# 98 Die wichtigste Frage deines Lebens (Teil 2)

Podcast-Dauer: 31:53

Über zwei Superreiche, Potenziale und Hängematten

Das ist Teil II des Dezember-Podcasts und der letzte im Jahr 2023. In diesem will ich mit euch über die wichtigste Frage überhaupt in unserem Leben nachdenken. Alles, was wir denken, sagen und tun ist ein Ausdruck davon, wie wir diese Frage für uns beantworten. Daher ist es sehr zu empfehlen, für Investoren allemal, sich ab und zu bewusst mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Dass gilt für Superreiche natürlich genauso wie für jeden anderen auch, und im Rahmen der seit Monaten angekündigten Hängematten-Geschichte will ich heute kommentieren, wie zwei der einflussreichsten und deshalb auch reichsten Menschen auf der Erde diese Frage der Frage für sich beantworten.

Shownotes

Artikel WELT: Das neue Leben der Google-Genies

Artikel NZZ: Larry Page und Sergey Brin: Was ist das Erfolgsgeheimnis der Google-Gründer?

Der Wohlstandsbildner-Podcast – die Plattform für finanzielle Bildung und ein reiches Leben, in dem es um mehr Geld geht und noch so viel mehr.  

Der Hängematten-Irrglaube: Was zwei Superreiche mit ihrer Zeit anfangen

In Seminaren zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit gehört folgende Frage zum Standardrepertoire:

Angenommen, du hättest ein so hohes Vermögen, dass Geld keine Rolle mehr spielen müsste in deinem Leben – würdest du dann weiterhin die Arbeit tun, die du jetzt tust?

Egal, wie oft sie gestellt wird – diese Frage ist eine gute Frage. Denn sie deckt eine Menge Glaubenssätze auf rund im die Themen Arbeit und Geld, Leistung und Belohnung, Abhängigkeit und moderne Sklaverei, Selbstbestimmtheit und Freiheit.

Das ist ein Themenkomplex, der heftige Emotionen aufkommen lässt in vielen Menschen – sofern sie denn bereit sind, sich ihm wirklich ehrlich zu stellen. Denn er führt schonungslos direkt zur Frage aller Fragen, hinein ins Zentrum allein bewussten, menschlichen Seins, ins Heiligtum unserer Selbstvergewisserung. Und diese Frage lautet in drei Worten:

Wer bin ich?
Who am I?
Qui suis-je

Und wenn wir diese Frage auf die Arbeitssituation eines Menschen anwenden, tritt ein weit verbreitetes Phänomen zutage: Nimmst du jemandem seine Arbeit weg, nimmst du ihm einen großen Teil seiner Identität. Daher ist es für die meisten Arbeitslosen schwieriger, auf die Frage „Wer bin ich?“ eine Antwort zu finden als für die, die wissen, was sie jeden Tag zu tun haben.

Es ist generell ein heilsam aufdeckendes Verfahren, sich vorzustellen, dass einem das weggenommen wird, was man gewöhnt ist zu haben und zu sein; denn dann ist die Frage, was von der eigenen Persönlichkeit noch übrigbleibt. Beispiele dazu:

Die Aussage „Du bist deine Arbeit“, die trifft auf einen Großteil der Menschen zu, und das noch mehr, wenn sie mitten im Arbeitsleben stehen und ihren Job einigermaßen gernhaben. Nimm ihnen ihre Arbeit weg, dann wissen viele nicht, was sie mit den vielen Stunden am Tag auf Dauer anfangen sollen. Den mit der Arbeit fallen womöglich einige zentrale Seinsbedürfnisse weg, wie von sich sagen zu können „ich bin fleißig, unabhängig, wuppe mein eigenes Leben, trage etwas zur Gesellschaft bei, tue etwas Sinnvolles.“

Genauso verbreitet ist auch diese Identitätsverknüpfung: „Du bist deine Familie und deine Kinder.“ Das wissen in der traditionellen Familienstruktur vor allem Mütter spätestens dann, wenn ihre Kinder viel zu schnell groß und flügge geworden sind. Dann sitzen sie vor einem riesigen Persönlichkeitsvakuum und fragen sich: „Ok, das mit der Vollzeitmama hat sich erledigt. Was fange ich jetzt mit mir an?“ Die müssen sich dann regelrecht neu erfinden.

