturz in eine Gletscherspalte. Es weist uns durch die eine oder andere zuerst zarte Mangelerfahrung und dann mit immer größeren Hindernissen auf unserem Weg auf eine Gefahr hin, die vielleicht mal richtig bedrohlich werden kann. Ganz ohne Zweifel ist unser Geldsystem so eine Gefahr – eine Gefahr, die mit den Jahren und Generationen immer mehr Menschen in ein Leben voller Abhängigkeiten treibt.

Es kann kaum jemand behaupten, er wüsste nichts von dieser Gefahr, dazu ist sie zu omnipräsent.  Wenn ich aber um mich herumschaue, erlebe ich: so viele Leute, die stramm auf Gletscherspalten zulaufen, obwohl doch niemand mehr die Lautsprecher überhören kann, dass ein braver Job, ein paar Ersparnisse und die Aussicht auf Rente nicht genügen, um den drohenden Mangel an Geld zu kompensieren. Der aktuelle Lautsprecher brüllt ständig „Pandemie“.

Erlaubt mir, das nochmal zusammenzufassen: Erst, wenn mir eine Mangelerfahrung zeigt, dass es mir irgendwo fehlt, habe ich die Chance, eine Idee dessen zu bekommen, was diesen Mangel behebt. Deshalb ist jedes Gewahrsein und Gewahrwerden von Mangel kein Grund zum Ärgern, sondern die Chance, eine neue Idee für das eigene Leben zu kreieren. Mit dieser Idee laufe ich dann durch die Welt und bekomme durch sie eine andere Wahrnehmung von der Welt. Diese Idee fokussiert nun meine Wahrnehmung, macht sie sensibel für Lösungen, die meinen Mangel beheben; und praktischerweise zieht die Idee genau die richtigen Lösungen unweigerlich in mein Leben, und warum?

Weil jedes Problem und seine passenden Lösungen die gleiche Signatur tragen! Und was sich gleicht, zieht sich an, das ist schlichte Resonanz. Und wer denkt, dass es speziell für seine Probleme keine Lösungen gibt, der mag sich daran erinnern, dass nach dem Gesetz der Gegensätze unmöglich ein Problem oder Mangel existieren könnte ohne dazu passende Lösungen. Jedes Problem an sich zeigt schon die Lösung an, denn es ist nur die Kehrseite ein und derselben Münze mit ein und derselben Signatur.

Finanzielle Fülle – der Beginn einer Reise

Was hat das jetzt mit der großen Zwiebel namens Leben zu tun? Warum sage ich, dass genug Geld im Leben keinerlei Ende der Reise bedeutet, sondern womöglich erst der Anfang ist einer viel spannenderen?

Dieses ganze Geldthema ist für mich die dünnste aller Zwiebelschalenschichten unseres Lebens. Diese Schicht liegt ganz oben, ist für jeden sichtbar, und doch stellt sie weltweit für 98% aller Menschen eine unüberwindliche Hürde dar: Diese Schicht repräsentiert so gut wie alle Prozesse, die bestimmt sind durch Geld und die blockiert sind, wenn zu wenig Geld vorhanden ist. Da Geld so gut wie alle Vorgänge in unserer Gesellschaft durchdringt, steht und fällt das Meiste wegen des Geldes.

Die meisten richten ihr Leben nun nach dem Geldniveau aus, das ihnen ihr Einkommen erlaubt, denn alles andere wäre ein ständiger Mangelkampf und Chaos: Die Krankenschwester arrangiert sich mit 1.700 Euro, der Bosch-Ingenieur mit 4.000 Euro, der Telekom-Manager mit 10.000 Euro. In dieser finanziellen Komfortzone spielt sich das jeweilige Leben ab, man hat die entsprechenden Hobbies, Freunde und Ziele im Leben und die zur Gehaltsklasse passenden Hamsterräder, sofern finanzielle Bildung dem keinen Riegel vorschiebt.

Die dünste aller Zwiebelschalen: Finanzen

So lange es eine bestimmte finanzielle Grenze gibt, die dich zwingt, Dinge zu tun, die eigentlich wenig mit dir zu tun haben, wenig zu tun haben mit deinen Potentialen und tief liegenden Wünschen, so lange bleibt deine erste Zwiebelschicht undurchdringlich. Doch jetzt stell dir vor, es lüftet sich dein Deckel finanzieller Einschränkungen, die oberste Zwiebelschicht löst sich ab und was siehst du dann?

