#81 Gehaltsexzesse oder angemessene Bezahlung?

Der Glaube an ein Preis-Leistungs-Verhältnis ist veraltet. Ein unternehmerisches Denkmuster erklärt, warum viele öffentlichkeitswirksame Personen Millionen verdienen.

Warum Fußballer und Moderatoren verdienen, was sie verdienen

Zuerst zwei Anliegen in eigener Sache:

  1. Bewertungen: Wir hatten mehrfach die Frage reinbekommen, wie man denn auf den jeweiligen Plattformen ein Daumenhoch und eine Bewertung für den Wohlstandsbildner-Podcast hinterlassen kann. Bei ganz wenigen geht es gar nicht, bei vielen ist diese Möglichkeit seltsamerweise ziemlich versteckt. Download direkt unter wohlstandsbildner.de/podcast-bewerten, siehe auch in den Shownotes. Bei Samsung, Google Podcast und Deezer haben wir leider keine Bewertungsmöglichkeit gefunden. Doch wo immer es sie gibt und ihr diese Arbeit hier unterstützen wollt, meinen herzlichen Dank dafür.
  2. Essenzseminar: Am 03. Dezember diesen Jahres 2022 findet das Essenzseminar für Gestaltungskraft und Leichtigkeit statt, mutmaßlich das letzte Mal für längere Zeit. Es geht um Einsichten und Techniken, mit denen leichter, ja mühelos oft, Ideen, Menschen, Dinge, Projekte ins eigene Leben gezogen werden können; dazu gehören natürlich auch Geld, die eigene Gesundheit, gelingende Beziehungen – schlicht alles, was wir brauchen, um sagen zu können: „Wow, danke, dass es doch so einfach ist, Gedanken zu materialisieren und Wünsche zu verwirklichen!“ Aber mit den Wünschlings-Seminaren und -Bücher, die da draußen so herumschwirren, hat das nichts zu tun, denn bei mir hat deren Herangehensweise nie funktioniert. Etwas mehr, als nur Wunschraketen abzuschießen, gehört dann doch dazu. Wer sich noch als Spätbucher einklinken will: Link zum Seminar in den Shownotes, und vor der Anmeldung holt gern weitere Informationen ein unter der service@wohlstandsbildner.de.

Verdient ein Mensch hunderte Millionen, die er verdient?

Bewerten wir nun die teils exorbitanten Summen bis in drei- und vierstelliger Millionenhöhe pro Jahr, die einzelnen Menschen zufließen – Menschen wie Models, Schauspieler, Sportler, Musiker oder Maler, YouTuber, Unternehmer, Manager oder Finanzgurus – meistens prominent und selten, ein Bruchteil von 8 Mrd. Menschen auf der Welt, vielleicht einige 10.000. Bei denen stellen sich viele die Frage: „Verdienen die denn das?“ Klassisches Beispiel sind die Gehaltsvorstellungen von Fußballern der ersten Bundesliga oder Vergütungen von Managern großer Konzerne – die Medien stürzen sich auf dieses Thema und machen Aufreger daraus. Wie schnell ist da von Gehaltsexzessen die Rede. Und die werden ins Verhältnis gesetzt zum Lohn von Krankenschwestern oder Fabrikarbeitern.

Ist die ungleiche Verteilung von Geld in der Welt auch ungerechtfertigt?

Eins ist dabei für jeden offensichtlich: Geld wird auf unserer Welt sehr ungleich verteilt. Ich stelle aber in Frage, ob „ungleich“ auch gleichbedeutend sein muss mit „ungerechtfertigt“ oder sogar „ungerecht“…

Einige Summen kamen mir vor ein paar Jahren auch ungerechtfertigt vor, etwa die deutlich über 100 Mio. Euro, die ein Christiano Ronaldo im Jahr einnimmt mit seinen Fußballkünsten und vor allem Werbeeinnahmen. Dann habe ich mal gehört, Talk- und Spieleshow-Meister Günther Jauch würde 1 Mio. Euro für jede einzelne Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ bekommen. Ich weiß nicht, ob die Summe stimmt; eine hohe 6-stellige Summe dürfte es sicher sein und es ist in jedem Fall für einen Außenstehenden viel Geld dafür, dass dieser Moderator eine Stunde auf seinem Stuhl sitzt, Fragen vorliest und Grimassen in die Kamera schneidet. Was soll man dann erst denken über eine Kylie Jenner, die scheinbar gar nichts tut, als hübsch zu sein und ihr Leben öffentlich zu machen; und nebenbei verkauft sie ein paar Klamotten und Parfüms. Damit macht sie Umsätze, mit denen sie es zur jüngsten selbst erarbeiteten Milliardärin gebracht hat.