Oder: Während meines Lebens als Konzertmusiker hätte man mich in eine heftige Identitätskrise getrieben, wenn man mir mein Instrument weggenommen hätte. Denn ich war meine Kunst, mein unablässiges Üben, mein Konzertieren! Mir wäre es da wie Profifußballern gegangen: Hätte ich etwa wegen eines körperlichen Schadens meinen damaligen bisherigen Daseinszweck nicht mehr verfolgen können, hätte ich vermutliche lange Zeit mein Leben nicht geregelt bekommen. Dazu prägte die Aussage „ich bin Musiker“ viel zu sehr mein Denken und Handeln.  

Andere Beispiele, kleinere, aber auch wesentliche: Von einigen jungen Menschen, die noch vor der Entfaltung ihrer größten Potenziale stehen, lässt sich ohne Weiteres behaupten: „Du bist deine Frisur!“ Dass das stimmt, erkennt man daran, dass viele gerade junge Mädels lieber gar nicht das Haus verlassen als mit einem nicht perfekt gestylten Outfit. Da verschwindet ein großer Teil der Identität, wenn Fönwelle und Schminke nicht stimmen. Da will man lieber unsichtbar bleiben, weil man sich unsichtbar fühlt.

Oder jungen Männern, testosterongeladen und abenteuerlustig, lässt sich auf den Leib zusagen: „Du bist dein Sport und dein Fitnessstudio!“ Oder „Du bist deine Freundin und dein Sex!“

Und einer der größten identitätsstiftenden Faktoren in unserer westlichen Welt ist natürlich, und mit dem weiß auch wieder jeder, dass wir uns ja in einem Wohlstandsbildner-Podcast befinden. Das ist natürlich die Aussage:

Du bist dein Geld!

Vielen wäre diese Titulierung zu schnöde, aber Synonyme für Geld sind ganz oft: Karriere, Ehrgeiz, Konkurrenzkampf, Geiz und Sparsamkeit. Ich bewerte das übrigens alles nicht. Nichts ist verwerflich daran, sich irgendein Spielzeug im Sandkasten des Lebens auszusuchen, um damit leidenschaftlich Burgen oder Hörnchen zu formen, die einem Geld einbringen. Und hat sich die eigene Persönlichkeit genug selbst erfahren darin, wie es sich anfühlt, bestmöglich mit Burgen und Hörnchen zu sandeln, dann findet sich zur rechten Zeit eine neue Rolle, die den Satz „Ich bin…“ vervollständigt.

Doch genau darauf will ich hinaus: Die Tatsache, dass sich unsere identitätsstiftenden Inhalte im Leben auch ständig wandeln – diese Tatsache ist doch vielleicht ein Hinweis darauf, dass wir all das mit Familie, Geld, Beruf und Hobby usw. nicht wirklich sind, sondern dass das etwas ist, was wir vorübergehend haben, und zwar als Rolle, die uns für eine gewisse Zeit interessiert, erfüllt oder sogar glücklich macht. Womöglich geht es nur darum, Erfahrungen zu machen und zu spüren, wie es sich anfühlt, in den jeweiligen Rollen zu leben. Doch nichts davon ist ein Hinweis darauf, wer oder was wir wirklich sind.

Bleibt eine einzige Frage übrig: Was und wer sind wir dann wirklich, wenn wir wahrhaftig nackt dastehen stehen, nämlich ohne Rollen, Masken und Glaubenssätzen? Was bleibt von uns übrig, wenn wir nichts mehr haben – und zwar ganz zu Ende gedacht: wenn wir keinen Körper mehr haben und nicht einmal Gedanken über uns selbst.

Ist es dann vorbei, weil wie denken, nichts mehr zu sein? Wir verlöschen also und verschwinden wie eine Kerze, deren Wachs aufgebraucht ist? Ist es das, was du denkst?

Die Fragen darf sich jeder selbst beantworten, wenn er überhaupt will.

Ich persönlich denke, es bleibt nicht nichts übrig, wenn ich alles ablege, was man sich auf Erden so anzieht – und damit meine ich nicht nur einen Körper, sondern auch die eigenen Gedanken. Gedanken sind nur die Kleider des Geistes. Ein nackter Geist denkt nicht. Aber was bleibt dann?

