Wie machen Krieg und Inflation der Säulen-Strategie zu schaffen?

Das Wohlstandsbildner-Blitzlicht für gelingenden Vermögensaufbau und überhaupt ein gutes Leben

Blitzlicht 17: Die 4 WB-Säulen und die Weltlage

Nahrungsmittelkrisen, Krieg, Inflation, Deglobalisierung – da kann einem Investor schon mal angst und bange werden. Andreas klärt heute, warum Wohlstandsbildner beruhigt sein können und was es dafür braucht.

 

Wie machen Krieg und Inflation der Säulen-Strategie zu schaffen?

Andreas Ogger hat 25 Jahre lang beruflich Musik und Medizin ausgeübt. Dann der Sprung in die Investorenwelt: Erst aus Notwendigkeit in einem kaputten, krisen- und virengeschüttelten Finanzsystem. Bis daraus pure Freude, Fülle und Leichtigkeit wurde. Denn Wohlstandsbildung ist weit mehr als nur mehr Geld und der Sprung in ein freieres Leben.

Das WB-Blitzlicht für gelingenden Vermögensaufbau und überhaupt ein gutes Leben. Heute mit stark reduzierter Stimme, weil mich seit zwei Tagen das Virus beschäftigt, dessen Namen niemand hören will. Zusammen mit der ersten Bronchitis meines Lebens, üblen Halsschmerzen und Fieber, aber all das darf nicht zu Lasten eines Blitzlichts gehen. Robert, der schon bekannte Fragensteller, hat um eine Stellungnahme gebeten angesichts der aktuellen Geschehnisse in Europa und in der Welt, gerade auch in Bezug auf die vier Säulen der Wohlstandsbildner-Strategie. Durch die aktuelle Relevanz schiebe ich das vor allen anderen Fragen hinein. Ich erlaube mir wieder aus seiner Whatsapp-Nachricht zu zitieren:

„Mich würde Deine Einschätzung zu den makroökonomischen Einflüssen auf die vier Säulen interessieren. Explodierende Inflation (merkt wohl aktuell jeder), stetig schwächer werdender Euro (merken wir bei den Dollar-Investments gerade extrem), eine beginnende Deglobalisierung, eine aufziehende Nahrungsmittelkrise… während man bei Säule 4 die starke Volatilität bereits beobachten kann, wie wirkt sich denn das Ganze auf die anderen Säulen aus?“

Alles klar, Robert, gehen wir das mal durch, denn es ist gar nicht so kompliziert. Eine der Richtlinien eines ausgewogenen Portfolios ist ja, dass die Dinge einfach sein und einfach bleiben sollen; das gilt nicht nur für den Aufbau der eigenen Vermögensanlagen, sondern auch für die Betreuung derselben in unsicheren Zeiten wie diesen. Mit einem hast du aber sicher Recht, nämlich dass der Krieg im Osten und die nun für Europäische Verhältnisse endgültig galoppierende Inflation spürbaren Einfluss ausübt auf unsere Säulen. Um auf diese Einflüsse zu reagieren, machen wir uns die beiden wichtigsten Regeln bewusst, wie sie Warren Buffett formuliert hat: „1. Regel: Verliere kein Geld. 2. Regel: Vergiss nie Regel Nr. 1.“  Wobei ich seine Regeln strenger auslege als er selbst; denn mit seiner börsengehandelten Holding Berkshire Hathaway und einigen seiner Aktien im Depot muss er regelmäßig Verluste hinnehmen, die gehören zum Börsenspiel schließlich dazu. Das meintest du, Robert, wahrscheinlich auch mit der Säule 4 in deiner Frage, das volatile Börsenspiel. Jeder hat andere Sachen in dieser Abenteuer-und-Spaß-Säule, daher vermute ich das mal.  

Ich setze ja durchweg auf gesellschaftlich unverzichtbare Werte, die sich auch dann kontinuierlich entfalten, wenn es schwierig wird – langsamer vielleicht, aber stetig. Und dabei will ich möglichst wenig zu tun haben mit den weltweiten Börsen, die getrieben werden durch Gier, Hysterie, Massenbewegungen, Billiggeld und durch heutige finanzpolitischen Momentaufnahmen, die morgen schon oft überholt sind. Nein, fernab davon fühle ich mich viel wohler und kann auch mit erheblich höheren Erträgen rechnen. Und das Ergebnis gibt mir seit vielen Jahren Recht: Selbst heftige Stürme bringen die Säulenstrategie nicht sonderlich ins Wanken und gefährden schon gar nicht das Kapital. Ein Sturm war allerdings schon besonders:

