Coronavirus

Das Coronavirus – Ein Winzling crasht globalisierte Märkte…

…und zeigt, wie krisensicher regional effektive Geldanlagen sind



Der Wohlstandsbildner-Podcast mit Andreas Ogger, heute mit einer eher nachdenklichen Episode zum aktuellen Geschehen rund um das Coronavirus, das sich anschickt die Welt zu erobern. Ich will einmal vier Perspektiven als Wohlstandsbildner zu dem Thema einnehmen. In jedem Fall bin ich dankbar, dass uns ein winziges Virus einen großen Spiegel vorhält, und was wir in dem Spiegel sehen, ist nicht unbedingt angenehm – er erinnert uns nämlich an eine Zeit, gar nicht so lange her, in der wir uns unser Wertebewusstsein nicht durch die billige Arbeit anderer Länder geleistet haben. Nun ist das anders, jetzt zahlen wir einen Preis dafür, der Leben kosten kann.

1. Globalisierung: Das Coronavirus demonstriert eindrucksvoll, wie eng verzahnt heute Lieferketten aller Art sind. Wir genießen ja meistens die Vorteile der Globalisierung in Form eines weltweiten, erbitterten Wettbewerbs, der uns Endverbrauchern die Dinge so billig wie möglich ins Haus bringt. Mit dem Virus sehen wir heute aber den Nachteil, wenn ein so großer Lieferant wie China nicht funktioniert – dann funktionieren auf der ganzen Welt plötzlich ganz viele Dinge nicht mehr.

Um ein Beispiel zu nennen: Den deutschen Bürgern muss es eigentlich bitter aufstoßen, wenn essenzielle, also lebenswichtige Medikamente wie Insulin langsam knapp werden; schließlich war die deutsche Pharmaindustrie neben dem Maschinenbau einmal Weltmarktführer. Tja, 20 Jahre ist es her, doch weil alles immer billiger werden sollte und Deutschland mit die höchsten Sozialkosten und Steuern hat, produziert nun China, Pakistan und Indien unsere Heilmittel; jetzt hängen sprichwörtlich die Leben kranker Menschen von China ab, und wenn das nicht liefern kann, kämpfen wir mit anderen ebenso abhängigen Ländern um die letzten Vorräte.

Als Wohlstandsbildner bin ich ein großer Freund davon in Dinge zu investieren, die unverzichtbare Werte schaffen, Werte, die weitgehend unabhängig sind von der Leistungsfähigkeit anderer Länder, und wie macht man das? Indem das, was unverzichtbar ist, vor Ort produziert und vor Ort gebraucht wird. Wenn darüber hinaus noch anderswo Nachfrage dafür besteht, umso besser für das Investment, dann kann man über einen Export nachdenken; doch ein wesentliches Sicherheitskriterium für Wertschöpfungsketten ist für mich, dass die Wertschöpfungskette in ihrem direkten Umfeld funktioniert und damit nicht im Ring steht, in dem sich Länder im Kampf um das billigste Produkt niederringen.

Wer sich nun die drei Säulen anschaut eines Portfolios, das im Wohlstandsbildner-Sinne ausgewogen ist, sieht den lokalen Bezug der Investments sofort: Bei der ersten Säule Infrastruktur und der zweiten mit gewerblichen Entwicklungsimmobilien ist das offensichtlich, die stehen vor Ort und erhalten das öffentliche Leben dort aufrecht; und auch bei der Produktion von Nahrungsmitteln in der dritten Säule Agrikultur ist es so, weil die Bevölkerung am Produktionsstandort selbst die Nachfrage garantiert. Aber von Importen abhängig zu sein, das bedeutet lange Lieferwege, komplizierte Zollbestimmungen, steigende Preise durch zu viele Instanzen in der Lieferkette und es bedeutet Abhängigkeit, wie man jetzt an China so schön sieht.