Eine Menge weiterer Schalen. Welche tiefer liegenden Schalen jetzt als erstes ins Blickfeld geraten, das ist so einzigartig wie du es bist und wie jeder Mensch einzigartig ist. Ich gebe hier ein paar Beispiele, die nach meiner Erfahrung bei vielen bald sichtbar werden, und jede Schicht steht für was? Für einen Mangel! Und jeder Mangel steht für die Einladung, das entsprechende Gegenstück ins Leben zu ziehen; und wenn sich Minus und Plus getroffen haben, lösen sie sich auf und weiter geht es zur nächsten Schicht, und das hört nie auf, solange es ein Bewusstsein gibt:

Eine Zwiebelschale, die oft direkt unterhalb der Geldschicht liegt, lässt Mängel an sozialer Kompetenz erkennen; denn erst, wenn Geldmangel keine Abhängigkeiten mehr aufkommen lässt, kann man die Maske nie vollkommen empfundener Höflichkeit und Nettigkeit fallen lassen; der Mensch zeigt viel mehr sein wahres Gesicht. Deshalb: Geld verdirbt nicht den Charakter! Das ist Gerede von Leuten, die sich mit ihrem chronischen Geldmangel gut fühlen wollen, indem sie Menschen mit mehr Geld schlecht machen. Wahr ist, dass Geld den Charakter offenbart, wenn die oberste Schicht von Wer wir wirklich sind entfernt wurde.

Die dritte Zwiebelschale lässt vielleicht den Mangel an innerer Erfüllung erkennen; denn erst, wenn mir Geldmangel keine Hamsterräder und 0-8-15-Tätigkeiten mehr aufzwingt, muss ich mir klarmachen, was ich plötzlich mit so viel Zeit anfange; ich muss herausfinden, was mich wirklich glücklich macht.

Wenn ich mir dann ein glückliches Leben eingerichtet habe mit genau den Freunden und Aufgaben, die mir Freude machen, dann ist es nicht zu Ende, nein, dann kommt vielleicht die vierte Schicht in Sicht, nämlich ein Mangelbewusstsein für meinen Beitrag ans Ganze, für meine mangelnde Verbindung mit etwas Größerem im Vergleich zu meiner kleinen Welt mit ihren Hobbys, Freunden und Urlaubsreisen.

Das waren jetzt nur Beispiele, und wie gesagt wird jeder diese Reise ins Innere seines persönlichen Mandalas anders erleben. Schaut euch um und beobachtet die Leute, die längst befreit sind von allen Fesseln, die Geldmangel anlegen könnte – was machen die? Wie reden die? Was interessiert diese Leute? Wofür leben diese Leute aus rein eigenem Antrieb heraus? Dann bekommt ihr ein Gefühl für die Schicht, an der diese Leute knabbern.

Und irgendwann, und das ist, wie alles hier, mein ganz persönlicher Glaube und sogar meine Erfahrung – und irgendwann kommt der großartige Moment, wo sich für eine kurze Zeit alle Zwiebelschichten von jetzt auf nachher auflösen, wo wir ohne Mängel, Mühsal und Meditation einen Blick darauf erhaschen dürfen, wer wir wirklich sind – ein Blick als herrliches Geschenk der Re-Identifikation: Und das ist der Tod. Und selbst das ist vielleicht nicht das Ende der Zwiebelschichten, wer weiß.   

Für einen derart lebenslustigen und lebensdurstigen Menschen wie mich und für einen derart wohlstandsbildungslustigen Podcast wie diesem mag das ein seltsames Ende sein, ich weiß.  Doch ich denke, wer mit mir mittlerweile 33 Podcast-Folgen bis hier her durchwandert hat, den kann so ein kontrastreiches Ende auch nicht mehr schrecken.

Im Gegenteil, ich mute ihm sogar zu, dass ich die nächste Podcast-Folge innerhalb der Hamsterrad-Reihe wieder mit diesem Thema eröffne, aber nur kurz, nur so als Erinnerung. Und dann reden wir über eine wertvolle Kennzahl als Leitlinie meines Lebens und es geht mal wieder von Herzen schwäbisch zu, denn ja: In so manchem Schwabenkopf steckt nicht nur eine gute Erfindung, die fleißige Einstellung, der knochentrockene Pragmatismus und der von vielen so ungeliebte Dialekt, nein: da gibt es oft auch Lebensweisheit zu bestaunen, vor allem, wenn der Schwabenkopf auf dem Sterbebett liegt und schon einen Teil seiner Re-Identifikation erleben und an andere weitergeben darf.

Wohlstandsbildung ist halt mehr als nur mehr Geld – sie schließt auch den Tod locker ein als etwas, das einfach dazugehört und das seine ganz eigenen Schätze birgt.

Bis dahin dir und euch ein gutes Leben!

[ Alle Wohlstandsbilner-Podcasts in der Übersicht ]