Wirklich zu schaffen gemacht hat mir nämlich etwas, was in dem Ausmaß nicht viele Generationen erleben dürften. Gut ein Drittel meiner Positionen wurde regelrecht blockiert durch – ja was wohl – durch die Corona-Pandemie bzw. durch die Reaktionen, die alle Welt ihr gegenüber an den Tag legte. Wenn der komplette Handel brachliegt, auch existenzielle Lieferketten kaputtgehen und nichts mehr importiert oder exportiert werden kann, und das noch mehr oder weniger intensiv zwei Jahre lang, dann müssen wir erstmal nicht mehr nach Vermögensaufbau streben, sondern nach Vermögenssicherung.

Und die hat auch funktioniert, denn keinem einzigen Euro im Wohlstandsbildner-Portfolio ist etwas passiert. Aber die Maßnahmen, um die Wertschöpfungsketten starten lassen zu können, wie etwa der Aufbau technisch anspruchsvoller Gewächshäuser oder der Bau einer gewerblichen Immobilie – wenn da nichts mehr geht, weil sich Menschen nicht mehr begegnen dürfen, dann muss man die Renditenprognosen eben anpassen und zwei Jahre einfügen, in denen weniger vorangegangen ist. Nehmen wir die massive Inflation dazu, haben wir zwar kein Geld verloren, aber weniger Gewinn gemacht; wer bei über 7% Inflation nicht mindestens 10 % Rendite vor Steuern entgegensetzt, macht nun mal Verlust. Da ist es auch kein Trost, dass das alle Welt betrifft. Und was einige Kursfeuerwerke an der Börse angeht während der Lockdown-Zeit: Kein Börsianer sollte sich über völlig irrationale Gewinne in den Stillstandjahren zu früh freuen, denn die Kurse sind ja jetzt schon dabei, wie ein Soufflé in sich zusammenzusinken – denn es war nun mal kein Wachstum, sondern einfach nur viel heiße Luft.

Immerhin: Wohlstandsbildner hatten etwas, das immer weiter produziert hat und auch deshalb als Paradebeispiel für Inflationsschutz herhalten darf – und das ist Agrikultur aus naheliegenden Gründen: Wenn eine Plantage schon steht und die Bäume Früchte tragen, dann konnten die Arbeiter mit 50 Metern Abstand jederzeit ihrer Erntetätigkeit nachgehen. Und gerade während der Lockdownzeiten wurde ja mehr frisches Obst und Gemüsen gegessen als je zuvor, weil alle zuhause geblieben sind und gekocht haben. Entsprechend hatten wir keine Probleme, all unsere Erzeugnisse auf dem Großmarkt unterzubringen.

Da schätze ich nun doppelt einen Kontrast in unserem Portfolio, der mir bis dahin noch gar nicht so wichtig war: das sind die Gegensätze „lokal“ und „global“. Wenn global nichts mehr geht, was ja bisher kaum vorstellbar war, dann funktioniert trotzdem lokal. Gegessen und getrunken wird immer – und wenn wie derzeit in China nur noch Lieferdienste die Dinge unter der Türritze durchschieben.

Damit sind wir, Robert, bei einem deiner Punkte – Stichwort Deglobalisierung. Ja, durch die protektionistische Politik Trumps hat eine auf Globalisierung getrimmte Welt viel früher einen Dämpfer erhalten, als sich das Ökonomen haben vorstellen können. Dann kam auch noch eine Pandemie dazu als schlimmst denkbare Zerstörerin internationaler Handelsbeziehungen und dann sitzt du halt da auf deinen Containern, die niemand mehr transportiert oder die im Hafen von Shanghai monatelang darauf warten, gelöscht zu werden. Wenn global also nicht mehr geht, dann ist umso wichtiger, ausreichend viele Positionen in Säule II „Entwicklungsimmobilien“ und Säule III „Agrikultur“ aufzubauen, die überwiegend lokal ausgerichtet sind.

Im Moment wackelt aber einfach alles; und durch den Putin-Krieg muss vieles neu gedacht und aufgebaut werden. Danach bin ich guter Hoffnung, dass jedes Land – so, wie es China jetzt vormacht, das  für sein inländisches Wachstum bis heute am meisten auf globalen Handel angewiesen war – dass jedes Land eine gute Balance findet, was seine Eigenversorgung angeht mit Nahrungsmitteln, Medizinversorgung und Energie und was seine weltweiten Handelsbeziehungen betrifft.