2. Börsencrash: Schon jetzt wurden viele Milliarden Dollar umverteilt, und die Pandemie steht ja erst am Anfang. Ernstzunehmende Experten sprechen davon, dass die weltweiten Börsen gut 40 % und mehr einbrechen können, wenn sich das Virus nicht eindämmen lässt – und danach sieht es ja aus. Aber Börseneinbrüche sind letztlich nichts anderes als Gewinnmitnahmen von überwiegend professionellen Händlern, die die Kurse derart ins Rutschen bringen können, wenn sie jetzt ihre breit gestreuten Einzeltitel reduzieren. Sie verkaufen jetzt, warten auf den kompletten Preisverfall, wenn die Masse der Kleinanleger und die Algorithmen der Computerhändler auch verkaufen, und dann kaufen sie günstig wieder ein und das Spiel beginnt von Neuem. Nur der Kleinanleger zieht in diesem Spiel – Verzeihung – die Arschkarte, zum Beispiel mit seinen ETF-Sparplänen. Er kauft einmal generell teuer ein auf dem Marktplatz namens Börse, wo billiges, inflationär gedrucktes Geld und Aktienrückkäufe durch die Unternehmen selbst die Kurse nach oben gedrückt haben, ohne dass irgendeine Wertschöpfung dahintersteht. Doch auch die größten Indices leben vom Wachstum der Welt, und wenn die mal nicht wächst, gehen den ETFs schnell die Luft aus, wie man jetzt eindrücklich sieht.

Natürlich werden die sich wieder erholen, wenn das Coronavirus Geschichte ist, doch leider gilt seit je her: Abstürzen können die Börsen innerhalb von Tagen, das Hochklettern kann aber 15 Jahre dauern. Und schön blöd, wenn ich 25 Jahre eingezahlt habe, will genau in diesen Monaten ans Geld, weil es meine Rente ist, und dann sind 30% Kursgewinn weg bzw. 12 Jahre Sparzeit. Und wer jetzt mit dem Vorteil von volatilen Märkten daherkommt, die den Cost Average-Effekt befeuern, der will nur eins: Entweder ETF-Sparpläne verkaufen oder sich seine eigenen schönreden.
Fazit: Die Börsen der Welt und jeder einzelne Aktienindex darin sind weit brüchiger und anfälliger, als Kleinanleger denken – so brüchig und anfällig eben wie die Psyche der Menschen.

3. Angst: Der größte Verhinderer von dem, was wir uns wünschen, tragen wir mit uns herum, und das ist die Fähigkeit sich lebhaft schlimme Szenarien vorzustellen, die es noch gar nicht gibt und meistens auch nie eintreffen – es ist die Fähigkeit sich Kraft der eigenen Phantasie Sorgen zu machen, und unter fleißiger Mithilfe der Medien und einer gewissen Massenhysterie verwandeln sich die Sorgen nicht selten sogar in Ängste.

Die Medizin weiß längst: Angst und Sorgen verursachen negativen Stress, nur den wenigsten ist bewusst, wie massiv dieser Stress unseren Körper schwächt, unsere Selbstheilungskräfte torpediert, unseren Geist verwirrt und unser Vertrauen ins Leben zerstört. Also die Kraft, die wir meisten brauchen, um uns mit dem Virus erst gar nicht anzustecken oder um eine Infektion ohne Schaden zu durchlaufen – also all das, was wir uns wünschen -, genau dieser Kraft berauben wir uns mit dem Stress und erschaffen uns so das Szenario, vor dem wir uns fürchten.

Finanzseminar - Vom Geldanleger zum Investor
Finanzseminar – Vom Geldanleger zum Investor

Das alles gilt für jede Lebensebene, auch so eine grundsätzliche wie die Nahrungsaufnahme: Wenn ich an mir selbst wahrnehme, dass ich gestresst bin, versuche ich so lange nichts zu essen, bis ich wieder einigermaßen gesammelt und zentriert bin; denn unter Stress werden auch die wertvollsten Nährstoffe kaum oder gar nicht ausgewertet, sie sind dann eine Belastung für den Körper und schwächen ihn zusätzlich. Da ist es weit gesünder, zu fasten und zu warten, bis man wieder einigermaßen gut drauf ist. Daher empfehle ich auch peinlich genau auf die Themen zu achten, die bei Tisch besprochen werden: für den Körper ist es brutal, wenn er etwas aufnehmen muss mit der Frequenz von „ich werde in drei Monaten entlassen“ oder „Schatz, unsere ETFs sind nur noch die Hälfte wert, aber keine Sorge, die Börse erholt sich wieder“ – ok, das war jetzt etwas gemein, aber leider trotzdem wahr.