Ein Preis-Leistungs-Verhältnis passt nicht mehr in unsere Zeit

Angesichts solcher Vergütungen denken die meisten, dass hier das Preis-Leistungs-Verhältnis fatal aus dem Ruder gelaufen ist. Und es stimmt: Eine Anhäufung von so viel Geld auf allein einen Menschen kann mit einem „Preis-Leistungs-Verhältnis“ nicht mehr begründet werden. Weil diese Begrifflichkeit womöglich gar nicht mehr in unsere Zeit passt! Schauen wir uns das mal näher an:

Was ist eigentlich eine Leistung? Die Definition des Begriffs hängt schon mal stark ab vom Fachgebiet, in dem er benützt wird: Leistung in der Physik ist etwas anderes als eine finanzökonomische Leistung und wieder etwas anderes als das, was Juristen darunter verstehen. Einen gemeinsamen Nenner gibt es aber:

Günther Jauch verdient Millionen, eine Krankenschwester 20.000 Euro im Jahr

Leistung beziffert einen mengenmäßigen Output; es wird etwas Zählbares durch eine bestimmte Anstrengung produziert. Wie ist das aber in Verbindung zu bringen mit Günther Jauch oder Kylie Jenner? Im Vergleich zu dem, was die beiden leisten, ist die Arbeit einer Altenpflegerin körperlich wie nervlich viel anstrengender; aber die verdient nur 1.600 Euro netto im Monat. Wie kann das sein?

Das kann sein, weil es in unserer Zeit nicht mehr sinnvoll ist, in Preis-Leistungs-Verhältnissen zu denken. Den Aufwand eines Menschen zu bewerten in Kalorien, Joule und Stückzahlen – das war angemessen, als der Mensch noch mit seiner Hände Arbeit verantwortlich war für die Entstehung von Produkten oder Dienstleistungen. Das gehört aber ins vorindustrielle Zeitalter!

Leistung ist seit Einsatz von Maschinen und Computern kein Kriterium mehr für den Preis

Dieses wurde abgelöst vom Industriezeitalter, in dem Maschinen die Menschen massiv entlastet haben. Da war schon erheblich weniger menschliche Arbeit und Leistung nötig für die gleichen Produktionsmengen. Heute übernehmen ganz überwiegend Maschinen einen Großteil dessen, was vor 100 Jahren noch von Menschenhand erledigt werden musste: in Form von Robotern und Computern. Und in den nächsten Jahrzehnten werden unzählige vollautomatisierte Prozesse komplett neu bewerten, was für uns überhaupt noch Arbeit, Aufwand und Leistung ist.

Jetzt leben wir im Informationszeitalter. Welches Zeitalter danach kommt, steht noch nicht fest. Aber Informationen in Form von Geisteskraft und Digitalisierung werden weiterhin die Welt bestimmen. Aufwand als Kriterium für Arbeit und Produktivität wird fast keine Rolle mehr spielen; auch nicht für die Altenpflegerin, wenn ihr Roboter bei der Versorgung der Betagten viel abnehmen werden, wie es in Japan heute schon der Fall ist. Und damit sollten wir den Begriff „Leistung“ streichen in der Gleichung, wo die menschliche Leistung und ihr Preis ins Verhältnis gesetzt wurden.

Das Preis-Wirkungs-Verhältnis – eine bessere Formel für unsere Zeit

Ersetzen wir „Leistung“ doch durch den Begriff „Wirkung“! Mit einem Preis-Wirkungs-Verhältnis erschließt sich viel leichter, warum ein Christiano Ronaldo sein Geld wert ist: Da postet er seinen 477 Mio. Followern auf Instagram einen Fünfzeiler, den er noch nicht einmal selbst geschrieben hat. Wenn dieser Fünfzeiler nun unzählige Millionen Euro und Dollar in die Kassen der beworbenen Firmen spült, dann steht außer Frage: Der Mann entfesselt eine gewaltige Wirkung! Und für die wird er bezahlt, so, wie Günther Jauch für die Wirkung bezahlt wird, dass ein Millionenpublikum den Fernseher einschaltet. So, wie Kylie Jenner mit vielen Millionen Dollar bezahlt wird, weil ihr Name nun mal bewirkt, dass Duzende Millionen Menschen Produkte kaufen, die ohne diese Frau bedeutungs- und damit wirkungslos wären.

Die Wirkung von Konzernmanagern und Briefträgern

Und es relativieren sich auch die Vergütungen von Top-Managern großer Konzerne. Was für ein Unsinn, die 10 Mio. Euro Jahresgehalt des Deutsche Post-Managers Frank Appel ins Verhältnis zu setzen mit dem, was seine Briefträger verdienen. Wenn die ein falsches Wort in eine Kamera sprechen, dann interessiert das niemanden. Wenn ihr oberster Chef aber auch nur einen Moment unaufmerksam ist vor einem Mikrofon, kann das darauffolgende Erdbeben im Dax hunderte Millionen kaputt machen. Was zum Glück auch für das Gegenteil möglich ist: Eine einzige richtungsweisende Entscheidung von diesem Mann kann auch hunderte Millionen aufbauen. Solche Manager werden deshalb für ihre Wirkungsmacht entlohnt. Natürlich sind 10 Mio. Euro für einen Angestellten immer noch gewaltig viel Geld, aber sie sind zumindest weit besser einzuordnen im Sinne eines Preis-Wirkungs-Verhältnisses.