Da darf sich vor allem Deutschland neu aufstellen, das seine Exportstärke schon jetzt zurückfährt und seine übergroßen Abhängigkeiten von einzelnen Ländern reduziert. Teil der Merkel-Politik war ja, bloß nichts zu ändern, solange es einigermaßen läuft. 100% Pragmatismus, 0% Gestaltung und Ideen für die Zukunft trotz der vielen schlauen Köpfe in unserem Land, deren Ruf nach Reformen in den guten Zeiten umsonst war. Jetzt haben wir Krisenzeiten und schon ändert sich was in Lichtgeschwindigkeit für deutsche Verhältnisse. Ist halt traurig, dass es erst einen Krieg und eine Pandemie braucht, damit ein Ruck durch die Politik geht und auch unpopuläre Maßnahmen umgesetzt werden – unpopulär, weil sie halt teuer sind. Allein der Umbau unserer Energieversorgung kostet astronomische Summen, die der einzelne Bürger schon jetzt spürt.

Was du, Robert, zum schwachen Euro gegenüber zum Dollar schreibst, na ja, das ist eine Entwicklung, die niemanden überraschen kann. Diese Euro-Schwächung hat die EZB systematisch mit ihrer Billiggeldpolitik seit Jahren vorangetrieben, und jetzt reiben sich alle die Augen. Daher möge man mich mit meinem Rat zitieren aus den Finanzseminaren der letzten 5 Jahre, dass mind. zwei Drittel eines Portfolios in der Weltwährung Dollar gehandelt werden sollten. Und deshalb gehört ein Dollarkonto angeschafft, allein, um den unseligen Minuszinsen zu entgehen; diese Einrichtung stellt ja so ziemlich die unerlösteste Maßnahme einer Zentralbank dar, die nicht mehr weiß, wie sie ihr Luftgeld unter die Leute bringen soll, um Wachstum zu faken.
Nachdem sich China auf Konflikt, Isolation und Unberechenbarkeit ausrichtet und damit die chinesische Währung für länger keine Option sein kann für den Welthandel, bleibt der Dollar das Maß aller Dinge. Und ein digitaler Yuan, wie er bald kommen dürfte für noch mehr Überwachung der eigenen Bürger wird das noch deutlich zementieren.

Die Nahrungsmittelkrise, wie wir sie jetzt im Zuge des Ausfalls von Russland und der Ukraine erleben, ist hoffentlich nur eine vorübergehende Erscheinung – eine fürchterliche zwar für Millionen, die eh schon fast nichts zu essen haben, und das womöglich noch für längere Zeit, aber es gilt auch hier das Gesetz der Polarität: Schlägt das Pendel extrem zur einen Seite aus wie jetzt mit der Zerstörung wichtiger Teile der Ukraine als Weizen- und Düngemittellieferant, so weit wird das Pendel auch wieder zurückschwingen. Russland wird in der Weltengemeinschaft isoliert sein, aber die Ukraine kann mit Milliardenhilfe aus dem Ausland rechnen, sie wird sich neu aufbauen und prosperieren. Und in diesem Zuge werden auch unsere Lebenshaltungskosten wieder etwas günstiger.

Fatal ist, dass allein in der ersten Märzwoche 2022 4,5 Milliarden Dollar allein auf steigende Rohstoffkurse gesetzt wurden, vor allem beim Weizen. Vor allem die Banken geben in einem deregulierten Umfeld wieder richtig Stoff. Dabei ist längst erwiesen, dass dieses Spekulantentum die Preise zusätzlich befeuert und dadurch die armen Länder, die Getreide importieren müssen, noch ärmer macht. Das bleibt ein Gesicht unserer Finanzindustrie, in das zu schauen mir immer schwerer fällt.

Und nun zur Inflation: Unter der leiden die drei Hauptsäulen ohne Zweifel hier und da, aber sie profitieren weit mehr von ihr als sie leiden, und deshalb geht das Konzept auf. Klar kommt es zu Reibereien, wenn du Biotech-Labore bauen willst und die Preise für Stahl und Holz explodieren, bevor die Sachen geliefert wurden. Dafür gibt es aber Verträge oder man findet ein Kompromiss zwischen Lieferant und Empfänger, wie die Mehrkosten zu tragen sind. Und ja, wir werden auch mehr zahlen müssen etwa für die Abfüllanlage für unseren globalen Wasser-Vertrieb oder für die Fabrik zur Herstellung von Saftkonzentrat oder für die Computer der Gewächshäuser. Bei mir sieht es so aus: Bis heute zumindest tragen diese unerwarteten Mehrkosten die Emittenten, weil sie immer mit Finanzpolstern kalkuliert haben und mit Rücklagen gut ausgestattet sind, wie es die vorausschauende Kaufmannsgesinnung gebietet.