Gleiches gilt für Wohlstandsbildung: Ein gestresster, ängstlicher Investor wird auf Dauer Entscheidungen treffen, die ihn teuer zu stehen kommen und Investments, die mit der Frequenz von Angst ins Portfolio geholt werden, stellen sich häufig als übler Ballast heraus. Deshalb empfehle ich keine Investitionsentscheidungen zu treffen, bevor nicht wieder Ruhe, Klarheit, Zuversicht und am besten auch wieder Lebensfreude eingekehrt sind. Denn so, wie Angst der größte Energiekiller ist, ist der Spaß am Leben mit all seinen Erfahrungen der größte Energiebringer für die Gesundheit, für das Portfolio, für alle, mit denen wir in Kontakt kommen.

4. und letztens: Geiz ist nicht geil, sondern einfach nur teuer.
Wir leben in einem Land, das sich viel leistet: Umweltschutz, Berufsgenossenschaften, eine Rechtsprechung mit unzähligen Einspruchsmöglichkeiten, Windräder brauchen 1 km Abstand, Mobilfunkmasten sollen am besten ganz verboten werden, aber 5G wollen wir natürlich schon haben, wir leisten uns ein gewaltiges Sozialsystem, Demokratie mit ihren oft ausschweifenden Entscheidungsprozessen, ein riesiges Gesundheitssystem oder so ein Monster namens Datenschutzgrundverordnung – all das und vieles mehr leisten wir uns für einen hohen Lebensstandard mit viel Privatsphäre; und ich bin von alldem ein großer Anhänger, aber jetzt kommt das Problem: Viele von uns wollen nichts oder möglichst wenig dafür bezahlen! Und wenn sie gezwungen werden dafür zu bezahlen, zum Beispiel in Form von Steuern, dann müssen halt andere Sachen billig sein, sonst reicht das Geld am Ende des Monats nicht aus.
Und wenn dem Staat sogar die Steuern nicht reichen, muss eben diskutiert werden, ob ein Billigheimer wie Huawei unsere digitale Infrastruktur beherrschen soll, und wenn nicht der, dann eben eine amerikanische Firma – abhängig machen wir uns so oder so. Wir in Europa sparen dadurch Milliarden, legen aber gleichzeitig unser aller Leben in die Hand von Firmen, die wir letztlich nicht kontrollieren können. Ganz ehrlich: An diesem Punkt verstehe ich die Europapolitik nicht. Aber keine Sorge: Angst werde ich mir deshalb auch keine machen.

Diese Spar-Haltung will ich gar nicht verurteilen, wenn objektiv nur wenig Geld da ist; dann ist es nicht so einfach, einen hohen Anspruch beizubehalten, was die Qualität in Produkten und Dienstleistungen angeht, die am besten in fairen, menschenwürdigen und diskreten Wertschöpfungsketten entstanden sind, was wir in China ja eher nicht finden.

Trotzdem zum Abschluss drei konkrete Empfehlungen:

1. Die Medien stürzen sich zur Zeit auf die Risiken, die mit der Coronavirus-Pandemie einhergehen könnten: Angst und Sex, die verkaufen sich halt immer gut. Ich bin dagegen fest überzeugt, dass die Schwierigkeiten, die wir gerade erleben, uns auch irgendwann etwas Gutes bringen werden; das war bisher nach jeder Krise so, wenn man was draus lernt. Und darauf wiederum fokussiere ich mich viel lieber, denn dann bin ich entspannt, fühle mich wohl, und eine bessere Schutzrüstung für Körper und Geist gibt es nicht als die ständige Ausrichtung auf das, was mich gut fühlen lässt. Denn dann kann ich klar denken, Risiken erkennen und sachlich für mich einschätzen, schauen, wie ich sie minimieren und damit umgehen kann. Ob jetzt als Investor oder beim Einkaufen im Supermarkt.