Geld wird ungleich verteilt, solange Menschen rein materiell ausgerichtet sind

Aber mir ist klar: auch diese Formel, so plausibel sie ist, erklärt nicht alles. Denn Plausibilität kommt an ihre Grenzen dort, wo Irrationalität beginnt, und damit sind wir beim Menschen – beim Menschen mit seinem Hang zum Materialismus, mit seinem Bedürfnis nach der schnellen Belohnung, mit all seinen widerstrebenden Emotionen wie Gier, Angst und Hoffnung und mit seiner Neigung, nur das zu glauben, was er sieht und was er zählen kann.

Nur damit kann ich mir erklären, warum Erzieherinnen, Krankenschwestern, Hospizarbeiter, Seelsorger und so viele andere gemeinnützige Berufe überwiegend absurd schlecht bezahlt werden – Berufe, die keine verkäuferische Wirkung haben, aber eine hochgradig emotionale; Berufe, die essentiell sind für eine funktionierende Gesellschaft, in der man sich sicher fühlt und gern lebt. Nicht einmal Corona konnte daran etwas nachhaltig ändern. Was sagt mir das? Dass wir Menschen vielleicht auf einer hoch technologisierten, aber geistig und emotional eher primitiven Entwicklungsstufe stehen – primitiv, weil auf dieser Stufe nur das gut bezahlt wird, was sich gut verkauft und Geld produziert.

Zeichen einer primitiven Gesellschaft: Geld regiert ihre Welt

Was nicht gezählt werden kann, ist schnell vergessen. Was keine Ergebnisse sichtbar werden lässt, wird nicht gesehen. Was keinen Geldwert hat, ist wertlos. Das ist irrational, da wir wissen, dass die meisten Wirkungen, die heute hoch vergütet werden, vielleicht reich, aber nicht glücklich machen und die Wirkungen, die glücklich machen, werden nicht im Ansatz adäquat vergütet. Deshalb bezeichne ich uns als primitiv, solange unser gesellschaftliches Leben derart geldgesteuert und nicht sinngesteuert ist.

Das soll keine Bewertung und Beleidigung unserer heutigen Gesellschaft sein. Es ist eine Beobachtung in der Annahme, dass es auf anderen Planeten Gesellschaften gibt, die fortgeschrittener sind. Die erinnern sich regelmäßig an die selbst erschaffene Hölle, wenn Geld der Grasmesser ist für Macht, Einfluss und Überleben. Die erinnern sich regelmäßig an die destruktiven Zustände bis hin zum Krieg, wenn Geld verwechselt wird mit Glück. Und wie erinnern sich die? Indem sie mit ihrem Fernrohr auf die Erde schauen.

Aber trotz allem bin ich zuversichtlich gestimmt, dass wir vom materiell geprägten Informationszeitalter aufsteigen in ein Transformationszeitalter; in dem wird Geld vielleicht noch immer gebraucht, aber gemäß seiner ursprünglichen Bestimmung: als Tauschmittel. Und in diesem Zeitalter werden nicht die Wirkungen am meisten wertgeschätzt, die den Kontostand erhöhen, sondern die, die nachhaltig glücklich machen.

Der Wohlstandsbildner-Job: Reiche reicher und Arme reicher machen

Bis dahin dauert es aber noch, und Geld wird noch lange ein wichtiger Faktor bleiben, um die eigenen Wünsche und Ziele schneller und einfacher zu verwirklichen. Deshalb mache auch ich noch eine Weile den Job als Wohlstandsbildner. Aber nicht als Robin Hood, der Reichen nimmt, was Arme nicht haben, nein; ich mache gern Reiche reicher, weil 98% aller Reichen für uns unverzichtbar sind – nämlich als Unternehmer, die zehntausende Arbeitsplätze erhalten. Und ich mache Arme reicher, indem sie so investieren, wie die Reichen es tun.

Dann ist in einer materiell orientierten Gesellschaft allen geholfen in ihrem Streben nach Glück und einem Leben in Fülle.

Euer Andreas

 

Shownotes:

Anleitung für Podcastbewertungen: https://wohlstandsbildner.de/podcast-bewerten

Essenzseminar für Gestaltungskraft und Leichtigkeit: https://www.wohlstandsbildner.de/essenzseminar/

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