Berufsunfähigkeitsversicherung – Gute Fragen zur Cashcow der Finanzindustrie

Berufsunfähigkeitsversicherung – Gute Fragen zur Cashcow der Finanzindustrie

Der Wohlstandsbildner-Podcast mit Andreas Ogger: Reden wir heute über die Berufsunfähigkeitsversicherung oder kurz: BU – ein widerwilliges, widersprüchliches, teures Thema für viele Menschen und die größte und wichtigste Cashcow für Versicherungen. Kaum ein Produkt der Finanzwelt spielt so mit der Angst vor Armut, Verelendung und Not wie die BU. Ich zitiere die Aussage einer Versicherung im Internet im Jahr 2020: Das ist die wahrscheinlich wichtigste Versicherung von allen. Statistisch gesehen ist jeder Vierte irgendwann einmal betroffen.“

 

 

Potzblitz, ein Viertel der gesamten Bevölkerung soll also berufsunfähig geworden sein? Oder was bedeutet „irgendwann einmal betroffen“? Diese Statistik würde ich auf jeden Fall anfordern, doch wie auch immer: Angst war noch nie eine gute Entscheidungsgrundlage, oder? Ich werde als Wohlstandsbildner so oft um Rat gefragt, dass ich jetzt einmal ein paar Fragen dazu stelle, um eine neue Perspektive zu eröffnen für die, die vor der Entscheidung stehen: BU sinnvoll? Ja oder nein?

Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Was mich angeht, habe ich mich lebenslang gegen die am Ende immer astronomisch hohen Gebühren einer Bu, auch Arbeitsunfähigkeitsversicherung genannt, gewehrt. Mir hat der Gedanke immer mehr eingeleuchtet, lieber ein Vermögen aufzubauen, dessen Kapitalerträge mich so bald wie möglich frei leben lassen, ich also ohne zu arbeiten gut leben kann. Diesen Zustand nenne ich übrigens nicht finanzielle Freiheit, sondern nur wirtschaftliche Absicherung, die zweite von vier Stufen finanzieller Freiheit. Und die erreicht man schon mit weit weniger Geld, als viele denken – wenn sie denn darüber nachdenken.

Ich stelle jetzt nur ein paar Fragen, und je unbequemer die einem in den Ohren klingen, desto wertvoller könnten die Antworten sein:

1. Wäre es denkbar, dass die Angst vor Berufsunfähigkeit etwas zu tun haben könnte mit der Angst, nicht genug wert und nicht gut genug für ein Leben in unserer Gesellschaft zu sein, und zwar egal in welchem körperlichen Zustand?

2. Wäre es denkbar, dass die Angst vor Berufsunfähigkeit etwas mit der Angst zu tun haben könnte, nicht mehr selbstbestimmt leben zu können und deshalb vielleicht anderen zur Last zu fallen?

3. Wie sehr müsstest Du körperlich und geistig geschädigt werden, dass Du glaubst, überhaupt nicht mehr produktiv sein zu können mithilfe Deines Denkens, Deiner Stimme oder Deiner Finger zum Bedienen einer Tastatur? Keine Sorge, ich bemühe hier jetzt nicht das Beispiel des Physikers Stephen Hawking, der nicht mal mehr selbst reden konnte. Aber er demonstriert dann doch großartig, dass ein Mensch nicht auf seinen Körper angewiesen ist, um produktiv sein und Menschen tiefgehend berühren zu können – und um das tun zu können, muss man bei Weitem kein so heller Kopf sein.

4. Kannst Du zu 100 % überzeugt sein, dass Deine Versicherung im Ernstfall zahlt, weil sie Dich nicht monatelang mit ärztlichen und behördlichen Bescheinigungen traktiert und weil sie Dich nicht mit jahrelangen Gerichtsprozessen in Atem hält, die Du erst einmal mit viel Geld finanzieren musst?

Über diesen Fall spricht die Versicherung natürlich nicht, den man tatsächlich einkalkulieren muss, wenn sich die Versicherung mit allen Mitteln und Tricks wert gegen die Auszahlung eines so hohen Betrags wie einer BU-Rente. Das Kleingedruckte wird für viele Versicherte zu spät zum Großgedruckten. Videos auf YouTube mit den Keywords „Ärger mit der Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nicht“ geben da einen recht guten Überblick.

5. Könntest Du Dir vorstellen, dass die Wahrscheinlichkeit in unserer heutigen Zeit irgendwie zu verarmen höher sein könnte als die Wahrscheinlichkeit eine so große Schädigung zu erleiden, die Dich keinerlei Einkommen mehr generieren lässt?

Finanzseminar - Vom Geldanleger zum Investor
Finanzseminar – Vom Geldanleger zum Investor

6. Und das ist die Frage, die bedenkenswert für Dich sein könnte, wenn Du 45 oder jünger bist: Hältst Du es selbst in Minuszinszeiten für denkbar, dass Du mit den monatlichen Gebühren für die BU und mit ein bisschen mehr Motivation auch ein Vermögen aufbauen könntest, dass Dir im Ernstfall mindestens so viel Geld einbringt wie eine BU-Rente? Dir diese Kapitalerträge aber eben auch im Glücksfall zu stehen – wenn Du also lebenslang gesund bleibst? Und hältst du es auch für denkbar, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es mit dem Vermögensaufbau klappt zumindest genauso niedrig oder hoch ist wie die Wahrscheinlichkeit, dass du berufsunfähig wirst und die Versicherung zahlt?

Und 7. ist keine Frage, sondern ein Tipp:
Wenn Dir der Gedanke versichert zu sein so viel Beruhigung bringt und dieses Beruhigt Sein spürbar Deine Lebensqualität erhöht und Du Dir die monatlichen Versicherungszahlungen leisten kannst, möglichst zusätzlich zum sonstigen Vermögensaufbau, ja, dann solltest Du darüber nachdenken, Dich versichern zu lassen. Dann prüfe aber, ob es eine Berufsunfähigkeitsversicherung sein muss oder ob auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung genügt. Letztere verlangt zuweilen weniger Gebühren, doch diesbezüglich lasse Dich dann gründlich beraten.

Als Wohlstandsbildner weiß ich, dass in vielleicht 20 Jahren eigenverantwortlich und mit guten Chancen so viel Kapital aufgebaut werden kann, wie man in 40 Jahren Abhängigkeit von einer BU-Rente erwarten kann. Deshalb mein Rat:
Räume Deiner finanziellen Bildung die höchste Priorität ein, egal, wie alt Du bist. Und dann beschäftige Dich mit der Frage einer BU. Denn selbst, wenn Dich der tragische Fall einer Berufsunfähigkeit einholen sollte, kann Dir finanzielle Bildung dann in jedem Fall helfen, zusätzliche Einkommensströme herzustellen. In gesunden Zeiten damit zu beginnen macht einfach mehr Spaß als in schlechten Zeiten dazu gezwungen zu sein. Viel Erfolg Dir in jedem Fall dabei.

 

[ Alle Wohlstandsbilner-Podcasts in der Übersicht ]