Da lohnt wieder die Plattitüde „Cash is King“ ins Feld zu führen, weil nicht erst die Coronakrise gezeigt hat, dass auch größere Barmittel sinnvoll sein können. Ein vorausschauender Emittent und Investor – wie ich sie ja auch im Finanzseminar mit ihren Bilanzen vorstelle – erhöht in unsicheren Zeiten seine Barreserven. Dann sind es nicht mehr 7-10% vom Gesamtvermögen, sondern auch mal 15% für genau solche Fälle im Einkauf, wie ich sie beschrieben habe.

Und was uns als Investoren angeht: Wir bekommen sämtliche Erträge aus den drei Säulen ja immer inflationsbereinigt, weil wir uns hier auf der Unternehmerseite befinden. Wir passen unsere Preise einfach der Inflation an – entsprechend höher sind die Erträge aus Vermietung und Verpachtung, aus dem Verkauf von Produkten oder aus der Veräußerung eines Infrastrukturprojektes.

In diesen Säulen bist du ja breit investiert, lieber Robert, daher ist es ganz einfach: Wenn sich beim jetzigen Gegenwind die drei fundamentalen Säulen behaupten wie in den letzten 500 Jahren, trotz aller Stillstände mit Pandemien und Kriegen sogar, dann muss uns nicht bange sein. Diese Gelassenheit stellt aber eine Bedingung: Die Dinge in einem größeren, längerfristigen Kontext zu stellen.

Diese Neigung zur Schnappatmung, kaum passiert etwas Unvorhergesehenes, und dann ergehen wir uns in nervösem Gackern und Herumgerenne, wie es an den Börsen so köstlich zu beobachten ist –, dieser Neigung will ich einen längeren Atem entgegenstellen. Dieser nimmt sich die Ruhe, um in Jahren zu denken, in Generationen. Schau dir China an, das eine klare Strategie für die nächsten 50 und 100 Jahre hat. Die muss so nicht aufgehen und wird sich anpassen müssen, aber sie verleiht Klarheit, wenn alle um dich herum anfangen hektisch zu werden.

Dabei gibt dir erst der Rahmen einer bewährten, langfristig angelegten Strategie die Kraft und Ruhe, um besonnen auf Herausforderungen der Gegenwart zu reagieren. Deshalb haben wir die drei Säulen als Fundament und die vierte, um Dinge für die Zukunft ausprobieren zu können. In allen vieren kann es natürlich auch mal rumpeln, da läuft nicht immer, wie es geplant war – aber dann laufen die Dinge eben anders. Hauptsache, sie bleiben in Bewegung und folgen der breit ausgelegten Spur.

Und selbst, wenn wir als Investoren heute mehr bezahlen müssen, um Wertschöpfung anzuschieben, dann nehmen wir die Mehrkosten später durch höhere Erträge wieder ein. Doch schlau verhandelt bietet gerade die Inflation auch oft bessere Einkaufsbedingungen, und dann machen wir auf lange Sicht sogar einen besseren Schnitt. Es geht also um das größere Bild – wenigstens für 10 bis 15 Jahre. Je wilder es draußen zugeht, desto mehr solltet du als Pilot deine Flughöhe nach oben verlagern, in die breiten, großen Jetstreams: denn dort weißt du von den ganzen Turbulenzen unter dir, wirst aber nicht von ihnen durchgeschüttelt.

Vor allem die Säulen I und III, das ist Jetstream-Fliegerei, da ist es ruhig. Damit hast du immer ein Flugzeug um dich herum, das mal langsamer, mal schneller fliegt – aber Hauptsache ruhig. Langweilig wird es dir aber nicht bei der Aussicht da oben. Und wenn doch, dann hast du ja die Säule IV, um turbulente Sachen ganz auf eigene Faust auszuprobieren. Abenteuer und Spaß müssen sein. Aber eine Spucktüte solltest du dann schon parat haben. Irgendeinen Preis zahlt man immer – auch als Wohlstandsbildner.

Auf ein gut gelauntes und gut geflogenes Leben in Fülle,
Euer Andreas

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