Für mich ist die Frage alles andere als trivial oder spekulativ. Womöglich nähern wir uns mit ihr dem einzigen, das wirklich wesentlich ist in diesem Leben, weil es unser Wesen ist.

  • Musik –

Ich will das Wohlstandsbildner-Podcastjahr vergleichsweise einfach ausklingen lassen, und zwar mit der Hängemattengeschichte, die ich ja Monat für Monat verschoben habe, weil ich andere Themen dringender fand. Einfach ist diese Geschichte deshalb, weil sie einen Kerngedanken hat, den ich schon oft in den letzten Jahren habe anklingen lassen. Dabei geht es um folgenden Glaubenssatz:

Wer des Geldes wegen nicht mehr arbeiten muss, arbeitet gar nicht mehr, sondern macht Dauerurlaub, schnappt sich an einem Südseestrand seiner Wahl eine Hängematte und genießt das Leben.

Ich nenne diesen Glaubenssatz, dem kaum zu glauben enorm viele Menschen verfallen sind, den Hängemattenirrglauben. Für die, die dieser Podcastreihe erst kürzlich beigetreten sind und es nicht wie Christian aus Bayern gemacht haben, der sage und schreibe alle fast 100 Podcasts innerhalb von 2 Wochen angehört hat, denen erkläre ich nochmals meine Motivation, warum ich das Thema immer mal wieder erwähne:

Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, da verirrte sich jemand auf Facebook auf einem meiner Artikel, in dem es natürlich um finanzielle Bildung und Finanzseminare ging. Dieser Artikel hat den- oder diejenige, weiß ich gar nicht mehr genau, veranlasst, einen Kommentar zu hinterlassen mit der oft gesehenen Facebook-Einstellung à la „ich piss dir jetzt einfach mal ans Bein, weil ich mit meiner Zeit nichts Besseres anzustellen weiß“ und hat dann sowas geschrieben wie „Wenn was an deinem Gefasel von finanzieller Bildung dran wäre, dann hättest du es ja wohl nicht nötig Seminare zu verkaufen, sondern würdest in der Hängematte auf einer Insel dein Leben genießen. Ihr seid doch alles Betrüger.“

Mittlerweile bin ich echt dankbar für diesen Kommentar, denn er hat mir das Stichwort „Hängematte“ geliefert – die Hängematte als Sinnbild für finanzielle Freiheit! Ist doch eigentlich ein starkes Bild, mir gefällt es total!

Ja, mir gefällt das Bild, obwohl es nichts mit der Realität eines Investors oder mit mir zu tun hat. Daher hat mich auch diese Unterstellung nicht die Bohne getroffen, ich würde mit meinen Seminaren, mit meiner Strategie und mit meinen ziemlich realen Investments Leute über den Tisch ziehen – wie real sie denn wirklich sind, zeigte sich erst wieder vor einer Woche an einem Video, dass der Chefemittent persönlich gemacht hat, indem er die brandneu installierte Abfüllanlage vorgestellt hat mitsamt der Brunnen und weiterer Grundstücksbegehungen.

Wer hier also Betrug wittert, soll einfach hinfliegen und es sich selbst anschauen, was ja schon mittlerweile rund 100 Wohlstandsbildner gemacht haben. Nächstes Jahr dürfte viele dazukommen, aber davon mehr im Januar-Podcast 2024.

Warum rede ich heute also wieder drüber? Weil mich ein Artikel auf WELT online an diesen Facebook-Kommentar erinnert hat und eine Gelegenheit bietet, das Denken und Tun von zwei der reichsten Menschen des Planeten in den Fokus zu nehmen. Link zu dem Artikel siehe in den Shownotes, ist aber hinter der Bezahlschranke.

In dem Artikel geht es um das heutige Leben der Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin – das sind zwei Menschen, die 2022 durch den Aktienkurs von Alphabet zu den sog. Centimilliadären aufgeschlossen haben. Nach Börsenbewertung besitzen sie also mehr als 100 Milliarden Dollar.

Das ist ganz schön viel Geld und ein berechtigter Anlass zum Nachdenken für den, der darüber frei verfügen kann – und zwar zum Nachdenken darüber, was er denn mit so viel Geld anstellen will und mit so viel Freiheit, Möglichkeiten und Einfluss. Und die beiden bis heute recht jung gebliebenen Google-Gründer haben sich Gedanken gemacht, jeder auf seine Weise, im Ergebnis dann aber recht ähnlich.