2. Ich persönlich will meinen hohen Lebensstandard nicht finanzieren mit dem niedrigen Lebensstandard anderer Menschen, denn für billige Produkte muss immer irgendeiner zahlen, in China sind es die Arbeiter und die Umwelt. Dabei muss auf Qualität achten nicht immer teuer sein; oft genügt ein Blick auf die Produktbeschreibung, und ich finde vielleicht bessere Alternativen zum gleichen Preis oder nur ein bisschen teurer. Zum Beispiel Hirse, auch Bio-Hirse, kommt meistens aus China, wird aber auch in der EU hergestellt unter weit gesünderen Umständen für alle. Oder Schweinefleisch, das manche für Centpreise im Supermarkt kaufen: in noch zu vielen deutschen Ställen sind die Bedingungen für die Tiere oft entsetzlich, aber das Leid in einem chinesischen Schweinestall macht sprachlos und ungenießbar. Oder Klamotten oder auch so eine großartige Sache wie Xylit, dem gesunden Austauschstoff von Zucker – all das muss ich nicht aus China kommen lassen. Nur wenn ich meinen Standard verteidige, bewahre und dafür breit bin zu bezahlen, dann wird China irgendwann auch den eigenen Standard anheben und mehr Wertschätzung für Mensch, Tier und Materie entgegenbringen. Von den Schweizern können wir lernen, das im eigenen Land zu kaufen, was es zu kaufen gibt, und wenn es teurer ist. Denn das ist die mächtigste Verteidigung unseres Wertebewusstseins. Um wem das Geld dafür fehlt, für den ist meine

3. Empfehlung so alt wie aktuell: Finanzielle Bildung ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Und für zu wenig Geld gibt es keine Ausrede. Ah, dazu fällt mir eine beeindruckende Geschichte ein, die erzähle ich noch am Schluss.
Sich jedenfalls dauerhaft mit so viel Geld zu versorgen, dass am Ende des Monats mehr Geld zur Verfügung ist, als ich brauche, das kommt nun mal nicht von selbst.
Wie würde ein Deutschland aussehen, in dem jeder wirtschaftlich abgesichert und damit auf einem normalen Lebensniveau finanziell unabhängig ist? Diese Stufe kann jeder erreichen mit etwas Geduld, einem Plan (und ich meine hier keinen ETF-Spar-Plan) und mit den richtigen Instrumenten. Und dann kann es sich jeder leisten, nicht auf Masse und Konsum, sondern auf Klasse, Qualität und Umwelt zu schauen.

Und dann, bin ich völlig überzeugt, hätten wir irgendwann wieder eine Pharmaindustrie und eine Bekleidungsindustrie, die gerne in Deutschland produzieren, dann hätten wir vielleicht auch einen Berliner Flughafen, der seine Handwerker und Architekten nicht nach dem Preis, sondern nach dem Können auswählt, dann hätten wir wirtschaftlich kluge, unternehmerisch denkende Politiker an der Spitze, die teurere, aber längst fällige Entscheidungen treffen, dann wären einfach viel mehr Menschen entspannter, freier und gesünder, weil weniger gestresst, und diese Menschen hätten dann auch mehr Zeit für Beziehungen als fürs Arbeiten und größere Wahlmöglichkeiten, um gute Entscheidungen für ihr Leben zu treffen – aus Wertschätzung für sich selbst.

Wertschätzung für das eigene Leben ist die beste Motivation für Wohlstandsbildung, die die besten Renditen liefert, und das auf anständige, saubere Art und Weise. Und natürlich ist das möglich, wenn man etwas über den Tellerrand unseres Zinssystems hinausschaut, denn: Wohlstandsbildung ist einfach viel mehr als nur mehr Geld.

Und nun noch die Geschichte, die mir vor wenigen Wochen in Zentralamerika widerfahren ist. In einem Seminar durfte ich eine Amerikanerin kennenlernen, Yen hieß sie, die mit chinesischen Eltern in China aufgewachsen ist. 14 Jahre lang, und in ihrer Kindheit gab es nur Rinder und Kuhmist auf den Straßen, ansonsten war es ein karges Leben ohne Bildung und Zukunft. Wie viele würden jetzt sagen: „Ja, wenn du da hineingeboren wirst, hast du eigentlich keine Chance.“
Yen ist jetzt 30 Jahre alt, sieht aus wie 19, eine sehr schlanke, kleine Frau mit der Lautstärke einer Primadonna in der Stimme, und sie ist Vice Principal, also Vizepräsidentin, an einer Highschool in New York – der Highschool mit dem höchsten Anteil an Migranten aus 30 verschiedenen Nationen mit der höchsten Abschlussquote genau dieser Migranten. In 15 Jahren vom absoluten Nichts und keinem Wort Englisch, ohne Hilfe der Eltern, ist sie dort hingekommen. Sie hat einfach keine Ausreden gesucht für ihre Situation, sondern Gründe für ihren Erfolg.

Ich wünsche uns allen ein gutes Leben mit einem besonders starken Immunsystem in dieser besonderen Zeit, um Börsencrashs, Viren und Katastrophenmeldungen gleichermaßen locker wegstecken zu können.

 

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