Beide haben sich ja 2019 aus dem operativen Geschäft von Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, weitgehend herausgenommen. Typische Begründung, damit die Presse halt irgendwas schreiben kann, und genau das hat sie dann auch geschrieben und ich will genau das jetzt mal ein bisschen aufspießen, weil es so unsinnig und dümmlich ist: Brin und Page wollten sich jetzt mehr ums Elterndasein und die Familie kümmern.

Aha, jetzt wollen zwei Super-Milliardäre also nur noch Papa spielen, nachdem sie ihr Leben lang in einem der weltweit größten Hamsterräder herumgerannt sind. Von der die Welt bewegenden Vollaktivität direkt an den Esstisch, um hungrigen Kleinkindern das Lätzchen umzubinden – ist das plausibel? Sich so herauszunehmen aus der Welt ist doch gar nicht möglich bei solchen Vollblut-Unternehmern, die über Intelligenz, Geld und Kontakte verfügen – und von all dem wirklich reichlich.

Man muss sich ja vorstellen, wie sehr die Identität eines Menschen erfüllt und geprägt sein muss, wenn er etwas erfunden hat wie Google – etwas, dass die gesamte Welt und nahezu das Leben eines jeden Menschen derart beeinflusst und die Art, wie wir mittlerweile mit dem Internet umgehen? Kann so ein Mensch, der die Welt und das Leben von Milliarden verändert, kann der sich von heute auf morgen reduzieren auf das Dasein eines Papas, dem es allein um das Wohlsein geht von ein oder zwei in Windeln scheißenden Menschenwesen? Verzeihung, aber ich überzeichne bewusst ein wenig.

Das wäre, als würde der Mount Everest entscheiden: „Leute, ich war lange genug der höchste Berg der Welt. Ich finde Gefallen an der Idee, jetzt mal eine Weile Maulwurfshügel zu spielen. Ist sicher eine coole Erfahrung.“

Also, wie stellt sich das jetzt wirklich dar? Nochmal, diese Menschen sind extrem klug, haben extrem viel Kontakte und extrem viel Cash. So ein mächtiges Triumvirat – Klugheit, Kontakte, Cash – wirft nun ein viertes Element heraus, das viele Hängematten-Träumer nicht auf dem Schirm haben: und das sind Ideen! Extrem viele Ideen! Leute wie Brin und Page bekommen so viele Ideen, entweder selbst oder auf den Tisch gelegt, dass sie für viel Geld Ideenvorsortierer und -prüfer einstellen müssen! Die legen ihnen dann nur noch die Sachen vor, die am besten zu ihnen passen, ihnen also Spaß machen könnten, und in denen Potenzial steckt. Und jetzt nähern wir uns wieder dem Wesen von Menschen, also dem Wesentlichen:

Was ist ein gutes Synonym für „Potenzial“? Aufgabe. Jedes Potenzial ist eine Aufgabe, die einen auffordert, etwas aus diesem Potenzial zu machen. Es ist also eine Aufgabe, wie eine Hausaufgabe, die es in der einen oder anderen Weise zu erledigen und damit zu leben und zu erfahren gilt.

Beim Wort Potenzial erinnere ich mich immer an einen der Kernsätze meiner Ausbildung zum Reinkarnationstherapeuten. Ist schon sehr lange her, ein wirklich vergangenes Leben, aber der Satz hat sich mit Wucht bei mir eingebrannt. Deshalb habe ich ihn auch schon öfter hier in den Podcasts anklingen lassen. Der Satz lautet:

Jedes Potenzial, das du nicht lebst, wendet sich gegen dich.

Deshalb spreche ich von Aufgaben, denen wir nachgehen müssen. Wenn wir ihnen aus dem Weg gehen, werden wir erst sanft, dann immer nachdrücklicher daran erinnert, dass es sie gibt. Das äußert sich meiner Beobachtung nach am Anfang in Unzufriedenheit. Egal, was man als Aufschieberitis und Verdrängung alles machen könnte, am nächsten Tag ist sie wieder da, diese gärende, nervige Unzufriedenheit als unfehlbares Anzeichen dafür, dass wir nicht den Aufgaben folgen, die für uns wesentlich sind.

Es gibt Menschen, die halten es Jahrzehnte aus mit dieser Unzufriedenheit, selbst, wenn die sich irgendwann immer robuster bemerkbar macht und Symptome generiert wie: ständige Missgeschicke, die häufige Wahl des falschen Partners, Mobbing, Geldverluste, Krankheiten, vor allem chronische, Schlafstörungen, eine unerklärliche innere Unruhe, die auch durch Alkohol, Drogen oder Dauer-Fernsehen nicht betäubt werden kann.

Jedes nicht gelebte Potenzial ist wie ein Automotor, der hochtourig im Leerlauf seine Umdrehungen macht und dabei Lärm, Abgase und Wärme von sich gibt. Das alles zu ignorieren kostet viel Energie. Und klar, den Gang einlegen und losfahren, der Aufgabe gerecht werden, das kostet auch Energie, kostet Disziplin. Aber es macht eben auch glücklich. Beim Leerlauf kommst du nicht von der Stelle, und das frustriert.

Einige müssen erst auf dem Sterbebett liegen, um zu erkennen, dass sie womöglich vielen Fahrten in ihrem Leben aus dem Weg gegangen sind – Fahrten, die sie zu großartigen Zielen geführt hätten. Und dann sagen sie: Hätt ich mich doch bloß getraut, loszufahren, anstatt so viel Zeit mit Unwichtigem zu vergeuden.

Dazu passt ein Zitat von John Rohn, einem amerikanischen Unternehmer und Motivationstrainer:

„In life, we must all suffer one of two pains: The pain of discipline or the pain of regret. I am asking you: Choose wisely.“

„Im Leben müssen wir alle einen von zwei Schmerzen erleiden: Den Schmerz der Disziplin oder den Schmerz des Bedauerns. Ich empfehle dir: Wähle weise.”

Und nun zurück zu den Google-Gründern, die ihren Jahrhundert-Konzern verlassen haben mit der von Journalisten erfundenen Begründung, sie wollten mehr Zeit für die Familie haben: Papasein ist kein Potenzial. Das ist eine Rolle, mit der ich Potenziale ausleben kann, was aber auch ganz anders ginge, ohne Kinder. Noch mehr sind Frauen gefährdet zu denken, Mamasein wäre ein Potenzial. Und wenn sie dann Mama sein werden, haben sie ein erfülltes Leben.

Nein! Das Elterndasein selbst ist nur eine mögliche Strategie, um Potenziale leben zu können in der Erfahrung mit eigenen Kindern. Beispiele für Potenziale, die du als erziehendes Elternteil wahrlich brauchst, wären Empathie, Organisation, Kommunikation, Kreativität, Resilienz, Führung oder Selbstlosigkeit.

Das sind mächtige Potenziale, die man in der Erziehung der eigenen Kinder ganz vortrefflich üben und stärken kann. Aber kein Mensch muss dafür Papa oder Mama sein, um diese Potenziale zu verwirklichen. Im Gegenteil, ich sehe viel öfter, dass wegen Kindern die eigene Selbstverwirklichung leidet.

Für viele wäre es dann besser, die Selbstverwirklichung, hier meistens ein Synonym für Karriere, und Kind irgendwie in Einklang zu bringen. Sicher, dann bleibt weniger Zeit für volle Konzentration auf das Kind, aber so viel braucht ein Kind davon gar nicht. Es braucht vor allem glückliche, aktive, dabei in sich ruhende und ausgeglichene Eltern, weil die ihre Stärken leben können, und das können sie meistens im Beruf.

Kein Mensch braucht jedenfalls Kinder, um glücklich zu sein. Aber jeder braucht ein Tätigkeits-, ein Aufgabenfeld, in dem er seine Potenziale ausleben kann. Und nun stell dir vor, du wüsstest, welche Potenziale in dir schlummern und dir wäre klar, was deine Aufgaben sind, was du jeden Tag alles bewegen könntest – und angenommen, du hättest jetzt so viel Geld wie die Google-Jungs? Was würdest du jetzt machen?

Ab mit dir in die Hängematte und nebenher vielleicht gerade noch checken, wie viele Milliarden du wieder mehr hast mit steigenden Aktienkursen? Das wäre das Ticket für einen Flug mit Überschallgeschwindigkeit mitten hinein in eine Depression. Denn was ist eine Depression anderes als die größte Distanz zu den eigenen Fähigkeiten und nicht zu wissen, wer man ist?

Die Anhäufung von Geld jedenfalls ist oft ein Hinweis darauf, dass du deinen Potenzialen auf der Spur bist. Und je mehr Geld in dein Leben gespült wird, desto mehr ist Geld wiederum eine Aufforderung, die nächstgrößere Version innerhalb der größtmöglichen Vision von dir selbst zu verwirklichen. Es hört nie auf! Im Gegenteil: Mit Geld fängt es erst so richtig an. 

Geld, der kluge Umgang mit Fülle, ist nämlich ein Potenzial an sich. Es ruft seinem Besitzer zu: Nimm mich, mach was mit mir, vermehre mich. Wie im Gleichnis in der Bibel, die Geschichte mit den drei Söhnen und ihren Talenten – schöne Doppeldeutigkeit in diesem Zusammenhang: Ein Talent als Maßeinheit für eine Summe Geld. Und ein Talent als Ausdruck eines Potenzials. 

Also nochmal, immer wieder in anderen Worten: Hängematte ist für niemanden eine dauerhafte Option. Das macht man mal eine Woche, aber schon dann dürfte die Hängematte den allermeisten zum Hals raushängen, Rückenschmerzen inklusive. Das Leben ist da, um seinem eigenen Dasein einen Sinn zu geben. Und nichts belastet Seele, Geist und Körper derart wie der Mangel an Sinn für die eigene Existenz.

So geht es natürlich auch den Google-Gründern, und deshalb sind und bleiben sie Unternehmer: Larry Page, der eher introvertierte von den beiden, hat seit 2019 viele 100 Millionen Dollar in Firmen, Technologie und Umweltschutz gesteckt. Seine Steckenpferde sind fliegende Autos und Elektroflugzeuge; da will also jemand die Fliegerei voranbringen, was mir höchst sympathisch ist.

Und Sergey Brin, der Extrovertierte, hat mit etwas mehr Öffentlichkeitswirkung gleichfalls einen Haufen Unternehmungen angestoßen: Seine neuesten Projekte betreffen In-Vitro-Fleisch-Herstellung, Luftschiffe für Katastrophenfälle, Bergbau auf Asteroiden, aber auch bei Google mischt er wieder mit, auf Neue zusammen mit Larry Page: Sie sollen die KI-Abteilung nach vorne bringen, quasi nebenberuflich an dem big thing unserer Zeit arbeiten.

Nun, klar ist, einige ihrer Startups werden sehenden Auges den Bach runtergehen und Totalverlust erleiden, andere werden aufgehen; so ist das eben mit sog. Seed- und Frühphasen-Finanzierung. Aber genau diese Investoren braucht es in unserer von Rezession bedrohten Welt mehr denn je – Investoren, deren persönliches Auskommen längst nicht mehr zur Debatte steht und sie deshalb viel Geld in neue Ideen, Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze stecken können; denn das ist es, was die Welt lebendig hält.

Das ist auch ein Grund, warum ich so viel Zeit meines Lebens investiere in die Beobachtung von superreichen Menschen und Institutionen: nicht nur, weil es mir hilft, Trends zu erkennen und mein eigenes Investitionsverhalten feiner kalibrieren zu können; es inspiriert und freut mich einfach zu sehen, was mit Geld alles machbar und umsetzbar ist. Allein davon zu wissen, macht auch mich lebendiger.

Ich bin allen Superreichen dankbar für die Last der Verantwortung, die sie täglich mit so viel Geld schultern und dafür, wie sie mit ihren Ideen den Motor der Weltwirtschaft effektiver antreiben als – wahrlich, wahrlich – alle Politiker zusammen.

Viel Geld schafft viele Möglichkeiten und viel Einfluss auf das Leben vieler Menschen. Das ist es doch, was erfüllt; das ist das, was das Glücksgefühl nährt, am Leben zu sein und etwas bewegen zu können. Ob man das jetzt mit 100 Millionen macht oder mit ein paar Tausend Euro in einem kleineren Rahmen – alles erzielt eine Wirkung.

Und 27 Dollar generieren mitunter eine weit höhere Reichweite als Millionen. Das ist keine Behauptung, sondern eine bewiesene Geschichte. Obwohl diese Geschichte die meisten kennen dürften, ist sie es wert, immer wieder erzählt zu werden:

Wie Mikrokredite das Leben von Millionen transformierte

In den 1970er Jahren war Muhammad Yunus Wirtschaftsprofessor an einer Universität in Bangladesch. Während er versuchte, seinen Studenten etwas über Wirtschaft beizubringen, sah er, dass seine Theorien oft wenig mit der Realität der Menschen in Indien zu tun hatten, vor allem nicht mit der Realität der armen Menschen.

Eines Tages beschloss er deshalb, ein nahegelegenes Dorf zu besuchen, um das Armutsphänomen besser zu verstehen. Er fand heraus, dass viele Menschen aufgrund von extrem hohen Zinssätzen, die von Kredithaien verlangt wurden, in der Schuldenfalle steckten. Dabei war die Lösung recht einfach: Die Menschen benötigten oft nur kleine Geldmengen (weniger als einen Dollar), um Rohstoffe für ihre Handwerksprojekte zu kaufen, aber die Kredithaie nutzten ihre verzweifelte Lage aus.

Yunus war von dieser Entdeckung so bewegt, dass er beschloss, selbst eine Art Bankier zu werden. Er nahm $27 aus seiner eigenen Tasche in die Hand und verteilte Mikrokredite an 42 Handwerker. Die konnten den Kredit recht einfach und schnell zurückzahlen und dabei noch einen kleinen Gewinn erzielen, ohne in die Schuldenfalle zu geraten.

Als er gesehen hat, dass dieser Ansatz funktionieren könnte, gründete Yunus 1983 die Grameen Bank, die sich darauf spezialisiert hat, Mikrokredite an die Armen zu vergeben, insbesondere an Frauen; denn die wurden bis dahin aus dem traditionellen Bankensystem ausgeschlossen. Dabei waren es vor allem Frauen, die mit großem unternehmerischem Geschick und Verantwortungsgefühl dieses Projekt zu einem landesweiten Erfolg machten. Mit diesen Mikrokrediten konnten die Menschen jetzt kleine Unternehmen gründen und so ihre Lebensqualität verbessern und aus dem Teufelskreis der Armut ausbrechen.

Bis heute hat die Grameen Bank Millionen von Mikrokrediten vergeben und zahlreiche ähnliche Institutionen auf der ganzen Welt inspiriert. Dafür hat Muhammad Yunus 2006 dann auch den Friedensnobelpreis bekommen.

Damit verabschiedet sich der Wohlstandsbildner-Podcast von euch im Jahr 2023 und freut sich, wenn ihr wieder reinhört nächstes Jahr, wenn der Podcast pünktlich wie immer am ersten Samstag eines Monats erscheint um 06.00 Uhr morgens, 2024 also erstmalig am 06. Januar.

Dort gibt es dann meinen ganz persönlichen Ausblick auf das Jahr 2024 und meine Einschätzung, was wichtig, schwierig und lukrativ werden könnte.

Bin ich froh, dass diese Hängematten-Geschichte jetzt doch noch ihren Weg in die Akasha-Chronik der Wohlstandsbildner gefunden hat. Ich könnte sonst echt nicht mit ruhigem Gewissen unterm Weihnachtbaum sitzen und „Stille Nacht“ singen.

Doch genau das wünsche ich jetzt uns allen: eine fröhliche Adventszeit vollends und eine gesegnete Weihnacht, die vielleicht weniger von Erwartungen und mehr von Dankbarkeit erfüllt sein kann, worum es auch im nächsten Newsletter am 19. Dezember ein wenig geht.

Denn auch nur im Lichte einer Weihnachtsbaumkerze betrachtet, kann doch fast jeder oder sogar jeder von uns sagen: „Danke, dass es uns so gut geht und dass wir in einem Zeitalter leben dürfen, in dem wir nicht mehr ums Überleben kämpfen müssen, sondern in dem wir unsere Potenziale verwirklichen können.“

Euer Andreas, der Wohlstandsbildner. Denn Wohlstand ist nicht nur eine Frage des Kontostands, sondern auch der Kraft, mit seinen Talenten zu wuchern.

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